26. November 2007

Experten lehnen Novelle des Gentechnik-Gesetzes ab

Themen: Gentechnik,Haftung,Verbände — info @ 17:11

Berlin (agrar.de) – Die von der Bundesregierung vorgelegte Novelle des Gentechnik-Gesetzes (16/6814) wird von Sachverständigen abgelehnt. Das wurde, so der Pressedienst des Bundestages, während einer öffentlichen Anhörung im Agrarausschuss deutlich.

Die Novellierung sieht die Umstellung von der Anmelde- zur Anzeigepflicht vor, mit der Folge, dass der Betreiber der gentechnischen Anlage sofort nach Eingang der Anzeige bei der zuständigen Behörde mit den Arbeiten beginnen kann. Beibehalten wird in der Novelle der öffentliche Zugang zum Standortregister für Gentechnik-Anbauflächen ebenso die verschuldensunabhängige Haftungsregelung.

Mit der Gesetzesänderung, so der Deutsche Bauernverband, werde das im Koalitionsvertrag festgeschriebene Ziel einer Förderung der Gentechnik-Anwendung in Deutschland nicht erreicht. Insbesondere die unveränderten Haftungsregelungen beim Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO), nach denen Landwirte verschuldensunabhängig haftbar sind, auch wenn sie der ‚guten fachlichen Praxis‘ folgen, seien nicht akzeptabel. Der Bauernverband plädierte daher weiterhin für einen Haftungsfonds.

Das Gesetz schwäche den Innovationsstandort Deutschland, kritisierte die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie. Die Angaben im öffentlich zugänglichen Teil des Standortregisters müssten auf die Gemarkung beschränkt werden, um Zerstörungen auf GVO-Feldern zu verhindern. Als ‚wissenschaftlich nicht begründet‘ werden die Anbauabstände von GVO-Mais zu herkömmlichem Mais von 150 Metern und zu ökologisch bewirtschafteten Flächen von 300 Metern abgelehnt.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) bemängelte die Haftungsregelungen hingegen aus einem anderen Grund. Sie seien unzureichend, da sie erst bei einer Verunreinigung von 0,9 Prozent greifen würden. Dieser Grenzwert sei zu hoch angesetzt und schaffe Rechtsunsicherheit. Wolle man Kontamination verhindern, müsse der Wert auf 0,1 Prozent gesenkt werden. Das entspräche einer Eins-zu-eins-Umsetzung der EU-Vorgaben, so der BÖLW. Kontaminierte Reste aus wissenschaftlichem GVO-Anbau dürften nicht zur Biogasgewinnung genutzt, sondern müssten vernichtet werden, forderte Rechtsanwältin Katrin Brockmann aus Berlin. Dem widersprach Professorin Inge Broer von der Universität Rostock. Die industrielle Verwendung von Auskreuzungsprodukten sei sinnvoll. Rund um GVO-Versuchsfelder angebaute ‚Mantelsaaten‘ könnten durchaus zur Gewinnung von Biogas genutzt werden. Eine schleichende Vermischung sei dabei sehr unwahrscheinlich. Broer kritisierte die Beibehaltung der genauen Standortbenennung. Dies habe bisher bei den Forschungseinrichtungen zu ‚erheblichen‘ Verlusten geführt. Rechtsanwalt Achim Willand aus Berlin lehnte nachbarschaftliche Regelungen zwischen GVO-Anbauern und Nicht-GVO-Anbauern ab. Es sei im Interesse der Allgemeinheit, Lebensmittel vor einer schleichenden Verunreinigung zu schützen. Dies zu überwachen sei Aufgabe der zuständigen Behörden, da es sonst zu einem erheblichen Verlust an Transparenz und Kontrolle über die Verwendung von GVO komme.

