16. November 2007

Bauernverband zum Bericht des EU-Rechungshofes

Themen: Agrarstruktur,EU,GAP,Verbände — info @ 15:11

Berlin (agrar.de) – Der Deutsche Bauernverband (DBV) kann in den Ergebnissen des Jahresberichtes des Europäischen Rechnungshofes 2006 keine milliardenschwere Verschwendung von EU-Agrarbeihilfen erkennen, wie verschiedene Medienberichte nahe legen. So traten die meisten Fehler bei den EU-Strukturhilfen auf, die nicht dem strengen InVeKoS-Agrar­kontrollsystem unterliegen.

Für den Bereich der Direktzahlungen der Ersten Säule an die Landwirte wurde vom Euro­päischen Rechnungshof eine normgerechte Verwendung attestiert, da festgestellte Abweichungen deutlich unter der Wesentlichkeitsschwelle von 2 Prozent lagen. In Deutschland lag dieser Fehlerwert bei 0,6 Prozent. Weiterhin stellte der Europäische Rechnungshof fest, dass die Maßnahmen zur Vereinfachung der Antrags- und Aus­zahlungsverfahren eine positive Wirkung entfalten. Die Kritik des EU-Rechnungshofes, wonach seit der Agrarreform 2005 vermehrt EU-Agrarbeihilfen an Nichtlandwirte gewährt werden, teilt der DBV ausdrücklich.

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Jahresbericht des Europäischen Rechnungshofs 2006

Der Jahresbericht des Europäischen Rechnungshofs 2006 zeigt – vor allem bei den Agrarausgaben – einige Verbesserungen auf, doch sind nach wie vor beim überwiegenden Teil der EU-Ausgaben Recht- und Ordnungsmäßigkeitsfehler festzustellen, die auf Mängel in den internen Kontrollsystemen bei der Kommission und in den Mitgliedstaaten zurückzuführen sind

Luxemburg (agrar.de) – Der Jahresbericht des Europäischen Rechnungshofs 2006 zeigt – vor allem bei den Agrarausgaben – einige Verbesserungen auf, doch sind nach wie vor beim überwiegenden Teil der EU-Ausgaben Recht- und Ordnungsmäßigkeitsfehler festzustellen, die auf Mängel in den internen Kontrollsystemen bei der Kommission und in den Mitgliedstaaten zurückzuführen sind.

Die Kommission hat beträchtliche Anstrengungen unternommen, um die Schwachstellen beim Risikomanagement für die EU-Finanzen zu beseitigen. Einige Änderungen machen sich bereits positiv bemerkbar, etwa in Form eines deutlichen Rückgangs der vom Hof geschätzten Gesamtfehlerquote bei den Vorgängen im Agrarbereich, die allerdings noch knapp über der Wesentlichkeitsschwelle liegt. Diese positive Entwicklung bestätigt die Wirksamkeit des Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystems (InVeKoS) und der Maßnahmen zur Vereinfachung der Antrags- und Auszahlungsverfahren im Rahmen der neu eingeführten Betriebsprämienregelung.
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15. November 2007

DBV: Bodenschutz-Richtlinie wird bürokratische Lawine auslösen

Massive Kritik des DBV am Abstimmungsergebnis des EU-Parlaments

Berlin (agrar.de) – Das Plenum des Europäischen Parlaments hat in erster Lesung an der umstrittenen Bodenschutzrichtlinie festgehalten und diese auf Vorschlag des Umweltausschusses sogar noch weiter verschärft. Hiermit setzt sich das Europaparlament für die Schaffung eines bürokratischen Monstrums ein, ohne dem Bodenschutz zu dienen, kritisierte der Deutsche Bauernverband (DBV) die gestrige Entscheidung.

Obwohl es keinen Bedarf für ein europäisches Handeln beim Bodenschutz gebe und es im Sinne der Subsidiarität vielmehr den Mitgliedstaaten überlassen bleiben sollte, den Schutz der Böden sicherzustellen, habe das Europäische Parlament an dem Richtlinienvorschlag der Kommission festgehalten, für den es keine Rechtsgrundlage gebe. Die Tatsache, dass ein Drittel der Europaabgeordneten für eine vollständige Ablehnung der Richtlinie votiert habe, belege die ablehnende Haltung gegenüber der Richtlinie, erklärte der DBV.

