25. November 2004

Niedersachsen: Bauerneinkommen bleiben unbefriedigend

Themen: Archiv — info @ 12:11

Durchschnittliches Unternehmensergebnis lag bei nur 26.300 Euro – Landvolkpräsident Hilse kritisiert Einschnitte bei Agrardiesel und Krankenversicherung

Hannover (agrar.de) – Die Einkommen der landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen sind im Wirtschaftsjahr 2003/04 (1. Juli bis 30. Juni) gegenüber dem äußerst niedrigen Vorjahreswert im Durchschnitt auf 26.321 Euro gestiegen. Damit konnte der katastrophale Einkommenseinbruch des Vorjahres mit einem Unternehmensergebnis von 21.240 Euro nur leicht verbessert werden. ‚Das versteuerbare Einkommen eines entwicklungsfähigen Haupterwerbsbetriebes mit durchschnittlich 1,4 Arbeitskräften müsste aber mindestens 50.000 Euro betragen‘, sagte Landvolk-Präsident Werner Hilse vor Journalisten in Hannover. Dieser Betrag sei notwendig, um einerseits die Lebenshaltungskosten der auf dem Hof lebenden Mehr-Generationen-Familie zu decken und andererseits Investitionen für die Entwicklung des Betriebes zu finanzieren. Weit über die Hälfte der Haupterwerbsbetriebe in Niedersachsen seien aber derzeit nicht in der Lage, das notwendige Einkommen zu erwirtschaften. Vielmehr liege das Unternehmensergebnis je Arbeitskraft in Höhe von 17.641 Euro deutlich unter dem von der Bundesregierung zum Vergleich herangezogenen gewerblichen Vergleichslohn in Höhe von 26.740 Euro.

Besorgt zeigte sich Hilse über die wenig zukunftsorientierte Entwicklung bei den Investitionen. Die Nettoinvestitionen seien um 5.339 Euro auf durchschnittlich 811 Euro je Betrieb zurück gegangen und hätten damit einen historischen Tiefstand erreicht. Für das laufende Wirtschaftsjahr erwartet Hilse eine Verbesserung der Gewinnsituation nur in den Veredlungsbetrieben. Bei den Milchviehbetrieben sei allenfalls eine Stabilisierung auf dem derzeitigen absolut zu niedrigen Niveau zu erwarten. Dagegen würden im Ackerbau trotz der überdurchschnittlich guten Ernten aufgrund der schlechten Preissituation sowohl bei Getreide als auch bei Kartoffeln und Gemüse fallende Unternehmensergebnisse kaum noch zu verhindern sein. Die Investitionsbereitschaft der Landwirte bezeichnete Hilse daher als ’sehr verhalten‘.

Scharf kritisierte der Landvolkpräsident die einseitig steigenden Belastungen insbesondere im Steuer- und Sozialbereich. Das sei für die Weiterentwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe kontraproduktiv. Das kürzlich verabschiedete Haushaltsbegleitgesetz 2005 belaste die deutsche Landwirtschaft mit erheblichen zusätzlichen Wettbewerbsverzerrungen. Während die Steuersätze für Agrardiesel aus Gründen des Wettbewerbs in Frankreich beispielsweise von 5,66 Cent pro Liter auf 1,66 Cent stark abgesenkt würden, sähen sich die deutschen Landwirte einer enormen Steuererhöhung ausgesetzt. ‚Mit 40 Cent pro Liter haben wir dann hierzulande die wenig erstrebenswerte Spitzenposition‘, sagte Hilse. Auch in der Landwirtschaftlichen Krankenversicherung würden die Landwirte durch die Kürzung des Bundeszuschusses einseitig mit höheren Kosten belastet. Hilse bezifferte die Mehrbelastung für die deutsche Landwirtschaft allein in diesem Bereich auf rund 370 Millionen Euro, davon würden knapp 80 Millionen Euro auf Niedersachsen entfallen. Außerdem verwies Hilse auf die hohen Standards der heimischen Produktion im Tierschutz, Umweltschutz und gesundheitlichen Verbraucherschutz. ‚Aber diese hohen Standards kosten Geld und bringen uns preislich ins Abseits‘, meinte der Landvolkpräsident. Deshalb benötigten die Landwirte einen entsprechenden Außenschutz und WTO-gesicherte Ausgleichszahlungen. Ohne die staatliche Förderung sei ansonsten eine flächendeckende Landwirtschaft in Deutschland nicht möglich.

