10. Dezember 2003

Rheinische Milch hat Spitzenqualität

Themen: Archiv — info @ 11:12

Bonn (agrar.de) – Die rheinischen Milchkühe, deren Leistung regelmäßig kontrolliert wird, gaben im vergangenen Jahr durchschnittlich 7.669 kg Milch. Der durchschnittliche Fettgehalt der Milch lag bei 4,20 Prozent, der Eiweißgehalt bei 3,38 Prozent. Dies ergab nach Meldung der Landwirtschaftskammer Rheinland eine Auswertung des Landeskontrollverbandes Rheinland in Bonn.

Die fleißigsten Kühe mit rund 8.273 kg Milch pro Jahr kommen – wie im Vorjahr – aus dem Kreis Kleve. Auf Platz 2 stehen unverändert die Kühe im Kreis Wesel mit 8.051 kg. Schlusslichter sind die Kreise Erftkreis mit 6.983 kg und der Euskirchen mit 7.014 kg, dabei muss aber berücksichtigt werden, dass die natürlichen Standortbedingungen und damit die Futtergrundlage in den verschiedenen Lagen des Rheinlandes sehr unterschiedlich sind.

Im Durchschnitt der ersten zehn Monate diesen Jahres erzeugten über 98 Prozent aller Milchlieferanten im Rheinland Milch der höchsten Güteklasse 1. Ursache für diese Qualität ist der hohe Hygienestandard in den Betrieben und eine regelmäßige Kontrolle der Melkanlagen.

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Experten bemängeln Rahmenbedingungen für Gentechnik in Deutschland

Themen: Archiv — info @ 11:12

Berlin (agrar.de) – Deutschland braucht bessere Rahmenbedingungen im Bereich der so genanten grünen und roten Gentechnik. Dies haben nach einem Bericht des Pressedienstes des Deutschen Bundestages Sachverständige bei einer Anhörung des Bildungs- und Forschungsausschusses zur ‚Weiterentwicklung einer Biotechnologiestrategie für den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland‘ am Mittwochnachmittag übereinstimmend festgestellt.

Überwiegend kritisch beurteilten sie dabei die ‚Blockadepolitik‘ der Bundesregierung in der Biotechnologie. Zwar gebe es in Deutschland eine sehr gute Forschungslandschaft. Probleme seien jedoch vor allem bei der Anwendung zu beobachten, da die Rahmenbedingungen nicht stimmten. So seien Investitionen im Bereich der Gentechnik in Deutschland zum Risiko geworden, stellte Professor Axel Kleemann aus Hanau fest. Schuld daran sei eine ideologisch bedingte Politik, so Professor Peter Stadler, Management Direktor ARTEMIS Pharmaceuticals GmbH.

Forscher und Industrie seien deprimiert und schockiert über diese Entwicklung. Dies führe zum ‚Vertreibungseffekt‘: Spitzenforscher wanderten aus, Unternehmen investierten im Ausland. Auch Dagmar Schipanski, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Thüringen, stellte ‚verheerende Auswirkungen‘ auf die Forschung fest.

Da trotz hervorragender Forschungsergebnisse die Anwendung in Deutschland auf große Probleme stößt, sei eine Verarmung des Forschungspotenzials zu befürchten. ‚Das Schlimmste ist, dass junge Menschen, die schwierige Studien in der Biotechnologie auf sich genommen haben, nun doppelt verunsichert sind, weil sie keine Arbeitsplätze in der Industrie finden‘, kritisierte die Ministerin.

Unterschiedlich bewerteten die Experten die Potenziale der Gentechnik. Ruth Brauner vom Öko-Institut Freiburg warnte davor, die Risiken der Gentechnik außer Acht zu lassen. Es sei ‚vollkommen unmöglich‘, die Technik als risikolos zu bezeichnen, zumal es wissenschaftlich fundierte eindeutige Hinweise über Risiken für die Gesundheit der Menschen, für die Umwelt und die Landwirtschaft gebe.

Dagegen plädierte unter anderem Ulrich Dolata vom Forschungszentrum Nachhaltigkeit der Universität Bremen dafür, die Gentechnik vor allem als Chance und nicht als Problem anzusehen. Sie biete ‚wahnsinnig große Potenziale und viele Einsatzmöglichkeiten‘. ‚Überhaupt kein Risiko‘ konnte bei der Gentechnik auch Professor Lothar Willmitzer vom Max-Planck-Insitut Potsdam feststellen. Dafür gebe es keine Belege.

Ausgangspunkt für das Expertengespräch war ein Antrag der CDU/CSU-Fraktion (15/423). Biowissenschaften seien die Chance zur Lösung zahlreicher globaler Probleme im Bereich Gesundheit, Alter, Ernährung und Umwelt, so die Union. Daher solle die Bundesregierung für entsprechende Rahmenbedingungen sorgen. Schlüsselfaktoren für eine zukunftsweisende Entwicklung seien erstklassige Forschung, öffentliche Förderung, Mobilisierung privater Mittel, Vernetzung der Forschung, strenge Sicherheitsregeln, gesellschaftliche Akzeptanz, Rechtssicherheit und Nachwuchsförderung.