Obwohl der Bodenschutz bereits in vielen europäischen Richtlinien und über Cross Compliance geregelt sei, habe sich das Europäische Parlament gegen eine klare Abgrenzung zu vorhandenen Regelungen ausgesprochen und leiste hiermit Doppelregelungen Vorschub. Der DBV kritisierte, dass anstelle von Rechtsklarheit und Rechtssicherheit nun ‚Rechtswirrwarr‘ durch fehlende Abgrenzungen zu bestehenden Rechtsvorschriften entstehen werde.

Die Zustimmung und Verschärfung des Vorschlags der Kommission zur Ausweisung von ‚prioritären Gebieten‘ für 10 unterschiedliche Bodengefährdungen öffnet nach Auffassung des DBV einer Flut von zusätzlicher Bürokratie Tür und Tor. Vor allem missachte diese Regelung, dass unter anderem in Deutschland bereits umfangreiche und vor allem flächendeckende Regelungen zum Bodenschutz bestehen. Anders als von einigen Verfechtern der Bodenschutz-Richtlinie behauptet, könne Deutschland mit seiner Bodenschutzpolitik – die als vorbildlich für Europa bezeichnet wurde – nicht fortfahren. Stattdessen müssten umfangreiche neue und bürokratische Regelungen umgesetzt werden, sollten die Regelungen Gesetzeskraft erlangen.

Der DBV fordert den Umweltministerrat nachdrücklich auf, die Bodenschutzrichtlinie abzulehnen oder zumindest auf ein verhältnismäßiges und praxisorientiertes Maß zu beschränken. Es müsse verhindert werden, dass die umfangreichen Bemühungen zum Schutz der Böden in Deutschland in Frage gestellt, die erreichten Erfolge ignoriert sowie neue Bürokratie geschaffen werde, forderte der DBV.

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Schweineschlachtungen in Brandenburg um ein Drittel gestiegen

Potsdam (agrar.de) – In den ersten neun Monaten des Jahres 2007 wurden mit 1.287.622 Tieren insgesamt ein Drittel mehr Schweine als im Vorjahreszeitraum geschlachtet. Die Zahl der Schlachtungen von Schweinen ausländischer Herkunft stieg auf das Zweieinhalbfache (130.253.Tiere).

Nach Informationen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg verringerte sich die Zahl der insgesamt geschlachteten Rinder (ohne Kälber) in den ersten drei Quartalen des Jahres 2007 um 50 Prozent auf 24.984 Rinder (ohne Kälber). Mit bisher 49.584 geschlachteten Schafen gab es bei dieser Tierart kaum Veränderungen zum Vorjahreszeitraum 2006.

Aufgrund der geringeren Schlachtzahl ergab sich eine deutliche Reduzierung der Schlachtmenge für gewerbliche Schlachtungen bei Rindern. In den ersten neun Monaten kam es bei der Rinderschlachtmenge zu einem Rückgang um 54 Prozent auf 7.103 Tonnen. Im Vergleichszeitraum 2006 waren es 15.479 Tonnen.

Entsprechend der Zunahme bei den Schweineschlachtungen ist auch die Schlachtmenge für gewerbliche Schlachtungen bei den Schweinen gestiegen. Sie betrug in den ersten drei Quartalen 115.764 Tonnen (Vergleichszeitraum 2006: 86.023 Tonnen). Der Schweinefleischanteil an der gewerblichen Fleischproduktion (ohne Geflügelfleisch) belief sich in der ersten neun Monaten des Jahres 2007 auf 93,3 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es 84,0 Prozent. Der Rindfleischanteil verringerte sich von 15,1 auf 5,7 Prozent.

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Auktionsergebnisse Internet Schweinebörse

Themen: Handel,Schweine,Statistik,Wirtschaft — info @ 11:11

Damme (agrar.de) – Bei der Auktion der Internet Schweinebörse wurden von insgesamt 980 angebotenen Schweinen alle Schweine in 6 Partien zu einem Durchschnittspreis von 1,36 Euro/kg SG in einer Spanne von 1,34 Euro bis 1,36 Euro verkauft.