Die unbefriedigende Einkommenssituation führte Hilse insbesondere auf die niedrigen Erlöse bei Milch und Schweinefleisch zurück. In den Milchviehbetrieben betrug das Unternehmensergebnis nur noch 18.163 Euro, und in den Veredlungsbetrieben sank der Gewinn sogar auf 12.911 Euro je Betrieb. Ausschlaggebend für diesen Einbruch der Gewinne waren der drastische Rückgang der Schweinepreise und die nach wie vor völlig unbefriedigenden Milcherzeugerpreise. Die rund 17.000 Milcherzeuger hätten bei Produktionskosten von rund 30 Cent pro Kilogramm nur 27 Cent für den Liter Milch erzielt. Inzwischen sei aber der Preis geringfügig gestiegen. Auch bei den Schweinehaltern sei die monatelange ‚Talfahrt der Erzeugerpreise‘ beendet worden. Inzwischen hätten sich die Preise ‚ganz ordentlich‘ entwickelt. Befriedigender sei die Lage in den Betrieben mit Ackerbau und Dauerkulturen. So hätten die Ackerbaubetriebe im abgelaufenen Wirtschaftsjahr von den hohen Getreide-, Raps- und Kartoffelpreisen profitiert. Dadurch seien die Mengeneinbußen durch die ungewöhnliche Trockenheit im Sommer und Herbst 2003 zumindest teilweise kompensiert worden.

Besorgt äußerte sich der Landvolkpräsident über die in den vergangenen Wochen stark gestiegenen Preise für Energie und Treibstoff. Dadurch hätten sich die Liquiditätsengpässe in den Betrieben verschärft. Zwingend notwendig seien daher die Auszahlungen der Tierprämien noch in diesem Jahr. Jedoch plane das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium, die Vorschusszahlungen erst Ende Januar oder Ende Februar auszuzahlen. ‚Diese Prämien-Auszahlungen erwarten wir noch in diesem Jahr‘, sagte Hilse. Auf scharfe Ablehnung stößt beim Landvolk Niedersachsen auch die geplante Abschaffung des Widerspruchsverfahrens. Streitigkeiten mit den Behörden würden dann nur noch vor den Verwaltungsgerichten ausgetragen werden können. ‚Wir fordern die Landesregierung auf, die Agrarverwaltung davon auszunehmen‘, sagte Hilse. Schließlich sei das Widerspruchsverfahren verwaltungstechnisch einfach zu händeln.

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Niedersachsen: Hausschlachtungen weiter rückläufig

Themen: Fleisch,Niedersachsen,Statistik,Tiere — info @ 12:11

Hannover (agrar.de) – Mit einer leckeren Schlachteplatte im November verbindet sich fast automatisch die Vorstellung einer Hausschlachtung nach alter Art auf dem Bauernhof. Gleichwohl befindet sich diese Tradition nach Angaben des Landvolks Niedersachsen weiterhin auf dem ‚absteigenden Ast‘. Mit der rückläufigen Zahl der Hausschlachtungen gehört auch die Spezies der Hausschlachter, die im Winter von Hof zu Hof ziehen und dort ihrem Handwerk nachgehen, mittlerweile zu den bedrohten Arten. Zudem werden immer mehr Hausschlachtungen in den Landschlachtereien oder sogar auf dem Schlachthof durchgeführt, allenfalls die Verwurstung findet gelegentlich noch auf dem Hof statt.