Die Koexistenz von gentechnisch verändertem Anbau und konventioneller Produktion in der Landwirtschaft werde durch das Gesetz nicht gestützt, sagte die Einzelsachverständige Mute Schimpf. Ein besonderes Kontaminationsrisiko besteht ihrer Ansicht nach bei der Ernte. Um eine Auskreuzung zu vermeiden müssten daher GVO-Landwirte eigene Mähdrescher benutzen, die nicht in Kontakt mit gentechnisch unverändertem Getreide kommen.

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Bäuerinnen fordern Schutz vor Gentechnik

Themen: Gentechnik,Haftung,Landfrauen,Verbände — info @ 17:11

Mit einem Mähdrescher demonstrieren Bäuerinnen am Brandenburger Tor gegen die Verunreinigung ihrer Produkte

Berlin (agrar.de) – ‚Schützt unsere Felder und Ernte vor Verunreinigungen durch Gentechnik!‘ fordern Bäuerinnen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), von Bioland, des Deutschen Bauernbundes sowie die Katholische Landfrauenbewegung (KLFB).

Die so genannte Koexistenz der herkömmlichen gentechnikfreien Landwirtschaft mit der Gentechnik-Landwirtschaft scheitert bereits an der üblichen gemeinsamen Maschinennutzung. Das demonstrieren die Bäuerinnen vorm Brandenburger Tor anhand eines Mähdreschers. ‚Die gründliche Reinigung von gemeinsam genutzten Maschinen ist viel zu zeitaufwändig, teuer und im Zeitdruck der Ernte unrealistisch. Fünf Stunden Reinigung eines Mähdreschers kosten 1.800 Euro, selbst dann kann die nachfolgende Ernte immer noch verunreinigt sein. Deswegen muss im Gesetz geregelt werden, dass GVO-Flächen nur mit separaten Mähdrescher geerntet werden,‘ erläutert Dorothee Lindenkamp, Bäuerin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Zusätzlich fallen teure Analysekosten an. ‚Diese Mehrkosten müssen von den Verursachern, also der Gentechnikindustrie und den GVO-Landwirten, getragen werden und nicht von uns gentechnikfrei arbeitenden Betrieben‘, so Simone Querhammer von Bioland.

Anlass der Aktion ist die heutige Anhörung zur Novellierung des Gentechnikgesetzes im Bundestag. Der bisher vorgelegte Gesetzentwurf legitimiert gentechnische Verunreinigungen der Nahrungskette, anstatt den Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft zu sichern.

Daher sind heute Bäuerinnen – als Beschützerinnen der gentechnikfreien Landwirtschaft – nach Berlin gekommen, um von der Bundesregierung wichtige Nachbesserungen am Gesetz zu fordern.

– Der Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
vor jeglicher gentechnischer Verunreinigung muss im Gesetz verankert werden.

– Der Sicherheitsabstand von Feldern mit Gentechnik-Mais zu gentechnikfreien
Feldern muss deutlich erhöht werden.

– Die Mehrkosten für Trennung, Reinigung, Lagerung, Weiterverarbeitung sowie
für Analysen müssen die Verursacher tragen, also Gentechnik-Industrie -Anwender.

– Die Verursacher müssen ab einer Verunreinigung von 0,1 Prozent haften.

– Privatabsprachen, die die Vorgaben des Gentechnikgesetzes unterlaufen,
dürfen nicht erlaubt sein.

‚Die neu eingebauten Schlupflöcher im Gentechnikgesetz müssen gestopft werden‘, fordert Maria Kleingräber, Vertreterin der Katholischen Landfrauenbewegung (KLFB), Bistum Münster. ‚Damit können die Sicherheitsauflagen des Gesetzes zum Schaden Dritter unterlaufen werden. Das schafft Unfrieden auf den Dörfern und ist nicht sachgerecht.‘

Daniela Gille vom Deutschen Bauernbund erklärt: ‚Die Mehrheit der konventionell wirtschaftenden Landwirte lehnt die Agro-Gentechnik genauso entschieden ab wie die Biobauern. Gemeinsam fordern wir für unsere gentechnikfrei erzeugten Lebensmittel einen Schutz vor Kontaminationen mit GVO und damit die Sicherung für unsere bestehenden Absatzmärkte‘.