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Landwirte düngten erneut sparsam

Themen: Düngung,Pflanzen,Statistik,Verbände — info @ 10:11

Weniger Mineraldünger je Hektar – Sparsamkeit kann Bodenfruchtbarkeit gefährden

Hannover (agrar.de) – Das Wetter hat dem Düngemittelabsatz wieder seinen Stempel aufgedrückt. Die Landwirte haben ihre Nachfrage vor allem nach Stickstoff, aber auch Phosphat im Wirtschaftsjahr 2006/07 (1.7. bis 30.6.) zum Teil deutlich eingeschränkt, zitiert der Landvolk-Pressedienst Zahlen des statistischen Bundesamtes. Besonders sparsam waren die Landwirte beim Stickstoff: Der mittlere Düngeaufwand je Hektar (ha) landwirtschaftlich genutzter Fläche einschließlich Brache ging von 105,3 kg im Wirtschaftsjahr 2005/06 auf nur 94,3 kg zurück, das waren rund zehn Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der Einsatz von Phosphatdüngern sank gegenüber dem vorigen Wirtschaftsjahr um weitere 3,4 Prozent auf nur noch 15,6 kg Phosphat und damit auf das niedrigste Niveau seit 1950.

Dagegen setzten die Landwirte kalihaltige Düngemittel wieder etwas häufiger ein, die Aufwandmenge je Hektar nahm leicht um knapp vier Prozent auf 26,1 kg zu. Beim Grunddünger Kalk griffen die Landwirte noch häufiger zu, der durchschnittliche Kalkeinsatz je ha stieg um 15,6 Prozent auf 122,5 kg.

Generell passen die Landwirte heute die Art und Menge des eingesetzten Düngers gezielt an den Bedarf der Pflanzen in Abhängigkeit vom Bodenvorrat an. Moderne Verfahren ermöglichen es dabei, die Zufuhr mineralischer Düngemittel gezielt zu steuern, um sowohl die Umwelt als auch den eigenen Geldbeutel zu schonen. Zusätzlich berücksichtigen die Landwirte die Nährstoffe aus organischen Düngern, wie Stallmist und Gülle, bei der Bedarfsermittlung der Pflanzen stärker als früher. Häufig ist jedoch die Witterung entscheidend. So wurden im vergangenen Wirtschaftsjahr die natürlichen Stickstoffvorräte im Boden durch nur wenige Frosttage und die regelmäßige Durchfeuchtung der Böden im Frühjahr mobilisiert. Die darauffolgende Trockenheit im April führte dann dazu, dass die Landwirte mit der normalen Düngung aussetzten.

Gleichwohl ist das Sparpotenzial beim Stickstoff als ‚Hauptwachstumsmotor‘ nur gering, denn eine Unterversorgung der Pflanzen schlägt sich sofort in Mindererträgen nieder. Bei Kali und Phosphat werden knappere Düngergaben dagegen nicht sofort sichtbar, auch können die Pflanzen bei diesen Nährstoffen im Gegensatz zum Stickstoff lange vom Abbau der Bodenvorräte zehren. Fachleute warnen aber davor, auf ohnehin knapp versorgten Böden die Vorräte durch zu geringe Düngergaben weiter zu strapazieren. Mit besonderer Sorge sehen die Berater daher die Verminderung der Phosphatdüngung, die im vergangenen Jahr auf das niedrigste Niveau seit 1950 gefallen ist. Die zu sparsame Düngung entspricht nicht mehr der guten fachlichen Praxis, da sie die Bodenfruchtbarkeit gefährdet. Dagegen wird die steigende Ausbringung von Kalkdüngern als positiv gewertet, da diese insbesondere den Säuregehalt des Bodens regulieren und damit einen höheren Nährstoffaustrag verhinderm können.

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14. November 2007

Rasanter Strukturwandel in der Mühlenbranche

Bonn (agrar.de) – Mit der Vermahlung von rund 7,8 Mio. t Brotgetreide sind die Müllereien ein wichtiger Partner der Landwirtschaft. Wie der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) dazu mitteilt, werde ein Drittel der Weizenernte und ein Viertel der Roggenernte von Deutschen Mühlen zu Mehl veredelt. Der Umsatz der Mühlen liege bei etwa 1,5 Mrd. Euro, einschließlich der Nebenbetriebe bei 2,2 Mrd. Euro.