Nach einer Aufstellung des niedersächsischen Landesamtes für Statistik wurden im vergangenen Jahr nur noch 61.261 Schweineschlachtungen als Hausschlachtungen registriert, im Jahr 2002 waren es noch 70.072. Auch die Rinderschlachtungen gingen von 13.228 auf 11.568 zurück, ebenso die Hausschlachtungen bei Schafen von 12.574 auf 11.419. Der Rückgang dürfte sich auch im laufenden Jahr fortsetzen, allerdings sind die traditionellen Schlachtemonate zum Jahresende von der Statistik noch nicht erfasst. Bis einschließlich September wurden erst 33.509 Schweine, 6.019 Rinder sowie 6.023 Schafe im Rahmen von Hausschlachtungen verarbeitet und damit erst gut die Hälfte der Vorjahresmenge. Im gleichen Zeitraum sind insgesamt zehn Millionen Schweine und knapp 357.000 Rinder in Niedersachsen gewerblich geschlachtet worden.

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Europa hat genug Fleisch

Themen: Archiv — info @ 10:11

Große Unterschiede im Selbstversorgungsgrad der Mitgliedsländer

Hannover (agrar.de) – Insgesamt gesehen, erzeugen die Bauern in den 15 alten Mitgliedsländern der Europäischen Gemeinschaft etwas mehr Fleisch, als verbraucht wird: Der Selbstversorgungsgrad lag im vergangenen Jahr mit 105 Prozent knapp über dem Bedarf. Zwischen den einzelnen Mitgliedsländern bestehen jedoch gravierende Unterschiede im Umfang der Fleischerzeugung. So erzeugte Dänemark mit 386 Prozent Selbstversorgungsgrad ein Mehrfaches des Eigenverbrauchs an Fleisch. Auch Irland (268 Prozent Selbstversorgungsgrad), die Niederlande (187 Prozent) sowie Belgien und Luxemburg (178 Prozent) erzeugten weit mehr Fleisch, als in den eigenen Landesgrenzen verspeist wurde. In Frankreich mit 111 Prozent, Spanien (109 Prozent), Österreich (109 Prozent) und Finnland (108 Prozent) überstieg die Erzeugung den Eigenbedarf nur wenig. Alle übrigen EU-Länder konnten sich aus eigener Produktion nicht vollständig mit Fleisch versorgen und waren auf Importe angewiesen. Die größten Versorgungslücken hatte Griechenland mit einem Selbstversorgungsgrad von nur 58 Prozent. In Deutschland reichte die Eigenerzeugung an Fleisch immerhin noch für 92 Prozent des Bedarfs. Auch in Schweden lag der Selbstversorgungsgrad noch bei 81 Prozent. In Portugal (76 Prozent), Italien (75 Prozent) und Großbritannien (74 Prozent) konnte der Fleischbedarf dagegen nur zu drei Vierteln aus eigener Erzeugung gedeckt werden.

Mit Schweinefleisch konnte sich die EU im vergangenen Jahr zu 110 Prozent aus eigener Erzeugung versorgen. Dabei taten sich die Dänen besonders hervor; sie erzeugten immerhin das Sechsfache des Eigenbedarfs und bedienten in großem Umfang ihre Exportmärkte in Japan, Großbritannien, zunehmend aber auch in Deutschland. Ebenfalls weit über dem Eigenbedarf an Schweinefleisch produzierten die Niederlande mit 233 Prozent, Belgien/Luxemburg mit 223 Prozent und Irland mit 160 Prozent. Nicht genügend Schweinefleisch zur Eigenversorgung wurde lediglich in Schweden, Portugal, Großbritannien, Italien und Deutschland erzeugt, Griechenland konnte seinen Bedarf sogar nur zu 44 Prozent selbst decken.

Anders liegen die Verhältnisse beim Rindfleisch, mit dem sich die 15-er Gemeinschaft nur zu 98 Prozent aus eigener Produktion versorgen kann. Dabei standen die Iren einsam an der Spitze, ihr Selbstversorgungsgrad lag bei 717 Prozent. Das bedeutet bereits einen drastischen Rückgang, denn vier Jahre zuvor betrug die Eigenproduktion auf der grünen Insel sogar 1.034 Prozent des Bedarfs! Deutschland schaffte immerhin noch 127 Prozent Eigenversorgung, während die Griechen wiederum mit nur 27 Prozent Selbstversorgung ‚Tabellenletzter‘ waren. Beim Geflügel deckte die Eigenproduktion den Bedarf im EU-Mittel zu 102 Prozent. In Deutschland wurden jedoch nur 71 Prozent des Bedarfs erzeugt, während Dänemark auch beim Geflügel mit 180 Prozent den höchsten Selbstversorgungsgrad hatte. Während der Selbstversorgungsgrad der EU mit Schweinefleisch in den vergangenen Jahren einigermaßen konstant blieb, ist er bei Rind- und Geflügelfleisch bei rückläufiger Erzeugung leicht gesunken und hat bei Rindfleisch erstmalig die 100-Prozent-Marke unterschritten.

