14. Oktober 2004

Höhn: NATURA 2000 Netzwerk in NRW ist gesichert

Themen: Archiv — info @ 10:10

Die Meldung von FFH-Gebieten und Vogelschutzgebieten ist damit abgeschlossen

Düsseldorf (agrar.de) – Das Landeskabinett hat gestern Abend die Meldung der letzten meldepflichtigen FFH-Gebiete sowie Vogelschutzgebiete an die EU-Kommission nach Brüssel beschlossen. In Nordrhein-Westfalen sind damit jetzt insgesamt 515 FFH-Gebiete und 25 Vogelschutzgebiete, die ca. 8,2 Prozent der Landesfläche ausmachen, Bestandteil von NATURA 2000 geworden. Darunter befinden sich so bedeutende Gebiete wie das FFH-Gebiet ‚Baumberge‘ im Münsterland oder das Vogelschutzgebiet ‚Hellwegbörde‘ im Raum Soest.

Nach der Durchführung der Öffentlichkeitsbeteiligung im Juli und August des Jahres wird das Netz NATURA 2000 um zwei neue FFH-Gebiete ergänzt, zwei schon gemeldete FFH-Gebiete (‚Davert‘ und ‚Else/Werre‘) mussten (um 7 bzw. 17 Hektar) erweitert werden. Außerdem gibt es mit der ‚Hellwegbörde‘ und dem ‚Lommersdorfer Wald‘ im Kreis Euskirchen zwei neue Vogelschutzgebiete. Der ‚Lommersdorfer Wald‘ (581 Hektar) ergänzt auf nordrhein-westfälischer Seite das rheinland-pfälzische Vogelschutzgebiet ‚Ahrgebirge‘ (ca. 32.000 Hektar). Hinzu kommen weitere acht Vogelschutzgebiete, die jedoch deckungsgleich mit bereits gemeldeten FFH-Gebieten sind.

Umweltministerin Bärbel Höhn: ‚NRW hat einen sehr beachtlichen Beitrag zur Sicherung des europäischen Naturerbes mit seiner landestypischen biologischen Vielfalt geleistet. Wir haben damit die vereinbarten Fristen eingehalten. Zugleich ist dadurch auch ein wichtiger Schritt auf dem Wege zu verbesserter Rechts- und Planungssicherheit im Lande getan worden. Nun gilt es, das Netz NATURA 2000 durch entsprechende Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen mit Leben zu erfüllen.‘

Nunmehr stehen lediglich noch einige wissenschaftliche Überprüfungen aus, die aber nicht mehr für eine eventuelle Wiederaufnahme eines FFH-Zwangsgeldverfahren der EU gegen Deutschland relevant sind. Sie könnten bis Ende 2005 entweder zum endgültigen Abschluss der Meldungen führen oder gegebenenfalls zur Identifizierung von maximal drei bis fünf weiteren Gebieten oder Gebietserweiterungen für die Anhang II-Arten Hirschkäfer, Helm-Azurjungfer und Kammolch. Die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten ist mit einer entsprechenden Prüfung beauftragt.

Die FFH-Richtlinie der Europäischen Union (EU) vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen enthält eine gemeinschaftsweit verbindliche Rechtsgrundlage zur Erhaltung und Entwicklung des europäischen Naturerbes. Danach sind die Mitgliedstaaten der EU u.a. verpflichtet, unter der Bezeichnung NATURA 2000 ein kohärentes ökologisches Netz besonderer Schutzgebiete einzurichten. Dieses Netz umfasst auch die nach der EG-Vogelschutz-Richtlinie gemeldeten Vogelschutzgebiete.

Weitere Informationen zu den FFH- und Vogelschutzgebieten finden Sie einer eigens für NATURA 2000 geschaffenen Homepage.

Nachmeldeliste (FFH- und Vogelschutzgebiete)

Vogelschutzgebiete

Hierbei handelt es sich bis auf die ‚Hellwegbörde‘ und den ‚Lommersdorfer Wald‘ um Gebiete, die bereits als FFH-Gebiete gemeldet sind, die gleichzeitig aber auch die Meldekriterien für Vogelschutzgebiete aufweisen. Mit der Doppelausweisung sind räumlich und im Hinblick auf die Erhaltungsziele keine neuen Schutzmaßnahmen erforderlich, d.h. für die Eigentümer entsteht mit der formalen Nachmeldung keine neue Situation. Diese Meldung ist für künftige Pläne und (Bau-) Vorhaben wichtig, da die erforderliche rechtskräftige Genehmigung bei Vogelschutzgebieten die Durchführung einer sogenannten FFH-Verträglichkeitsprüfung bedingt. Diese trägt in erheblichem Maße zur Rechts- und Planungssicherheit für künftige Entwicklungen in diesen Gebieten bei.

Lippeaue zwischen Hamm und Lippstadt mit den Ahsewiesen (Kreis Soest, Stadt Hamm, Kreis Warendorf) – DE-4314-401 (Rohrweihe, Wachtelkönig) – 2304 ha

Luerwald und Bieberbach (Kreis Soest, Märkischer Kreis, Hochsauerlandkreis) –DE-4513-301 (Mittelspecht, Schwarzstorch) – 2636 ha

Oppenweher Moor (Kreis Minden-Lübbecke) – DE-3417-301 (Bekassine, Kranich, Raubwürger) – 472 ha

Davert (Kreis Coesfeld, Stadt Münster, Kreis Warendorf) – DE-4111-302 (Mittelspecht, Schwarzspecht)

Königsforst (Stadt Köln, Rheinisch-Bergischer Kreis) – 5008-302 (Mittelspecht) – 2519 ha

Waldreservat Kottenforst-Waldville (Stadt Bonn, Rhein-Sieg-Kreis) – DE-5308-303/DE-5207-301 (Mittelspecht, Schwarzspecht) – 3587 ha

Drover Heide (Kreis Düren) – DE-5205-301 (Ziegenmelker, Schwarzkehlchen, Heidelerche)

Buntsandsteinfelsen im Rurtal (Kreis Düren) – DE-5304-302 (Uhu) – 315 ha

Die Hellwegbörde ist als neues Vogelschutzgebiet mit 48.451 ha vor allem für die Arten Wiesenweihe, Rohrweihe und Wachtelkönig ein wichtiger Lebensraum.

Ein neues Gebiet ‚Lommersdorfer Wald‘ (Kreis Euskirchen) – DE-5506-471 zur Arrondierung des rheinland-pfälzischen Vogelschutzgebietes ‚Ahrgebirge‘ mit 581 ha wegen der grenzüberschreitenden Vorkommen vom Haselhuhn.

FFH-Gebiete:

FFH-Gebiet ‚Baumberge‘ (Kreis Coesfeld) – DE-4010-302 mit ca. 397 ha für den Lebensraumtyp ‚Waldmeister-Buchenwald‘

Erweiterungen bereits gemeldeter FFH-Gebiete mit insgesamt 30 ha: Das Gebiet ‚Davert'(Kreis Coesfeld) wird um ca. 7ha für die Libellenart ‚Helm-Azurjungfer‘ erweitert; das Gebiet ‚System Else-Werre‘ (Kreis Herford) wird mit dem ‚Werre-Unterlauf‘ bis zur Weser um 17 ha für die Fischart Steinbeißer erweitert; die ‚Wilde Aar‘ im Hochsauerlandkreis wird um sechs ha für die Fischarten Koppe und Bachneunauge im Rahmen einer grenzüberschreitenden Vergrößerung des hessischen FFH-Gebietes ‚Edersystem‘ erweitert, und ist für NRW damit ein neues FFH-Gebiet.

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