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EU-Kommission führt vereinfachte Regelung für staatliche Beihilfen im Agrarsektor ein

Themen: Archiv — info @ 10:12

Brüssel (agrar.de) – Verwaltungsvereinfachung und eine wirksame Überwachung der Agrarbeihilfen, ohne die Aufsichtsfunktion der Kommission zu schwächen – diese für alle günstige Situation zu erreichen, ist das Ziel einer Verordnung, die heute von der Kommission genehmigt wurde. Mit ihr können die Mitgliedstaaten verschiedene Arten staatlicher Beihilfen im Agrarsektor gewähren, ohne zuvor die Genehmigung der Kommission einholen zu müssen. Diese Gruppenfreistellung wird die Umsetzung neuer Agrarbeihilfen beschleunigen, was wiederum die Durchführung von einzelstaatlichen Programmen zur Verbesserung der Standards in den Bereichen Umwelt, Tierschutz und Hygiene im Agrarsektor erleichtern wird. Durch die Verordnung werden die Vorschriften über staatliche Beihilfen nicht verwässert, und es wird auch künftig keine Beihilfen in Bereichen geben, die mit dem Binnenmarkt unvereinbar sind. Der Vorschlag sollte deshalb auch nicht als der Versuch einer Renationalisierung der Agrarbeihilfen missverstanden werden. Auch künftig werden In der gesamten EU einheitliche Vorschriften für staatliche Beihilfen im Agrarsektor gelten.

Kommissar Franz Fischler, zuständig für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Fischerei, sagte bei der Vorstellung der Verordnung: ‚Nach der Verabschiedung des GAP-Reformpakets im Sommer schaffen wir jetzt die Vorprüfung einer breiten Palette staatlicher Beihilfemaßnahmen durch die Kommission ab. Damit haben die Mitgliedstaaten die Möglichkeit, Beihilferegelungen sehr viel rascher einzuführen und damit auch rascher auf neue Herausforderungen zu reagieren, mit denen die Landwirte konfrontiert sind. Die förmliche Genehmigung dieser Verordnung erfolgt am gleichen Tag, an dem Kommission den Entwurf für eine De-minimis-Verordnung für staatliche Beihilfen im Agrarsektor vorlegt (siehe IP/03/1692). Diese Verordnungen zeigen, dass die Kommission die Vereinfachung des Agrarrechts mutig und mit Elan in Angriff nimmt.‘

Zu den Neuerungen gehört, dass die Mitgliedstaaten für einzelbetriebliche Investitionen bis zu 55 Prozent der entsprechenden Kosten übernehmen können. Für Investitionen zur Verbesserung der Tierschutz- und der Umweltbedingungen können Beihilfen von bis zu 75 Prozent gewährt werden, ohne dass die Kommission zuvor unterrichtet werden muss. Für Maßnahmen zur Förderung der Erzeugung und Vermarktung von Qualitätserzeugnissen kann ein Betrieb über drei Jahre insgesamt bis zu 100.000 Euro erhalten. Noch einmal der gleiche Betrag kann für technische Hilfe wie Beratungsdienste oder die Teilnahme an Messen und Ausstellungen gewährt werden.

Im Gegenzug zum Wegfall der Anmeldepflicht müssen die Mitgliedstaaten dann im weiteren Verlauf aussagekräftige Berichte über die Durchführung der Beihilfen vorlegen, damit die Kommission prüfen kann, ob die Bestimmungen der Verordnung eingehalten wurden. Zur Gewährleistung der Transparenz werden alle freigestellten stattlichen Beihilfen im Internet veröffentlicht, bevor die Auszahlungen anlaufen. Auf diese Weise können alle Beteiligten sich ein genaues Bild machen.

Bei Beschwerden wegen eines mutmaßlichen Missbrauchs des neuen Verfahrens kann die Kommission jederzeit eine Untersuchung in die Wege leiten.

Gruppenfreistellung

Die Verordnung sieht eine Gruppenfreistellung für bestimmte Arten staatlicher Beihilfen vor, die Landwirten und in der Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse tätigen Unternehmen gewährt werden und bestimmte Schwellenwerte nicht überschreiten. Dies bedeutet, dass die Mitgliedstaaten für diese Beihilfen von der Anmeldepflicht befreit sind. Die Verordnung gilt für staatliche Beihilfen zugunsten kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) im Agrarsektor. In Anbetracht der Definition der KMU bis zu 250 Beschäftigte, bis zu 40 Mio. Euro Jahresumsatz oder eine Jahresbilanzsumme von 27 Mio. Euro – erfasst sie nahezu alle Betriebe und Unternehmen des Agrarsektors.

