26. April 2007

Gartenbau in Thüringen

Erfurt (agrar.de) – Zur letzten Strukturerhebung zum Gartenbau im Jahr 2005 wurden 444 landwirtschaftliche Betriebe mit Gartenbau und einer gärtnerischen Nutzfläche (GN) von knapp 5.000 Hektar ermittelt. 1994 befassten sich 479 Betriebe mit der Erzeugung von Gartenbauerzeugnissen. Diese verfügten nach Pressemitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik über 6.000 Hektar GN.

150 Betriebe beschäftigten sich im Jahr 2005 mit der Erzeugung von Blumen und Zierpflanzen (1994: 219 Betriebe), 139 Betriebe mit Gemüseproduktion (179 Betriebe) und 92 Betriebe (68 Betriebe) mit Obstbau. Für Blumen und Zierpflanzen standen etwa 50 Hektar und für den Freilandgemüseanbau 1.600 Hektar Grundflächen zur Verfügung (1994: 60 ha bzw. 1.900 ha).

Die Baumobstfläche nahm durch umfangreiche Rodungen der noch in der ehemaligen DDR angelegten Plantagen von über 3.200 Hektar im Jahr 1994 auf 2.500 Hektar zur aktuellen Erhebung ab.

Dagegen hat sich für Strauchbeerenobst ein Markt erschlossen. Die Betriebszahl verdreifachte sich (1994: 11; 2005: 33 Betriebe) und die Strauchbeerenobstfläche stieg von 35 Hektar um das 4,6fache auf fast 200 Hektar 2005. Eine gleiche Entwicklung war im Erdbeeranbau zu beobachten. Hier nahm die Betriebszahl um 13 Prozent auf 53 Betriebe zu, die Anbaufläche stieg um 80 Prozent auf über 170 Hektar.

Baumschulkulturen gehörten bei 71 Betrieben (1994: 101 Betriebe) zum Produktionssortiment. Diese Betriebe bewirtschafteten 2005 noch 220 Hektar gegenüber 340 Hektar Baumschulflächen 1994.

Betriebe mit Gartenbau überwiegend klein strukturiert

Mit durchschnittlich 11 Hektar gärtnerischer Nutzfläche im Jahr 2005 waren die landwirtschaftlichen Betriebe mit Anbau von Gartenbauerzeugnissen zu Erwerbszwecken in Thüringen klein strukturiert. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Betriebe hatten ein Produktionspotential von weniger als einen Hektar gärtnerischer Nutzfläche (ha GN).

Flächenmäßig kommt diesen Betrieben mit einem Anteil von knapp 2 Prozent eine geringe Rolle zu. Lediglich ein Zehntel der Betriebe verfügte über Grundflächen von 20 ha GN und mehr. Insgesamt produzierten diese Betriebe auf 4.200 ha GN. Damit fielen 85 Prozent der GN aller landwirtschaftlichen Betriebe mit Anbau von Gartenbauerzeugnissen zu Erwerbszwecken auf das Produktionspotential dieser Betriebe.

Drei Viertel der Betriebe als Einzelunternehmen geführt

Betriebe mit Anbau von Gartenbauerzeugnissen 2005 waren überwiegend als Einzelunternehmen geführte Familienbetriebe. Insgesamt gehörten 336 Betriebe (76 Prozent) dieser Rechtsform an. Über drei Viertel wurden als Haupterwerbsbetriebe geführt. Weitere 44 Betriebe waren Personengesellschaften/Personengemeinschaften und 64 Betriebe waren in der Hand einer juristischen Person.

2005 in der Mehrzahl Saisonarbeitskräfte beschäftigt

Im Produktionsgartenbau wurden 6 200 Personen beschäftigt. Nahezu 1.600 Personen (darunter 60 Prozent Familienarbeitskräfte) waren in Einzelunternehmen, 1.100 Personen in Personengesellschaften / -gemeinschaften und 3.500 Arbeitskräfte in Betrieben der Rechtsform einer juristischen Person tätig.

