20. November 2007

AbL zu Reform-Vorschlägen der EU-Kommission

Themen: EU,Förderung,GAP,Verbände — info @ 14:11

Ohne Staffelung verzerren EU-Gelder den Wettbewerb – Wer Staffelung ablehnt, provoziert lineare Kürzung und lässt bäuerliche Betriebe die Zeche zahlen

Hamm (agrar.de) – Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßt den Vorschlag der EU-Kommission, die Direktzahlungen zu staffeln.

‚Mit steigender Betriebsgröße sinken die Produktionskosten. Die zu erzielenden Marktpreise berücksichtigen das nicht. Wenn aber die steuerfinanzierten Direktzahlungen diese Kosten-Degression nicht beachten, kommt es bei flächenstarken rationalisierten Betrieben zu Übersubventionierungen auf Kosten der Steuerzahler. Auf dem Markt – unter anderem dem Bodenmarkt – agieren diese Betriebe dann gegen die bäuerlichen Betriebe. So bewirken ungestaffelte Zahlungen eine massive Wettbewerbsverzerrung zulasten der bäuerlichen Betriebe‘, kritisiert der AbL-Vorsitzende Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf die bisherige Zuteilung der EU-Gelder.
(more…)

EU-Agrarzahlungen: Spitzenempfänger in Brandenburg veröffentlicht

Berlin/Hamm (agrar.de) – Seit heute sind die 100 größten Empfänger von EU-Agrarsubventionen im Land Brandenburg mit Namen und jeweiligen Gesamtzahlungen bekannt. Die Initiative für Transparenz bei EU-Agrarsubventionen setzte die Liste, die sie vom Land Brandenburg für das Haushaltsjahr 2005 erhalten hat, ins Internet. Nach Nordrhein-Westfalen ist Brandenburg damit das zweite Bundesland, für das der Einstieg in die Offenlegung der Zahlungsempfänger geschafft ist.

Die Brandenburger Liste zeigt, dass einige Betriebe jährlich Beträge in Millionenhöhe erhalten und damit einen Großteil der EU-Agrargelder erhalten, die nach Brandenburg gehen. Der größte Zahlungsempfänger waren im Jahr 2005 die Berliner Stadtgüter mit über 4 Mio. Euro (4.082.362,48 Euro). Die Stadtgüter (über 13.300 Hektar) sind von der Stadt Berlin mittlerweile verkauft und dabei aufgeteilt worden. Der zweitgrößte Empfänger des Jahres
2005 ist die Landwirtschaft Golzow Betriebs GmbH im Oderbruch mit über 2,2 Mio. Euro. Dieses Unternehmen bewirtschaftet in Deutschland rund 7.000 Hektar. Insgesamt kommen in Brandenburg 22 Unternehmen auf Zahlungsbeträge von über einer Million Euro im Jahr.
(more…)

NABU: Seehofer darf EU-Agrarreform nicht noch weiter verwässern

Themen: EU,Förderung,GAP,Verbände — info @ 12:11

Berlin (agrar.de) – Anlässlich des heute veröffentlichten Vorschlags der Europäischen Kommission zur Weiterentwicklung der EU-Agrarpolitik hat der NABU an Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer appelliert, die Initiative der EU als Chance für den ländlichen Raum konstruktiv zu nutzen. ‚Die unselige Koalition aus Besitzstandswahrern in Politik und Bauernverband schadet massiv dem Umwelt- und Naturschutz und gefährdet die gesellschaftliche Akzeptanz der Landwirtschaft‘, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Die EU-Kommission schlägt in ihrem Papier vor, die Umschichtung der Agrarzahlungen in die ländliche Entwicklung ab dem Jahr 2010 jährlich um zwei Prozent zu erhöhen, um damit zusätzliche Aufgaben des Natur- und Klimaschutzes im ländlichen Raum zu bewältigen. Dieser Vorschlag ist bereits im Vorfeld auf massiven Widerstand bei Seehofer und seinen Kollegen in den Bundesländern gestoßen. Tschimpke: ‚Wer jetzt die Chance für eine nachhaltige ländliche Entwicklung nicht nutzt, der sägt an dem Ast, auf dem er sitzt.‘

Nach Auffassung des NABU gibt es keine Alternative zu einer grundlegenden Reform der Agrarpolitik. Angesichts der deutlich gestiegenen Preise für Agrarrohstoffe sei die bisherige Begründung für die milliardenschweren Ausgleichszahlungen aus Brüssel obsolet.
Ferner habe die Abschaffung der Flächenstilllegung sowie die zunehmende Flächenkonkurrenz zwischen Energie- und Lebensmittelerzeugung eine erhebliche Nutzungsintensivierung zur Folge. Vor diesem Hintergrund sei es von entscheidender Bedeutung, die ländliche Entwicklung mit effizienten und finanzstarken Agrarumweltprogrammen auszustatten und alle Direktzahlungen an anspruchsvolle Umweltstandards zu koppeln.

