15. Januar 2004

COPA/COGECA: Schweinefleischsektor in der Krise

Themen: Archiv — info @ 11:01

Private Lagerhaltung reicht nicht aus

Brüssel (agrar.de) – In einem Kommentar zu der nun schon monatelang anhaltenden extrem schwierigen Situation der Schweinehalter der EU werteten COPA-Präsident Peter Gaemelke und COGECA-Präsident Eduardo Baamonde die ergriffenen EU-Massnahmen als nach wie vor nicht ausreichend.

‚Wir begrüssen die im Dezember l.J. von der Kommission beschlossene Beihilferegelung zur privaten Lagerhaltung, damit ist es aber nicht getan‘ erklärten die Präsidenten. COPA und COGECA fordern von der Kommission, schnellstmöglich und vorzugsweise für den nächsten Verwaltungsausschuss weitere Massnahmen vorzuschlagen, die geeignet sind, den Schweinefleischmarkt der EU zu stabilisieren: Einführung von Exporterstattungen für Tierkörper und halbe Tierkörper, um europäischem Schweinefleisch leichteren Zugang zu einer Reihe von spezifischen internationalen Märkten zu verschaffen, sowie sofortige Freisetzung der Getreide-Interventionsbestände zwecks Verbesserung der Angebotslage bei Futtermitteln.

Desgleichen erwarten die Präsidenten COPA’s und COGECA’s von der Kommission, dass sie die Marktentwicklungen bei Schweinefleisch in der EU wie auch weltweit nach wie vor aus nächster Nähe verfolgt und erforderlichenfalls entsprechende Massnahmen ergreift.

Links zum Thema EU und Landwirtschaft, Links zum Thema EU-Verbände.

Für die Schweinemäster in der EU bleiben die Aussichten trübe

Themen: Archiv — info @ 11:01

Schweinebestand seit 1995 deutlich gewachsen – Desolate Preissitutation

Hannover (agrar.de) – Die Schweinehalter in der EU halten mal mehr, mal weniger Borstenviecher. Insgesamt ist der europäische Schweinebestand seit Mitte der neunziger Jahre jedoch deutlich gewachsen, zitiert der Landvolk-Pressedienst Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat).

Nach einem Produktionshoch Anfang der neunziger Jahre stockten die Landwirte ihre Schweineherden bis 1995 auf ein Tief von 116,1 Millionen Tieren ab. Danach stiegen die Bestandszahlen langsam an, im Dezember 1997 wurden 118,95 Millionen Schweine in der EU gezählt. Einen bisherigen Höchststand erreichten die Bestände 1998 mit 125,4 Millionen Tieren, das waren 5,4 Prozent mehr als 1997. In den beiden folgenden Jahren reduzierten die Landwirte wieder die Zahl ihrer Tiere, machten mit 124,35 Millionen beziehungsweise 121,88 Millionen Schweinen dabei aber die vorherige Aufstockung nur teilweise rückgängig. Zum Dezember 2001 und 2002 registrierten die Statistiker mit 122,19 Millionen und 121,99 Millionen keine nennenswerten Veränderungen mehr, die Zahlen für 2003 liegen noch nicht vor.

Führender Schweineproduzent in der EU blieb Deutschland, wo in 2002 mit 26,25 Millionen Tieren rund 20 Prozent des europäischen Schweinebestandes gehalten wurden. In 2003 stockten die Landwirte sogar noch einmal auf und hielten schätzungsweise 26,5 Millionen Tiere. Ein kontinuierliches und rasantes Wachstum registrierten die Statistiker für den zweitgrößten Schweineproduzenten der EU, für Spanien. Hier werden mit 23,52 Millionen Tieren mittlerweile rund 19 Prozent aller EU-Schweine gehalten. Auch die dänischen Schweinemäster haben Boden gut gemacht. Sie hielten Ende 2002 rund 12,88 Millionen Schweine und haben damit die Niederlande seit 2001 in der Produktionsstatistik überholt. Der ehemals drittgrößte Schweineproduzent in der EU hatte in 2002 mit 11,15 Millionen Tieren nur noch einen Produktionsanteil von 9,1 Prozent.