Nur 5 Prozent der Mahlerzeugnisse werden nach RLV-Angaben an den privaten Endverbraucher abgesetzt. 90 Prozent des Inlandabsatzes deutscher Mühlen gingen an Backbetriebe, die restlichen 5 Prozent an Stärke- und Teigwarenhersteller. Die Konzentration auf der Abnehmerseite, insbesondere bei der Brotindustrie und im Lebensmitteleinzelhandel, habe die Mühlenbranche in den letzten Jahren unter einen erheblichen Wettbewerbsdruck gesetzt, hebt der RLV hervor.

Die jetzige Struktur der deutschen Mühlenwirtschaft sei das Ergebnis einer jahrzehntelangen Verdrängung. Habe es 1950/51 in Deutschland noch 18.935 Mühlen gegeben, seien es heute noch rund 700 Mühlen, von denen 333 Mühlen mindestens 500 t vermahlen. 61 große Mühlen mit einer Jahresvermahlung von 25.000 t und mehr hätten einen Anteil an der Gesamtvermarktung von 81,3 Prozent. 272 mit einer Jahresvermahlung zwischen 500 und 25.000 t besäßen einen Marktanteil von 14,4 Prozent.

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Verbände: Äußerst ärgerliche Veröffentlichung

Bonn/Münster (agrar.de) – Die vom Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNLV) nach einer Klage und einem Gerichtsurteil freigegebenen Informationen über Transferzahlungen an 100 Berechtigte haben in der landwirtschaftlichen Praxis zu größter Verärgerung geführt. Das haben die Präsidenten des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) und des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Friedhelm Decker und Franz-Josef Möllers, an Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Eckhart Uhlenberg geschrieben. Wie die Präsidenten deutlich machen, sei es nach der Lektüre des Verwaltungsgerichtsurteils vom 24. August 2007 nicht nachvollziehbar, warum das MUNLV personenbezogene Daten von landwirtschaftlichen Unternehmen der Klägerin zur Verfügung gestellt habe. Das Informationsfreiheitsgesetz NRW schließe es aus, Einzelangaben über persönliche und sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person bekannt zu geben.

Decker und Möllers kritisieren, dass die vom MUNLV zur Verfügung gestellte Liste nicht nur juristische Personen (bei denen eine Veröffentlichungspflicht besteht), sondern auch Landwirte aufliste, die mit ihrem persönlichen Vor- und Nachnamen als Gesellschafter bürgerlichen Rechtes (GbR) ausgewiesen sind. Anhand dieser unverwechselbaren Einzelangaben würden personenbezogene Daten offengelegt.

Man habe daher durchaus Verständnis, schreiben Decker und Möllers, dass insoweit betroffene Verbandsmitglieder die Weitergabe ihrer Daten als Rechtsverstoß anprangerten. Bei diesen über die Medien in die Öffentlichkeit gebrachten Berufskollegen bestehe die verständliche Besorgnis, zum Gegenstand einer Neiddiskussion gemacht zu werden, mittels derer die Direktzahlungen der EU zu Fall gebracht werden sollten.

Die Präsidenten bestätigen dem Minister, dass er stets konsequent und nachdrücklich für die Direktzahlungen eingetreten sei. Umso mehr sei man enttäuscht, dass das MUNLV – wie es scheine – ohne Not Daten herausgegeben habe, die jetzt Grundlage einer Kampagne seien. Die landwirtschaftlichen Unternehmer erwarteten daher zu Recht, dass ihre Daten künftig niemanden mehr zugänglich gemacht würden. Wenn damit auch der eingetretene Schaden nicht beseitigt werden könne, so müsse dennoch alles daran gesetzt werden, dass dieser nicht vergrößert werde, betonen Decker und Möllers. Die Präsidenten bedauern den Vorgang und die auf dieser Grundlage entfachten Kampagnen durch Greenpeace und Stern in höchstem Maße. Sie fordern den Minister auf, dies zum Anlass zu nehmen, Überlegungen und Vorschläge im Hinblick auf die Umsetzung der EU-Vorgaben zur Transparenz von Agrarzahlungen in nationales Recht zu geben.

