01. Oktober 2004

Im Saarland wurde Saatgut mit Spuren von Gen-Raps ausgebracht

Themen: Archiv,Saarland — info @ 10:10

Umweltministerium: Betroffene Felder werden beprobt

Saarbrücken (agrar.de) – Im Saarland ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Rapssaat ausgesät worden, die Spuren von gentechnisch verändertem Raps enthält.

Das hat das Umweltministerium bei Kontrollen festgestellt. Die Felder, auf denen das Saatgut ausgebracht worden ist, sollen jetzt beprobt werden, um auszuschließen, dass genveränderte Rapspflanzen sich vermehren.

Die Behörde hat unverzüglich alle Bundesländer und das Bundesverbraucherschutzministerium über den Fall des verunreinigten Saatgutes informiert. Derzeit wird recherchiert, wie viele und welche Landwirte das verunreinigte Saatgut erworben und ausgesät haben.

Eine konkrete Gefährdung der Umwelt oder der menschlichen Gesundheit durch das Ausbringen der Rapssaaten ist nach Auffassung des Mi-nisteriums auszuschließen. In Anbetracht der sehr geringen Verunreinigung mit gentechnisch veränderten Saaten an der Nachweisgrenze soll jetzt zunächst der Aufwuchs auf den Feldern, auf denen der Raps ausgesät wurde, beprobt werden.

Die Verunreinigung mit gentechnisch veränderten Rapssorten im Saatgut war äußerst gering: So findet sich nach den Analysen unter 2000 Rapskörnern lediglich ein gentechnisch verändertes Korn (0,02 Prozent). Nach einer EU-Richtlinie, die derzeit in Arbeit ist, soll konventionelles Saatgut erst ab einem Anteil von 0,3 Prozent (also der 60-fachen Menge, die im Saarland nachgewiesen wurde) an gentechnisch verändertem Saatgut kennzeichnungspflichtig werden.

‚Die äußerst geringe Menge an gentechnisch verändertem Raps und der fehlende Selektionsdruck in der Saatgutcharge machen es sehr unwahrscheinlich, dass in Nachbarkulturen in Folge von Auskreuzungen gen-technisch veränderte Pflanzen auftreten‘, so Dr. Andre Johann, Gentechnik-Experte im Umweltministerium. Dennoch gehe das Ministerium mit der Beprobung der Raps-Jungpflanzen auf Nummer sicher. Auf diese Weise kann sicher verhindert werden, dass sich auf den Rapsfeldern möglicherweise gentechnisch veränderte Pflanzen vermehren können.

Der Sachverhalt stellt sich im Einzelnen wie folgt dar:

Das Ministerium für Umwelt als zuständige Behörde für die Überwachung des Gentechnikgesetzes (GenTG) hat am 06.08.2004 die Landwirtschaftskammer (LWK) als zuständige Behörde für die Saatgutverkehrskontrolle beauftragt, Proben von konventionellem Winterrapssaatgut bei saarländischen Saatguthändlern zu ziehen und diese dem molekularbiologischen Überwachungslabor des Landesamtes für Verbraucher-, Gesundheits- und Arbeitschutzes (LVGA) zu übergeben, welches eine Analyse auf Bestandteile gentechnisch veränderter Rapssamen in den konventionellen Sorten vornehmen sollte. Die LWK hat am 18.08.2004 fünf Proben beim LVGA abgegeben. Die Proben wurden nach anerkannten Methoden auf mögliche Bestandteile von gentechnisch veränderten Rapspflanzen untersucht. Zur Absicherung erster Untersuchungsergebnisse im Rahmen der Analyse wurde eine weitere Probe aus einer der bereits beprobten Chargen gezogen. Die Gesamtuntersuchung des LVGA war am 07. September abgeschlossen und wurden dem Ministerium am darauf folgenden Tag mitgeteilt.

Der Gutachter des LVGA kam in seinem Bericht zu folgendem Ergebnis:

Die erste Probe aus der Charge der Saatgutsorte OASE enthielt geringfügige Bestandteile gentechnisch veränderter Rapspflanzen. Für die zweite Probe aus der gleichen Charge konnten keine Bestandteile an gentechnisch veränderten Rapspflanzen nachgewiesen werden. Insgesamt kam das LVGA zu dem Ergebnis, dass der entsprechenden Saatgutcharge ein geringfügiger Anteil an gentechnisch veränderten Rapspflanzen zu bescheinigen ist.

Um auszuschließen, dass es sich bei dem erzielten positiven Untersuchungsergebnis des LVGA um ein Artefakt handelt, wurde sicherheitshalber das akkreditierte Prüflaboratorium des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Freiburg (CVUA) mit einer Kontrollanalyse der beiden fraglichen Proben beauftragt. Das CVUA konnte in beiden Proben Bestandteile gentechnisch veränderter Rapspflanzen nachweisen. Es bezifferte die Mengen auf unter 0,05 Prozent. Die Nachweisgrenze der vom CVUA eingesetzten Methode liegt bei 0,02 Prozent. Der Anteil an gentechnisch verändertem Saatgut liegt somit zwischen 0,02 und 0,05 Prozent (das entspricht maximal einem genveränderten Korn auf 2000 nicht-genveränderten Körnern).

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