Aufgrund der großen Schweinebestände betrachten viele Schweinemäster ihre Marktaussichten bereits seit Monaten trübe. Denn auch in 2003 wurde der europäische Schweinemarkt nicht entlastet. Die deutschen Schweinemäster konnten für ihre Tiere meistens nur weniger als 1,30 Euro/kg Schlachtgewicht (SG) erzielen und damit ihre Kosten nicht mehr decken. Sie erzielten zum Jahresende sogar nur 1,08 Euro/kg und mussten damit bereits zum zweiten Mal in Folge rote Zahlen schreiben. Und auch die mittel- und langfristigen Aussichten für 2004 sind nicht vielversprechend, auch wenn die Schweinepreise mit einer leichten Erholung auf 1,16 Euro/kg SG ins neue Jahr starteten.

Links zum Thema Schweine, Links zum Thema Verbände.

Sonnleitner: Kombimodell ist für Tierhalter und Milchbauern untragbar

Themen: Archiv — info @ 10:01

Berlin (agrar.de) – Auf der Fragestunde des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten auf der Grünen Woche äußerte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, die Sorge, dass die EU-Agrarreform in Deutschland in einer bloßen Umverteilungsdebatte untergehe. Die Reform biete einen langfristigen Rahmen auch für die Finanzierung der EU-Agrarpolitik bis zum Jahre 2012 sowie mehr unternehmerische Freiheit. Mit dem nunmehr vorliegenden Gesetzentwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur nationalen Umsetzung der Reform habe der DBV aber größte Probleme.

Auf der Verbände-Anhörung im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) habe der Bauernverband seine Ablehnung und seine sechs Kernforderungen deutlich gemacht. Danach lehne der DBV nach wie vor das Umschmelzen aller Ausgleichszahlungen in ein einheitliches Prämienrecht je Hektar ab. Denn die Bauern in Deutschland würden auch in Zukunft ihr Einkommen mehrheitlich über die Tierhaltung erwirtschaften. Doch genau der Tierhaltung werde über das vom Ministerium vorgeschlagene Kombimodell mit Gleitflug der Boden entzogen. Die Milchprämien, die zunächst schrittweise bis zum Jahre 2007 aufgebaut werden, müssten nach Ansicht des DBV aus der Umverteilung bis zum Jahre 2012 völlig herausgehalten werden.

Wenn die Politik in Deutschland sich für ein Kombimodell aus Betriebs- und Regionalmodell entscheide, dürfe es im Ackerbau und bei den Rinderprämien vor 2009 kein weiteres Abschmelzen des betriebsindividuellen Teils geben. Sehr wohl sei es jedoch möglich, beim Einstieg in das Kombimodell Korrekturen der alten McSharry-Reform aus 1992 im Ackerbau nach Bundesländern herbeizuführen. Dreimal müsse man sich allerdings überlegen, betonte Sonnleitner, ob man auf den letzten ‚Metern der alten Marktordnungspolitik‘ jetzt auch den Obst-, Gemüse- und Speisekartoffelanbau mit Stilllegungsverpflichtungen und Cross-Compliance-Vorgaben belasten wolle, obwohl es auf diesen Märkten bisher keinerlei staatliche Einflussnahmen gegeben habe. Deshalb plädiere der Bauernverband dafür, diese Flächen herauszulassen. Wegen der absehbaren Teilkopplung von Tierprämien und Flächenprämien in anderen EU-Mitgliedstaaten sollte sich Deutschland zumindest die Option offen halten, durch die Beibehaltung einer gekoppelten Schlachtprämie und auch der Schafprämie drohenden Marktverzerrungen zu begegnen. Der Blick zu den EU-Nachbarländern sei in der kommenden Zeit äußerst wichtig.

Bei den Cross-Compliance-Bestimmungen müsse sich Deutschland strikt an das Fachrecht halten und keinesfalls über die EU-Vorgaben hinausgehen. Bund und Länder seien schon aus den Anlastungsrisiken von INVEKOS (Integriertes Verwaltungs- und Kontrollsystem für flächenbezogene Beihilfen in der Landwirtschaft) heraus gehalten nach dem Grundsatz zu handeln, weniger sei mehr, zumal hierzulande bereits ein dichtes Regelwerk im Tier-, Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz bestehe.