Mehr Transparenz

Die Kommission führt außerdem einen neuen Transparenzstandard ein: Eine Kurzbeschreibung aller freigestellten staatlichen Beihilfen aus allen Mitgliedstaaten wird fünf Tage, bevor die Auszahlung der Beihilfe beginnt, im Internet veröffentlicht. Auf diese Weise können sich die Landwirte und die sonstigen Beteiligten ein genaues Bild von den staatlichen Beihilfemaßnahmen machen, die unter die Gruppenfreistellung fallen. Diese Maßnahme gewährleistet die Transparenz und einen Leistungsvergleich (Benchmarking), ohne schwerfälliges Anmelde- und Genehmigungsverfahren.

Die neue Verordnung entspricht dem Ziel der Kommission, die Beihilfevorschriften zu aktualisieren und zu vereinfachen und unnötige Bürokratie abzubauen. Dieses Ziel findet sich in der Verordnung (EG) Nr. 994/98 des Rates, nach der die Kommission befugt ist, Gruppenfreistellungen für bestimmte Arten von Beihilfen zu genehmigen. Auf dieser Grundlage hat die Kommission im Jahr 2001 die Verordnung (EG) Nr. 70/2001 für kleine und mittlere Unternehmen erlassen, die allerdings nicht für den Agrarsektor gilt. Erste Schritte in Richtung auf Gruppenfreistellungen im Agrarsektor sind die kürzlich erlassenen Verordnungen (EG) Nr. 68/2001 über Ausbildungsbeihilfen und (EG) Nr. 2204/2002 über Beschäftigungsbeihilfen, die beide auch für die Landwirtschaft gelten.

Zusammen mit den Bestimmungen der Artikel 51 und 52 der Verordnung (EG) Nr. 1257/1999 über die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums, die den Mitgliedstaaten bereits weitreichende Möglichkeiten für eine Freistellung von der Anmeldepflicht bieten, ist diese Gruppenfreistellungsverordnung ein großer Schritt nach vorne, weil sie eine wirksame Überwachung und eine vereinfachte Verwaltung im Bereich der Agrarbeihilfen ermöglicht, ohne die Aufsichtsfunktion der Kommission zu schwächen.

Die heutige Entscheidung der Kommission folgt auf eine breit angelegte Konsultation, bei der der Entwurf zweimal mit den Mitgliedstaaten erörtert und außerdem im Amtsblatt zur Stellungnahme veröffentlicht wurde (siehe IP/03/246).

Inhalt der Verordnung

Folgende Beihilfen fallen unter die Verordnung, vorausgesetzt, die in der Verordnung aufgeführten Sonderbedingungen werden erfüllt:

– Investitionsbeihilfen: Den Landwirten dürfen Investitionsbeihilfen in Höhe von bis zu 40 Prozent der Investitionssumme gewährt werden. Dieser Satz darf in benachteiligten Gebieten auf 50 Prozent steigen und bei Investitionen, die von Junglandwirten getätigt werden, um weitere 10 Prozentpunkte angehoben werden. Die Beihilfe darf nicht auf bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse beschränkt bleiben. So würde beispielsweise eine Beihilferegelung speziell für den Schweinefleischsektor nicht unter die Verordnung fallen. Die Landwirte können frei entscheiden, in welchem Sektor sie investieren wollen, solange es für die Erzeugnisse genügend Absatzmöglichkeiten gibt. Beihilfen für Investitionen, die zu einer Steigerung der Produktionskapazität führen, werden nur bis zu einem Steigerungssatz von 20 Prozent, gemessen in Großvieheinheiten bzw. Hektar Anbaufläche, von der Anmeldepflicht freigestellt. Beihilfen in Höhe von bis zu 60 Prozent – in benachteiligten Gebieten bis zu 75 Prozent – dürfen zur Deckung der Kosten von Investitionen gewährt werden, die dem Schutz und der Verbesserung der Umwelt, der Verbesserung der Hygienebedingungen in der Tierproduktion oder der Verbesserung des Wohlergehens von Nutztieren dienen, insoweit diese Investitionen über die Mindest-EU-Anforderungen hinausgehen. Diese Beihilfen dürfen sogar auf bestimmte Erzeugnisse beschränkt werden.

