19. März 2004

NABU fordert zügige Novellen von Bundeswald- und Bundesjagdgesetz

Themen: Archiv — info @ 11:03

Bonn/Berlin (agrar.de) – Der Naturschutzbund NABU hat die Initiative von Verbraucherministerin Renate Künast zur Reform des Wald- und Jagdgesetzes begrüßt und gleichzeitig die zügige Umsetzung beider Vorhaben gefordert. ‚Der Jahrzehnte dauernde Reformstau im Jagdrecht und beim Bundeswaldgesetz müssen endlich aufgelöst werden. Eine nur ordnungsgemäße Waldwirtschaft und eine irgendwie waidgerechte Jagd werden den zeitgemäßen Anforderungen doch schon lange nicht mehr gerecht‘, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Das Jagdrecht müsse vom Ballast des Reichsjagdgesetzes von 1934 befreit werden und der Wildbiologie, dem naturnahen Waldbau und dem Tierschutz Rechnung tragen.

Im Waldgesetz, das in seiner geltenden Fassung nahezu ‚ökologiefrei‘ sei, müssten die anerkannten Grundsätze einer naturnahen Waldwirtschaft verankert werden. Diesem Anspruch würden die von Renate Künast vorgestellten Eckpunkte laut NABU jedoch nur teilweise gerecht. ‚Insbesondere die Eckpunkte zum Waldgesetz fallen sehr dürftig aus und bleiben weit hinter den Ergebnissen des von der Bundesregierung initiierten nationalen Waldprogramms zurück‘, so Tschimpke. Wesentliche Bestandteile eines naturnahen Waldes, wie der Schutz von Totholz und besonderen Lebensräumen, würden gar nicht oder weitgehend unverbindlich geregelt. Als positiv hingegen wertete der NABU den angestrebten Verzicht auf Kahlschläge, Pflanzenschutzmittel und Gentechnik im Wald.

Auch die Eckpunkte zum Bundesjagdgesetz ließen die notwendige Entschiedenheit vermissen. ‚Es ist völlig unverständlich, warum die meisten Wasservogelarten, darunter gefährdete Enten, Gänse und Taucher weiterhin zur Liste der jagdbaren Arten gehören sollen‘, sagte der NABU-Präsident. Die Regelung zur Jagd in Schutzgebieten sei praxisfern und bestätige nur den privilegierten Status der Jagd. ‚In Schutzgebieten muss weitgehende Jagdruhe herrschen‘, so Tschimpke. In Nationalparken und Kernzonen von Großschutzgebieten sei die Jagd entsprechend internationaler Kriterien gänzlich zu verbieten. Auch müsste der Einsatz von giftiger bleihaltiger Munition generell verboten werden, nicht nur in Form des Bleischrots bei der Wasserjagd. Begrüßt wurde vom NABU das Verbot der Fallenjagd, der Schutz von Greifvogelarten sowie das grundsätzliche Verbot der Fütterung von Wildtieren und des Medikamenteneinsatzes.

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Handel kann keine Garantiererklärungen für GVO-Freiheit abgeben

Themen: Archiv — info @ 09:03

Bonn (agrar.de) – In einer gemeinsamen Stellungnahme zur Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von GVO in der EU machen Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse (VdG) und der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA) auf die Problematik der Übernahme von Garantiererklärungen seitens der Handels aufmerksam.

Ab dem 19. April 2004 gelten in der EU neue Vorschriften zur Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von GVOs. Mit der Verabschiedung dieser Verordnungen kommt auf den Groß- und Außenhandel sowie auf den Land- und Binnenhandel mit Getreide, Futtermitteln und Ölsaaten ein erheblicher organisatorischer Aufwand zu. Ferner wird die gesamte Branche mit hohen Kosten durch zusätzliche Analysen und Untersuchungen konfrontiert.