Somit war jede vierte Arbeitskraft (23 Prozent) der knapp 27.200 Beschäftigten aller landwirtschaftlichen Betriebe Thüringens in diesen Betrieben tätig. 2.700 Personen (43 Prozent) waren ständig beschäftigt. Mit 3.500 Personen (57 Prozent) zählte der überwiegende Teil der Beschäftigten zu den Saisonarbeitskräften. Vergleichsweise waren in den landwirtschaftlichen Betrieben insgesamt über acht Zehntel des Personals ständig beschäftigt (22.500 Personen) und 17 Prozent (4.600 Personen) waren bis maximal 3 Monate befristet eingestellt.

Anbau von Gemüse- und Baumobst

Spargel ist Favorit im Freilandgemüseanbau 2006. Die für Thüringen bedeutendsten Gemüsearten sind Spargel, Blumenkohl, Weißkohl, Buschbohnen, Speisezwiebeln und Rosenkohl. Im Jahr 2006 entfielen auf diese genannten Gemüsearten 84 Prozent des Thüringer Freilandgemüseanbaus.

Die Anbaufläche von Spargel, inzwischen die dominierende Gemüseart in Thüringen, wurde gegenüber 1991 verzehnfacht. Blumenkohl, über Jahre die ‚Nummer eins‘ im Gemüsebau, erreichte 2006 nur noch ein Viertel der Anbaufläche von 1991. Rosenkohl hat sogar bundesweite Bedeutung. 13 Prozent der mit Rosenkohl bestellten Flächen des gesamten Bundesgebietes wurden im Jahr 2006 von Thüringer Betrieben bestellt, bei Buschbohnen hielten Thüringer Gemüseanbauer noch einen Anteil von 6 Prozent. Bedeutungslos ist dagegen der Anbau von Salaten.

Insgesamt spielt der Gemüseanbau in Thüringen im gesamtdeutschen Anbau eine geringe Rolle. Weniger als zwei Prozent der Freilandgemüseanbauflächen und knapp 3 Prozent der Flächen in Unterglasanlagen der Bundesrepublik werden durch Thüringer Gemüseanbauer bewirtschaftet. Unter Glas reiften in Thüringen überwiegend Gurken und Tomaten.

Äpfel – das meist angebaute Obst

Die Ergebnisse der letzten Baumobstanbauerhebung 2002 zeigten, auf ca. der Hälfte der Baumobstflächen Thüringens stehen Apfelbäume. Dabei nahmen die Sorte ‚Jonagold‘ mit einem Fünftel an allen Tafelobstbäumen, gefolgt von den Sorten ‚Elstar‘ sowie ‚Shampion‘ mit jeweils 10 Prozent Anteil Spitzenplätze ein. In wie weit sich das Sortenspektrum ändert, wird die diesjährige Baumobstanbauerhebung offenbaren.

Weitere Bedeutung hatten in Thüringen die Sauerkirschen mit einem Flächenanteil von 30 Prozent an der Baumobstfläche insgesamt. Über 90 Prozent der Bäume dienten dabei der Erzeugung von Verwertungsobst.

Bei gesamtdeutscher Betrachtung hat Thüringen im Obstbau eine untergeordnete Rolle. Zur Obstanbauerhebung im Jahr 2002 hatten von den bundesweit rund 13.700 Obstbaubetrieben lediglich 0,5 Prozent der Obstbaubetriebe von Deutschland ihren Betriebssitz in Thüringen. Diese Betriebe bewirtschafteten knapp 5 Prozent der 48.100 Hektar großen Baumobstfläche von Deutschland insgesamt.

Eine Ausnahme machten hier jedoch die Sauerkirschen. Ein Fünftel aller Sauerkirschbäume oder jeder sechste Hektar der mit Sauerkirschen bepflanzten Obstanlagen befand sich zur letzten Baumobstanbauerhebung in Bewirtschaftung von Thüringer Betrieben.

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