Links zum Thema Verbände.

DBV: Allianzen in der Produktionskette gegen Geiz-ist-geil-Mentalität

Themen: Archiv — info @ 10:01

Sonnleitner kritisiert Marginalisierung von Qualitätsprodukten

Berlin (agrar.de) – Der Vorsitzende der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie, Dr. Peter Traumann, und der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, waren sich auf der Eröffnungspressekonferenz der Internationalen Grünen Woche 2004 in Berlin einig, dass die ‚Geiz-ist-geil-Kultur‘ keine Lösung sein könne für ein Land, das zu den reichsten der Welt gehöre. Geiz zur gesellschaftlichen Tugend zu erklären und darin wirtschaftliche Perspektiven zu suchen, sei der falsche Weg, um die Chancen eines sich abzeichnenden wirtschaftlichen Aufschwungs zu nutzen. Das Ziel von Industrie, Handel und Landwirtschaft müsse vielmehr die Abkehr von der Billigheimerei hin zu einer Qualitäts- und Service-Offensive sein.

Diese Offensive solle deutlich machen, dass die Land- und Ernährungswirtschaft Qualitätsprodukte anbiete, die einen wichtigen Beitrag für ein gutes Lebensgefühl leisten und damit über die bloße Ernährung hinaus eine Aufgabe habe. Rabatt- und Preisschlachten böten keine Perspektiven, weder für den Handel und die Industrie noch für die Verbraucher, betonte Traumann. Durch Rabattschlachten würden die Verbraucher verunsichert und nur auf das kommende noch billigere Angebot warten und erst mal die Ware im Regal liegen lassen. Die Discounter seien ein erfolgreicher Vertriebstyp, der im Markt seine Berechtigung habe, betonte Traumann. Es sollte aber auch Alternativen für die Verbraucher geben, an denen Industrie und Handel intensiv arbeiten müssten.

DBV-Präsident Gerd Sonnleitner betonte, dass die Bauern sich nachdrücklich gegen die Marginalisierung ihrer Qualitätsprodukte einsetzten. Der gesellschaftlichen Aufwertung von Geiz stellten sie die Kampagne ‚Lebensmittel sind mehr wert!‘ entgegen. Dafür suchten sie Allianzen in der gesamten Produktionskette. Mit den Molkereien beispielsweise wollten sie ein Gegengewicht zum Lebensmitteleinzelhandel im Markt aufbauen. Das Kartellamt ermutige geradezu die Vermarktungsorganisationen, einen solchen Weg zu gehen.

Links zum Thema Verbände.

Knapp 100 Biogas-Anlagen in Nordrhein-Westfalen

Themen: Archiv,Biogas,Energie — info @ 10:01

Haltern (agrar.de) – Die Zahl der Biogasanlagen in Nordrhein-Westfalen hat deutlich zugenommen. Seit Einführung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000 stieg die Zahl der Biogasanlagen, wenn zur Zeit auch eine verhaltene Weiterentwicklung zu beobachten ist. Bei einer Fachtagung ‚Biogas‘, die die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Haltern im Kreis Recklinghausen durchführte, wurden die neuesten Forschungsergebnisse, Planungsdaten und Informationen zur Einspeisevergütung den 180 Teilnehmern vorgeführt.

Kammerpräsident Karl Meise wies darauf hin, dass sich der Informationsbedarf für die Technik als so beachtlich herausgestellt hat, dass die bundesweite Abstimmung der Beratung alsbald durch ein vom Fachministerium gefordertes Projekt mit dem Namen ‚Beratungsoffensive Biogas‘ ergänzt wurde. Diese ‚außerordentlich sinnvolle Offensive‘ dient der Erarbeitung von weiteren aktuellen und fundierten Daten für die Planung und Beratung von Biogasanlagen.

Die Landwirtschaftskammer betreibt drei unterschiedliche Biogasanlagen in den Landwirtschafts- und Gartenbauzentren Haus Riswick bei Kleve, Haus Düsse im Kreis Soest und Straelen im Kreis Kleve. Jede der Anlagen hat ein eigenes Konzept, das die hervorragende Chance bietet, spezifische Fragestellungen zu prüfen.