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Biokraftstoffbranche fordert Korrektur der Förderpolitik

Themen: Energie,NaWaRos,Verbände — info @ 17:11

Berlin (agrar.de) – Mehr als 700 Vertreter der Biokraftstoffbranche haben sich zum 5. Internationalen Fachkongress für Biokraftstoffe, ‚Kraftstoffe der Zukunft‘ des Bundesverbandes BioEnergie (BBE) und der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP)
in Berlin versammelt, um über die angespannte Situation im Biokraftstoffmarkt zu diskutieren. Dabei stand insbesondere die Biokraftstoffstrategie der Bundesregierung auf dem Prüfstein.

So halte die Bundesregierung unverändert daran fest, die steuerliche Förderung von Biokraftstoffen weiter zu reduzieren und stattdessen im Wege ordnungspolitischer Rahmenbedingungen den Marktzugang für Biokraftstoffe sicher zu stellen. Diese ordnungspolitische Förderung im Wege der Quotenverpflichtung dränge die Biokraftstoffbranche jedoch zunehmend in die Abhängigkeit der Mineralölindustrie und biete der jungen Biokraftstoffbranche keine Perspektive, so die Ansicht der Kongressteilnehmer. Im Gegenteil sei die Zukunft der Reinkraftstoffvermarktung und damit das Groß der bestehenden Biokraftstoffanlagen in Deutschland aufgrund der wachsenden Steuerlast und den explodierenden Agrar-Rohstoffpreisen in ihrer Existenz gefährdet. In einer gemeinsamen Pressekonferenz forderten daher die Vorstandsvorsitzenden von BBE und UFOP, Helmut Lamp und Dr. Klaus Kliem, die Bundesregierung auf, die Besteuerung der Biokraftstoffe den realen Marktbedingungen anzupassen und dementsprechend eine Erhöhung der Energiesteuer in 2008 auf Biodiesel und Pflanzenölen auszusetzen. Ebenso sei eine Erhöhung der Quotenverpflichtung für den Dieselmarkt von 7 Prozent für das Jahr 2008 und 10 Prozent im Jahr 2010 erforderlich, um die bestehenden Produktionskapazitäten auszulasten.

Lamp und Kliem entgegneten ebenfalls dem Argument, Biokraftstoffe zeichneten sich für den Anstieg der Nahrungsmittelpreise verantwortlich. Preise für Agrarrohstoffe ergäben sich stets aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Die Bioenergie ist im Zusammenhang mit der derzeitigen Preisentwicklung bei Lebensmitteln nicht der entscheidende Faktor. Der aktuelle Nachfrageschub nach Agrargütern geht vorrangig vom Weltmarkt für Nahrungsmittel aus. Der Milchmarkt ist das bekannteste Beispiel. Die Bioenergiebranche ist dagegen derzeit faktisch ein großer Verlierer steigender Agrarpreise.

Wesentliche Produktionskapazitäten bei Bioethanol und Biodiesel seien in den letzten Monaten wegen zu hoher Rohstoffkosten sogar stillgelegt worden. Zudem seien in Deutschland nur 1,5 Prozent der Getreideernte energetisch genutzt worden und könnten damit nicht für die beobachteten Preiserhöhungen im Nahrungsmittelmarkt verantwortlich gemacht werden. So betrage zum Beispiel nach Ansicht von Agrarexperten der Anteil der landwirtschaftlichen Rohstoffkosten an einem Brötchen gerade mal 3,8 Prozent. Beim Bier mache der Rohstoffpreis für Malz gar nur 2,5 Prozent bei Bioethanol dagegen 65 Prozent aus. Diese Beispiele machten deutlich, den Wettlauf um den Rohstoff gewinne bedingt durch den geringen Rohstoffkostenanteil bei Lebensmittel immer der ‚Teller‘ und nicht der ‚Tank‘.