‚Wenn es in den kommenden Monaten nicht gelingt, die EU-Agrarpolitik auf eine nachhaltigere Basis zu stellen, ist ein zunehmender Artenschwund in der Kulturlandschaft zu befürchten‘, so Tschimpke weiter. Eine Neuausrichtung der Mittel nach dem Prinzip ‚Geld gegen Leistung‘ sei allein schon deshalb erforderlich, damit der Agrarhaushalt in den nächsten Jahren nicht für andere Politikbereiche geplündert werde.

Lesen Sie auch:
EU: ‘Gesundheitscheck’ zur Vereinfachung der Gemeinsamen Agrarpolitik

Links zum Thema Verbände.

Union begrüßt Vereinfachungsbemühungen der EU-Kommission

Themen: EU,Förderung,GAP,International,Verbände — info @ 12:11

Berlin (agrar.de) – Zur Vorlage einer Kommissionsmitteilung zur Vorbereitung auf die Überprüfung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), erklären der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Bleser MdB und die zuständige Berichterstatterin, Marlene Mortler MdB:

‚Wir begrüßen die Überlegungen der EU-Kommission, die Instrumente der Gemeinsamen Agrarpolitik und die Vorschriften zur Cross Compliance zu überprüfen, zu vereinfachen und damit den Verwaltungsaufwand zu senken. Damit wurde eine zentrale Forderung von Bundesminister Seehofer und der Unionsfraktion aufgenommen. Es ist richtig und wichtig, dass die vorhandenen Mittel möglichst effizient und mit dem größtmöglichen Nutzen eingesetzt werden.

Wir legen Wert darauf, dass es sich beim sogenannten ‚Health Check‘ nur um eine Überprüfung der Maßnahmen der im Jahr 2003 beschlossenen Agrarreform handelt. Nach der Reform von 1992 und der Agenda 2000 hat 2003 bereits die dritte grundlegende Änderung der Gemeinsamen Agrarpolitik stattgefunden. 2006 folgte die Zuckermarktreform, 2007 die Reform der Marktorganisation für Obst und Gemüse und aktuell wird über die Reform der Weinmarktordnung verhandelt, Die europäische Land- und Ernährungswirtschaft braucht nun Planungssicherheit für ihre Investitionen und keine neue Gesamtreform.

Deutschland hat sich bei der Umsetzung der Agrarreform von 2003 für den frühesten Zeitpunkt der Umstellung auf das Betriebsprämienmodell und die Entkopplung entschieden. Im Sinne einer Gleichbehandlung innerhalb der EU und zwischen den verschiedenen Produktionszweigen fordern wir die Kommission auf, die vollständige Entkopplung in allen EU-Mitgliedstaaten zu prüfen.

Wir begrüßen es, dass sich die Preise für agrarische Produkte in vielen Sektoren nach langen Jahren wieder auf einem kostendeckenden Niveau befinden. Diese Situation ist aber eine Momentaufnahme und kein Grund, das gesamte System sofort infrage zu stellen. Bis zum Ende der laufenden Finanzierungsperiode, d.h. bis zum Jahr 2013 muss das Prinzip der Verlässlichkeit gelten.

Die Union lehnt daher den Anstieg der Modulation um insgesamt 8 Prozent auf 13 Prozent im Jahr 2013 kategorisch ab. Die Gelder, die heute bereits nicht mehr für die Beseitigung von Überschüssen oder für Interventionsmaßnahmen benötigt werden, müssen in die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit investiert werden, z.B. in schlagkräftigere Vermarktungseinrichtungen. Nach dem Jahr 2013 wird sich das System der Direktzahlungen wegen der Gleichbehandlung der Beitrittsländer und der Alt-EU erheblich wandeln. Darüber machen sich die Betroffenen keine Illusionen.

Abgelehnt werden auch Überlegungen der Kommission zur Einführung größenbezogener Obergrenzen, Degression oder Kappung der Direktzahlungen. Dies würde insbesondere Betriebe in den Neuen Bundesländern treffen, die damit einseitig belastet würden. Damit wären viele Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen gefährdet. Zudem könnten die Einsparziele und Kappungsgrenzen mit Betriebsteilungen unterlaufen werden.