Daneben hat die Landwirtschaftskammer eine Betreiberdatenbank erarbeitet, in der Daten aus inzwischen 74 der knapp 100 in Nordrhein-Westfalen betriebenen Biogasanlagen enthalten sind. Mit dem Erfahrungsschatz und den Spezialversuchen aus Klein- und Großanlagen in den drei Anstalten bietet die Landwirtschaftskammer spezielle Beratungen an. So etwas ist in Deutschland einmalig. Die Landwirtschaftskammer berät in planungsrechtlicher, technischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Außerdem bietet sie auch an, den Anlagenbetrieb zu betreuen. Dabei ist wichtig, dass die neuen Anlagen die Umweltbelastung reduzieren.

Durch den Betrieb einer Biogasanlage verbessern die Landwirte die Nährstoffverfügbarkeit ihres Naturdüngers. Gülle beispielsweise verliert durch die Biogasanlage an Geruchsintensivität. Zweiter Vorteil der Biogasanlage ist die Produktion von Energie durch die in der Anlage ablaufende Fermentierung.

Demgegenüber stehen neueste Forschungsergebnisse, die die Landwirtschaftskammer während der Veranstaltung vorlegte. Dabei wurde deutlich, dass viele Anlagen noch nicht optimal ausgenutzt werden. Es könnte mehr Energie erzeugt werden. Bei durchschnittlichen Anschaffungskosten in Höhe von 350.000 Euro pro Anlage ist die Einspeisevergütung ein wesentlicher Punkt bei der Überlegung, eine Anlage anzuschaffen. Die Politiker diskutieren zurzeit über die Erhöhung dieser Vergütung.

Links zum Thema Biogas, Links zum Bundesland Nordrhein-Westfalen.

14. Januar 2004

Kabinett beschließt drastische Strafandrohung bei Verstößen gegen Kennzeichnungs-Pflicht bei gentechnisch veränderten Organismen

Themen: Archiv — info @ 16:01

Berlin (agrar.de) – Das Bundeskabinett hat heute den von Bundesverbraucherministerin Renate Künast vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Durchführung von Verordnungen der Europäischen Gemeinschaft auf dem Gebiet der Gentechnik und zur Änderung der Neuartigen Lebensmittel- und Lebensmittelzutaten-Verordnung beschlossen. Danach können Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht bei gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro, Verstöße gegen andere grundlegende Verpflichtungen aus den EU-Verordnungen mit Haftstrafen bis zu 3 Jahren geahndet werden. ‚Die Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebens- und Futtermittel ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Wahlfreiheit für Verbraucher und Landwirte gesichert werden kann. Anhand der Kennzeichnung kann sich jeder bewusst für oder gegen gentechnisch veränderte Produkte entscheiden – im übrigen auch auf dem Wochenmarkt oder im Restaurant. Unser Gesetzentwurf macht deutlich, dass Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen. Mit diesem letzten Baustein bei der Kennzeichnung verschaffen wir dem Recht der Verbraucherinnen und Verbraucher und Landwirte auf Wahlfreiheit zum Durchbruch.‘

Der Gesetzentwurf regelt die Durchführung von drei EU-Verordnungen zu gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln. Diese Verordnungen sind seit November 2003 in Kraft. Sie kommen jedoch erst im Laufe dieses Jahres zur Anwendung und gelten dann in Deutschland unmittelbar. Der Gesetzentwurf regelt die in der Sache zuständigen Behörden und legt Sanktionen für Verstöße gegen Vorschriften der Verordnungen fest. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit soll die zuständige Behörde für die Durchführung der Verordnungen werden, soweit nicht die Überwachung der Verordnungen betroffen ist, die grundsätzlich den Ländern obliegt.

Links zum Thema Biotechnologie. Links zum Thema Agrarpolitik.

