30. August 2004

Baden-Württemberg: Rekordernte mit 33,6 Mio. Dezitonnen Getreide

Themen: Archiv — info @ 11:08

Erntemenge je Hektar könnte erstmals 70 Dezitonnen überschreiten

Stuttgart (agrar.de) – Während die Getreideernte in den baden-württembergischen Spätdruschgebieten noch in vollem Gange ist, legt das Statistische Landesamt bereits eine erste Erntebilanz auf der Grundlage exakter Ertragsermittlungen mittels Maß und Waage vor. Aufgrund der vorläufigen Ergebnisse der Besonderen Ernteermittlung beziffert sich die diesjährige Getreideernte (ohne Körnermais) auf rund 33,6 Millionen Dezitonnen (1 dt = 100 kg). Das sind rund 4,1 Mill. dt oder 14 Prozent mehr als im Mittel der Jahre 1998/2003 und 7,5 Mill. dt oder annähernd drei Zehntel mehr als im allerdings wenig befriedigenden Vorjahr. Damit wird auch die seitherige Rekordmarke von 32,6 Mill. dt aus dem Jahre 1998 um 1 Mill. dt übertroffen.

Infolge des verspäteten Erntebeginns und der Regenfälle in der jüngsten Vergangenheit konnten aber noch nicht alle vorgesehenen Probeschnitte und Volldrusche ausgewertet werden. Die Ergebnisse sind folglich noch mit gewissen Unsicherheiten behaftet und Veränderungen möglich. Sie stehen außerdem unter der Prämisse, dass die Ernte in den Spätdruschgebieten sicher eingebracht werden kann.

Winterweizen erringt im Vorjahr verlorenes Terrain zurück

Die Rekordernte ist vor dem Hintergrund einer im Vergleich zum Vorjahr um 3.400 Hektar (ha) auf 484.000 ha ausgedehnten Getreideanbaufläche (ohne Körnermais) zu sehen. Dahinter verbirgt sich eine deutliche Anbauausdehnung der ertragsstärksten Getreideart Winterweizen (einschl. Dinkel) um 13,5 Prozent auf 219.000 ha. Denn im Unterschied zum Herbst 2002, als die schlechten Aussaatbedingungen zu deutlichen Einschränkungen im Anbau von Winter- zugunsten von Sommergetreide führten, konnten im Herbst 2003 die Wintersaaten zur Ernte 2004 überwiegend problemlos gedrillt werden. Der Anbau von Sommerweizen wurde dagegen um zwei Drittel auf 4.900 ha eingeschränkt. Der Anbau von Sommergerste erreichte nach dem Höhenflug des Vorjahres mit 94.000 ha (-7 Prozent) wieder Normalniveau.

Die Auswinterungsverluste hielten sich in engen Grenzen. Die Frühjahrssaaten konnten zumeist problemlos gedrillt werden. Die kühle Witterung im Mai/Juni bei gleichzeitig ausreichend Niederschlägen kam der weiteren Entwicklung des Getreides sehr entgegen. Gebietsweise kam es allerdings zu schwerem Hagel und ausgedehnten Starkregenfällen, wobei insbesondere im Markgräflerland, im Raum Bodensee-Oberschwaben und in der Baar erhebliche Schäden zu beklagen waren. Letztendlich konnten die Getreidepartien bislang zumeist mit Feuchtigkeitsgehalten von unter 14 Prozent eingebracht werden, so dass eine Nachtrocknung in den allermeisten Fällen nicht erforderlich ist.

Überdurchschnittliche Flächenleistungen bei allen bedeutenden Getreidearten

Bei allen Getreidearten liegen die Erträge über dem langjährigen Mittel 1998/2003, bei Sommergerste (58,5 dt/ha) sogar um ein Fünftel. Winterweizen liegt mit 78,9 dt/ha (+17 Prozent) ebenfalls deutlich über dem durchschnittlichen Ertragsniveau. Wintergerste (65,0 dt/ha) und Hafer (55,7 dt/ha) verzeichneten Zuwachsraten von 9 bzw. 8 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr, wo nicht nur die Getreidebestände unter Wassermangel und der Hitzewelle im Sommer zu leiden hatten, belaufen sich die Ertragssteigerungen bei Hafer, Sommer- und Wintergerste auf 12, 22 bzw. 23 Prozent. Winterweizen übertrifft das Vorjahresergebnis sogar um 32 Prozent. Spannend bleibt die Frage, ob der Durchschnittsertrag über alle Getreidearten hinweg erstmals die Marke von 70 dt/ha überspringt. Legt man die vorläufigen Anbauflächen der diesjährigen repräsentativen Bodennutzungshaupterhebung zugrunde, so errechnet sich für die Futter- und Industriegetreidearten (Gerste und Hafer) eine Gesamterntemenge von knapp 15,5 Mill. dt; ein Ergebnis, welches das Vorjahresresultat um 15 Prozent, das Mittel der Jahre 1998/2003 um 10 Prozent übertrifft. Die Ernte der Brotgetreidearten (Weizen und Roggen) beziffert sich auf insgesamt 18,1 Mill. dt und liegt damit bei rekordverdächtigen 44 Prozent über dem Vorjahresergebnis bzw. um reichlich 18 Prozent über dem langjährigen Mittel.

Herausragende Druschergebnisse auch bei Winterraps

Wie das Statistische Landesamt aufgrund erster Ergebnisse der Besonderen Ernteermittlung weiter feststellt, konnten auch bei Winterraps, der mit Abstand bedeutendsten Ölfrucht im Land, herausragende Druschergebnisse erzielt werden. Der Durchschnittsertrag von 38,5 dt/ha löst den Ertrag von 2001 (35,1 dt/ha) als neues Rekordergebnis im Südwesten ab. Die Körnermaisbestände machen derzeit ebenfalls einen guten Eindruck, so dass im Landesmittel die durchschnittliche Flächenleistung auf voraussichtlich 95 dt/ha veranschlagt wird.

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