Wir fordern die EU-Kommission auf, nicht nur von einer ‚weichen Landung‘ beim Ausstieg aus der Milchquote im Jahr 2015 zu sprechen, sondern auch ein klares Konzept für Begleitmaßnahmen vorzulegen. Zentrales Ziel dieses Übergangszenarios muss die Nutzung von Marktchancen auf dem Weltmarkt sein, um die Nachfrage langfristig zu stabilisieren. Gleichzeitig müssen Maßnahmen getroffen werden, mit denen die Milchproduktion in benachteiligten Gebieten gehalten werden kann und mögliche soziale Brüche in der Übergangszeit abgefedert werden können.

Der Zeitraum bis zur Vorlage konkreter Vorschläge zur Optimierung der Maßnahmen der GAP im Frühjahr 2008 sollte von der EU-Kommission intensiv genutzt werden, um Gespräche mit allen Beteiligten zu führen. Denn wichtig für die Akzeptanz der EU-Agrarpolitik beim Steuerzahler ist auch die Effizienz der eingesetzten Mittel.‘

Lesen Sie auch:
EU: ‘Gesundheitscheck’ zur Vereinfachung der Gemeinsamen Agrarpolitik

Links zum Thema EU und Landwirtschaft,
Links zum Thema Politik.

EU: ‚Gesundheitscheck‘ zur Vereinfachung der Gemeinsamen Agrarpolitik

Themen: EU,Förderung,GAP — info @ 12:11

Brüssel (agrar.de) – Die Europäische Kommission hat heute ihren Entwurf für eine Vereinfachung und weitere Modernisierung der Gemeinsamen Agrarpolitik veröffentlicht.

Der sogenannte ‚Gesundheitscheck‚ (Health-Check) der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) werde, aufbauend auf den Reformen von 2003 und den seitdem gesammelten Erfahrungen, die Funktionsweise der Politik verbessern, um sie in die Lage zu versetzen, besser auf die neuen Herausforderungen und Chancen einer EU von 2007 mit 27 Mitgliedstaaten einzugehen, so die Kommission in ihrer Mitteilung.
(more…)

Sachsen: Schlachtungen in Sachsen deutlich über Vorjahreswerten

Dresden (agrar.de) – Im Freistaat Sachsen wurden in den ersten drei Quartalen des Jahres 463.278 Tiere (ohne Geflügel) geschlachtet. Wie das Statistische Landesamt mitteilt, resultiert aus diesen Schlachtungen eine Fleischmenge von 48.144 Tonnen. Zum Vorjahreszeitraum sind das 5.900 Tonnen Fleisch bzw. 14 Prozent mehr. Entgegen dem Trend sank die erzeugte Fleischmenge aus Hausschlachtungen zum Vorjahreszeitraum um 100 Tonnen (knapp sechs Prozent) auf 1.600 Tonnen und ereichte damit einen neuen Tiefpunkt. Die Entwicklung bei den einzelnen Tierarten verlief jedoch unterschiedlich.

Die Steigerung der sächsischen Fleischerzeugung liegt in der Zunahme der Schweineschlachtungen begründet. Wurden in den ersten neun Monaten 2006 in Sachsen 353.200 Schweine geschlachtet, so erhöhte sich dieser Wert um 69.700 auf 422.900 Schweineschlachtungen (+ 20 Prozent). Auf Grund der gestiegenen Schlachtungen erhöhte sich die Schweinefleischmenge um 6.200 (18 Prozent) auf 40.100 Tonnen. Das durchschnittliche Schlachtschwein brachte knapp 95 Kilogramm auf die Waage – 2006 waren es 96. Schweinefleisch bildet mit über 83 Prozent den Hauptanteil an der sächsischen Fleischerzeugung. Trotz der gestiegenen Schweineschlachtzahlen nahm das Interesse an hausgeschlachteten Tieren ab. So wurden bis Ende September 8.900 Tiere hausgeschlachtet – 270 weniger als im Vorjahreszeitraum.

Die in den ersten neun Monaten des Jahres ausgewiesenen 7.500 Tonnen Rindfleisch stammen aus der Schlachtung vom 25.150 Rindern – knapp 7.650 Bullen und Ochsen, 13.700 Kühen und 3.800 Färsen. Die Fleischmenge liegt damit um 350 Tonnen (knapp fünf Prozent) unter der Vorjahresmenge. Mit knapp 2.100 hausgeschlachteten Rindern wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 270 Rinder (elf Prozent) weniger geschlachtet. Der Anteil der Hausschlachtungen bei Rindern liegt bei acht Prozent.