Bauernbund stellt Koexistenz mit grüner Gentechnik in Frage

Themen: Gentechnik,Haftung,Umwelt,Verbände — info @ 15:01

Nutzen des Gentechnikgesetzentwurfes eher fraglich

Berlin (agrar.de) – ‚Wir brauchen keine zusätzlichen neuen großflächigen Freisetzungsversuche von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen, um die Frage der Koexistenz zu prüfen. Was wir brauchen sind klare Haftungsregelungen und Grenzwerte, die eine Koexistenz auch ermöglichen,‘ so der Präsident des Deutschen Bauernbundes, Kurt-Henning Klamroth, im Vorfeld der Internationalen Grünen Woche und der DLG-Wintertagung in Berlin.

‚Ob der von Agrarministerin Künast vorgelegte Gentechnik-Gesetzentwurf der Bundesregierung den Ansprüchen genügt, den die Bauern verlangen, muss sich noch zeigen. Es kann jedenfalls nicht sein, dass die Bauern die keine gentechnisch veränderten Pflanzen anbauen, den Nachweis für die Verunreinigung zu erbringen haben und damit die Labor- und Gerichtskosten zu tragen haben.

Die Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt hat große Sorgen, dass durch den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen auf mehreren hundert Hektar die momentan bestehenden Märkte in Mitleidenschaft gezogen werden. Immerhin wird in Sachsen-Anhalt besonderer Qualitätsweizen erzeugt, der europaweit gehandelt wird. Die großen Getreidevermarkter müssen aber die Gentechnikfreiheit garantieren, um in diesem Markt zu bleiben. Wir treten dafür ein, dass in diesem Jahr in Sachsen-Anhalt keine Freisetzungsversuche von Mais und Weizen durchgeführt werden, bis nicht die Haftungs- und Grenzwertfrage sauber gelöst ist. Unter den jetzigen Bedingungen ist keine Koexistenz mit der grünen Gentechnik möglich.

Des weiteren ist uns auch der Nutzen für die Landwirtschaft zu unklar. Auch hierbei haben wir noch erheblichen Diskussionsbedarf mit der Industrie. Uns interessiert insbesondere die weitere Forschungsstrategie der Konzerne. So wissen wir von der Firma Aventis, dass sie Forschungsvorhaben zu ‚viehlosem Fleisch‘ durchgeführt haben. Durch gentechnische Veränderungen von Bakterien soll danach durch Fermentationsprozesse ein künstliches Nahrungsmittel erzeugt werden, dass wie Fleisch schmeckt. Würde diese Forschung praxisreif, bräuchte es keine Bauern mehr, die Ackerbau und Viehzucht betreiben. Dagegen würden wir uns vehement wehren, da dann eine ganze Berufsgruppe und Kultur zugunsten einer Gentechnik-Landwirtschaft geopfert würde,‘ so Klamroth weiter.

Der Deutsche Bauernbund fordert daher einen gesamtgesellschaftlichen Dialog über den Einsatz und Nutzen der Gentechnik in der Landwirtschaft.

Links zum Thema Verbände.

BDP: Anbaufläche von gentechnisch veränderten Pflanzen um 15 Prozent gestiegen

Themen: Gentechnik,Mais — info @ 15:01

Bonn (agrar.de9 – Im Jahr 2003 wurden auf 67,7 Mio. Hektar transgene Pflanzen angebaut. Die globale Anbaufläche von gentechnisch veränderten Pflanzen ist heute fast so groß wie die Fläche von Irland. Nach Angaben des jährlichen Reports von ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications) nahm vor allem bei Mais und Raps der Anbau von GV-Sorten zu. Insgesamt nutzen weltweit 18 Länder die Grüne Gentechnik.

Fast 99 Prozent der GVO-Flächen verteilen sich inzwischen auf sechs Länder: USA (42,8 Mio. ha), Argentinien (13,9 Mio. ha), Kanada (4,4 Mio. ha), Brasilien (3 Mio. ha), China (2,8 Mio. ha) und Südafrika (400.000 ha). 63 Prozent aller weltweit angebauten transgenen Pflanzen stammen aus den USA.

