20. Dezember 2007

Österreich: Landwirtschaftliche Einkommen 2007 weiter gestiegen

Wien (agrar.de) – Das landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft ist laut ersten vorläufigen Berechnungen der Statistik Austria im Jahr 2007 in Österreich real um 4,9 Prozent gestiegen. Beachtliche wertmäßige Zuwächse waren in der pflanzlichen Produktion zu verzeichnen: Die Getreidepreise stiegen enorm an und erreichten Höchststände, die in Österreich zuletzt vor dem EU-Beitritt erzielt wurden. Auch die Erzeugerpreise für Ölsaaten, Eiweißpflanzen und Milch fielen erheblich höher aus als in den letzten Jahren.

Gleichzeitig nahmen jedoch auch die Produktionskosten weiter zu. Verstärkt betroffen davon waren die viehhaltenden Betriebe, die in der zweiten Jahreshälfte mit massiv gestiegenen Futtermittelpreisen konfrontierten wurden. Zu den Verlierern zählte dabei insbesondere die Schweinehaltung, wo die höheren Futterkosten mit rückläufigen Erlösen einhergingen. Die bei der Ermittlung des Einkommens berücksichtigten Förderungszahlungen lagen unter dem Vorjahresniveau. Der landwirtschaftliche Arbeitseinsatz war weiter rückläufig.

Im Detail ergibt sich die im Rahmen der ersten Vorausschätzung der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR) ermittelte Zunahme des landwirtschaftlichen Faktoreinkommens je Arbeitskraft aus folgenden Entwicklungen:

Der Produktionswert des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs erhöhte sich 2007 um 8,9 Prozent auf rd. 6,2 Mrd. Euro. Dieser Anstieg ist primär auf den deutlichen Zuwachs des Werts der pflanzlichen Erzeugung (+19,9 Prozent) zurückzuführen, der seinerseits zum Großteil aus den rasant gestiegenen Getreidepreisen resultiert. Erhebliche Preissteigerungen waren weiters bei Ölsaaten, Eiweißpflanzen sowie teilweise bei Obst zu verzeichnen. Bei Zuckerrüben waren die Erzeugerpreise hingegen im zweiten Jahr der Umsetzung der Zuckermarktreform weiter rückläufig, was durch entkoppelte Ausgleichszahlungen teilweise ausgeglichen wurde.

Die Ertragseinbußen, die in Ostösterreich infolge von Hitze und Trockenheit bei Getreide, Ölsaaten und Eiweißpflanzen zu verzeichnen waren, wurden damit mehr als kompensiert. Generell war bei den Feldfrüchten im Jahr 2007 ein deutliches West-Ost-Gefälle zu beobachten, wobei insbesondere beim Körnermais in den westlichen Bundesländern eine sehr gute Ernte eingebracht werden konnte. Im Gemüsebau und bei Zuckerrüben führten Flächenausweitungen zu höheren Produktionsvolumina. Die Weinerntemenge lag deutlich über dem niedrigen Vorjahresniveau. Niedriger als im Vorjahr fiel hingegen das Erzeugungsvolumen von Futterpflanzen (Feldfutterbau, Futterhackfrüchte, Wiesen und Weiden) aus.

Der Produktionswert von Nutz- und Schlachtvieh nahm 2007 geringfügig ab. In der Schweinehaltung stand eine Ausweitung des Erzeugungsvolumens einem deutlichen Rückgang der Erzeugerpreise gegenüber, in der Rinderhaltung stagnierten die Preise im Mittel aller Kategorien. Nur bei Geflügel wurde – nach den Einbußen des Jahres 2006 infolge der Vogelgrippe – 2007 das Produktionsvolumen bei gleichzeitig höheren Erzeugerpreisen ausgeweitet.

Bei tierischen Erzeugnissen (Milch, Eier, Honig) waren wertmäßige Zuwächse zu verzeichnen. Für Milch und Eier konnten zuletzt deutlich höhere Preise erzielt werden als im Vorjahr. Im Produktionswert von Milch tritt der höhere Milchpreis jedoch nur sehr abgeschwächt zu Tage, da 2007 die Milchprämie entkoppelt wurde und im Rahmen der LGR nicht mehr als Teil des Produktionswerts von Milch berücksichtigt wird.

Auf Grund der Entkoppelung der Milchprämie nahm die Bedeutung der produktspezifischen Förderungszahlungen („Gütersubventionen“) weiter ab. Mehr als 90 Prozent der im Rahmen der LGR bei der Berechnung des landwirtschaftlichen Faktoreinkommens berücksichtigten Förderungszahlungen an die Landwirtschaft entfielen 2007 auf die Kategorie der „sonstigen

Subventionen“. Zu diesen zählen u. a. die Betriebsprämie, das Österreichische Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL) sowie die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete. 2007 verringerten sich die sonstigen Subventionen um 1,7%, wobei einer Aufstockung der Betriebprämie Kürzungen beim ÖPUL gegenüberstanden. In Summe verringerten sich die in die Ermittlung des Einkommens einbezogenen Förderungszahlungen (Gütersubventionen und sonstige Subventionen) um 6,3 Prozent.

Die Aufwendungen der Landwirtschaft für Vorleistungen erhöhten sich lt. ersten Schätzungen im Vorjahresvergleich um 9,3 Prozent. Dabei schlugen insbesondere die stark gestiegenen Futtermittelpreise zu Buche. Die Abschreibungen für das Anlagevermögen erhöhten sich um 2,6 Prozent.

Aus den genannten Entwicklungen der Einzelposten der LGR resultierte ein Anstieg des landwirtschaftlichen Faktoreinkommens um 5,9 Prozent. Da der landwirtschaftliche Arbeitseinsatz 2007 weiter rückläufig war (–1,2 Prozent), ergibt sich je Arbeitskraft ein höherer Einkommensanstieg (+7,3 Prozent). Real entspricht dies einem Zuwachs um 4,9 Prozent.

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