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24. November 2004

FNR sieht großes Wachstumspotenzial für Biokraftstoffe

Themen: Biogas,Kraftstoffe,NaWaRos — info @ 15:11

Gülzow (agrar.de) – Welchen Beitrag können Biokraftstoffe in Zukunft leisten, um unsere Mobilität zu sichern? Diese Frage wird vor dem Hintergrund steigender Ölpreise, begrenzter fossiler Ressourcen und ungelöster Klimaprobleme drängender. Eine Antwort gibt die Potenzial-Abschätzung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), Projektträger des Bundesverbraucherschutzministeriums: Der Beitrag pflanzlicher Biokraftstoffe kann theoretisch mit bis zu einem Viertel des Gesamtverbrauchs im Jahr 2020 durchaus beachtlich sein. Grund dafür ist zum einen der in Zukunft abnehmende Kraftstoffbedarf, zum anderen der wachsende Beitrag von synthetischen Biokraftstoffen, bei denen die Biomasse besonders effizient genutzt wird.

Zu den Biokraftstoffen zählen reines Pflanzenöl, Biodiesel aus Raps, Ethanol aus Getreide oder Rüben und Methan aus Biogas, das in Erdgas-Fahrzeugen eingesetzt werden kann. Besonders große Hoffnungen verbinden sich zudem mit synthetischen Biokraftstoffen, auch Biomass-to-Liquid-(BTL)-Kraftstoffe genannt, die das größte Mengenpotenzial bieten. Denn für sie ist nicht nur eine breite Rohstoff-Palette von der Energiepflanze bis zum Restholz nutzbar, sondern es können auch sämtliche Bestandteile der Pflanzen verwertet werden.

Politik und Wirtschaft favorisieren einen möglichst hohen Pflanzensprit-Anteil am zukünftigen Kraftstoff-Mix aus mehreren Gründen: Biokraftstoffe können das knapper werdende Erdöl zumindest teilweise ersetzen. Dem Klimaschutz dienen sie, da sie sich bei der Verbrennung nahezu vollständig CO2-neutral verhalten. Ihre Nutzung erfordert zudem weniger aufwändige Anpassungen der Infrastruktur als Wasserstoff; auch die bestehende Motortechnik kann weitestgehend beibehalten werden. Werden Biokraftstoffe herkömmlichen Kraftstoffen beigemischt, entfallen entsprechende Neu-Investitionen sogar gänzlich. Schließlich mangelt es an Alternativen – es gibt keinen anderen klimaschonenden Energieträger, der kurzfristig und in ähnlicher Menge für den Verkehrsbereich zur Verfügung steht.

Mit Hilfe der Mineralölsteuer-Befreiung sind Biokraftstoffe schon heute auf dem Vormarsch. Im letzten Jahr betrug ihr Anteil am bundesdeutschen Kraftstoffverbrauch bereits 1,4 Prozent, wozu vor allem Biodiesel beitrug. Seit diesem Jahr mischen die großen Mineralölkonzerne außerdem bis zu fünf Prozent des Rapsöl-Kraftstoffs herkömmlichem Diesel bei. In gleicher Höhe kann künftig auch Bioethanol, für das bereits mehrere Anlagen im Bau sind, Otto-Kraftstoffen zugesetzt werden. BTL-Kraftstoffe befinden sich noch im Entwicklungsstadium, dürften aber ab 2010 einen wachsenden Anteil zur Kraftstoffversorgung beitragen.