China und Südafrika haben den größten Zuwachs der jährlichen Anbaufläche zu verzeichnen. In beiden Ländern stieg der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen um ein Drittel gegenüber 2002. Zu den Top 10 zählen außerdem Australien, Indien, Rumänien und Uruguay mit jeweils über 50.000 ha. Acht weitere Länder nutzen transgene Pflanzen auf bis zu 50.000 ha, darunter die Philippinen, Indonesien, Honduras und Mexiko.

In Europa ist neben Spanien, das seinen Anbau von Bt-Mais um 33 Prozent auf 32.000 ha ausdehnte, nur noch Rumänien mit rund 70.000 ha transgenen Soja-bohnen (plus 50 Prozent) zu nennen.

Die bedeutetesten GVO-Pflanzen sind nach wie vor Sojabohnen, Mais und Raps. GV-Sojabohnen wurden im Jahr 2003 weltweit auf rund 41,4 Mio. Hektar (plus 13 Prozent) angebaut; das sind 55 Prozent des weltweiten Anbaus. In Argentini-en sind konventionelle Sojabohnen fast vollständig verdrängt (GVO-Anteil: 99 Prozent). Brasilien legalisierte den GV-Sojabohnenanbau, der auf ungefähr 3 Mio. Hektar geschätzt wird.

Den stärksten Zuwachs gab es bei Mais. Der GVO-Anteil legte weltweit um 25 Prozent auf 15,5 Mio. Hektar zu; dies entspricht elf Prozent der globalen Gesamtanbaufläche. Zwischenzeitlich werden 16 Prozent der weltweiten Rapsfläche (3,6 Mio. ha) mit gentechnisch veränderten Pflanzen bestellt; ein Plus von 20 Prozent gegenüber den Vorjahren. Die Baumwollfläche mit GVO-Sorten stieg um sechs Prozent auf 7,2 Mio. Hektar und macht rund 21 Prozent der Weltproduktion aus. Allein 58 Prozent der chinesischen Baumwollproduktion erfolgt mit gentechnisch veränderten Pflanzen.

Nach ISAAA-Schätzungen werden innerhalb von fünf Jahren zehn Millionen Landwirte in 25 Ländern auf 100 Millionen Hektar transgene Pflanzen anbauen.

Links zum Thema Biotechnologie. Links zum Thema Verbände.

DBV: foodwatch-Studie weder für Bauern noch für Verbraucher hilfreich

Themen: Archiv — info @ 15:01

QS hat als vorrangiges Ziel Rückverfolgbarkeit in der Lebensmittelherstellung

Berlin (agrar.de) – Zur heutigen Pressekonferenz von foodwatch auf der Grünen Woche in Berlin stellt der Deutsche Bauernverband (DBV) fest:

‚Unter dem Studien-Titel: ‚Auf der Suche nach der versprochenen Qualität‘ setzt sich foodwatch kritisch mit dem QS-System auseinander. Das ist ihr gutes Recht. Nicht akzeptabel ist jedoch, die Analyse völlig an der Zielsetzung von QS vorbei zu betreiben. Erstmals haben sich Tausende von großen und kleinen Unternehmen in der gesamten Produktionskette für Nahrungsmittel auf ein gemeinsam getragenes System der Rückverfolgbarkeit und Dokumentation verständigt.

Anders als bei einem großen Automobilkonzern sind bei Lebensmitteln viele selbständige Unternehmen für die Nahrungsmittel verantwortlich von der Futtermittel- und Düngemittelproduktion über die von Bauern getragene Landwirtschaft, die Unternehmen der Vieh- und Fleischwirtschaft, der Molkerei- und Mühlenwirtschaft bis hin zum Endverkauf im Lebensmitteleinzelhandel. Diese Verantwortungskette muss sich jetzt finden und kommt über QS erstmals mit gutem Erfolg voran. Konventionelle wie Ökoproduktion haben stufen- und unternehmensübergreifend Rückverfolgbarkeitssysteme aufzubauen, die unter anderem auch schnelle Reaktionen auf Fehlverhalten erlauben. Gerade kleine und mittlere Unternehmen tun sich im Zusammenspiel dabei sehr viel schwerer als Großkonzerne.

