14. Oktober 2004

Gewinne in der hessischen Landwirtschaft weiter gesunken

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Generalsekretär Peter Voss-Fels erläutert erste Betriebsergebnisse des Wirtschaftsjahres 2003/04

Friedrichsdorf (agrar.de) – Der Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Peter Voss-Fels, hat heute im Vorfeld des Landeserntedankfestes, das am Sonntag, dem 17. Oktober 2004, um 14:00 Uhr in der Frankenberger Liebfrauenkirche gefeiert wird, eine erste Auswertung hessischer Buchführungsergebnisse des Wirtschaftsjahres 2003/04 vorgestellt.

‚Die Unternehmensgewinne in hessischen landwirtschaftlichen Betrieben sind gegenüber dem äußerst unbefriedigenden Vorjahresniveau im Durchschnitt um rund 8 Prozent weiter gesunken‘, so die ernüchternde Bilanz des HBV-Generalsekretärs. Bei den ausgewerteten Betrieben sei der durchschnittliche Unternehmensgewinn von 23.274 Euro um 1.826 Euro auf nur noch 21.448 Euro im Wirtschaftsjahr 2003/04 zurückgegangen. Dies entspreche einer Einkommensminderung von 7,84 Prozent. Erzeugerpreissenkungen bei Milch, in der Rinder- und Schweinehaltung seien in erster Linie dafür verantwortlich.

Wegen der anhaltend unbefriedigenden Erlössituation bei Milch, verzeichneten die Futterbaubetriebe (Betriebe mit Milchviehhaltung) mit 8,31 Prozent die größten Gewinneinbußen.

Die spezialisierten Ackerbaubetriebe hätten auf Grund der vergleichsweise guten Getreidepreise zur Ernte 2003 ihre Gewinne zum Teil stabilisieren können, allerdings auf einem viel zu niedrigen Niveau. In Gebieten, in denen die Erträge auf Grund der Dürre des vergangenen Jahres jedoch stark eingebrochen seien, habe es auch entsprechende Gewinneinbußen gegeben.

Peter Voss-Fels hob besonders hervor, dass von den in landwirtschaftlichen Unternehmen erzielten Gewinnen noch die notwendigen Investitionen, Sozialversicherungsbeiträge und Steuern bezahlt werden müssten. Deshalb dürfe der Unternehmensgewinn keinesfalls mit dem Nettogehalt eines Arbeitnehmers gleichgesetzt werden.

In den analysierten Betrieben seien im Durchschnitt 1,3 Familienarbeitskräfte beschäftigt, so dass pro Arbeitskraft ein Jahreseinkommen von rund 16.500 Euro erwirtschaftet wurde. Die Flächenausstattung dieser Betriebe sei von 66,59 ha auf 68,57 ha um knapp 3 Prozent gestiegen. Der Pachtflächenanteil habe sich von 48,41 Prozent auf 49,77 Prozent um 2,8 Prozentpunkte erhöht.

Nettoinvestitionen weiter rückläufig

‚Die Nettoinvestitionen sind im dritten Jahr hintereinander weiter rückläufig. Das ist sehr besorgniserregend‘, betonte der HBV-Generalsekretär. Dies spiegele die schlechte Ertragslage und große Verunsicherung in den Betrieben wieder.

‚Mit schwierigen Witterungsverhältnissen und schwankenden Erträgen können unsere Bauern seit Jahren umgehen. Was den Betrieben aber zunehmend das Leben schwer macht, dass sind die unzulänglichen agrarpolitischen Rahmenbedingungen, eine ausufernde Bürokratie und Überreglementierungen‘, sagte Peter Voss-Fels. Er sieht darin auch einen wesentlichen Grund für die starke Zurückhaltung der Landwirte bei Investitionen.

Haushaltsbegleitgesetz führt zu Mehrbelastungen

Sollte das vom Deutschen Bundestag beschlossene Haushaltsbegleitgesetz 2005 nicht doch noch vom Bundesrat gestoppt werden, drohten den Bauern empfindliche Mehrbelastungen. Die geplante Erhöhung des Agrardieselsteuersatzes um 56 Prozent von derzeit 25,56 ct/Liter auf 40 ct/Liter verschlechtere die Wettbewerbsposition der deutschen Bauern ganz erheblich. Denn damit würde sich die Mineralölsteuer für die Landwirtschaft seit 1998 von 10,7 ct je Liter etwa vervierfachen. In England und Frankreich werde Agrardiesel dagegen mit nur 6 ct pro Liter besteuert. Diesen gravierenden Produktionskostennachteil könnten die deutschen Bauern niemals aufholen.

Erschwerend hinzu komme die mit dem Haushaltsbegleitgesetz verbundene Kürzung der Bundeszuschüsse zur landwirtschaftlichen Krankenkasse, die Beitragssteigerungen von rund 18 Prozent nach sich ziehe. Hier bleibe die soziale Gerechtigkeit auf der Strecke zumal in anderen gesetzlichen Krankenkassen die Beiträge gesenkt werden sollen.

‚Die Bauern fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Durch nationale Alleingänge werden immer mehr Hürden aufgebaut, anstatt unternehmerische Freiräume und gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen‘, erklärte Generalsekretär Peter Voss-Fels abschließend. Vor diesem Hintergrund sei es nicht verwunderlich, dass die Landwirte nicht mehr investierten. Den politisch Verantwortlichen sei offensichtlich nicht bewusst, dass damit nicht nur Tausende von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft, sondern auch in den vor- und nachgelagerten Bereichen auf dem Spiel stehen. Der Rückzug der Landwirtschaft aus der Fläche habe sehr negative Auswirkungen auf den gesamten ländlichen Raum.

Die Tabelle ‚Unternehmensergebnisse hessischer landwirtschaftlicher Betriebe in Euro in den Wirtschaftsjahren 2003/03 und 2003/04‘ können Sie telefonisch bei Herrn Bernd Weber (06172-7106-181) anfordern.

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