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Jagdbilanz 2006/07: Reh überholt Wildschwein als Wildbret-Lieferant

Themen: Jagd,Jagdbericht,Statistik,Verbände — info @ 15:11

Bonn (agrar.de) – Das Schwarzwild hat seine langjährige Führungsposition als Deutschlands größter Wildbretlieferant abgeben. Im vergangenen Jagdjahr (1. April 2006 bis 31. März 2007) haben Jäger nur 287.000 Wildschweine erlegt, was einem Rückgang von 40 Prozent (minus 190.000 Stück) entspricht. Verantwortlich hierfür sind nach Einschätzung des Deutschen Jagdschutz-Verbandes (DJV) zwei Faktoren: Der Winter 2005/06 war sehr kalt und schneereich, viele Jungtiere verendeten und der Bestand verringerte sich. Hingegen sorgte der Winter 2006/07 mit hohen Temperaturen und Schneearmut für schwierige Jagdbedingungen.

‚Wildschweine können ihren Bestand innerhalb eines Jahres mehr als verdoppeln. Wir Jäger sind deshalb nach wie vor gefordert, durch intensive Bejagung Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen gering zu halten und die Gefahr eines Ausbruchs der Schweinepest zu senken‘, so DJV-Präsident Jochen Borchert. Erste Zwischenberichte aus der laufenden Jagdsaison deuteten darauf hin, dass die Bestände wieder deutlich gestiegen seien.

Schwarzkittel lieferten im vergangenen Jagdjahr nur rund 7.000 Tonnen Wildbret. Neue Nummer eins ist das Rehwild mit umgerechnet rund 9.300 Tonnen hochwertigem Fleisch aus heimischen Wäldern. Insgesamt erlegten die Jäger rund eine Million Rehe, was in etwa dem Vorjahreswert entspricht. Die Millionengrenze hatte die Rehwildstrecke erstmals 1992/93 überschritten und sich seitdem auf diesem hohen Niveau gehalten. Ähnlich wie beim Rehwild liegen die Streckenzahlen beim Rotwild (59.000) und Damwild (50.000) nur leicht unter dem Vorjahresniveau.

Die ungünstigen Wetterbedingungen im Winter 2006/07 führten offensichtlich auch bei der Bejagung des Raubwildes zu einer geringeren Strecke. So wurden über 28 Prozent weniger Füchse erlegt (Strecke: 433.000) und 18 Prozent weniger Waschbären (Strecke:
24.800) als im Jahr zuvor. Auch die Streckenzahlen des zweiten ‚Neubürgers‘ Marderhund gingen erstmals leicht um 2.500 auf 27.500 zurück, wobei nur in den bisher streckenstärksten Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg weniger erlegt wurden.

Die alljährliche Hasenzählung im Rahmen des Wildtierinformationssystems Deutschlands (WILD) belegt wachsende Feldhasenbestände. Dennoch übten die Jäger die Hasenjagd eher zurückhaltend aus und erlegten mit 465.000 rund 11 Prozent weniger Langohren als im Jagdjahr zuvor. Wildkaninchen scheinen sich von den Seuchenzügen weiter zu erholen. Nach dem Tiefststand mit 143.000 Stück Anfang der 90er Jahre, kamen im vergangenen Jahr mit rund 190.000 etwa gleich viele Kaninchen wie im Vorjahr zur Strecke.