Die knapp 2.600 Kälberschlachtungen entsprachen der Vorjahresanzahl und erbrachten 175 Tonnen Fleisch. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Anzahl der Schafschlachtungen um 1.300 (13 Prozent) auf über 11.000. Die erzeugte Fleischmenge von 243 Tonnen entsprach ebenfalls einem Anstieg um 13 Prozent (29 Tonnen). Mit über 2.800 Hausschlachtungen lag deren Anteil bei knapp 26 Prozent. Weiterhin wurden über 1.300 Ziegen und knapp 300 Pferde einer Schlachtung zugeführt. Die daraus resultierende Fleischmenge belief sich auf 24 Tonnen Ziegen- und 78 Tonnen Pferdefleisch.

Links zum Bundesland Sachsen.

19. November 2007

Grüne fordern Agrarwende für Klimaschutz, Ernährungssicherheit und Beschäftigung

Themen: EU,Förderung,GAP,Naturschutz,Umwelt — info @ 17:11

Berlin (agrar.de) – Anlässlich der Vorstellung der Vorschläge der EU-Kommission zur Gesundheitsüberprüfung (‚Health Check‘) der EU-Agrarpolitik am 20.11.2007 erklärt Ulrike Höfken, Sprecherin der Grünen für Ernährungspolitik und Verbraucherfragen:

‚Die europäische Agrarpolitik steht vor einer Vielzahl von neuen Herausforderungen: Klimaschutz, die ausreichende Versorgung der Menschen mit preiswerter guter Ernährung und sauberem Wasser, der Erhalt unserer natürlichen Ressourcen und die Stärkung der ländlichen Regionen. Die europäische Politik muss diese Verantwortung wahrnehmen und mit dem Health-Check die notwendigen Reformen in der Agrarpolitik einleiten. Die EU-Kommission hat aber auf die aktuellen Entwicklungen wie den Beschlüssen zur Verminderung der klimaschädigenden Gase, der Verdoppelung der Getreidepreise, dadurch wachsendem Druck auf Umweltbelange sowie die viel kritisierten ungerechten Verteilungswirkungen der EU-Milliarden nur unzureichend reagiert. Mit einigen Veränderungen wie ‚Degression‘, ‚Kappung‘ oder ‚Modulation‘ wird die heute schon nötige Neuausrichtung der Agrarpolitik nicht erreicht. Eine europäische Agrarförderung wird nur dann weiterhin gesellschaftliche Akzeptanz finden, wenn sie an hohe Umwelt-, Klima- und Tierschutzstandards und an den Faktor Arbeitsplätze gebunden wird, statt alte Preisausgleich-Interessen zu verfolgen und Besitzstände großer Förderempfänger zu wahren.

Die Bundesregierung ignoriert mit ihren Forderungen nach einem ‚Weiter so‘ der Gemeinsamen Agrarpolitik bis 2013 und dem Abbau der Förderung für den ökologischen Landbau den nötigen Reformbedarf völlig. Damit stellt sie die Legitimität der europäischen Agrarförderung insgesamt in Frage.

Wir fordern die Bundesregierung und die Europäische Kommission auf, im Rahmen des Health Checks

– den Agrarbereich unverzüglich in die Klimaschutz-Reduktionsziele mit einzubeziehen und dazu entsprechende Maßnahmen zu beschließen.

– mit einem ‚Klima-Bonus‘ in der ersten Säule kurzfristig die Klimaschutz-Leistungen bestimmter Bewirtschaftungssysteme wie des Ökologischen Landbaus verstärkt zu vergüten und gleichzeitig die allgemeinen Direktzahlungen zu einer Basishilfe abzusenken.

– Cross-Compliance als Instrument zur Durchsetzung von Mindeststandards unter dem Blickwinkel Klimaschutz und soziale Kriterien inhaltlich zu erweitern.

– dem Arbeitskraftbesatz eines Betriebes einen direkten Einfluss auf die Bemessung der Direktzahlungen der 1. Säule zu geben und damit ein qualitativ gerechtes Verteilungs-System anstelle eines Kappungsmodells zu installieren.

– über die Erhöhung der Modulation eine bessere Finanzausstattung der zweiten Säule zu gewähren, um die ländlichen Räume in Europa zu stärken.