In der EU besteht ein großer Bedarf an eiweiß- und energiereichen Futtermitteln, der durch die Einfuhren von Getreide, Ölsaaten und anderen Futtermitteln, insbesondere aus den USA und Südamerika gedeckt wird. In den USA wurden 2003 auf über 80 Prozent der Soja-Anbauflächen gentechnisch veränderte Sojapflanzen, in Argentinien auf 99 Prozent und in Brasilien auf 35 Prozent angebaut. Die EU importiert jährlich über 20 Mio. t Sojabohnen, allein Deutschland importiert ca. 4 Mio. t Sojabohnen und 2,6 Mio. t Sojaschrot. GVO- und konventionelle Agrarprodukte werden in den wichtigsten Exportländern in der Regel nicht getrennt erfasst, transportiert und vermarktet. GVO-freie Futtermittel sind deshalb auf den internationalen Rohstoffmärkten kaum verfügbar.

Aus diesem Grunde kann der Handel auch nicht ohne weiteres Garantieerklärungen hinsichtlich der GVO-Freiheit. abgeben. Zu groß ist die Gefahr einer unbeabsichtigten Vermischung mit GVO-Produkten im Laufe von Lagerung, Transport und Verarbeitung.

Große Sorgen bereiten den Wirtschaftsbeteiligten die noch fehlende Übereinstimmung in der Auslegung der EU-Verordnungen zwischen den Mitgliedstaaten. Eine in allen Mitgliedstaaten der EU einheitliche Anwendung der Verordnungen ist für die Wirtschaftsbeteiligten jedoch unabdingbar. Nur so lässt sich die für die unternehmerischen Entscheidungen der Betroffenen notwendige Rechtssicherheit gewährleisten. Außerdem kann die unterschiedliche Auslegung der Bestimmungen zu Wettbewerbsverzerrungen führen, die sich nicht mit dem Konzept des einheitlichen Binnenmarktes in der EU vereinbaren lassen. Die Kommission der EU sollte deshalb dringend mit den Mitgliedstaaten im zuständigen Ausschuss eine einheitliche Auslegung der Verordnungen beschließen. Dies ist mit dem Blick auf die Erweiterung der EU um zehn Länder am 1. Mai umso dringlicher.

Die geforderte Übereinstimmung in der Vorgehensweise und Auslegung durch die Mitgliedstaaten bezieht sich zum Beispiel auf die Angaben zur Kennzeichnung von GVOs, die aus Handelssicht auf der Warenrechnung vorgenommen werden sollte. Desweiteren müssen gleiche Standards bei der Probenahme und Analyse von GVOs verwendet werden. Besonders problematisch für die Wirtschaft ist die unterschiedliche Auslegung der Schwellenwerte durch die Bundesländer. Obwohl die EU Verordnung 1829/03 eindeutig den Schwellenwert für die Kennzeichnung auf 0,9 Prozent festgelegt hat, vertreten einige Bundesländer die Ansicht, dass die Ware gleichwohl gekennzeichnet werden muss, auch wenn der Anteil an zufällig vorhandenen oder technisch nicht vermeidbaren GVOs in einer Warenlieferung deutlich unter 0,9 Prozent liegt. Diese Haltung ist für den Handel nicht hinnehmbar. Wir fordern daher die Bundesregierung und die EU Kommission auf, eine Klärung bei der unterschiedlichen Auslegung bzw. Interpretation der Schwellenwerte herbeizuführen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Verordnungen ohne Probleme in die Praxis umgesetzt werden können. Hierzu fehlen noch zu viele Durchführungsbestimmungen. Es wird sich deshalb erst zu einem späteren Zeitpunkt zeigen, ob das erklärte Ziel der Verordnungen, nämlich dem Verbraucher eine aufgeklärte und fundierte Entscheidung beim Kauf von Lebensmitteln von konventionellen und aus GVO hergestellten Lebensmitteln zu ermöglichen, auch wirklich erreicht wird.

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Preisdumping: DBV warnt Molkereien und Lebensmittelhandel

Themen: Archiv — info @ 09:03

Berlin (agrar.de) – Die deutschen Milchbauern werden den brutalen Preisdruck der Einzelhandelskonzerne auf Milch und Molkereiprodukte nicht weiter hinnehmen. Dies erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner. In der neuesten Ausgabe der Deutschen Bauern Korrespondenz weist er darauf hin, dass unter den Milcherzeugern eine explosive Stimmung herrsche und der Bauernverband nicht tatenlos zusehe, dass die Preisspirale nach unten fortgesetzt würde. In den derzeit stattfindenden Preis- und Listungsverhandlungen zwischen Lebensmittelhandel und Molkereien versuchten die Discounter nach wie vor jedoch ihre marktbeherrschende Stellung auszunutzen und die Preise bei Milchprodukten gegenüber Vorjahr zu senken. Bereits am 8. März hatten Hunderte von Milchbauern in Bayern vor Auslieferungslagern der beiden Discounter Aldi und Lidl gegen Preisdumping protestiert. Dem folgten jetzt entsprechende Aktionen in Nordrhein-Westfalen.