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BfN will Naturschutz-Ausrichtung bei Cross Compliance

Themen: EU,Förderung,GAP,Naturschutz,Umwelt — info @ 15:11

Ladenburg/Bonn (agrar.de) – Heute endete in Ladenburg ein vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderter Expertenworkshop zu den Auswirkungen von Cross Compliance auf die biologische Vielfalt. (Was ist … Cross Compliance)

Im Rahmen des anstehenden Gesundheitschecks der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (Health-Check) ist es Ziel der EU-Kommission den Anforderungskatalog für Cross Compliance zu überarbeiten und stärker zielorientiert auszurichten. Das BfN unterstützt diese Zielsetzung der EU-Kommission und diskutierte beim Ladenburger Workshop über weitere Anforderungen und Instrumente, die im Kontext der Agrarpolitik insbesondere der Erhaltung der biologischen Vielfalt zugute kommen können.

‚Um Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Cross Compliance-Anforderungen geben zu können, ist es notwendig, ihre Auswirkungen auf die biologische Vielfalt , d.h. auf Arten, Lebensräume und landschaftliche Zusammenhänge zu kennen‘, sagte Professor Dr. Beate
Jessel, Präsidentin des BfN. Der diesjährige ‚Ladenburger Expertenworkshop‘ wird im Rahmen des vom BfN geförderten Forschungs- und Entwicklungsvorhabens ‚Cross Compliance und Auswirkungen auf die Biodiversität‘ durchgeführt.

Bei dem Workshop wurden die Erfolge und Defizite der Cross Compliance Regelungen aus Naturschutzsicht dargestellt und Optimierungsmöglichkeiten aufgezeigt. Außerdem wurden positive Beispiele aus anderen europäischen Ländern vorgestellt. Das Treffen diente auch zum Aufbau von Netzwerken zwischen Entscheidungsträgern, Wissenschaftlern und Verbandsvertretern. Ein weiteres Expertentreffen ist in der ‚heißen Phase‘ des Health Check voraussichtlich im Spätsommer 2008 vorgesehen.

‚Um sich dem Ziel der Bundesregierung und der EU, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 zu stoppen, nähern zu können, ist eine konsequentere Ausrichtung der EU-Agrarpolitik auf eine naturverträgliche Landwirtschaft unerlässlich‘, sagte Beate Jessel, ‚dafür ist sowohl ein Ausbau der 2. Säule der GAP notwendig als auch eine gezielte Weiterentwicklung der Cross Compliance Anforderungen in der 1. Säule. Hierbei sehen wir vor allem bei der Erhaltung des ökologischen Nutzens der bisherigen Flächenstilllegung, d.h. der Sicherstellung von Rückzugsräumen in der Agrarlandschaft und bezüglich des Grünlanderhaltes deutlichen Handlungsbedarf. Die Möglichkeiten des ‚Health Check‘ müssen daher konsequent genutzt werden, die EU-Kommission hat mit ihren Vorschlägen hier erste wichtige Schritte unternommen‘, sagte die BfN-Präsidentin.

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Biokraftstoffproduzenten: Teller wichtiger als der Tank

Themen: Energie,Kraftstoffe,Verbände — info @ 15:11

Berlin (agrar.de) – ‚Zu einem Streit über die Frage `wohin mit den Lebensmitteln – Teller oder Tank -` kommt es nicht, natürlich geht die Versorgung mit Lebensmitteln vor‘, sagte Klaus-Dieter Schumacher von Toepfer International, einem führenden Handelshaus für Agrarrohstoffe. Auch bei einer nachhaltigen Produktion, die nicht in wertvolle Ökosysteme wie den Regenwald eingreift, sei es möglich, Rohstoffmärkte sowohl für Lebensmittel als auch für Biokraftstoffe gleichzeitig zu bedienen. Schumacher äußerte sich anlässlich einer Pressekonferenz des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) im Nachgang zur Präsentation der ‚Roadmap Biokraftstoffe‘ durch Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel.