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12. November 2007

EU-Bürokratie kontra nachhaltige Waldwirtschaft

Stuttgart (agrar.de) – ‚Gerade in Zeiten des Klimawandels müssen wir unsere Wälder weiterentwickeln, um sie zu erhalten. Mit dem engen Korsett der FFH-Schutzgebiete können wir das vergessen!‘ fasste Johannes Freiherr von Bodman seine Sorgen hinsichtlich der Zukunft der Waldwirtschaft zusammen. Aktuell werden die von der EU vorgeschriebenen Schutzgebiete der FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat) in Baden-Württemberg umgesetzt.

Auf Einladung der Forstkammer Baden-Württemberg sind am Montag, 12. November 2007 Journalisten, Politiker und Förster in den Bodman’schen Wäldern am Bodensee zusammengekommen, um beispielhaft die konkreten Folgen der Restriktionen zu diskutieren. Der Bodman’sche Familienbetrieb ist besonders betroffen: fast 100 Prozent der Waldflächen wurden als FFH-Gebiete nach Brüssel gemeldet.

‚Nach Vorstellung der EU soll in diesen Gebieten der aktuelle Zustand auf ewig erhalten bleiben. Das ist sozusagen flächiger Denkmalschutz im Wald. Im Gegensatz zu alten Gebäuden sind Wälder aber lebendige, dynamische Systeme. Hier jegliche Veränderung auszuklammern ist widernatürlich. Zumal es nicht um einzelne Bäume geht: 265.500 Hektar im Wald, das heißt rund ein Fünftel der Waldfläche in unserem Land sind betroffen,‘ erläuterte Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg. ‚Für die Waldbesitzer sind das, neben der im Vergleich zu anderen Besitzarten deutlich höheren Sozialpflichtigkeit (z. B. freies Betretungsrecht), zusätzliche erhebliche Einschränkungen und Kosten!‘ Sie könnten zum Beispiel nicht mehr frei darüber entscheiden, welche Baumarten sie anpflanzen. Über Generationen gepflegte Bäume dürften nicht mehr genutzt werden, sondern würden zu ‚Totholz‘ werden. ‚Dabei ist es den Waldbesitzern und ihrer Jahrhunderte langen Bewirtschaftung zu verdanken, wie die Wälder heute aussehen,‘ so Hilt.

‚Ich kann solche Befürchtungen durchaus nachvollziehen‘ sagte Frau Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, MdL, vom Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Zwar müsse und werde man in Baden-Württemberg das FFH-Schutzgebietsnetz umsetzen. ‚Mit dem neu konzipierten Förderprogramm ‚Umweltzulage Wald‘ können wir aber einige Ertragseinbußen ausgleichen. Außerdem soll ein Ver-tragsnaturschutzprogramm im Wald aufgestellt werden, um weitere, betriebsindividuelle Belastungen abzugelten.‘

Nach Meinung der Waldbesitzer ist das allerdings nur eine Notlösung. ‚Unser Ziel ist es, unser Einkommen selbst im Wald zu erwirtschaften – naturnah und nachhaltig,‘ so Freiherr von Bodman. ‚Sofern wir die erheblichen Einschränkungen nicht doch noch abwenden können, und diese auf öffentliche Flächen verlagert werden, sind wir aber zukünftig auf öffentliche Mittel angewiesen.‘

‚Die Lösung kann nur eine Korrektur der FFH-Richtlinie sein’“ fordert Hilt. ‚Die dort enthaltenen Naturschutzkonzepte stammen noch aus den späten 80er Jahren. Mittlerweile hat sich unser Verständnis der ökologischen Prozesse weiterentwickelt. Wir sollten nicht das Geld von morgen für Ideen von gestern ausgeben!‘

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Links zum Thema Wald und Forst.

