27. Februar 2008

Erntehelfer händeringend gesucht

Präsident des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauern spricht von verfahrener Situation

Bonn (agrar.de) – Viele Sonderkulturbetriebe werden auch in diesem Jahr Schwierigkeiten haben, Erntehelfer für die Saison 2008 zusammen zu bekommen.

Viele polnische Erntehelfer, die den Betrieben bislang zur Verfügung standen, kommen nicht mehr nach Deutschland. Darauf hat, wie der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) mitteilt, der Präsident des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauer, Christoph Nagelschmitz, in einem Interview mit der in Bonn erscheinenden Landwirtschaftlichen Zeitschrift Rheinland hingewiesen. Nach den Worten Nagelschmitz habe die Misere mehrere Gründe. Unter anderem nutzten viele polnische Saisonarbeitskräfte inzwischen die Möglichkeit zur langfristigen Beschäftigung in benachbarten EU-Ländern, wo zumindest auf dem Papier höhere Löhne gezahlt würden. Außerdem habe sich die wirtschaftliche Lage in Polen erheblich verbessert, so dass polnische Arbeitgeber ihre Mitarbeiter nicht mehr für eine Saisontätigkeit in Deutschland freistellten. Gleichzeitig würden inzwischen auch in Polen Löhne gezahlt, die vergleichbar mit der hiesigen Bezahlung für Erntehelfer sei. Da auch der polnische Zloty gegenüber dem Euro enorm an Wert gewonnen habe, bestehe für polnische Erntehelfer kein großer Anreiz mehr, eine Beschäftigung in Deutschland aufzunehmen, so Nagelschmitz.

Um den betroffenen Betrieben zu helfen, bemühe sich der Provinzialverband im Augenblick darum, eine Verlängerung der maximalen Beschäftigungsdauer einer einzelnen Saisonarbeitskraft zu erreichen, hob der Präsident hervor. So versuche man im Augenblick die Grenze, die momentan bei vier Monaten im Kalenderjahr liege, auf neun Monate zu verlängern. Dies gestalte sich allerdings sehr schwierig und stoße bei der Politik zurzeit auf wenig Bereitschaft.

„Auf der anderen Seite versuchen wir Vermittlungsabsprachen mit anderen Staaten außerhalb der EU zu erreichen, wie Moldawien, Weißrussland und der Ukraine“, sagte Nagelschmitz. Hiermit wolle man erreichen, dass langfristig wieder Arbeitskräftepotenzial für die Betriebe erschlossen werde. Denn die Staaten, die jetzt schon der EU angehörten, würden über kurz oder lang volle Freizügigkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt bekommen. „Dann ist davon auszugehen, dass die Personen, die aus den EU-Staaten nach Deutschland kommen, durchaus in anderen Branchen arbeiten, in denen zum Teil deutlich mehr gezahlt werden kann als in der Landwirtschaft“, befürchtete der Präsident.

Angesichts der derzeit sehr verfahrenen Situation empfehle der Provinzialverband den Betrieben, Arbeitskräfte über eine längerfristige Beschäftigung und über die Lohnhöhe an ihren Betrieb zu binden. Nagelschmitz: „Denn die Erfahrung zeigt, dass die Erntehelfer nicht mehr bereit sind, zu den derzeit geltenden Tariflöhnen, die ja im Interesse der Betriebe über Jahre konstant gehalten worden sind, hier nach Deutschland zu kommen.“

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