Schumacher machte deutlich, dass Biokraftstoffe nur zu einem Teil für den Preisanstieg bei Lebensmitteln verantwortlich sind. Eine erhöhte Nachfrage nach Agrarrohstoffen – besonders aus Asien – und weltweit stark unterdurchschnittliche Ernten hätten maßgeblich zur Erhöhung der Lebensmittelpreise geführt. Bis Mitte des kommenden Jahres sei auch nicht mit einer Entspannung zu rechnen, da die Vorratsbestände stark zurückgegangen seien. ‚Mittelfristig ist bei normalen Ernten jedoch wieder mit niedrigeren Preisen zu rechnen; aufgrund der hohen weltweiten Nachfrage werden die Preise allerdings auf einem höheren Niveau bleiben, als dies noch vor zwei Jahren der Fall war‘, sagte Schumacher.

Voraussetzung sei aber, dass in Zukunft alle möglichen Produktivitätsfortschritte sowohl
international als auch in der heimischen Landwirtschaft genutzt werden. Zudem müssten bisher nicht genutzte Flächen in die Produktion gebracht werden. Dies gilt insbesondere für die osteuropäische Landwirtschaft, die neben Flächen auch über ein großes Potential für Ertragssteigerungen verfügt.

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BÖLW: Innovationen brauchen keine patentierten Pflanzen

Themen: Biolandbau,Gentechnik,Haftung,Verbände — info @ 14:11

Verband: Neues Gentechnikgesetz untergräbt Schutz der gentechnikfreien Produktion

Berlin (agrar.de) – Auf der heutigen Anhörung stellte Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), den Abgeordneten des Agrarausschusses dar: ‚Statt das bestehende Gesetz zu verbessern, läutet der neue Entwurf das Ende der gentechnikfreien Landwirtschaft ein.‘

Löwenstein verwies auf zwei innovative Erfolge, die mit herkömmlichen Züchtungsmethoden erzielt wurden: Die Firma AVEBE züchtete eine Kartoffel, die nur eine Stärkefraktion aufweist und damit besser zu verarbeiten ist. Der Saaten-Union gelang die Züchtung einer Maissorte, die gegen den Wurzelbohrer resistent ist. ‚Das zeigt, dass die BASF-Gentechnik-Kartoffel ebenso wenig gebraucht wird, wie genmanipulierte Maispflanzen, die bislang als einzige Alternative zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers dargestellt wurden.‘

Aus wirtschaftlicher Sicht sei es deshalb unvernünftig, stabile und bewährte Anbausysteme einer Risikotechnologie ohne Marktakzeptanz zu opfern. Hinzu komme, dass die Pflanzenbiotechnologie mit 20 Unternehmen und etwa 500 Beschäftigten 160.000 Arbeitsplätze allein in der Biolebensmittelbranche gefährde. Löwenstein verwies darauf, dass die Agro-Gentechnik dem positiven Image deutscher Lebensmittel im Ausland und damit dem Wachstum und der Beschäftigung im Agrarsektor schade.

Nachbesserungen fordert der Gentechnikexperte des BÖLW Peter Röhrig: ‚Alle Änderungen des Gesetzes untergraben den Schutz der gentechnikfreien Produktion. Die Haftung deckt die tatsächlichen Schadensfälle nicht ab. Die Kosten der Koexistenz werden weiterhin denen angelastet, die die Gentechnik nicht wollen, und die unzureichenden Auflagen für Gentechnik-Anbauer lassen eine schleichende Verunreinigung mit GVO zu.‘

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Schleswig-Holstein: Jagd- und Artenschutzbericht 2007 vorgestellt

Altenholz (agrar.de) – Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Dr. Christian von Boetticher hat gemeinsam mit dem Präsidenten des Landesjagdverbandes, Dr. Klaus-Hinnerk Baasch, den neuen Jagd- und Artenschutzbericht 2007 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Dabei hob der Minister auf Gut Knoop (Kreis Rendsburg-Eckernförde) besonders die Notwendigkeit des ehrenamtlichen Engagements für einen erfolgreichen Artenschutz und eine nachhaltige Regulierung des Wildtierbestandes hervor. Beispielhaft nannte er den erfolgreichen Schutz des Seeadlers in Schleswig-Holstein, dessen Population wieder auf 53 Revierpaare angewachsen ist: ‚Die Schutzmaßnahmen für den Seeadler werden als Gemeinschaftswerk von Jägern, Waldbesitzern und Naturschutzverbänden durchgeführt‘, betonte von Boetticher, ‚für mich ist das ein klassischer Beweis dafür, dass Jagd und Artenschutz viele Gemeinsamkeiten haben‘.