‚Der jetzige Milchpreis ist unsittlich und ruinös‘, urteilte Sonnleitner. Der DBV habe mit seinen Landesbauernverbänden deshalb beschlossen, verschärfte und bundesweite Aktionen gegen die Wertevernichtung und den Preisdruck durch den Handel bei Milch und Molkereiprodukten durchzuführen. Ebenso forderte Sonnleitner die Molkereien zu einer geschlossenen Gegenwehr auf. Wer davon abweiche, dürfe nicht damit rechnen, dass die Milchbauern darüber zur Tagesordnung übergehen würden.

Sonnleitner wandte sich an die vier genossenschaftlichen Molkereiunternehmen, die sich bei den ersten Preisverhandlungen mit dem Handel im Produktsegment ‚Sahnekännchen‘ mit einem deutlichen Minus gegenüber den bisherigen Preisen einverstanden erklärt haben sollen. ‚Dies können und werden wir auch im Hinblick auf die nächsten Preisrunden im Bereich Trinkmilch nicht akzeptieren‘, erklärte Sonnleitner. Bevor der Bauernverband jedoch mit dem Namen des Preisbrechers in die Öffentlichkeit gehe, wollte er den Unternehmen noch die Gelegenheit geben, sich kurzfristig zu dem Verhandlungsergebnis zu äußern. So wie die Sachlage sich derzeit darstelle, sei es ein Schlag ins Gesicht der Milchbauern, wenn ein Unternehmen Preissenkungen wie in diesem Produktbereich gegenüber dem Handel zugestimmt habe und die drei weiteren – trotz beträchtlichem Marktanteils – diesem einfach gefolgt seien.

Die Vollkosten in der deutschen Milchproduktion bewegten sich im Schnitt bei über 30 Cent je Kilogramm Milch. Da blieben den Milchbauern nur noch Kampfmaßnahmen, wenn zum Beispiel der internationale Molkereikonzern Campina in Westfalen je Kilogramm Milch für Februar nur noch 23,2 Cent auszahle. Dies seien immerhin 6 Cent weniger als im Vorjahr, stellte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Franz-Josef Möllers, fest.

Auch von der Politik verlangte Sonnleitner wirksamere Schritte zur Mengenverringerung bei Milch. Der DBV habe Vorschläge unterbreitet, wie bei einer Aussetzung der nationalen Saldierung kurzfristig und über eine EU-weite Quotenkürzung mittelfristig Angebot und Nachfrage wieder besser angepasst werden könnten. Es sei, so Sonnleitner, mehr als ärgerlich, dass der jüngste Vorstoß des französischen Landwirtschaftsministers Hervé Gaymard hinsichtlich einer Quotenkürzung weder von EU-Agrarkommissar Franz Fischler noch von Bundesministerin Renate Künast aufgenommen und unterstützt wurde.

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18. März 2004

RLV: Flächenbezogenen Einheitsprämie hat negative Folgen für Arbeitsplätze und Kulturlandschaft

Themen: Archiv — info @ 14:03

Berlin (agrar.de) – Vor den dramatischen Auswirkungen einer flächenbezogenen Einheitsprämie für die Futterbaubetriebe im Rheinland hat der Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), Harald Benninghoven, anlässlich der Sitzung des RLV-Fachausschusses ‚Direktvermarktung‘ am 16. März in Bonn gewarnt. Wenn es zu einer einheitlichen Flächenprämie komme, werde dies den Strukturwandel in der Milchviehhaltung und bei den Bullenmästern mit allen negativen Folgen für die Arbeitsplätze im ländlichen Raum und für den Erhalt der Kulturlandschaft ganz erheblich beschleunigen.