– Beihilfen in Höhe von bis zu 100 Prozent der Kosten für die Erhaltung von Kulturlandschaften und Gebäuden; diese Kosten dürfen einen angemessenen Ausgleich für die vom Landwirt selbst oder von seinen Arbeitskräften geleistete Arbeit bis zu einem Höchstsatz von 10.000 Euro jährlich einschließen;

– Beihilfen dürfen auch für die Kosten von im öffentlichen Interesse durchgeführten Aussiedlungen betrieblicher Einrichtungen gewährt werden;

– Unternehmen, die in der Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse tätig sind, dürfen Investitionsbeihilfen in Höhe von bis zu 40 Prozent erhalten; dieser Satz darf in Ziel-1-Regionen auf 50 Prozent angehoben werden. Die Beihilfe darf nicht auf bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse beschränkt werden. Beispielsweise würde eine spezielle Beihilferegelung für den Milchsektor nicht unter die Verordnung fallen. Die Unternehmen können frei entscheiden, in welchem Sektor sie investieren wollen, solange es für die Erzeugnisse genügend Absatzmöglichkeiten gibt.

– für die Niederlassung von Junglandwirten darf eine Beihilfe von bis zu 30.000 Euro gewährt werden;

– Beihilfen für den Vorruhestand von Landwirten dürfen gewährt werden, sofern die landwirtschaftliche Tätigkeit dauerhaft und endgültig aufgegeben wird;

– Startbeihilfen für Erzeugergemeinschaften oder -vereinigungen dürfen gewährt werden, wenn der Gesamtbetrag der Beihilfe 100.000 Euro nicht überschreitet und über fünf Jahre degressiv gestaffelt ist (100 Prozent der zuschussfähigen Kosten im ersten Jahr, danach jährliche Absenkung um mindestens 20 Prozentpunkte);

– Beihilfen zur Zahlung von Versicherungsprämien dürfen gewährt werden, wenn sie sich auf höchstens 80 Prozent der Prämienkosten für Versicherungspolicen belaufen, die ausschließlich zur Deckung von Verlusten aufgrund von Wetterkatastrophen bestimmt sind, die Naturkatastrophen gleichgestellt werden können; dieser Satz sinkt auf 50 Prozent der Prämienkosten, wenn die Versicherung auch sonstige witterungsbedingte Verluste und/oder durch Tierseuchen oder Pflanzenkrankheiten bedingte Verluste abdeckt;

– Beihilfen von bis zu 100 Prozent dürfen für die durch die Flurbereinigung tatsächlich entstandenen Rechts- und Verwaltungskosten gewährt werden;

– Beihilfen in Höhe von bis zu 100.000 Euro je Begünstigten über drei Jahre dürfen als Anreize für die Produktion und Vermarktung von Qualitätserzeugnissen gewährt werden; diese Kosten dürfen Ausgaben für Marktforschung u.ä., die Kosten für die Einführung von Qualitätssicherungssystemen sowie entsprechende Schulungsmaßnahmen, die Gebühren, die von anerkannten Zertifizierungsstellen für die Erstzertifizierung im Rahmen von Qualitätssicherungs- und ähnlichen Systemen erhoben werden, sowie die Kosten der von Dritten durchgeführten Kontrollen umfassen.

– Beihilfen in Höhe von bis zu 100.000 Euro je Begünstigten innerhalb von drei Jahren dürfen für die Bereitstellung technischer Hilfe im Agrarsektor gewährt werden. Hierzu gehören die Kosten für die Schulung und Ausbildung von Landwirten und landwirtschaftlichen Arbeitskräften, die Kosten für die Bereitstellung von Vertretungsdiensten, die Kosten für Beratungsdienste und die Kosten für die Organisation von bzw. die Teilnahme an Wettbewerben, Ausstellungen und Messen;

– Beihilfen für den Tierhaltungssektor dürfen bis zu einem Höchstsatz von 100 Prozent der unmittelbar mit dem Anlegen und Führen von Zuchtbüchern zusammenhängenden Kosten gewährt werden; Gewährt werden dürfen außerdem Beihilfen bis zu einem Höchstsatz von 70 Prozent der Kosten für Tests zur Bestimmung der genetischen Qualität oder der Leistungsmerkmale der Tiere, die von oder im Namen von Dritten durchgeführt werden, sowie Beihilfen bis zu einem Höchstsatz von 40 Prozent der Kosten für Investitionen in Zuchtstationen und für die Einführung innovativer Zuchtverfahren oder -praktiken. Beihilfen von bis zu 100 Prozent der Kosten von TSE-Tests mit einer Obergrenze von 40 Euro je zum Verzehr geschlachtetes Rind.

Die Ausgaben für freigestellte staatliche Beihilfen sind entweder im gleichen oder in geringerem Ausmaß förderfähig als im derzeitigen Gemeinschaftsrahmen für staatliche Beihilfen im Agrarsektor vorgesehen.

Die neue Verordnung wird jetzt im Amtsblatt veröffentlicht und tritt 20 Tage später in Kraft. Sie gilt bis Ende 2006.