Auch insgesamt sei der Jagd- und Artenschutzbericht 2007 auf 130 Seiten wieder ein Spiegelbild der aktuellen Umweltsituation in Bezug auf die Tier- und Pflanzenwelt in Schleswig-Holstein, so der Minister. Erkennbar werde, dass es aufgrund der Entwicklung der Kulturlandschaft Gewinner und Verlierer gebe. Zu den Gewinnern zählte Christian von Boetticher Dachs, Marderhund, Waschbär und Wildgänse, während Kaninchen und Rebhuhn derzeit eher zu den Verlierern gerechnet werden müssten.

Außerdem verwies der Landwirtschaftsminister auf das im Bericht enthaltene Ergebnis einer dreijährigen Studie über das Rotwild in Schleswig-Holstein, demzufolge besonders durch Siedlung und Verkehrswege nötige Wanderungsbewegungen und der damit verbundene genetische Austausch unter den Tieren zunehmend erschwert werden. Querungshilfen über Verkehrswege hinweg, so genannte Wildbrücken, bezeichnete der Minister in diesem Zusammenhang als ‚zwingende Notwendigkeit‘, zumal sie nicht nur Hirsch und Reh, sondern beispielsweise auch Molch und Laufkäfer dienten. ‚Die kritische Diskussion hierzu in Teilen der Öffentlichkeit kann ich überhaupt nicht nachvollziehen‘, bezog von Boetticher klar Position.

Trotz positiver Beispiele einer erfolgreichen Hege und eines effektiven Artenschutzes verschwieg der Landwirtschaftsminister nicht die Notwendigkeit besonderer Schutzmaßnahmen für bestimmte Tier- und Pflanzenarten. Exemplarisch hob er das so genannte Firnisglänzende Sichelmoos hervor, auf das auch der diesjährige Jagd- und Artenschutzbericht eingehe: Diese Pflanze komme in Schleswig-Holstein nur noch an drei Stellen vor. Ihr Schutz müsse aufgrund strenger Schutzvorschriften nicht zuletzt in der FFH-Richtlinie der EU durch entsprechende Schutzgebietsausweisungen umgesetzt werden.

Der Landwirtschaftsminister nutzte außerdem die Gelegenheit, Bürgerinnen und Bürgern für ihren ehrenamtlichen Einsatz zu danken. Sowohl im Bereich des Artenschutzes wie auch der Jagd mache dieses bürgerschaftliche Engagement nahezu 100 Prozent der geleisteten Tätigkeit aus. Wichtige Artenschutzprojekte wie für Seeadler, Kraniche, Eulen oder Wiesenweihen würden nur anteilig oder in der Anfangsphase durch den Staat gefördert werden können, der hierbei unter anderem auf die Einnahmen aus der Jagdabgabe zurückgreife (557.000 Euro im Jahr 2006). Auch eine Regulierung des Wildtierbestandes durch staatliche Bedienstete sei aufgrund der damit verbundenen Kosten völlig unvorstellbar.

Eine Absage erteilte der Minister schließlich Überlegungen hinsichtlich einer Neufassung der Jagd- und Schonzeitenregelungen: ‚Es gibt keinen Anlass, über die Festsetzung der Jagd- und Schonzeiten in Schleswig-Holstein neu zu diskutieren‘, sagte von Boetticher.