– die Kofianzierungs-Anforderungen der Verordnung zur Förderung ländlicher Räume so zu verändern, dass prioritäre Programme ohne Kofinanzierung angeboten oder obligatorisch umgesetzt werden müssen.

– europaweit und national eine umfassende Folgenabschätzung verschiedener Modelle für die Weiterentwicklung der gemeinsamen Agrarpolitik nach 2013 hinsichtlich ihrer ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen zu erstellen und auf dieser Grundlage zu überprüfen, ob eine obligatorische Bindung der Direktzahlung an hohe gesellschaftliche Leistungen die besten Lenkungswirkungen entfaltet.‘

Links zum Thema Politik.

NRW: Waldzustandsbericht 2007 liegt vor

Themen: Nordrhein-Westfalen,Statistik,Wald,Waldbericht — info @ 14:11

Düsseldorf (agrar.de) – Der Zustand der Nadelbäume in den Wäldern Nordrhein-Westfalens hat sich gegenüber dem Vorjahr zum Teil deutlich verbessert. Das ist das Ergebnis des Waldzustandsberichts 2007, den Umweltminister Eckhard Uhlenberg heute in Düsseldorf vorstellte. Den Laubbäumen dagegen geht es etwas schlechter als noch 2006. Insgesamt hat sich der Waldzustand aber leicht verbessert, der Anteil der Bäume ohne Schäden ist um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Die Kiefer hat sich von allen Baumarten am besten erholt. Der Anteil der Bäume ohne Schäden ist von 21 Prozent im Vorjahr auf 35 Prozent in 2007 gestiegen. Eine leichte Verbesserung gibt es auch bei der Fichte: 31 Prozent der Bäume weisen keine Schadensmerkmale auf, im Vorjahr waren es 28 Prozent. Schlecht geht es dagegen der Eiche. Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden ist von 32 auf 43 Prozent gestiegen.

Die Ursachen dafür sind sehr komplex und beruhen unter anderem auf langjährigen Vorschäden durch Insekten. Darüber hinaus vermuten die Experten, dass durch den Orkan Kyrill bei vielen Eichen das Feinwurzelsystem geschädigt wurde, weil die Bäume sich im Sturm stark bewegt haben. Auch bei der Buche hat die Zahl der deutlich geschädigten Bäume erheblich zugenommen, sie stieg von 34 auf 42 Prozent. Dafür ist vor allem ein gefräßiger Käfer – der Buchenspringrüssler – verantwortlich. Die Zahl der ungeschädigten übrigen Laubbäume hat sich dagegen um neun Prozentpunkte von 25 auf 34 verbessern können.

‚Wie wichtig der Wald nicht nur als Naherholungsgebiet sondern auch als Wirtschaftsfaktor ist, haben wir in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr sehr deutlich gemerkt, als der Orkan Kyrill Millionen Bäume umgeworfen hat. Eine Verbesserung des Waldzustands ist daher ein wichtiges Anliegen der Landesregierung. Dazu gehört vor allem die Reduzierung von Luftschadstoffen sowie von Bodenbelastungen, beides setzt den Bäumen stark zu‘, so Umweltminister Eckhard Uhlenberg.

Besonders Stickoxide und Ammoniak in der Luft greifen die Wälder an. In den Waldböden werden Schadstoffe zudem über Jahrzehnte gespeichert, so dass die Böden inzwischen stark versauert und nährstoffarm sind. Das Land fördert daher im Privat- und Kommunalwald Bodenschutzkalkungen, durch die der Boden stabilisiert wird. Eine große Gefahr vor allem für die Nadelhölzer wurde dagegen in diesem Jahr durch den eher feuchten Sommer gebannt: Der Borkenkäfer konnte sich nicht so gut vermehren wie in früheren Jahren.
Der Käfer ist nicht nur für die stehenden Bäume eine Gefahr, er brütet vor allem auch in absterbendem Holz, wie es nach Kyrill in großen Mengen in den Wäldern lag. Voraussichtlich im Frühjahr 2008 werden die Sturmschadensflächen komplett geräumt sein.

In Nordrhein-Westfalen gibt es insgesamt 915.800 Hektar Wald, davon befinden sich 594.000 Hektar in Privatbesitz. 178.600 Hektar gehören den Kommunen, der Rest dem Land beziehunsgweise dem Bund. Zur Erfassung des Waldzustands werden im Juli und August landesweit an über 500 Stellen die Baumkronen begutachtet. Rund 9.500 Bäume sind auf diese Weise für den Bericht 2007 untersucht worden, der Zustand von Laub bzw. Nadeln gibt Auskunft über ihre Gesundheit.