Die FNR schätzt, dass die verschiedenen Biokraftstoffe bei insgesamt sinkendem Verbrauch so im Jahr 2020 theoretisch bis zu 25 Prozent des Gesamtverbrauchs stellen könnten.

Den Zahlen der Kraftstoff-Grafik liegen folgende Annahmen zugrunde: Der Mineralölwirtschaftsverband geht für das Jahr 2020 von einem Kraftstoffverbrauch für PkW und LkW von 44,3 Millionen Tonnen aus. Laut einer im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstellten Studie stehen in Deutschland im Jahr 2020 bis zu 3,45 Millionen Hektar Fläche zum Anbau von Energiepflanzen zur Verfügung. Davon können Stroh und Getreideganzpflanzen mit einem Energiegehalt von 957 PJ pro Jahr geerntet werden. Bei einem angenommenen Konversionsgrad von 50 Prozent lassen sich daraus 478 PJ oder 11,13 Millionen Tonnen BTL-Kraftstoffe erzeugen, die 25 Prozent des Gesamtbedarfs decken.

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Auktionsergebnisse Schweinebörse Nordwest

Themen: Handel,Schweine — info @ 14:11

Damme (agrar.de) – Bei der Auktion der Internet Schweinebörse Nordwest AG wurden von insgesamt 680 angebotenen Schweinen 520 Schweine verkauft, davon alle Schweine aus Deutschland zu einem Durchschnittspreis von 1,50 Euro/kg SG in einer Spanne von 1,49 Euro bis 1,51 Euro. Es wurden drei von vier Partien gehandelt.

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BÖLW: Agro-Gentechnik gefährdet innovativen Wachstumsmarkt

Themen: Archiv — info @ 14:11

Berlin (agrar.de) – Die Ergebnisse des Erprobungsanbaus von gentechnisch verändertem Mais, die heute auf einer Pressekonferenz von Innoplanta vorgestellt wurden, zeigen nicht, dass Koexistenz möglich ist, so der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Denn neben dem untersuchten Pollenflug drohe auch durch verunreinigtes Saatgut sowie verunreinigte Ernte-, Transport- und Lagereinrichtungen die Kontamination gentechnikfrei erzeugter Produkte mit gentechnisch veränderten Bestandteilen. Erfahrungen in den USA mit Mais, Soja und Raps zeigen, dass bereits nach kurzer Zeit kaum eine Partie dieser Pflanzenarten noch frei von den künstlichen Genen ist.

Solche Verunreinigungen gefährden die Ökologische Lebensmittelwirtschaft, die gesetzlich dazu verpflichtet ist, ohne Gentechnik zu arbeiten. Es ist offen, ob Verunreinigungen ganz vermieden werden können oder bis hin zu den Kennzeichnungswerten in Kauf zu nehmen sein werden. Zwar haftet nach dem neuen Gentechnikgesetz der Gentechnik-Verwender, wenn es zu Schäden bei seinen Nachbarn kommt. Dennoch müssen Ökobauern und die Verarbeiter ihrer Produkte, um Verunreinigungen zu vermeiden, einen zusätzlichen Aufwand betreiben, der zu erheblichen finanziellen Belastungen führt. Dadurch würde es zu Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft kommen.

Dabei ist diese ein boomender Wirtschaftssektor: ‚Unser Umsatz steigt kontinuierlich und liegt mit über 3 Mrd. Euro um ein Vielfaches über dem der Agro-Gentechnik-Industrie‘, so Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. ‚Die Zahl der Beschäftigten hat sich in den letzten 10 Jahren auf 150.000 Personen verdoppelt. Über 50 Prozent der Verbraucher äußern Kaufbereitschaft.‘

Ganz anders das Bild in der Gen-Tech-Branche: Sie beschäftigt in Deutschland nach einer Studie von Ernest und Young im Jahr 2003 unter 2000 Personen bei einem Umsatz von ca. 150 Mio. Euro. Als Rationalsierungstechnik wird sie in der Landwirtschaft weitere Arbeitsplätze kosten. Zudem steht ihr der überwiegende Anteil der Bevölkerung ablehnend gegenüber.