Nach den Worten von Benninghoven ist die endgültige Entscheidung über die nationale Umsetzung zwar noch nicht gefallen. Es zeichne sich nach dem vorgelegten Gesetzentwurf der Bundesregierung aber eine Richtung ab, nach der ein ‚Kombimodell‘ Anwendung finden solle. Neben regionalisiert ermittelten Prämien im pflanzlichen Bereich würden danach im tierischen Bereich im wesentlichen Betriebsprämien gezahlt, die dann aber nach einer Übergangszeit schrittweise bis 2012 zu einer einheitlichen Flächenprämie führen sollen.

Benninghoven: ‚Mit dem Deutschen Bauernverband wird der RLV weiterhin alles daran setzen, dass es im Interesse unserer Milcherzeuger und Bullenmäster nicht zu einer einheitlichen Flächenprämie kommt. Während im pflanzlichen Bereich eine regionalisiert ermittelte Ackerflächenprämie durchaus sachgerecht ist, gibt es im tierischen Bereich keine Alternative zu einer individuellen Betriebsprämie.‘

‚Der Berufsstand hat die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik im Vorfeld massiv abgelehnt‘, sagte Benninghoven. So hätten europäische Bauern – auch aus dem Rheinland – bereits sehr frühzeitig in Straßburg und Luxemburg gegen die geplante Agrarreform demonstriert. Gleichwohl habe die Reform als solche aufgrund des gewaltigen politischen Drucks nicht verhindert werden können. Um so mehr müsse nun alles daran gesetzt werden, dass die ‚ungeliebte Reform‘ sachgerecht im Sinne der wirtschaftenden Betriebe umgesetzt werde.

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Gentechnik: Landvolk empfiehlt Verzicht auf Erprobungsanbau

Themen: Gentechnik,Haftung — info @ 13:03

Hannover (agrar.de) – Auf einen Erprobungsanbau mit gentechnisch verändertem Mais sollten Niedersachsens Landwirte in diesem Jahr verzichten, heißt es in einer Empfehlung des Landvolks Niedersachsen. Zugleich verweist der Landesbauernverband auf eine Entscheidung des Deutschen Bauernverbandes. Das Präsidium hatte kürzlich dem Erprobungsanbau eine Absage erteilt, nachdem die Verhandlungen des Deutschen Bauernverbandes mit dem Bundesverband der deutschen Pflanzenzüchter in vielen wichtigen Punkten – vor allem der Haftungsfreistellung – erfolglos geblieben sind.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur grünen Gentechnik sieht eine verschuldensunabhängige Haftungsregelung vor. Als Voraussetzung für die Teilnahme von Landwirten an einem Erprobungsanbau hatte der Bauernverband die Haftungsfreistellung durch die Pflanzenzüchter für Schadenersatzforderungen Dritter gefordert. Erreicht wurde jedoch nur für das Land Sachsen-Anhalt über die am Erprobungsanbau beteiligte Bio-Mitteldeutschland GmbH, dass diese den Landwirten im Rahmen einer Obergrenze von 240.000 Euro eine maximale Übernahme von 80 Prozent berechtigter Schadensersatzansprüche zusichern würde. Für das weiterhin bei den anbauenden Landwirten auch bei Einhaltung der Vorsorgepflichten verbleibende Haftungsrisiko haben die Züchter jedoch eine vertragliche Haftungsfreistellung für Sachsen-Anhalt und in anderen Bundesländern abgelehnt.

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Biologische Bundesanstalt warnt vor großen Waldschäden

Themen: Archiv — info @ 13:03

Braunschweig (agrar.de) – 2003 war klimatisch ein außergewöhnliches Jahr. Viele Insekten reagierten auf die sehr trocken-warmen Bedingungen mit sehr hohen Vermehrungsraten, während die Bäume einer extremen Stresssituation ausgesetzt waren. Erhebungen der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) zeigen es deutlich: In vielen Bundesländern vermehrten sich Borkenkäfer ab Juli explosionsartig, aber auch bei verschiedenen Schadschmetterlingen zeichnen sich Massenvermehrungen ab. Drohen jetzt dramatische Waldschäden?

