28. November 2007

Baden-Württemberg: Waldzustandsbericht 2007

Themen: Baden-Württemberg,Statistik,Waldbericht — info @ 20:11

Leichter Rückgang der Waldschäden im Vergleich zum Vorjahr – Bodenschutzkalkung zur Stabilisierung des Waldes notwendig

Stuttgart (agrar.de) – ‚Die Gefährdung des Waldes durch Klimawandel und Luftschadstoffe stellt für Baden-Württemberg eine besondere Herausforderung dar. Der Wald ist mit knapp 1,4 Millionen Hektar und damit fast 39 Prozent der Landesfläche die dominierende Landschaftsform im Südwesten. Er ist der wichtigste Naherholungsraum, Basis für den vielfältigen Fremdenverkehr, Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen sowie Grundlage für die Holzwirtschaft. Ein Drittel des in Deutschland erzeugten Schnittholzes kommt aus Baden-Württemberg. Die Erhaltung des Waldes ist eine vordringliche gesellschaftliche Aufgabe. Die Landesregierung verfolgt seine Entwicklung daher besonders aufmerksam und unterstützt Maßnahmen zur Stabilisierung und Verbesserung des Waldzustandes.‘ Dies sagten Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Minister für Ernährung und Ländlichen Raum Peter Hauk in Stuttgart bei der Bekanntgabe der Ergebnisse des Waldzustandsberichts 2007.

Zustand trotz Rückgang des Nadel- und Blattverlustes kritisch

Wie die aktuelle Erhebung zeigt, ist die deutlich geschädigte Waldfläche 2007 um knapp fünf Prozentpunkte auf 40,2 Prozent gesunken, teilte Minister Hauk mit. Auch der mittlere Nadel- und Blattverlust sei um knapp einen Prozentpunkt auf nunmehr 25,8 Prozent zurückgegangen. Der Nadel- und Blattverlust bleibe damit auch im Jahr 2007, im vierten Jahr in Folge, über der Marke von 25 Prozent der Waldfläche.

Damit sei der Zustand des Waldes nach wie vor kritisch. Der Rückgang der deutlich geschädigten Waldfläche und des mittleren Nadel- und Blattverlustes sei in erster Linie auf die günstigen Witterungsbedingungen im Sommer 2007 mit milden Temperaturen, häufigen Niederschlägen und die deutlich geringere Blüh- und Fruchtintensität zurück zu führen.

Folgen des Klimawandels machen anfälliger für Luftschadstoffe und Insektenschäden

Das weiterhin hohe Schadensniveau zeige, wie stark einzelne Baumarten noch immer unter den Folgen der extremen Trocken-und Hitzeperiode des Jahres 2003 litten, sagte Minister Hauk. Die wichtigsten Einflussfaktoren auf den Waldzustand seien neben der Witterung Stoffeinträge durch Luftverschmutzung und biotische Schädigungen. ‚Mit Blick auf den Klimawandel müssen wir davon ausgehen, dass die Belastungen für den Wald durch lang anhaltende Trockenheit und Hitzeextreme in der Zukunft zunehmen. Dadurch wird der Wald anfälliger für Luftschadstoffe und Insektenschäden‘, betonte Minister Hauk.

Gegenmaßnahmen: Konsequente Förderung von Mischwäldern, intensive Waldpflege und Bodenschutzkalkungen

Auf diese Entwicklung müssten sich Waldbesitzer und Forstleute einstellen und naturnahe, vielfältige Mischwälder weiter konsequent fördern, sagten Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Minister Peter Hauk. Deren Vitalität steige zusätzlich durch eine intensive Waldpflege. Regelmäßige Durchforstungen bereits in jungen Beständen führten zu kräftigen Bäumen mit großen Kronen und einem gut ausgeprägtem Wurzelwerk. Es sei daher ein Trugschluss zu glauben, man müsse die Waldwirtschaft und die Holznutzung wegen des unbefriedigenden Waldzustandes einschränken. ‚Das Gegenteil ist der Fall, die Waldpflege stärkt die Widerstandskraft der Wälder. Jeder der Holz verwendet, unterstützt damit auch die Pflege der Wälder‘, unterstrich Hauk.

Minister Hauk wies darauf hin, dass außerdem eine unnatürliche Versauerung der Waldböden durch Schadstoffeinträge mit Bodenschutzkalkungen verhindert werden müssten. Deren stabilisierende Wirkung auf den Waldzustand sei nachgewiesen.

