18. Februar 2004

BBV: Neue EU-Vorschriften zur Kennzeichnung von Schafen und Ziegen schießen über das Ziel hinaus

Themen: MKS,Schafe — info @ 11:02

München (agrar.de) – Gegen die umfangreichen Vorschriften zur Kennzeichnung und Erfassung von Schafen und Ziegen, die der Agrarministerrat der Europäischen Gemeinschaft noch im Dezember 2003 beschlossenen hat, hat der Bayerische Bauernverband (BBV) Protest erhoben. Es sei zwar im Vorfeld gelungen, eine Ausnahme für Schlachtschafe bis zu 12 Monaten zu erreichen. Dennoch seien die Vorschriften für die meisten Schafhalter unpraktikabel und unzumutbar. Der Verband hat deshalb Staatsminister Eberhard Sinner, zuständig für Europaangelegenheiten und regionale Beziehungen, gebeten, erneut wie schon als Minister für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz, sich für eine Verschlankung der Kennzeichnungsvorschriften einzusetzen. Auch hat er sich an Europaabgeordneten Martin Kastler gewandt.

Der Aufwand für Kennzeichnung, Dokumentation und Verwaltung stünde in keinem Verhältnis zu den bescheidenen Einkünften aus der Schafhaltung. Das gelte sowohl bei der Haltung großer Herden wie im Nebenerwerb zur Verwertung von Restgrünland. Die Schafhalter müssten sich in erster Linie um die Betreuung und Versorgung der Tiere als auch um die Vermarktung kümmern. Würden sie zusätzlich und unangemessen lange Zeit an Schreibtisch und Computer gebunden, gehe das auf Kosten der Betreuung der Tiere. Das stünde im Gegensatz zum Tierschutzverständnis der Schafhalter. Ihnen würde Spaß und Freude an den Tieren verdorben. Vor allem koste die einzeltierbezogene Kennzeichnung und Registrierung auch Geld, das in der Schafhaltung nicht zu verdienen ist.

Wenn die EU-Kommission meint, aus dem das Maul- und Klauenseuchengeschehen des Jahres 2001 entsprechende Schlussfolgerungen für die Kennzeichnung, Registrierung und Dokumentation von Tieren und deren Bewegungen ziehen zu müssen, schieße sie geradezu mit Kanonen auf Spatzen. Zunächst stelle sich doch die Frage, ob die schon bestehenden Vorschriften nicht auch ausreichten und ob deren Einhaltung kontrolliert wird. Wenn dem nicht so ist, wären die neuen Vorschriften genauso wenig wert wie die alten, nur dass der Aufwand für die Tierhalter höher wäre, so der Verband. Dem Berichterstatter im Europäischen Parlament, Gordon J. Adam, der der Kommission vorgeworfen hat, die Schafe loszuwerden sei auch ein Weg, um Tierseuchen einzudämmen, pflichtet der Verband bei.

Der Bauernverband stellt weiter die Frage, wozu das alles in Deutschland notwendig ist, da der Selbstversorgungsgrad weit unter 100 Prozent liegt und Verbringungen in andere Mitgliedstaaten kaum eine Rolle spielten. Die Schafhalter würden auf den Märkten mit den Billigimporten aus Neuseeland konkurrieren.

Weiter fragte der Verband, wie es sachlich zu begründen ist, dass die Regelungen in Mitgliedstaaten mit mehr als 600.000 Schafen und 160.000 Ziegen gelten, in den anderen nicht. Die Bereitschaft, die Vorschriften umzusetzen sei nicht sehr groß, wenn Bürokratie und Kosten erhöht und gleichzeitig die Direktzahlungen im Zuge der Agrarreform gekürzt werden. Vor allem müsse bezweifelt werden, dass die Vorschriften in den südlichen Mitgliedstaaten umsetzbar sind. Es wäre nicht verwunderlich, so der Verband, wenn die Schafhalter Geschwindigkeit und Genauigkeit der Umsetzung dort kritisch beobachten und sich anpassen würden.

Es gelte die Kommission von ihren überzogenen Vorstellungen der Tieridentifizierung abzubringen und auf das Maß des Notwendigen, Machbaren und Bezahlbaren zu reduzieren.

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