Dabei wird unterschieden zwischen Bäumen ohne Schäden, Bäumen mit schwachen Schäden und Bäumen mit deutlichen Schäden. Der Waldzustandsbericht wird seit 1984 jährlich erstellt, die Ergebnisse 2007 können im Internet eingesehen werden.

Links zum Thema Wald und Forst,
Links zum Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Agritechnica der Rekorde

Themen: International,Landtechnik,Statistik,Wirtschaft — info @ 14:11

Besucherzuwachs um 30 Prozent – 340.000 Fachleute – rund 70.000 Auslandsbesucher

Frankfurt (agrar.de) – Die Agritechnica 2007 hat die neue Bedeutung der Landwirtschaft eindrucksvoll demonstriert. Diese Tatsache wird, so der Veranstalter, die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), durch ein Wachstum von fast 40 Prozent bei den Ausstellern und 30 Prozent bei den Besuchern dokumentiert. 340.000 Landwirte und Fachleute, darunter 71.000 aus dem Ausland, kamen vom 11. bis 17. November 2007 auf das Messegelände in Hannover. Damit ist die Agritechnica der einzigartige Branchentreffpunkt der Landtechnik weltweit.

Folgendes vorläufige Fazit kann gezogen werden:

1. Die Agritechnica 2007 ist von der landtechnischen und von der Zuliefer-Industrie hervorragend beschickt worden. 2.247 Unternehmen aus 36 Ländern präsentierten ein komplettes Angebot an Maschinen, Geräten, Ersatzteilen und Zubehör. Der Auslandsanteil stieg von 33 auf 43 Prozent.

2. Mit 340.000 Besuchern hat die Agritechnica einen neuen Besucherrekord erreicht. Dieses Ergebnis zeigt das enorme Interesse der Landwirte und Experten an modernster Technik und Zukunftskonzepten. Die Landwirte wollen angesichts der positiven Perspektiven in der Agrarbranche ihre Betriebe erfolgreich weiterentwickeln.

3. Über 260.000 Besucher kamen aus dem Inland. Die Besucherumfrage zeigt, dass die Landwirte aus allen Regionen sehr gut vertreten waren. Aus Süd- und Südwestdeutschland kamen 35 Prozent, aus Nord- und Westdeutschland 52 Prozent und aus Ostdeutschland 13 Prozent.

4. Die Internationalität der Agritechnica hat eine neue Dimension. Der 60-prozentige Zuwachs auf 71.000 internationale Fachbesucher kam insbesondere aus der Schweiz, Österreich, Niederlande, Irland, Frankreich, Italien, Dänemark und Großbritannien. Dabei haben sich die Zahlen für Italien verdreifacht sowie für Frankreich und Irland ver-doppelt. Mit nahezu 14.000 Entscheidern und Investoren aus den Großbetrieben Mittel- und Osteuropas erweist sich die Agritechnica als der erwartete Anziehungspunkt. Dies entspricht einer Verdopplung gegenüber dem Jahr 2005. Deutliche Zunahmen sind insbesondere aus Polen, aus der Ukraine, aus Russland, aus Tschechien und aus Weißrussland zu verzeichnen. Beachtenswert ist auch der deutliche Besucherzuwachs auf 3.200 Fachleute aus Nordamerika. Insgesamt kamen Besucher aus 81 Ländern zur Agritechnica.

5. Rund 55 Prozent der Agritechnica-Besucher sind landwirtschaftliche Unternehmer.
23 Prozent bewirtschaften Betriebe bis 50 ha, 23 Prozent 50 ha bis 100 ha, 38 Prozent 100 ha bis 1.000 ha und 16 Prozent über 1.000 ha. 40.000 Besucher kamen aus dem Landmaschinenhandel und -vertrieb sowie über 25.000 aus dem Maschinenbau und aus der Zulieferindustrie. Darüber hinaus besuchten über 20.000 Lohnunternehmer aus dem In- und Ausland die Agritechnica 2007.

6. Fast zwei Drittel der befragten Landwirte wollen nach der Besucherumfrage investieren. Dies ist eine leichte Steigerung gegenüber 2005 und entspricht der Aufbruchstimmung ím gesamten Sektor.