Waldschäden zeigen Notwendigkeit eines konsequenten Klimaschutzes

‚Der Waldzustand macht deutlich: Klimaschutz ist unverzichtbar und dringender denn je. Der Abschlussbericht des UN-Klimarates hat klar gezeigt, dass ein gravierender Klimawandel nur durch konsequentes Handeln gebremst werden kann. Wir müssen jetzt gegensteuern. Alles andere wäre unverantwortlich gegenüber den nachfolgenden Generationen und hätte gravierende Auswirkungen auf das Ökosystem der Erde. Wir müssen weltweit endlich zu einem gemeinsamen und wirksamen Handeln kommen und den Ausstoß der Klimagase begrenzen‘, betonten Ministerpräsident Oettinger und Minister Hauk.

Angesichts des laufenden Klimawandels sei verstärkt auf den Einsatz erneuerbarer Energien zu setzen, sagten Ministerpräsident Oettinger und Minister Hauk. Auch hier komme dem Wald und damit der Holzwirtschaft große Bedeutung zu. ‚Hier sind wir in Baden-Württemberg bereits auf einem guten Weg. Rund zwölf Prozent beträgt der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung. Bis zum Jahr 2020 soll jede fünfte Kilowattstunde mit erneuerbaren Energien erzeugt werden‘, sagten der Ministerpräsident und der Minister.

Regionalspezifische Untersuchung der Auswirkung des Klimawandels auf Baumarten

Im Hinblick auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wälder in Baden Württemberg verwies Minister Hauk auf ein Projekt der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt. Dabei würden die Auswirkungen des Klimawandels auf die einzelnen Baumarten regionalspezifisch untersucht. Ein Hinweis auf die Bedeutung der Reduktion der Treibhausgase und der Luftverschmutzung insgesamt seien die Erhebungen zum Waldzustand seit 1983. Sie hätten gerade in den letzten Jahren gezeigt, dass der Einfluss der Witterung auf den Gesundheitszustand der Wälder erheblich zugenommen habe.

Ergebnisse der Waldschadensinventur 2007:

Die terrestrische Waldschadensinventur, die 2007 auf einem verdichteten Stichprobennetz von 8 x 8 Kilometer durchgeführt wurde, erlaubt statistisch abgesicherte Aussagen zu den Hauptbaumarten Fichte, Tanne, Buche und Eiche, sowie den Hauptregionen in Baden-Württemberg (Schwarzwald, Neckarland, Schwäbische Alb und Südwestdeutsches Alpenvorland). Im Durchschnitt am stärksten geschädigt sind die Bäume im Südwestdeutschen Alpenvorland mit einem mittleren Nadel-/ Blattverlust von 26,5 Prozent (Neckarland 26,2, Schwarzwald 26,0 und Schwäbische Alb 23,4). Der Unterschied im Schädigungsgrad in den vier Hauptregionen ist mit 3,1 Prozentpunkten relativ gering. Die Inventur wurde unter Leitung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg durchgeführt.

Trend der Entwicklung bei verschiedenen Baumarten:

– Die Eiche ist mit einem mittleren Blattverlust von 33,4 Prozent im Jahr 2007, das sind 1,1 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr, die am stärksten geschädigte Baumart. Die Vitalität der Eichen wurde durch Blatt fressende Raupen zusätzlich belastet.

– Deutlich erholt hat sich die Buche (um 5,5 Prozentpunkte) auf 27,5 Prozent, nachdem sich das Schadensniveau nach dem Trockensommer 2003 drastisch erhöht hatte. Zur Entspannung der Gesamtsituation führt vor allem die deutlich erkennbare Verbesserung des Kronenzustandes bei stärker geschädigten Buchen.

– Der Kronenzustand von Tanne und Fichte hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert bis leicht verbessert. Der mittlere Nadelverlust der Tanne ist mit 22,7 Prozent um einen Prozentpunkt geringer als im Vorjahr. Der mittlere Nadelverlust der Fichte beträgt 25,3 Prozent (minus 0,1 Prozentpunkte). Nur in der Region Oberschwaben/Alpenvorland ist der Zustand der Fichte weiterhin kritisch. Über 45 Prozent aller Fichten sind hier nach wie vor deutlich geschädigt.

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