30. April 2004

Grüne zur Gentechnik: Ohne Schutz keine Wahlfreiheit

Themen: Gentechnik,Haftung — info @ 11:04

Berlin (agrar.de) – Zur aktuellen Debatte um die Agro-Gentechnik und zum Antrag der Koalitionsfraktionen zur Reinhaltung des Saatgutes erklären Ulrike Höfken, verbraucher- und agrarpolitische Sprecherin, und Friedrich Ostendorff, Obmann im Agrar- und Verbraucherschutzausschuss von Bündnis 90 / Die Grünen:

‚Wichtige Grundlage für den Schutz der gentechnikfreien Produktion ist, dass die EU-Kommission für den Schwellenwert bei der Kennzeichnung von gentechnisch verändertem Saatgut die Nachweisgrenze festlegt. Ohne gentechnikfreies Saatgut wird mittelfristig bei vielen Kulturen keine gentechnikfreie Produktion mehr möglich sein. Darum haben wir heute zusammen mit der SPD einen Antrag vorgelegt, mit dem wir die Regierung auffordern, sich bei den anstehenden Verhandlungen auf EU-Ebene für die Reinheit des Saatgutes einzusetzen.

Wie wichtig die Reinhaltung des Saatgutes ist, hat kürzlich eine Untersuchung von US-Wissenschaftlern gezeigt: Bei Analysen von konventionellen Saatgutposten stellten sie fest, dass schon jetzt – nach rund acht Jahren großflächigem Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in den USA – konventionelles Saatgut in hohem Maß gentechnisch kontaminiert ist – bei Mais und Soja über 50 Prozent, bei Raps sogar bis 80 Prozent.

In Mexiko – der Heimat der wichtigen Kulturpflanze Mais – hat man inzwischen in 16 von 22 Regionen gentechnische Kontaminationen bei den traditionellen Landsorten festgestellt. Die Verunreinigungen betragen in einigen Regionen zwischen 20 und 60 Prozent. Es gibt inzwischen Bundesländer in Mexiko wie beispielsweise Oxaca, die eigene und sehr strenge Gesetze verabschieden wollen, um einer weiteren Verunreinigung noch entgegentreten zu können.

Die VerbraucherInnen ernst nehmen heißt, ihre Bedenken und Interessen ernst zu nehmen. Verbraucherschutz ist etwas ganz anderes als aus dem Gentechnik-Gesetz sämtliche Aspekte zum Verbraucher- und Umweltschutz herauszustreichen, wie es die CDU/CSU und FDP-Fraktionen vorhaben. Wer verbindliche und wirksame Regelungen im Gentechnik-Gesetz zur guten fachlichen Praxis und zur Haftung ablehnt, der lehnt auch die Wahlfreiheit ab. Für Bündnis 90/Die Grünen ist die unabdingbare Voraussetzung dafür der Schutz der gentechnikfreien Produktion. Das Gentechnik-Gesetz ist hierfür zentral. Wir werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass im Gentechnik-Gesetz der Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft gewährleistet bleibt. Dafür ist die von Verbraucherministerin Renate Künast im Gentechnik-Gesetz verankerte Haftungsregelung eine der wesentlichen Voraussetzungen. Wir werden dafür kämpfen, dass die Haftungsregelung nicht verwässert wird und es strenge Vorschriften zur guten fachlichen Praxis gibt.‘

Links zum Thema Biotechnologie, Links zum Thema %url4%Politik%/%.




   (c)1997-2017 @grar.de