7. Das Interesse der Fachbesucher war besonders stark auf Traktoren und Transportfahrzeuge, die gesamte Bandbreite der Bodenbearbeitung sowie auf die Erntetechnik für Getreide, Futter und Hackfrüchte ausgerichtet. Darüber hinaus ist deutliches Interesse an der Technik für die Saat, Pflanzenpflege, Düngung und den Pflanzenschutz sowie an Zubehör und Ersatzteilen zu verzeichnen. Aber auch die zahlreichen Spezialangebote, wie die Forsttechnik, der Gemüsebau oder die Kommunaltechnik/Landschaftspflege, fanden großes Interesse.

8. Nach wie vor besteht bei den landwirtschaftlichen Unternehmern, Planungsbüros und Herstellern großer Informationsbedarf an allen Fragen der Bioenergie, der dezentralen Energieerzeugung und der Nachwachsenden Rohstoffe. Die Professionalisierung die-ses innovativen Bereiches schreitet fort. Im Mittelpunkt standen Aspekte der Effizienzsteigerung bei den Anlagen. Die Landwirte beschäftigen sich darüber hinaus intensiv mit der Frage nach alternativen Energiepflanzen. Die Forumsveranstaltungen im Zentrum Bioenergie mit ihren detaillierten Informationen über alle wichtigen Fragestellungen trugen dem Informationsbedarf in vorzüglicher Weise Rechnung.

9. Große Beachtung fand die ‚World Soil and Tillage Show‘. In einer eindrucksvollen, internationalen Sonderschau konnten sich die Besucher über Aspekte der Wirtschaftlichkeit und der Bodenfruchtbarkeit, der Vorsorge gegen Bodenerosion und Bodenverdichtung, aber auch über die Einflüsse des Klimawandels auf den Boden informieren.

10. Landtechnik ist eine Hightech-Branche mit vielfältigen und zunehmend attraktiver werdenden Berufsfeldern. Dies wurde auf der Agritechnica eindrucksvoll gezeigt. Das vielfältige Informationsangebot in den verschiedenen Berufsfeldern der Landmaschinenindustrie, des Landmaschinenhandwerks und -handels sowie in der Agrarbranche wurde sehr gut angenommen. Besondere Aufmerksamkeit fand das Special ‚Werkstatt Live‘. Hier demonstrierten professionell vom Auszubildenden bis zum Meister ihr Können und ihr Potenzial an Hightech-Maschinen anhand von typischen Wartungs- und Servicearbeiten.

11. Der europäische Junglandwirte- und Studententag am Donnerstag und Freitag war ein großer Erfolg. Über 10.000 Junglandwirte, Schüler und Studenten aus dem In- und Ausland haben die verschiedenen Veranstaltungsangebote auf der Agritechnica ge-nutzt. Hervorzuheben ist die Podiumsdiskussion, bei der rund 600 Jungunternehmer und Jungunternehmerinnen aus vielen europäischen Ländern wichtige Zukunftsfragen erörterten. Sie stehen zu ihrem Beruf und sind von einer erfolgreichen Zukunft selbstbewusst überzeugt. Ein Highlight der Agritechnica 2007 war erneut die ‚Young Farmer’s Party‘ mit rund 2.500 jungen Leuten.

Die nächste Agritechnica findet vom 10. bis 14. November 2009 (Exklusivtage am 8. und
9. November) auf dem Messegelände in Hannover statt.

Links zum Thema Landtechnik,
Links zum Thema Messen.

Experten forden Weiterentwicklung der Wasserrahmenrichtlinie

Leipzig (agrar.de) – Experten aus 20 Ländern haben eine Weiterentwicklung der Leitlinien zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) gefordert. Die Richtlinie sei ein guter Anfang, aber sie müsse weiter entwickelt werden, so der Konsens unter den Wissenschaftlern und Interessenvertretern, die vergangene Woche am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) Risiken für europäische Flüsse diskutiert hatten. Bereits heute sei abzusehen, dass das Ziel, bis 2015 alle natürlichen Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen, nicht erreicht werden könne. Aus Sicht der Experten sollten aber nicht die Qualitätsansprüche reduziert, sondern die Instrumente zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie überprüft werden.

Durch die zunehmende Biomasseproduktion rechnen die Forscher auch mit einem wieder steigenden Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und damit mit einer steigenden Pestizidbelastung. ‚Der verstärkte Anbau von Energiepflanzen wird die Gewässer negativ beeinflussen‘, fürchtet Dr. Peter von der Ohe vom UFZ. Die Wasserrahmenrichtlinie wird also trotz aller Fortschritte der letzten Jahre auch in Zukunft gebraucht und muss auf die aktuellen Entwicklungen reagieren.