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DNR: Der deutsche Wald steht unter Stress

Themen: Archiv — info @ 10:12

Naturschützer legen bundesweite Waldschadenserhebung vor

Bonn/Berlin (agrar.de) – Der deutsche Wald steht offensichtlich unter Stress: ‚Luftschadstoffe wie Stickoxide und Ozon auf der einen Seite und Trockenheit und Hitze auf der anderen setzen unseren Wäldern erheblich zu‘, sagte der Präsident Deutsche Natur­schutz­ring (DNR) Hubert Weinzierl.

Kurz vor der offiziellen Vorstellung der Waldschadensstatistik durch die Bundesregierung legte heute in Berlin der (DNR) die Daten für das Jahr 2003 vor. Der Anteil gesunder Wälder geht von 39 Prozent im vergangenen Jahr auf jetzt 35 Prozent deutlich zurück. Die Flächen mit deutlichen Schäden nehmen von 19 Prozent im Jahre 2002 auf 21 Prozent zu.

‚Im nächsten Jahr dürften sich die Dürre und Hitze des Spätsommers bei der Schadenserhebung noch deutlicher bemerkbar machen, da die Datenerhebung erfolgte, als die Böden gerade noch ausreichend mit Wasser versorgt waren‘, betonte Helmut Röscheisen, DNR-General­sekretär. Insbesondere besteht die Gefahr größerer Borkenkäfer­schäden in den geschwächten Fichtenbeständen.

Stickstoffemissionen aus dem nach wie vor wachsenden Verkehr und durch Dünger und Gülle aus der Landwirtschaft setzen den Waldböden und der Artenvielfalt massiv zu. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Säuregehalt in den Waldböden verhundertfacht. Die Feinwurzeln der Bäume sterben ab. Der Wald kann keine Schadstoffe mehr aus dem Wasser herausfiltern. Giftige Stoffe wie Aluminium, Mangan und Nitrat gelangen ins Grundwasser und beeinträchtigen unser Grund­wasser.

Der DNR forderte die Bundesregierung auf, den Auto-, Lkw- und Flugverkehr entschieden einzudämmen und auf Verkehrsvermeidung und auf den öffentlichen Verkehr zu setzen.

Waldschadensdaten 2003 (XLS-Datei) Waldschadensdaten 2002 (XLS-Datei)

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Sachsen-Anhalt: Weiterer Rückgang des Rinderbestandes

Themen: Archiv,Rinder,Statistik — info @ 09:12

Halle (agrar.de) – Nach den vorläufigen Ergebnissen der repräsentativen Erhebung der Viehbestände vom November 2003 gab es in den Landwirtschaftsbetrieben Sachsen-Anhalts 361.000 Rinder und 871.000 Schweine. Damit verringerte sich nach Mitteilung des Statistischen Landesamtes die Zahl der Rinder gegenüber dem gleichen Stichtag des Vorjahres um 3,2 Prozent während sich der Schweinebestand um 0,6 Prozent erhöhte.

Mit einer weiteren Abnahme des Rinderbestandes um 12.100 Stück wurde das bereits niedrige Vorjahresniveau nochmals unterschritten. Die Abnahme des Bestandes in fast allen Kategorien deutet auf ein weiteres Fortsetzen dieser negativen Entwicklung. So wurden insgesamt 2.300 Kälber (- 5 Prozent) und 4.100 Jungrinder (- 8 Prozent) weniger als im November 2002 festgestellt. Die Zahl der Zucht- und Nutzfärsen war um 1.900 Tiere (- 7 Prozent) geringer als vor einem Jahr, und die Zahl der Milchkühe ging um knapp ein Prozent auf 140.700 Stück zurück. Rückläufig war auch der Bestand an Schlachtrindern (ein Jahr und älter, zum Vorjahr: – 10 Prozent) wie auch die Zahl der – ebenfalls zur Fleischproduktion genutzten – Ammen- und Mutterkühe (- 5 Prozent).

Im Bereich der Schweinehaltung setzte sich die positive Bestandsentwicklung mit einem Plus von 5.500 Tieren gegenüber November des Vorjahres weiter fort. Letztmalig wurde im November 1999 mit 892.000 Schweinen ein höherer Bestand ausgewiesen. Der Bestandsaufbau resultiert vor allem aus dem Bereich der Zucht. So wurden 3.400 Ferkel (+ 3 Prozent), 16.200 Jungschweine (+ 5 Prozent) und 8.600 Zuchtsauen (+ 8 Prozent) mehr ermittelt als vor einem Jahr. Der Bestand an Mastschweinen war mit 293.300 Tieren (November 2002: 315.900 Stück) geringer als vor einem Jahr.

Links zum Thema Agrarbericht und Statistik, Links zum Bundesland Sachsen-Anhalt.