Neue Studie warnt vor Abnahme der Vogelbestände in Deutschland

Bestände von Haussperling und Feldlerche gehen zurück

Bonn (agrar.de) – Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Dr. Beate Jessel, hat heute zusammen mit Vertretern des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) und der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG-VSW) einen neuen Statusbericht über Bestand und Entwicklung der Vogelwelt in Deutschland vorgestellt.

‚Viele der Ergebnisse lassen aufhorchen, selbst häufige Vogelarten wie der Haussperling sind auf dem Rückzug. Von den 64 untersuchten häufigen Brutvogelarten sind 23 Arten (36 Prozent), in ihren Beständen rückläufig‘, sagte Beate Jessel. Die vom DDA, dem BfN und der LAG-VSW gemeinsam herausgegebene Studie gibt einen aktuellen Überblick über den Zustand der Brutvogelarten Deutschlands sowie der im Winterhalbjahr hier in großer Zahl rastenden Wasservögel. ‚Die Beobachtungsergebnisse sind hier erstmals in einer komprimierten Form so aufbereitet und dargestellt, dass die Naturschutzpolitik und die Öffentlichkeit damit gezielt informiert werden können‘, ergänzte der Vorsitzende des DDA, Stefan Fischer.

Die Studie belegt den anhaltenden Rückgang von Arten, die auf Äckern und Wiesen am Boden brüten. Feldlerche, Brachvogel und Kiebitz sind durch intensive Landwirtschaft, Verlust von naturnahen Feuchtwiesen und die Umwandlung von Brachflächen in Energieäcker bedroht. Der Gesang der Feldlerche wird nur dann auch den kommenden Generationen den Frühling ankündigen, wenn es gelingt, die EU-Agrarpolitik auf eine nachhaltige Grundlage zu stellen. Positive Bestandesentwicklungen zeigen sich bei solchen Vogelarten, für die es spezielle Schutzmaßnahmen gibt. Dazu sagte Heinrich Schöpf, Geschäftsführer der LAG-VSW: ‚Kranich, Wiesenweihe und Schwarzstorch geht es heute in Deutschland wieder deutlich besser, als noch in den letzten Jahrzehnten. Dies zeigt, dass bedrohte Vogelarten von staatlichen und ehrenamtlichen Hilfen profitieren können, Naturschutz also Wirkung zeigt.‘

Aus der Studie geht auch hervor, dass der Klimawandel bereits seine Spuren in der Vogelwelt zeigt: Die Anzahl in Deutschland rastender Enten hat zugenommen, da einige Arten ihre Überwinterungsgebiete aufgrund milder Winter nach Mitteleuropa verlagert haben. Die meisten Langstreckenzieher leiden während des Vogelzuges und in den afrikanischen Überwinterungs­gebieten unter dramatischen Veränderungen der Landschaft: Dürren, Überweidung, Entwaldung und die Ausdehnung von Wüstengebieten führen dazu, dass bei uns brütende Arten wie Baumpieper, Waldlaubsänger und Trauerschnäpper seltener werden.

Abschließend würdigte die BfN-Präsidentin die an dem Monitoring beteiligten Menschen: ‚An der Erfassung der Daten waren über 5.000 ehrenamtliche Vogelfreunde beteiligt. Für die vielen in der Freizeit erbrachten Arbeitsstunden möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Durch die gute Zusammenarbeit von Verbänden und Behörden wurde dieser Bericht erst möglich.‘

Hintergrund

In einem vom BfN mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geförderten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben hat der DDA gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland und der Deutschen Ornithologen-Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit den Fachbehörden und -verbänden des Bundes und der Länder das bundesweite Vogelmonitoring reorganisiert, um die ehrenamtlichen Erhebungen zu verbessern und die Ergebnisse für aktuelle Problemfelder des Naturschutzes zu nutzen.

Die heute vorgestellte Studie ‚Vögel in Deutschland 2007‘ fasst die aktuelle Lage der Vögel in Deutschland zusammen. Zukünftig soll einmal jährlich ein aktualisierter Statusbericht über die wesentlichen Ergebnisse des Monitorings veröffentlicht werden. Unter Monitoring wird hier die wiederholte, standardisierte und zielgerichtete Erhebung von Daten für Naturschutzzwecke verstanden.

Links zum Thema Landschaft und Natur.

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