Während sich viele Insekten bei Wärme und Trockenheit gut entwickeln, werden Waldbäume durch längere Trockenheit nachhaltig geschädigt – sie benötigen eine gute Wasserversorgung, um gesund und vital zu bleiben. Im vergangenen Jahr kam es nach den bei der Biologischen Bundesanstalt vorhandenen Erkenntnissen dazu, dass sich einige Forstschädlinge trotz niedriger Ausgangspopulation ungewöhnlich stark vermehren konnten. Treffen diese Schädlingsmassen auf bereits vorgeschädigte Bäume, sind außergewöhnliche Waldschäden zu befürchten.

Borkenkäfer

Besonders gute Entwicklungsbedingungen fanden 2003 die Borkenkäfer. Die jetzige Ausgangssituation lässt für diesen Sommer Schlimmes erwarten. Einige Bundesländern wie z.B. Thüringen befürchten die größte Massenvermehrung seit mehr als 50 Jahren. Neu und besorgniserregend war, das unter den Borkenkäfern der Kupferstecher (Pityogens chalcographus) besonders aggressiv auftrat. Der sonst mit anderen Insekten auftretende kleine Käfer brachte 2003 bis dahin gesunde Altfichten zum Absterben. Solche Bäume sind dann auch für den Buchdrucker (Ips typographus), den bekanntesten und gefürchtetsten Borkenkäfer, ein gefundenes Fressen und Ausgangspunkt für explosionsartige Vermehrungen.

Dazu Prof. Dr. Alfred Wulf vom Institut für Pflanzenschutz im Forst der BBA: ‚Fichten wachsen meist als Flachwurzler. Viele Bäume waren durch die anhaltende Trockenheit nicht in der Lage, ihre Lebensfunktionen aufrecht zu erhalten. Zudem konnte kaum Harz gebildet werden, d.h. die sonst wirksame Abwehr gegen den Borkenkäfer war zusammengebrochen. So erklärt sich auch, dass viele Bäume bereits bei sehr geringem Käferbefall abgestorben sind.‘

Für dieses Jahr erwarten die Experten der BBA, ebenso wie die meisten Fachkollegen aus den Bundesländern, dass die Fichte durch Borkenkäfer extrem gefährdet ist. Lokal sind sogar Borkenkäferschäden an Lärche, Douglasie und Buche zu befürchten, also an Baumarten, die sonst kaum unter diesen Schädlingen zu leiden haben.

Alte Bekannte

Aus dem Kreis der Forstschädlinge haben sich auch ‚alte Bekannte‘ zurückgemeldet. So vermehrten sich Schwammspinner (Lymantria dispar) und Frostspanner (Operophthera brumata) deutlich. Die Experten gehen davon aus, dass auch Laubwälder – vor allem die Eiche – stark befressen werden.

Ein besonders wärmeliebendes Insekt ist der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea). Er hat sich 2003 in einigen Regionen Sachsen-Anhalts, Bayerns, Brandenburgs, Hessens und Nordrhein-Westfalens stark vermehrt. Nach aktuellen Schätzungen werden die Raupen dieses Schädlings in diesem Jahr allein in Bayern ca. 500 ha Eichenwälder kahl fressen. Obwohl die Waldschäden bei diesem Insekt meist weniger problematisch sind, kann der Forstwirt nicht tatenlos zusehen: Treffen die mit dem Wind verdrifteten Raupenhaare auf menschliche Haut, kann es zu starken allergischen Reaktionen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen. Besonders Forstarbeiter und Waldbesucher werden hier in Mitleidenschaft gezogen.

Einige Forstschädlinge treten bereits seit mehreren Jahren in sehr hoher, schädlicher Dichte auf. So befindet sich die Nonne (Lymantria monacha) im nordostdeutschen Raum seit längerer Zeit in einer großflächigen Massenvermehrung. In Süddeutschland ist es vor allem der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani), der sich seit einigen Jahren massenhaft vermehrt. Ein Ende dieser Kalamitäten ist noch nicht in Sicht.

Was kann getan werden?