EU für Staatsbeihilfen ohne Genehmigung

Themen: Archiv — info @ 09:12

Entwurf: Bis zu 3000 Euro für jeden Landwirt und Fischer

Brüssel (agrar.de) – Über einen Zeitraum von drei Jahren können nationale Beihilfen von bis zu 3.000 Euro an jeden Landwirt oder Fischer ausgezahlt werden, ohne dass die Europäische Kommission von den EU-Mitgliedstaaten darüber informiert werden muss. Es handelt sich um so genannte ‚de minimis‘-Beihilfen. Allerdings darf die Gesamtsumme dieser Subventionen in keinem Land höher liegen als 0,3 Prozent seiner Produktion in Landwirtschaft und Fischerei. Das plant die Europäische Kommission mit ihrem heute vorgelegten Entwurf einer neuen Verordnung.

Der Betrag von 3.000 Euro erscheint zunächst nicht besonders groß, muss aber in einen Kontext gesetzt werden: Jeder zweite Landwirt erhält weniger als 2.000 Euro an direkten EU-Beihilfen pro Jahr. Die durchschnittliche Jahresproduktion pro Landwirt lässt sich mit 42.500 Euro beziffern (Zahlen von 2001).

Wenn die Mitgliedstaaten der EU die neuen Möglichkeiten voll ausschöpfen würden, käme ein Gesamtbetrag von ‚de minimis‘-Beihilfen in Höhe von 290 Millionen Euro zustande. Das wären jedoch nur 2,1 Prozent des jährlichen Volumens der landwirtschaftlichen Staatsbeihilfen von 13 Milliarden Euro.

Wenn es sich bei Subventionen um Bagatellbeträge handelt, sie also einen bestimmten Höchstbetrag nicht übersteigen, werden sie ‚de minimis‘-Beihilfen genannt. Sie müssen weder angemeldet, noch genehmigt werden.

Nach einer intensiven Diskussion mit Mitgliedstaaten und Dritten plant die Europäische Kommission, die Verordnung bis Ende 2004 umzusetzen.

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HBV: Schieflage bei der Ausgleichszulage beseitigen

Themen: Archiv — info @ 09:12

Friedrichsdorf (agrar.de) – ‚Bei der diesjährigen Auszahlung der Ausgleichszulage (AGZ) hat es vor allem in den Betrieben mit den schwierigsten Standortbedingungen und demzufolge den niedrigsten landwirtschaftlichen Vergleichszahlen unverhältnismäßig starke Kürzungen gegeben. Damit verbunden sind nicht vertretbare Härten in den betroffenen Betrieben.‘ Mit diesen Worten hat sich der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Heinz Christian Bär, in einem Schreiben an Hessens Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel gewandt und eindringlich darum gebeten, diese Schieflage im kommenden Jahr zu beseitigen und das AGZ-Verfahren entsprechend anzupassen.

Ansonsten sei das Ziel der Förderung, in benachteiligten Gebieten eine standortgerechte Landbewirtschaftung zu sichern, in hohem Maße gefährdet. Immerhin seien rund 400.000 ha und damit mehr als die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche von Hessen als benachteiligtes Gebiet davon betroffen. Schließlich gehe es darum, den Betrieben über die AGZ einen Ausgleich für ständige natürliche und wirtschaftliche Standortnachteile zu gewähren. Das gelte in besonderem Maße für die Regionen mit niedrigen landwirtschaftlichen Vergleichszahlen, hob Präsident Bär hervor.

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Auktionsergebnisse Schweinebörse Nordwest

Themen: Handel,Schweine — info @ 09:12

Damme (agrar.de) – Bei der Auktion der Internet Schweinebörse Nordwest AG am Mittwoch, dem 10. Dezember wurden von insgesamt 610 angebotenen Schweinen 610 Schweine verkauft, davon 610 Schweine aus Deutschland zu einem Durchschnittspreis von 1,08 Euro/kg SG in einer Spanne von 1,07 Euro bis 1,08 Euro zur Lieferung am Anfang der kommenden Woche.

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09. Dezember 2003

Herber Rückschlag für niedersächsische Bauern

Themen: Archiv — info @ 16:12

Hannover (agrar.de) – Die Bauern in Niedersachsen mussten im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2002/2003 einen herben Rückschlag bei der Einkommensentwicklung hinnehmen. Das berichtet die Landwirtschaftskammer Hannover.

Im Vergleich zum Vorjahr sank das ordentliche Ergebnis (das um außerordentliche und zeitraumfremde Ergebnisse bereinigte Unternehmensergebnis (Gewinn)) der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Niedersachsen gegenüber dem vorangegangenen Wirtschaftsjahr durchschnittlich um 38 Prozent auf jetzt 22.490 Euro (36.033 Euro) je Betrieb. Hauptursache für das schlechte Ergebnis ist der Regensommer 2002.

