18. Juni 2004

HBV kritisiert Entwurf der Schweinehaltungsverordnung

Themen: Archiv — info @ 13:06

Nationale Alleingänge kosten Arbeitsplätze und beeinträchtigen Tiergesundheit

Friedrichsdorf (agrar.de) – Wenn der Entwurf des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) zur ‚Schweinehaltungsverordnung‘ in der vorliegenden Form umgesetzt wird, entstehen erhebliche Wettbewerbsnachteile für die hessischen Schweineerzeuger. Das sagte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Heinz Christian Bär, auf einer Sitzung des erweiterten Präsidiums des Hessischen Bauernverbandes heute in Alsfeld. Es sei ein untragbarer Zustand, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast sich immer wieder über EU-Vorgaben hinweg setze und tragfähige Kompromissvorschläge des Bundesrates in dieser Angelegenheit außer Acht lasse.

Dies gelte beispielsweise für den Platzbedarf je Mastschwein, der in Deutschland für 85 bis 110 Kilogramm schwere Tiere je nach Gruppengröße 0,90 bis 1,10 Quadratmeter betragen soll. Damit wird der in der EU-Richtlinie festgelegte Wert um mehr als 50 Prozent überschritten.

Auch bei den zulässigen Spaltenweiten, der Perforation der Liegeflächen, bei den Abmessungen für Kastenstände, der Beleuchtung und den Beschäftigungsmöglichkeiten für Schweine enthalte der Verordnungsentwurf des BMVEL über europäische Normen hinausgehende Anforderungen.

‚Die teilweise gravierenden Abweichungen von den EU-Standards sind aus wissenschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar. Sie treiben nur die Produktionskosten unnötigerweise in die Höhe und bringen keinerlei Vorteile für das Wohlbefinden der Tiere‘, kritisierte Präsident Bär. Die Verschmutzungs- und Verletzungsgefahr der Tiere steige sogar. Höhere Krankheitsraten seien die Folge.

Vor diesem Hintergrund lehnt der Hessische Bauernverband den aktuellen Entwurf des BMVEL zur Schweinehaltungsverordnung strikt ab. ‚EU-Vorgaben müssen 1:1 umgesetzt werden, denn nationale Verschärfungen europäischer Rechtsvorschriften führen – wie im vorliegenden Fall – zu gravierenden Wettbewerbsnachteilen für unsere Bauern. Die Produktion wird zunehmend ins Ausland verlagert. Das ist sicherlich auch nicht im Interesse unserer Verbraucher, die Wert darauf legen, mit hochwertigen Produkten aus der Region versorgt zu werden‘, betonte Präsident Bär.

Er wies abschließend darauf hin, dass die mit Überreglementierungen einhergehenden nationalen Alleingänge Tausende von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft und den vor- und nachgelagerten Bereichen vernichte. Diese Politik schade somit der gesamten Volkswirtschaft.

Links zum Thema Verbände.




   (c)1997-2017 @grar.de