08. August 2007

Österreich: Preisentwicklung von Nahrungsmitteln

Wien (agrar.de) – Die gegenwärtige Preisentwicklung für ‚Nahrungsmittel und Alkoholfreie Getränke‘ war im Juni 2007 für rund ein Viertel der Inflationsrate verantwortlich. Betrachtet man allerdings die Entwicklung seit dem EU-Beitritt bis zum ersten Halbjahr 2007, ist das allgemeine Preisniveau um durchschnittlich 24,8 Prozent gestiegen, jenes für die Ausgabengruppe ‚Ernährung und Alkoholfreie Getränke‘ aber nur um 18,4 Prozent, also um ein Viertel weniger als die durchschnittliche Inflation. Die Statistik Austria stellt die aktuelle Situation den Zeiträumen vor und nach der Euro-Einführung gegenüber.

Preissteigerungen seit Juni 2006

Innerhalb der Ausgabengruppe ‚Nahrungsmittel und Alkoholfreie Getränke‘ hat mit rund einem Viertel die Ausgabengruppe ‚Fleisch und Fleischwaren‘ (+3,7 Prozent) den größten Anteil an den durchschnittlichen Preissteigerungen im Jahresabstand. Hier haben vor allem die Preise für Rindfleisch stark angezogen. Kalbschnitzelfleisch, Rindfleisch-Lungenbraten und Rindschnitzelfleisch sind durchschnittlich um jeweils +8 Prozent gestiegen.

Für ein weiteres Fünftel der Preissteigerungen zeichnen mit einem Plus von 4,6 Prozent die Ausgaben für ‚Milch, Käse und Eier‘ verantwortlich. Beispielsweise verteuerten sich Gouda und Eier jeweils um 7,0 Prozent. Aber auch bei den Milchprodukten gab es einen Preisschub: Joghurt wurde um 7 Prozent und Topfen um 6 Prozent teurer. Die Vollmilch, die den größten Ausgabenanteil innerhalb dieser Warengruppe ausmacht, stieg seit Juni 2006 um durchschnittlich 4,7 Prozent.

Auch Brot und Getreideprodukte haben im Jahresabstand um 3,7 Prozent angezogen und sind für ein weiteres Fünftel verantwortlich. Neben Weizenmehl (+6 Prozent) wurden Gebäck und Semmeln um jeweils 5 Prozent teurer, aber auch Spezialbrot zog um +4 Prozent und Weißbrot um +6 Prozent deutlich an.

Preisentwicklung von Nahrungsmitteln seit dem EU-Beitritt

Seit dem EU-Beitritt bis zum ersten Halbjahr 2007 ist das allgemeine Preisniveau um durchschnittlich 24,8 Prozent gestiegen, jenes für die Ausgabengruppe ‚Ernährung und Alkoholfreie Getränke‘ aber nur um 18,4 Prozent, also um ein Viertel weniger als die durchschnittliche Inflation. In der Periode vor der Euro-Einführung (1994 bis 2001) stieg das allgemeine Preisniveau um 12,5 Prozent (VPI 1994 bis 2001), die Preise für ‚Nahrungsmittel und Alkoholfreie Getränke‘ jedoch nur um 5,9 Prozent. Somit war die Inflation in dieser Periode doppelt so hoch wie die durchschnittlichen Preissteigerungen der Ausgabengruppe ‚Nahrungsmittel und Alkoholfreie Getränke‘. Bei ‚Milch, Käse und Eiern‘ gab es in dieser Periode sogar Preisrückgänge um durchschnittlich -2,8 Prozent. Obwohl sich die Preise für ‚Brot und Getreideprodukte‘ um 4,3 Prozent steigerten, wiesen die Preise für Weizenmehl durchschnittliche Preisrückgänge um -22,3 Prozent aus. Die größten Preisrückgänge waren im Jahr des EU-Beitritts (1995) zu beobachten. Die Vollmilch wurde um 10 Prozent, Weizenmehl um 29 Prozent, Mischbrot um 3,8 Prozent und Eier um 1,2 Prozent billiger. Derart ausgeprägte Verbilligungen bei Lebensmitteln waren seither nicht mehr zu beobachten.

Im Gegensatz dazu zeigt sich seit der Euro-Einführung ein anderes Bild. Die Inflation von 2001 bis zum ersten Halbjahr 2007 beträgt 10,9 Prozent, die Preise für ‚Ernährung und Alkoholfreie Getränke‘ sind durchschnittlich um 11,7 Prozent gestiegen, also etwas mehr als der durchschnittliche Anstieg aller Waren und Dienstleistungen im Warenkorb. Den größten prozentuellen Anstieg findet man bei ‚Brot und Getreideprodukten‘. Seit der Euro-Einführung sind die Preise in dieser Ausgabengruppe um 14,9 Prozent angestiegen, also deutlich über dem Durchschnitt von 10,9 Prozent. Mischbrot ist sogar um 22 Prozent teurer als 2001. Das Weizenmehl, das in der Periode vor der Euro-Einführung starke Preisrückgänge aufwies (-22 Prozent) entwickelte sich seit der Euro-Einführung mit 12 Prozent nur leicht über dem Durchschnitt. Bei ‚Milch, Käse und Eier‘ zogen die Preise mit 11,9 Prozent um einen Prozentpunkt mehr an als die Inflation (10,9 Prozent) in dieser Periode. Eier wurden sogar um 21 Prozent und Vollmilch um 17 Prozent teurer. Trotz des derzeitigen inflationstreibenden Effekts der ‚Fleisch und Fleischwaren‘ ist die Preisentwicklung mit 9,8 Prozent seit der Euro-Einführung leicht unterdurchschnittlich. Jedoch sind die Preissteigerungen bei Rindfleisch mit 24 Prozent seit der Euro-Einführung vier Mal so hoch wie in der Periode davor und mehr als doppelt so hoch wie der allgemeine Preistrend. Auch die Preise von Schweinefleisch steigen seit der Euro-Einführung rascher als vor der Einführung, aber mit 8 Prozent liegen sie deutlich unter der Inflationsrate in dieser Periode.

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