24. November 2004

Grüne: Gentechnischer Versuchsanbau in Sachsen-Anhalt beweist Notwendigkeit gesetzlicher Koexistenz-Regelungen

Themen: Gentechnik,Haftung,Mais,Umwelt — info @ 09:11

Berlin (agrar.de) – Zu den heute vorgestellten Ergebnissen eines Versuchsanbaus des Gen-Maises MON 810 erklärt Ulrike Höfken, agrar- und verbraucherpolitische Sprecherin von Bündnis 90 / Die Grünen:

‚Die Ergebnisse des so genannten Erprobungsanbaus geben unserer kritischen Haltung gegenüber der Agrogentechnik Recht. Insbesondere zeigen sie, wie dringend notwendig gesetzliche Regelungen zur Koexistenz sind. Es ist wichtig, dass das Gesetz jetzt zügig vom Bundestag beschlossen wird.

Klar ist: Bereits die Ergebnisse dieser unzureichenden Studie zeigen, dass ohne klare gesetzliche Regeln auch bei Mais, der ja keine verwandten Pflanzen in Deutschland hat, Koexistenz nicht möglich ist.

Dabei wurde nur ein Bruchteil der notwendigen Parameter untersucht. Wer es ernst meint mit einem Erprobungsanbau zur Erforschung der Koexistenz, der muss alle agronomischen Bereiche, wie den Maschinenpark, den Transport und die Weiterverarbeitung berücksichtigen. Auch weiter entfernte Felder müssen einbezogen werden. Der Versuch hat aber systematisch nur den Pollenflug bis 60 Meter untersucht. Bereits hier finden sich noch erhebliche Kontaminationen der Nachbarfelder durch GVO-Pflanzen. Abstände (bis 10 m) verursachen wirtschaftliche Schäden oberhalb der Schadschwellen. Auch die Blühverschiebeversuche, auf die die Industrie nach ihren Aussagen große Hoffnungen setzte, verringerten die Kontamination nicht.

Würden diese Ergebnisse mit Raps durchgeführt, würden sie noch wesentlich deutlicher die Notwendigkeit des Gentechnikgesetzes betonen.

Koexistenz-Versuche ohne Beteiligung der betroffenen konventionell und ökologisch wirtschaftenden Nachbarn sind nicht aussagefähig.

Offensichtlich dienten diese Versuche nicht dem wissenschaftlichen Gewinn, sondern nur als Werbe- und Akzeptanzkampagne für die interessierte Industrie. Das zeigen auch die Äußerungen des sachsen-anhaltischen CDU-Wirtschaftsministers Rehberger, der den Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft nicht für notwendig hält und wörtlich erklärt, es gäbe keinen Schaden. Gleichzeitig will der gegen die Haftungsregelungen im Gentechnikgesetz klagen. Wie er durch die Rationalisierungs­technologie Gentechnik neue Arbeitsplätze schaffen will, bleibt zudem schleierhaft.

Versuche, die wie dieser unter strenger Geheimhaltung und Ausschluss der Öffentlichkeit und Nachbarschaft stattfinden, werden nicht zu mehr sondern zu weniger Akzeptanz beitragen.‘

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