Dies weiß foodwatch, ermutigt aber den erstmals erfolgreichen stufenübergreifenden Ansatz von QS nicht, sondern kritisiert Nebensächlichkeiten. Gerade die jetzt aufgefallenen unterlassenen BSE-Tests sind zum Beispiel Beweis für die Funktionsfähigkeit der zentralen Datenbank bei Rindern, die in der Rückverfolgbarkeit bei QS eine zentrale Rolle spielt. Seit 2003 können erstmals einzeltierbezogene Bewegungsmeldungen der Tiere mit den BSE-Tests an den Schlachthöfen abgeglichen werden. Wenige hundert Tiere unter ca. 3. Millionen zielgerichtet herauszufinden, sind ein Erfolg – und die Abstrafung der Gesetzesbücher auch.

QS ist kein Gütesiegel, das wird von den QS-Verantwortlichen auch nicht behauptet. QS ist und bleibt ein Prüfzeichen für Sicherheit – übrigens der Grundlage für jegliche Qualität. Diese begegnet uns in Deutschland in vielen Marktsegmenten, von der Direkt- und Regionalvermarktung bis hin zu Fast- und Slow-Food. Für alle eine Sicherheitsbasis zu schaffen, das wird QS auch weiterhin mit den Bauern und allen anderen in der Kette anstreben.‘

Links zum Thema Verbände.

Priesmeier zur BSE-Diskussion: Vorwürfe sind haltlos und infam

Themen: Archiv — info @ 13:01

Berlin (agrar.de) – ‚Spätestens jetzt dürften die letzten Vorwürfe ausgeräumt sein, dass Renate Künast und ihr Ministerium bei der BSE-Überwachung ‚geschlampt‘ hätten‘, so kommentierte der Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Wilhelm Priesmeier, die Ergebnisse der Sitzung des Agrarauschusses.

Staatssekretär Matthias Berninger hatte dem Gremium ausführlich berichtet, wie das Landwirtschaftsministerium auf das Bekanntwerden von Unstimmigkeiten in den Rinderdatenbanken reagiert hat. Auch die in den letzten Tagen laut gewordenen Vermutungen, man habe auf Hinweise auf Schwarzschlachtungen im Emsland nicht reagiert, konnten endgültig widerlegt werden.

‚Wenn die FDP ihre Vorwürfe aufrecht erhält, dann kann man das jetzt nicht mehr mit Unwissenheit entschuldigen‘, sagte Priesmeier im Hinblick auf entsprechende Erklärungen seines Ausschusskollegen Michael Goldmann. ‚Wer trotz der klaren Faktenlage weiterhin schwerwiegende Vorwürfe erhebt, der handelt in meinen Augen weder anständig noch seriös!‘

In diesem Zusammenhang lobte Dr. Priesmeier ausdrücklich das Verhalten der Union: ‚Aus dem CDU-geführten Landwirtschaftsministerium in Niedersachsen ist mir mitgeteilt worden, dass die Vorwürfe gegen die Ministerin jeder Grundlage entbehren. Und auch die Äußerungen der Unionskollegen in der heutigen Sitzung haben gezeigt, dass die FDP mit ihrer unverantwortlichen Polemik allein dasteht.‘

Insgesamt zog Dr. Priesmeier ein positives Zwischenfazit der jüngsten BSE-Diskussion: ‚Die Erkenntnisse der letzten Tage haben gezeigt, dass die BSE-Überwachung in Deutschland gut funktioniert.‘ Die auf den ersten Blick Besorgnis erregende Zahl von mehreren hundert geschlachteten Tieren, bei denen die vorgeschriebenen Tests unterblieben, relativiere sich, wenn man sich vor Augen führe, dass in Deutschland jedes Jahr knapp drei Millionen geschlachtete Rinder ordnungsgemäß getestet werden. ‚Doch natürlich ist jedes ungetestete Rind eines zuviel. Daher werden wir alles dafür tun, in Zusammenarbeit mit den Ländern die Kontrollpraxis weiter zu verbessern. Das sind wir nicht nur den verunsicherten Verbrauchern schuldig, sondern auch unseren Rinderhaltern, die sich gewissenhaft an die Vorschriften halten.‘

Links zum Thema Agrarpolitik.

Seiten: << 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ...12 13 14 >>



   (c)1997-2017 @grar.de