11. Januar 2006

Niedersachsen: Die Wintergerste kommt auf die besseren Böden zurück

Themen: Archiv — info @ 12:01

Hannover (agrar.de) – Nach Mitteilung der Ernteschätzer des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik sind die Flächen für Wintergerste im Herbst 2005 um 16 Prozent gegenüber dem Herbst 2004 ausgedehnt worden. Die Wintergerste war von 1970 bis 1985 die häufigste Getreideart in Niedersachsen, noch vor dem Winterweizen. Von 1979 bis 2003 wurde die Fläche der Wintergerste im Land um 40 Prozent reduziert.

Die Wintergerste wurde in den letzten Jahren vor allem in der Börde, also im Dreieck Hannover, Helmstedt, Hildesheim, wieder stärker angesät. Dies hat folgende Gründe:

1. 2005 schnitt die Wintergerste im Ertrag in dieser Region durchschnittlich besser ab als der Winterweizen. 2. Die Frühsommertrockenheit in den östlichen Landesteilen hat der Wintergerste kaum geschadet. 3. Ernteausfälle in Südeuropa und gute Schweinepreise trieben den Futtergerstenpreis hoch. 4. Die Landwirte hatten Probleme mit einer bisher sehr beliebten Weizensorte auf Grund der wiederholt erhöhten Qualitätsanforderungen. 5. Der steigende Winterrapsanbau (2005 ca. +10 %) erhöht landesweit auch den Anbau von Wintergerste, da Winterraps und Wintergerste sich arbeitswirtschaftlich und vom Ertrag gut ergänzen.

Dieses Jahr machte der Winterweizen besonders in der Börde einige Probleme. Die lange Trockenzeit von Juni bis Mitte Juli kostete Ertrag, die nachfolgenden vier Wochen Regen in dem reifen Weizen kosteten die Qualität. Die früher reifende Wintergerste war davon weniger betroffen. Die Frühsommertrockenheit 2005 war ein Problem der östlichen Landesteile, landesweit lag der Winterweizen jedoch auch 2005 immer noch um 7,7 dt/ha vor der Wintergerste.

Die Wintergerste liefert von den Getreidearten das geeignetste Schweinefuttermittel. Die momentan eher erfreulichen Schweinepreise, eine Futterknappheit in Südeuropa und etwas sprunghafte Weizenexporte aus Osteuropa haben die Futtergerste teurer als den Futterweizen gemacht. Da sich Nachfrage und Preise schnell am Markt ändern können, muss auch in der Landwirtschaft jedes Jahr neu kalkuliert werden, was für eine Fruchtfolge für den einzelnen Betrieb mittelfristig den höchsten Erlös liefert. Die niedersächsischen Landwirte haben durch ihren hoch professionellen, regional optimierten Getreideanbau 2005 wieder die höchste Getreideernte (6,8 Mio. t ohne Körnermais) aller Bundesländer eingefahren. Bayern hat zwar eine um 185 000 ha größere Getreidefläche, erzielt darauf aber geringere Erträge.

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