Im Forstbereich sind nur wenige Pflanzenschutzmittel zugelassen, und sie werden im Vergleich zu anderen Kulturen höchst selten angewandt. Wenn sie eingesetzt werden müssen, um – wie in diesem Jahr – zu verhindern, dass große Waldflächen absterben oder um Gefahren für den Menschen abzuwehren, sollten möglichst selektive Mittel zum Einsatz kommen, die keine unerwünschten Nebenwirkungen haben. Jedoch: ‚Bei der Bekämpfung von Schmetterlingsraupen gibt es derzeit einen Engpass‘, erklärt Professor Wulf. ‚Gerade die wegen ihrer gezielten Wirkung von den Praktikern im Forstschutz bevorzugten Häutungshemmer sind zurzeit nicht zugelassen. Das Gleiche gilt für die allerdings ohnehin seltener verwendeten biologischen Pflanzenschutzmittel auf der Basis eines Bakteriums, Bacillus thuringiensis. Schmetterlingsraupen können im Augenblick nur mit einem synthetischen Pyrethroid bekämpft werden.‘

Auch die Bekämpfung der Borkenkäfer gestaltet sich schwierig. Der Arbeitsaufwand ist enorm, da hier vor allem mechanische Maßnahmen zur Anwendung kommen. Die befallenen Hölzer müssen sofort fachgerecht aufgearbeitet, abgefahren oder behandelt werden. Auf jeden Fall muss verhindert werden, dass sich die Käfer im Wald fertig entwickeln bzw. ihren Brutraum verlassen können. ‚Bei dem derzeitigen Befall kann das zu einem 24-Stunden-Job für die Forstarbeiter werden‘, befürchtet Alfred Wulf von der BBA.

Hoffen auf Regen

Viele Menschen empfanden die mediterranen Klimaverhältnisse des letzten Sommers als angenehm. Forstleute jedoch wünschen sich ausreichend Regen bis weit ins Frühjahr hinein. Die Wasserspeicher der Böden würden aufgefüllt, was der Baumgesundheit dient. Regen zu Zeiten des Insektenflugs könnte das Vermehrungspotenzial reduzieren. Doch selbst solch günstigen Umstände machen die durch den letzten Sommer verursachten Baumschäden nicht wieder wett. Die nachhaltigen Schäden werden vermutlich erst in den nächsten Monaten sichtbar, denn Bäume haben sehr lange Reaktionszeiten. Wird es allerdings erneut überdurchschnittlich warm und trocken, sind sehr ernste Waldschäden zu befürchten. Deren Ausmaße sind heute noch nicht abschätzbar.

Links zum Thema Wald und Forst.

CDU/CSU: Novellierung des Bundesjagd- und Bundeswaldgesetzes unnötig

Themen: Archiv — info @ 12:03

Ideologie statt Sachzwänge

Berlin (agrar.de) – Anlässlich der Vorstellung der Eckpunkte zum Bundeswald- und Bundesjagdgesetz durch Ministerin Künast erklärt der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Harry Carstensen:

‚In allen Fällen, bei denen in der Vergangenheit aufgrund Brüsseler Vorgaben oder dem Wegfall von Tatbeständen das Bundesjagd oder das Bundeswaldgesetz geändert werden musste, geschah dies in sachlicher Zusammenarbeit und ging ruhig über die Bühne.

Unter Rot-Grün ist dies nun völlig anders: Hier entscheiden nicht Sachzwänge über die Änderung bestehender Gesetze, sondern es regieren im Hintergrund Umweltverbände, die ihre ideologische Sicht der Dinge in Gesetzesform gegossen sehen möchten.

Sowohl das Bundeswald- als auch das Bundesjagdgesetz haben sich in den vergangenen Jahrzehnten bewährt und auch international Anerkennung gefunden. Es macht keinen Sinn, der Forstwirtschaft zusätzliche Bürokratie aufzuladen und das Jagdrecht beschneiden zu wollen.

