28. Mai 2004

27. DNT verabschiedet Memorandum zur Agro-Gentechnik:

Themen: Archiv — info @ 14:05

Schutz der biologischen Vielfalt muss gewährleistet sein

Potsdam (agrar.de) – Die Veranstalter des 27. Deutschen Naturschutztages (DNT) rufen zum verantwortungsvollen Umgang mit der Agro-Gentechnik auf. In einem Memorandum fordern der Bundesverband Beruflicher Naturschutz (BBN), der Deutsche Naturschutzring (DNR) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN), die biologische Vielfalt und insbesondere ökologisch sensible Gebiete umfassend zu schützen, die Wahlfreiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher als echte Wahlfreiheit zu gewährleisten und eine Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion ohne Gentechnik auch für die Zukunft sicherzustellen.

Nach fast sechs Jahren De Facto Moratorium hat die EU-Kommission am 19. Mai die ersten transgenen Nutzpflanzen zum Import und für die Verarbeitung in der EU zugelassen. In diesen Tagen werden die ersten Sorten in den gemeinsamen Sortenkatalog eingetragen. Gleichzeitig wird soll die Wahlfreiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher gesichert und die Koexistenz zwischen Anbauformen mit und ohne Gentechnik gewährleistet werden.betont, dass jede Verbraucherin und jeder Verbraucher die freie Wahl haben solle, Produkte, die aus GVOs bestehen oder aus solchen hergestellt werden, zu kaufen oder nicht. Jedoch: Verbindliche Koexistenzregeln sind wurden jedoch in keinem Mitgliedsstaat der EU entwickelt. Ebenso sollten nicht-koexistenzfähige Kulturpflanzen, wie beispielsweise Raps, nicht zugelassen werden. Der Schutz ökologisch sensibler Gebiete und der Biodiversität – für beides ist die Erhaltung GVO-freier Flächen unverzichtbar – wurde bisher noch nicht einmal in Ansätzen geregelt.

Auch im deutschen Gentechnikrecht fehlen noch konkrete Maßstäbe und Kriterien zur Definition eines ökologischen Schadens und zur Festlegung, ob und wann ein Anbaustopp für eine Gen-Pflanze gerechtfertigt oder gar notwendig ist. Dies wird auch in der Stellungnahme des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen vom März 2004 festgestellt. ‚Es ist dringend notwendig, verbindliche Kriterien dafür zu erarbeiten, wann die Auswirkungen des Anbaus transgener Pflanzen über ein akzeptierbares Maß hinausgehen – und das nicht nur im Interesse der Natur, sondern auch der Landwirte, die aus Überzeugung oder ökonomischen Gründen ohne Gentechnik arbeiten möchten‘, sagte der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, Professor Dr. Hartmut Vogtmann, für die Veranstalter. Um den Forderungen nach Transparenz zu entsprechen, müssen Standortregister, auch bei einem Erprobungsanbau, öffentlich zugänglich sein.

Bei der Bewertung wissenschaftlicher Daten sollte das Vorsorgeprinzip die wichtigste Grundlage sein. Darüber hinaus gilt es, auch die Monitoringpläne so zu gestalten, dass nationale und regionale Besonderheiten berücksichtigt werden können.

Der 27. Deutsche Naturschutztag geht heute in Potsdam zu Ende. ‚Für uns war die Veranstaltung ein Erfolg. Dies gilt nicht nur für die große Resonanz, sondern vor allem auch für die effektive Arbeit der weit über 500 Teilnehmer und Teilnehmerinnen‘, bilanzieren Klaus Hübner, DNR, und Dr, Johannes Schreiner, BBN.

2006 findet der Deutsche Naturschutztag – und damit der 100. Geburtstag des amtlichen Naturschutzes – in Bonn statt.

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