Einen Schwachpunkt der momentanen Richtlinie sehen die Wissenschaftler in der Auswahl der Schadstoffe, die in Flüssen europaweit überwacht werden. ‚Diese Prioritätenliste mit derzeit 41 Stoffen ist nicht geeignet, die Auswirkungen von Chemikalien in den Flüssen ausreichend zu erklären‘, sagt Dr. Werner Brack, der das EU-Forschungsprojekt MODELKEY leitet, das Schlüsselchemikalien in drei europäischen Modellflüssen untersucht. Diese 41 Chemikalien stellten einen winzigen Ausschnitt der chemischen Belastung dar und seien vielfach Stoffe, die bereits lange gemessen werden, aber zum Teil eine immer geringere Rolle spielten. ‚Zum Beispiel steht das Insektizid DDT mit auf der Liste, obwohl es in den meisten westlichen Industrieländern bereits in den 1970er Jahren verboten wurde und deshalb nicht mehr benutzt wird. Aus unserer Sicht wäre es besser, in dieser wichtigen Liste nicht nur prioritäre Stoffe mit entsprechenden Qualitätsstandards festzulegen, sondern auch prioritäre Effekte. Auf diese Weise könnten wir zelltoxische, hormonell wirksame oder erbgutverändernde Stoffe überwachen, ohne sie im vorhinein genau zu kennen. Dies würde die Entdeckung neuer Gefahrenstoffe mit schädlichen Wirkungen erleichtern und die Ressourcen dorthin lenken wo sie wirklich gebraucht werden. Die Behörden könnten damit viel flexibler reagieren.‘ Für das Ökosystem entscheidend sei nun einmal nicht die bloße Anwesenheit eines Stoffes, sondern was er verursache.

Giftige Chemikalien sind jedoch nur ein Teil des Problems.

Flussökosysteme sind auch vielen anderen Stressfaktoren ausgesetzt, die oft gleichzeitig wirken, wie z.B. bauliche Veränderungen, Sauerstoffmangel durch Überdüngung und eingeschleppte Arten. Durch ihren Fokus auf den ökologischen Zustand statt auf die Betrachtung einzelner Stressfaktoren fördert die Wasserrahmenrichtlinie eine ganzheitliche Betrachtung dieser vielfältig beeinträchtigten Ökosysteme. Diese Stärke kann sich jedoch auch als Schwäche erweisen, wenn Konzepte fehlen, um die Bedeutung und das Zusammenwirken der verschiedenen Stressfaktoren zu bewerten und vorherzusagen. Hier sehen die Wissenschaftler großen Forschungsbedarf für die Zukunft.

‚Die Konferenz hat gezeigt, dass auf vielen Gebieten bessere Bewertungsmethoden zur Verfügung stehen, die nur darauf warten in die Leitlinien zur WRRL integriert zu werden‘, findet Dr. Michaela Hein.

Eine wichtige Rolle in vielen europäischen Flussgebieten spielt auch die Beeinträchtigung der Durchgängigkeit der Flüsse und der Struktur von Flussbett und Uferzone. Hier steht die Wasserrahmenrichtlinie im Konflikt mit anderen europäischen Vorgaben. So zielt eine EU-Direktive zur Förderung erneuerbarer Energien darauf ab, die Nutzung von Wasserkraft um 10 bis 20 Prozent zu steigern. Studien aus Skandinavien, wo schon seit einem Jahrhundert Strom aus Wasserkraft gewonnen wird, haben gezeigt, dass diese Art der Stromerzeugung große Folgen für den ökologischen Zustand der Gewässer hat. Besonders betroffen sind die Flachwasserbereiche, da der Wasserspiegel im Jahresverlauf stark schwankt. Das schränkt unter anderem das Wachstum von Wasserpflanzen in diesen Bereichen stark ein, die wiederum Fischen als Laichgelegenheit und für die Nahrungssuche fehlen. Die Frage nach dem ökologischen Zustand ist daher in vielen Fällen nicht nur aus der Sicht des Umweltschutzes interessant, die vielfältigen Güter und Dienstleistungen gesunder Ökosysteme für den Menschen wie die Versorgung mit Nahrung und Trinkwasser oder die Aufrechterhaltung von Nährstoffkreisläufen sind auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

Lesen Sie auch: Neue Publikation zur Umsetzung der WRRL in der Landwirtschaft

Links zum Thema Wasser,
Links zum Thema Landschaft und Natur.

Seiten: << 1 2 3 4 5 6 7 8 >>



   (c)1997-2017 @grar.de