Die Politik sollte dagegen besser alles tun, um die Waldbesitzer in die Lage zu versetzen, die nachhaltige Pflege ihres Waldes wirtschaftlich erfolgreich betreiben zu können und um das Engagement der Jäger für Natur- und Waldschutz, das weit über die Jagd hinausgeht, zu honorieren, damit dieses erhalten bleibt.‘

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BÖLW: CDU/CSU müssen Verantwortung für Verbraucher und Landwirte übernehmen

Themen: Archiv — info @ 12:03

Berlin (agrar.de) – ‚Gerade konservativen Parteien stünde es gut an, einer Technologie wie der Agro-Gentechnik Skepsis entgegen zu bringen und damit die Interessen des Großteils der Verbraucher und der Landwirte zu berücksichtigen‘, erklärte der Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Dr. Felix Prinz zu Löwenstein auf dem Kongress der CDU/CSU – Bundestagsfraktion mit dem Titel ‚Grüne Gentechnik – Chance für den Standort Deutschland‘, die am heutigen Mittwoch im Reichstag stattfand. Stattdessen sei zu befürchten, dass aus parteipolitischen Gründen die Argumentation der Gentechnik-Lobby zur Ideologie erhoben und kritiklos vertreten werde.

Da derzeit das Gentechnik-Gesetz in der parlamentarischen Abstimmung in Bundestag und Bundesrat anstehe, müsse von den Abgeordneten von CDU und CSU gefordert werden, Verantwortung für Verbraucher und Landwirte zu zeigen. Sie müssten sich dafür einsetzen, dass das Gesetz wirksamen Schutz für Anbau und Erzeugung von Lebensmitteln ohne Gentechnik biete, forderte Löwenstein. Man könne nicht einfach verlangen, Haftung und wirtschaftliches Risiko von den Gentechnik-Bauern wegzunehmen ohne darüber nachzudenken, wer diese denn dann zu tragen haben würde. Sonst seien am Ende die Bauern, die ohne genmanipulierte Pflanzen wirtschaften wollen, die Geschädigten, und Verbraucher, die kein Genfood essen wollen, müssten die Zeche der Gentechnik-Industrie durch höhere Lebensmittelpreise bezahlen.

Der BÖLW-Vorsitzende machte deutlich, dass sich die in den Mitgliedsverbänden des BÖLW organisierten Öko-Bauern, Verarbeiter und Händler von Ökoprodukten gegen jeden Versuch zur Wehr setzen würden, den Schutz vor Kontamination mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) aufzuweichen. Er formulierte die Forderungen des BÖLW, die auch im Interesse der konventionellen Bauern liegen, die ebenfalls ohne Gentechnik wirtschaften wollen:

– Haftungsregeln, die jeglichen wirtschaftlichen Schaden abdecken, der entsteht, wenn landwirtschaftliche Erzeugnisse aufgrund von GVO-Kontamination nicht mehr als Öko-Produkte verkauft werden können und mit ‚Enthält GVO‘ gekennzeichnet werden müssen

– Meldepflichten, die eine wirkliche Transparenz darüber herstellen, wo gentechnisch veränderte Organismen angebaut werden

– Anbauregeln für GVO-Bauern, die jeglichen Aufwand, der mit der Einführung des Anbaus verbunden ist, eindeutig den Verursachern zuordnet und die einen wirksamen Schutz vor Kontaminationen darstellen.

Links zum Thema Biotechnologie, Links zum Thema Verbände.

Brandenburg: Landwirte und Gärtner vorbildlich beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Themen: Archiv — info @ 09:03

Frankfurt (Oder) – Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind Brandenburgs Landwirte und Gärtner vorbildlich. Dies ergibt laut einer Pressemitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung eine Untersuchung des Landesamts für Verbraucherschutz und Landwirtschaft (LVL) Frankfurt (Oder), die jetzt vorgelegt wurde.

2003 erfolgten mehr als 900 Pflanzenschutz-Kontrollen in landwirtschaftlichen und gärtnerischen Unternehmen. Weitere 600 galten der Prüfung von Pflanzenschutzgeräten und der Sachkunde der Anwender im Pflanzenschutz.

Insgesamt wurden dabei landesweit weniger als 30 Verstöße festgestellt. Die geringe Anzahl spiegelt das fach- und umweltgerechte Verhalten der Landwirte und Gärtner Brandenburgs bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln wider.

Durch die Mitarbeiter des Pflanzenschutzdienstes vom LVL wurden zudem in den vergangenen Jahren intensive Schulungs- und Informationsveranstaltungen sowie Vorort-Beratungen zum Umgang mit Pflanzenschutzmitteln in gewässernahen und sensiblen Bereichen durchgeführt.