‚Es kann nicht sein, dass die Ökologische Lebensmittelwirtschaft als umweltfreundlicher und wachsender – und damit innovativer – Wirtschaftssektor von einer Technik gefährdet wird, die im Vergleich zu diesem Wirtschaftssektor nur ein Bruchteil an Arbeitsplätzen zur Verfügung stellt‘, betont Dr. Alexander Gerber, Geschäftsführer des BÖLW. ‚Zudem bietet die Agro-Gentechnik bis heute nur Anwendungen, die mehr Probleme als Lösungen schaffen und zu denen es einfache und kostengünstige ackerbauliche Alternativen gibt‘.

Unstrittig ist, dass der Ökologische Landbau effektive Antworten auf die Umweltprobleme einer intensiven Landwirtschaft gibt. Untersuchungen zeigen, dass sich diese Probleme durch die Agro-Gentechnik verschärfen. So stieg in Anbaugebieten von gentechnisch veränderten Pflanzen in den USA der Pestizideinsatz.

‚Vergleicht man nachhaltige Wirtschaftskraft, Wirkung auf den Arbeitsmarkt, Bedürfnisse der Bevölkerung und Umweltfreundlichkeit, dann erweist sich der ökologische Landbau als die innovative Form der Landwirtschaft – und nicht die Agro-Gentechnik‘, schließt Dr. Felix Prinz zu Löwenstein.

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DBV zum Gentechnikgesetz: Haftungsfrage muss geklärt werden

Themen: Archiv — info @ 14:11

Sonnleitner wendet sich an Bundestagsabgeordnete

Berlin (agrar.de) – Die heutige Vorstellung erster Ergebnisse des Erprobungsanbaus mit gentechnisch verändertem Mais hat nach Ansicht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) bewiesen, wie hilfreich eine Einbeziehung aller wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gruppen beim Erprobungsanbau gewesen wäre. Nur so wäre eine breite Akzeptanz erreichbar gewesen, von der man jetzt aufgrund der generellen Kritik der Umweltorganisationen weit entfernt ist. Der DBV forderte, den Erprobungsanbau fortzusetzen und auf die gesamte Kette der Verarbeitung auszudehnen. Dies sei notwendig, um nachhaltig die Koexistenz zu erreichen und die Wahlfreiheit von Landwirten und Verbrauchern zu sichern. Die Ergebnisse des Erprobungsanbaus wurden heute in Berlin durch die Landesregierung von Sachsen-Anhalt und den Verein InnoPlanta vorgestellt. Bei dem in sieben Bundesländern durchgeführten Programm wurde der nachbarschaftliche Anbau von gentechnisch veränderten und konventionellen Maissorten unter Praxisbedingungen getestet.

Nachgewiesen wurde, dass der Anteil von gentechnisch veränderten Organismen mit wachsender Distanz sehr schnell zurückgeht. Ein Trennstreifen von konventionellem Mais von 20 Metern Breite würde ausreichen, um ‚wesentliche Einträge von gentechnisch veränderten Pflanzen in Nachbarfeldern auszuschließen‘, so die Untersuchungen.

Im Hinblick auf die Entscheidung des Deutschen Bundestages am kommenden Freitag (26.11.2004) zur Novelle des Gentechnikgesetzes, hat DBV-Präsident Gerd Sonnleitner sich in einem Brief an die Abgeordneten des Bundestages gewandt und noch einmal die Besorgnisse der deutschen Bauernfamilien vorgetragen. Der Bundesrat hatte das Gesetz unter anderem wegen der Haftungsfrage abgelehnt, jedoch kann es der Bundestag mit Kanzlermehrheit endgültig verabschieden. Sonnleitner verwies auf die vorbildlichen Lösungen für das Miteinander verschiedener Anbauverfahren in den Niederlanden und in Dänemark. Der dort erreichte äußerst pragmatische Ansatz einer Koexistenz wäre auch für Deutschland gut geeignet, die emotionsgeladenen Diskussionen um den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu entschärfen. In Dänemark und den Niederlanden hatten sich Gesetzgeber, landwirtschaftliche Praxis und Umweltorganisationen auf Kriterien der guten fachlichen Praxis für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verständigt. Zugleich wurde festgelegt, dass ein Landwirt, der diese gute fachliche Praxis nicht einhält, einer verschuldensabhängigen Haftung unterliegt. Kommt es trotz aller Vorkehrungen zu einer Auskreuzung von gentechnisch veränderten Organismen, tritt ein gemeinsam von Pflanzenzüchtern und Landwirtschaft getragener Haftungsfonds ein.