Aus dem ordentlichen Ergebnis müssen landwirtschaftliche Unternehmer private Steuern, Versicherungen, Lebenshaltungskosten und Altenteilleistungen sowie Neuinvestitionen bestreiten. Die Zahlen sind das Ergebnis der Auswertung von 1.414 Buchführungsabschlüssen, die von den niedersächsischen Landwirtschaftskammern jährlich im Auftrag des Bundesministeriums für Verbraucherschutz Ernährung und Landwirtschaft vorgenommen wird (so genanntes Testbetriebsnetz).

Keine Betriebsform blieb von der negativen Entwicklung verschont, fast alle Ertragskennzahlen wiesen eine negative Tendenz auf. Die Bauern ernteten im Durchschnitt 12,7 Prozent weniger Getreide (63,4 dt/ha) pro Hektar und erhielten dafür einen Erlös, der im Schnitt um 12 Prozent (10,37 Euro/dt) geringer war als im Vorjahr. Nicht ganz so drastisch fielen die Ertrags- und Preissenkungen bei Kartoffeln (Ertrag: – 4,4 Prozent auf 345 dt/ha, Erlös: -12 Prozent auf 7,45 Euro/dt) und Zuckerrüben (Ertrag – 2,2 Prozent auf 540 dt/ha) aus. Besonders hart traf es die Milchviehbetriebe. Die Milchauszahlungspreise sanken um 13,1 Prozent und betrugen im November 2002 nur noch 30,1 Cent/kg Milch (Nov. 2001: 34,59 Cent/kg). Alle Milcherzeuger zusammen haben so im abgelaufenen Wirtschaftsjahr rund 200 Mio. Euro weniger Verkaufserlöse erzielt.

Landwirte investieren weniger

Ebenso schmerzlich sind die Zahlen für die Betriebsleiter in Veredelungsbetrieben: Die Erlöse für Mastschweine gingen um 13 Prozent (120 Euro/Tier) und bei Ferkeln um 19,3 Prozent (46 Euro/Tier) zurück. Nur der Erlös für männliche Rinder stieg leicht um 5,1 Prozent auf 819 Euro (Vorjahr: 779 Euro) je Tier. Etwas Entspannung brachten dagegen leicht niedrigere Kosten für Dünger (- 6,5 Prozent), Pflanzenschutz (- 3,1 Prozent) und Futtermittel (- 4,4 Prozent). Saat- und Pflanzgut dagegen verteuerte sich um 10,3 Prozent auf durchschnittlich 75 Euro/ha. Als Konsequenz dieser negativen Zahlen ist die Investitionstätigkeit der Landwirte in Niedersachsen fast zum Erliegen gekommen. Nur noch durchschnittlich 1.700 Euro je Betrieb haben die Statistiker als Investitionssumme für Neuanschaffungen ermittelt. Im Vorjahr waren das immerhin noch 5 400 Euro/Betrieb.

Hauptursache für das schlechte Ergebnis sind die Rekordregenfälle des Sommers 2002 von Juli bis September, in denen in manchen Regionen Niedersachsens ein Vielfaches der ’normalen‘ Wassermenge auf die Felder niederstürzte. Nicht nur der Ertrag hat unter den schlechten Bedingungen gelitten, auch die Qualität der Ernteprodukte blieb vielfach weit hinter den geforderten Standards zurück. Große Partien Getreide hatten nur noch Futterwert, durch das somit anfallende Überangebot an Futtergetreide fielen die Getreidepreise auf Tiefststände.

Auf das Regenjahr 2002 folgte bekanntlich die Dürreperiode des Sommers 2003, deren Folgen sich allerdings erst in den Jahresabschlüssen 2003/2004 schwarz auf weiß wiederfinden werden. Die Vorausschau auf die Buchabschlüsse des laufenden Wirtschaftsjahres beurteilen die Fachleute der Landwirtschaftskammern wenig verheißungsvoll.

Zumindest die Ernte in Niedersachsen ist differenziert zu betrachten. Nach den vorläufigen Ergebnissen liegt die Getreideernte trotz der Sommertrockenheit um 2,4 Prozent über der von 2002. Die Qualitäten bei Brotgetreide sind gut. Brotweizen und Brotroggen werden ausreichend zur Verfügung stehen. Die Getreidemärkte tendieren anhaltend fest. Auf dem jetzt bereits erreichten außerordentlich hohen Niveau gibt es zwischen Brot- und Futtergetreide kaum noch Preisunterschiede.

Regionale Unterschiede

Im Kartoffelland Niedersachsen (44 Prozent der Gesamtkartoffelfläche Deutschlands) waren die Erträge 2003 regional sehr heterogen. Während die Erträge auf guten Standorten und vor allem auf beregneten Flächen oft sogar vergleichsweise hoch lagen, verzeichneten vor allem die Gebiete westlich der Weser sehr hohe Einbußen bei Industriekartoffeln. Insgesamt wird mit einer Ernte von 4,6 Millionen Tonnen gerechnet. Das sind allerdings trotz erneut größerer Anbaufläche 6,7 Prozent weniger als im schon schwachen Vorjahr.