Links zum Thema Pflanzenschutz, Links zum Bundesland Brandenburg.

Gefahr für Sachsens Wald – Flath warnt vor Borkenkäfer-Invasion

Themen: Archiv — info @ 09:03

Dresden (agrar.de) – Vor einer Schädlingsinvasion im sächsischen Wald hat Umwelt und Landwirtschaftsminister Steffen Flath gewarnt. Sollte das Frühjahr wieder warm und trocken werden, sei mit einem massenhaften Anstieg der Borkenkäfer- und Nonnenpopulation zu rechnen. ‚Die Lage ist äußerst prekär‘, sagte der Minister am Mittwoch in Dresden. Überall dort, wo es in Sachsen Fichtenwälder gibt, ist die Gefahr eines Befalls vorhanden. So wurde seit Juni 2003 bereits an über 10.000 Stellen ein Käferbefall registriert, sowohl an einzelnen Bäumen als auch an Gruppen von mehreren hundert Bäumen.

Besonders betroffen sind die Wälder des Vogtlandes, des sächsischen Hügellandes und des Unteren Erzgebirges. Bis Ende Januar fielen dem Borkenkäfer rund 93.100 Kubikmeter Holz zum Opfer. ‚Diese Zahl liegt deutlich über dem Maximum der letzten 13 Jahre und im Vergleich zum Vorjahr ist das sogar die 54-fache Menge‘, so Flath. Der Minister appellierte an alle Waldbesitzer, weiter ein wachsames Auge zu haben und alle Flächen regelmäßig zu kontrollieren. ‚Nur wenn alle Mitziehen, besteht eine Chance, das Problem einzudämmen‘.

Ärger machen aber nicht nur die Borkenkäferarten wie Buchdrucker, Kupferstecher und Lärchenborkenkäfer. Auch die Raupen der Nonne, einer Schmetterlingsart, richten in den kieferdominierten Wäldern im Nordosten von Sachsen große Schäden an.

Ursache für die explosionsartige Vermehrung aller Forstschädlinge war der vergangene trockene Sommer. Noch befinden sich alle Schädlinge im Winterschlaf, sobald die Temperaturen steigen, schwärmen die Käfer aus. Eine genaue Prognose, was den Wald ab etwa April erwartet, ist nicht möglich.

Seit dem Spätsommer 2003 läuft durch die Forstverwaltung ein Bekämpfungsprogramm. Bisher konnten 91 Prozent des vom Borkenkäfer befallenen Holzes in den Forstämtern aufgearbeitet werden. Rund 8.100 Kubikmeter Holz müssen in den nächsten Wochen noch beseitigt werden. Für Bäume, die vom Borkenkäfer befallen sind, besteht keine Rettungschance. Diese müssen so schnell wie möglich gefällt und aus dem Wald gebracht werden. Um größere Käfervermehrungen zu verhindern, ist es notwendig, eine ’saubere Waldbewirtschaftung‘ zu betreiben. Das heißt, frisches Wurf- und Bruchholz sowie geerntetes Holz muss schnellstmöglich aus dem Wald, damit kein bruttaugliches Material für die Schädlinge vorhanden ist, wenn sie ab April ausschwärmen.

Gegen die Nonne kommen auf einer Fläche von 10.000 Hektar chemische Mittel zum Einsatz. Dazu gibt es keine Alternative. Die Unteren Forstbehörden bieten allen Waldbesitzern eine fachkundige Beratung dazu an. Entsprechende Maßnahmen werden vom Freistaat finanziell gefördert. Ausgenommen von der chemischen Behandlung sind Waldgebiete z.B. in der Schutzzone I im Biosphärenreservat sowie besonders sensible Flächen in FFH-und Vogelschutzgebieten.

Sachsen steht mit dem Problem der Waldschädlinge nach dem heißen Sommer in Deutschland nicht allein. Vor allem die waldreichen südlichen Länder vermelden einen sehr hohen Befall durch den Borkenkäfer.

Links zum Thema Wald und Forst, Links zum Bundesland Sachsen.

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