Mit der im deutschen Gesetzentwurf vorgesehenen verschuldensabhängigen und gesamtschuldnerischen Haftung sei es hingegen zurzeit keinem Landwirt zuzumuten, sich – auch nur versuchsweise – an einem Erprobungsanbau zu beteiligen, schrieb der DBV-Präsident. Damit werde eine innovationsorientierte Politik völlig lahm gelegt. Unabhängig davon sei noch zu klären, ob ein Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen tatsächlich vom Markt gewünscht werde. Bleibe es bei der ablehnenden Grundhaltung der deutschen Verbraucher, werde es auch keinen umfangreicheren Anbau mit gentechnisch veränderten Pflanzen durch die deutschen Bauern geben, betonte Sonnleitner.

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Grüne: Gentechnischer Versuchsanbau in Sachsen-Anhalt beweist Notwendigkeit gesetzlicher Koexistenz-Regelungen

Themen: Gentechnik,Haftung,Mais,Umwelt — info @ 09:11

Berlin (agrar.de) – Zu den heute vorgestellten Ergebnissen eines Versuchsanbaus des Gen-Maises MON 810 erklärt Ulrike Höfken, agrar- und verbraucherpolitische Sprecherin von Bündnis 90 / Die Grünen:

‚Die Ergebnisse des so genannten Erprobungsanbaus geben unserer kritischen Haltung gegenüber der Agrogentechnik Recht. Insbesondere zeigen sie, wie dringend notwendig gesetzliche Regelungen zur Koexistenz sind. Es ist wichtig, dass das Gesetz jetzt zügig vom Bundestag beschlossen wird.

Klar ist: Bereits die Ergebnisse dieser unzureichenden Studie zeigen, dass ohne klare gesetzliche Regeln auch bei Mais, der ja keine verwandten Pflanzen in Deutschland hat, Koexistenz nicht möglich ist.

Dabei wurde nur ein Bruchteil der notwendigen Parameter untersucht. Wer es ernst meint mit einem Erprobungsanbau zur Erforschung der Koexistenz, der muss alle agronomischen Bereiche, wie den Maschinenpark, den Transport und die Weiterverarbeitung berücksichtigen. Auch weiter entfernte Felder müssen einbezogen werden. Der Versuch hat aber systematisch nur den Pollenflug bis 60 Meter untersucht. Bereits hier finden sich noch erhebliche Kontaminationen der Nachbarfelder durch GVO-Pflanzen. Abstände (bis 10 m) verursachen wirtschaftliche Schäden oberhalb der Schadschwellen. Auch die Blühverschiebeversuche, auf die die Industrie nach ihren Aussagen große Hoffnungen setzte, verringerten die Kontamination nicht.

Würden diese Ergebnisse mit Raps durchgeführt, würden sie noch wesentlich deutlicher die Notwendigkeit des Gentechnikgesetzes betonen.

Koexistenz-Versuche ohne Beteiligung der betroffenen konventionell und ökologisch wirtschaftenden Nachbarn sind nicht aussagefähig.

Offensichtlich dienten diese Versuche nicht dem wissenschaftlichen Gewinn, sondern nur als Werbe- und Akzeptanzkampagne für die interessierte Industrie. Das zeigen auch die Äußerungen des sachsen-anhaltischen CDU-Wirtschaftsministers Rehberger, der den Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft nicht für notwendig hält und wörtlich erklärt, es gäbe keinen Schaden. Gleichzeitig will der gegen die Haftungsregelungen im Gentechnikgesetz klagen. Wie er durch die Rationalisierungs­technologie Gentechnik neue Arbeitsplätze schaffen will, bleibt zudem schleierhaft.