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23. November 2007

Landjugend: Positionspapier zur Gentechnik in der Landwirtschaft

Themen: Gentechnik,Haftung,Verbände — info @ 10:11

Berlin (agrar.de) – ‚Deutschland ist keine Insel. Wer behauptet, wir könnten eine gentechnikfreie Zone schaffen, betreibt Augenwischerei‘, so der stellver­tretende Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend, Johannes Scharl. Dabei steht der BDL der so genannten Grünen Gentechnik durchaus kritisch gegenüber. Die Nutzung dieser Technologie in der Landwirtschaft wird auch in dem Jugendverband kontrovers diskutiert. Trotzdem ist es dem BDL gelungen, ein Positionspapier zum Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft zu verabschieden.

Darin spricht er sich nicht generell gegen die Nutzung von Gentechnik in der Landwirtschaft aus. Vielmehr sei der Einsatz im Einzelfall denkbar, wenn für jeden erkennbar ist, was in den Produkten steckt, die sie kaufen oder verwenden. ‚Dafür brauchen wir in der Lebensmittelerzeugung eine transparente Wertschöpfungskette‘, so Johannes Scharl. Daher fordert der BDL eine eindeutige Kennzeichnungspflicht gentechnisch veränderter Produkte in der gesamten Futter- und Nahrungsmittelkette. Diese müsse auch für
GVO-Saat- bzw. Pflanzgut gelten.

‚Wichtig ist, dass wir einen EU-weit einheitlichen Schwellenwert für ungewollt mit GVO verunreinigtes Saatgut haben. Dieser sollte bei 0,1 Prozent liegen‘, erklärt der stellver­tretende BDL-Vorsitzende. In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass die Kennzeichnung von Importen gentechnisch verän­derter Produkte nach Ansicht des BDL ebenfalls nach einheitlichen europäischen Richtlinien erfolgen muss.

Gleichzeitig brauche es eine neutrale Stelle, um die VerbraucherInnen über die Chancen und Risiken der Gentechnik aufzuklären. Dabei müsse auch der Schwellenwert, der Auskunft über die tolerierbare Verunreinigung gibt, berücksichtigt werden. ‚Auch wenn viele Menschen es nicht zu wissen schei­nen, Gentechnik hat nicht erst gestern in die Landwirtschaft gefun­den‘, so Johannes Scharl.

Die Landwirtschaft der Zukunft beschreibt der BDL als eine Koexistenz, die eine gentechnikfreie Produktion unter Berücksichtigung konventioneller als auch ökologischer Anbauformen gewährleistet. ‚Parallel dazu müssen aber auch Anbauformen mit Gentechnikeinsatz ihren Platz finden können‘, erläutert der Junglandwirt. Daher brauche es parallele Produktions- und Vermarktungswege, um unge­woll­te Vermischungen von GVO und GVO-freien Produkten zu vermeiden.

Der BDL fordert ein striktes Patentierungsverbot für Flora und Fauna.

Zugleich gilt es, ein umfassendes Forschungs- und Beobachtungsprogramm zur Bewer­tung der Chancen und Einschätzung möglicher Risiken des Gentechnik­einsatzes aufzulegen. ‚Allerdings legen wir großen Wert darauf, dass Forschung, Folgenabschätzung und Monitoring durch neutrale Institutionen erfolgen und nicht durch bürokratische Hemmnisse blockiert werden können‘, fügt der stellvertretende BDL-Vorsitzende Johannes Scharl zu. Einzelheiten bzw. das vollständige Positionspapier zum Einsatz der Gentech­nik in der Landwirtschaft finden Sie auf der Internetseite der Landjugend.

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22. November 2007

Auktionsergebnisse Internet Schweinebörse

Themen: Handel,Schweine,Statistik — info @ 18:11

Damme (agrar.de) – Bei der Auktion der Internet Schweinebörse wurden von insgesamt 360 angebotenen Schweinen alle Schweine in 2 Partien zu einem Durchschnittspreis von 1,36 Euro/kg SG in einer Spanne von 1,36 Euro bis 1,36 Euro verkauft.

Links zum Thema Schweine.

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