Versuche, die wie dieser unter strenger Geheimhaltung und Ausschluss der Öffentlichkeit und Nachbarschaft stattfinden, werden nicht zu mehr sondern zu weniger Akzeptanz beitragen.‘

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CDU/CSU: Erprobungsanbau widerlegt das rot-grüne Gentechnikgesetz

Themen: Gentechnik,Haftung,Umwelt — info @ 09:11

Berlin (agrar.de) – Zu den heute veröffentlichten Ergebnissen des Erprobungsanbaus der Bundesländer mit gentechnisch verändertem Mais erklärt der Bio- und Gentechnik-Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Helmut Heiderich:

‚Der großflächige Erprobungsanbau über 7 Bundesländer hinweg hat erstmals wissenschaftliche Daten aus der landwirtschaftlichen Anbaupraxis in Deutschland geliefert.

Die erste Auswertung zeigt, dass eine Koexistenz unterschiedlicher Anbauformen auch in Deutschland ohne Schäden möglich ist. Die ständigen Künast-Warnungen werden wieder einmal widerlegt. Es gibt keinerlei Anlass für eine Verunsicherung der Verbraucher.

Nach ihrer jahrelangen Blockadepolitik musste selbst die Verbraucherministerin diesen Erprobungsanbau inzwischen fachlich und wissenschaftlich anerkennen.

Die Bundesregierung – vor allem aber Ministerin Künast – ist nun gefordert, das Gentechnik-Gesetz einer praxisbasierten Prüfung zu unterziehen. Die überzogenen bürokratischen Regelungen und insbesondere die Haftungsregelungen des neuen Gentechnik-Gesetzes müssen korrigiert werden.

Der Kanzler steht nun in der Pflicht, seinen vielen positiven Worten zur Gentechnik auch Taten folgen zu lassen. Im kommenden Jahr 2005 muss ein bundesweiter Anbau weitere praktische Erfahrungen bringen, wie von CDU/CSU seit langen gefordert. Dieser muss alle Bundesländer und alle interessierten Unternehmen in Deutschland einbeziehen.‘

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23. November 2004

Grüne: Flächenprämienanträge für Streuobstwiesen bis zum 15. Mai stellen

Themen: Archiv — info @ 16:11

Berlin (agrar.de) – Zur im Zuge der Agrarreform geschaffenen bundesweiten Prämienberechtigung für Streuobstwiesen erklärt Cornelia Behm, Mitglied im Ausschuss für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft für Bündnis 90 / Die Grünen:

‚Die Agrarministerien der Länder haben klar gestellt, dass sämtliche Streuobstwiesen im Rahmen der EU-Agrarreform als Dauergrünland und nicht als Dauerkulturen einzustufen sind und damit bundesweit prämienberechtigt sind. Dies betrifft ca. 300.000 ha Streuobstwiesen. Diese Obstbaumkulturen sind besonders artenreich, aber aus wirtschaftlichen Gründen von Rückgang bedroht. Es ist ein großer umweltpolitischer Erfolg der Agrarreform, dass sie nunmehr in ihrem Bestand gesichert werden können. Dies kommt sowohl den Obstbauern als auch der Natur zu Gute.

Die Eigentümer von Streuobstwiesen können nunmehr bundesweit bis zum 15. Mai Anträge stellen, um für ihre Streuobstwiesen die neue Grünlandprämie zu erhalten. Da dies noch nicht allen Betroffenen bekannt ist, sind die Agrarbehörden in den Bundesländern aufgefordert, die Betroffenen entsprechend zu informieren und zu beraten.

Bisher waren Streuobstwiesen und Grünland nicht prämienberechtigt – unabhängig davon, ob sie als Dauerkultur oder als Dauergrünland eingestuft waren. Diese Einstufung wurde von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt. In den Bundesländern, in denen sie 2003 als Dauerkultur eingestuft wurden, war nun zu befürchten, dass für sie auch zukünftig keine Prämien gezahlt werden. Diese Gefahr ist nunmehr abgewendet.

Voll prämienberechtigt sind ab 2005 auch andere extensiv genutzte Grünlandflächen wie Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen, Berg- oder Streuwiesen – auch dies ein Meilenstein für den Naturschutz und für die Landwirte.‘

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