Die Veredelungsbetriebe müssen in der Prognose für das aktuelle Wirtschaftsjahr den Gürtel noch einmal enger schnallen. Das wird nicht in allen Betrieben möglich sein, denn immer öfter fehlt sogar die nötige Liquidität, um anfallende Rechnungen zu begleichen. Dazu kommt, dass zugekauftes Futter teurer wurde. Die Schweinemäster können ihre gestiegenen Kosten jedoch nicht durch höhere Schlachtpreise ausgleichen. Im Gegenteil, wegen fehlender Nachfrageimpulse gibt es bei Schlachtschweinen vorerst kaum Spielraum für nachhaltige Befestigungen der gegenwärtig recht niedrigen Erzeugerpreise.

Die deutsche Rindfleischerzeugung wird in diesem Jahr so gering ausfallen wie seit 30 Jahren nicht mehr. Nachdem das Jahr für die Bullenmäster mit festen Preisen sehr gut begann, kam es im weiteren Jahresverlauf zu den saisonal üblichen Preisschwächen. Anders als in den Vorjahren fand zum Herbst keine Preiserholung statt. Durch den schwachen Dollar sind in den zurückliegenden Wochen beträchtliche Mengen von Rindfleisch aus Drittländern – insbesondere aus Südamerika – auf den deutschen Markt gekommen. Die Steigerung der nach Deutschla nd importierten Mengen beträgt etwa zehn Prozent.

Der Trend der sinkenden deutschen Rindfleischerzeugung wird sich nach Ansicht der Marktbeobachter der Landwirtschaftskammern auch 2004 fortsetzen. Mit einer Erholung der Preise bis auf Vorjahresniveau ist nicht zu rechnen, da zunehmend Mengen aus dem Ausland nach Deutschland eingeführt werden. Insbesondere im Zuge der Osterweiterung – der Europäischen Union – könnten die deutschen Rinderpreise unter Druck geraten. Denn mit dem Beitritt der acht osteuropäischen Länder im Mai 2004 wächst die in der erweiterten Europäischen Union produzierte Rindfleischmenge um etwa zehn bis zwölf Prozent.

Die wirtschaftliche Lage der Futterbaubetriebe wird sich mittelfristig ebenfalls nicht verbessern. Mit einem Anstieg der Milchpreise ist in den nächsten Monaten kaum zu rechnen. Die Preise für die meisten Milchprodukte liegen derzeit nur wenig oberhalb der Interventionsverwertung. Bei Butter und Magermilchpulver haben sich bereits wieder erhebliche Interventionsbestände angesammelt. Die Milchanlieferung ist noch unerwartet hoch. Trotz des trockenen Sommers lag die Anlieferung in Deutschland von April bis September über der Vorjahreslinie. Im Falle einer ungebremsten Produktionsentwicklung droht eine Überlieferung der Kontingente. Nur wenn die Erzeugung jetzt schnell gedrosselt wird, dürften Superabgaben zu vermeiden und eine spürbare Stabilisierung der Milchpreise erreichbar sein.

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IG Bau: Hessische Waldarbeiter und Förster „verraten und verkauft“

Themen: Archiv — info @ 16:12

CDU-Landesregierung opfert Naturerbe Wald in Hessen

Alsfeld (agrar.de) – ‚Verraten und verkauft‘ fühlen sich die Beschäftigten des Landesbetriebs HESSEN-FORST. Auf einer Protestveranstaltung der IG Bauen-Agrar-Umwelt am Samstag im osthessischen Alsfeld stellten die betroffenen Gewerkschafter die Vertreter der Landesregierung und den Arbeitgeber zur Rede: Für jeden der landesweit 928 von Entlassung bedrohten Förster und Waldarbeiter wurde symbolisch ein Schokoladen-Nikolaus zu Grabe getragen.

‚Von vorweihnachtlicher Stimmung kann bei den Forstleuten keine Rede sein‘, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG BAU, Ernst-Ludwig Laux. Noch vor der Hessenwahl hätten Forstminister Wilhelm Dietzel (CDU) und der Forstpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Walter Arnold, unisono erklärt, dass nach der Gründung des Landesbetriebes HESSEN-FORST keine weiteren Reformen oder Arbeitsplatzabbau geplant seien. ‚Dieses Wahlversprechen ist in schlechter Koch’scher Tradition gebrochen worden‘, sagte Laux den beiden in Alsfeld anwesenden Politikern ins Gesicht.

Seit 1993 wurden nach Angaben der Gewerkschaft bereits mehr als 1000 Arbeitsplätze im hessischen Wald vernichtet. Nun sei durch die beabsichtigte Strukturreform erneut ein Drittel der verbliebenen 3000 Beschäftigten von Arbeitsplatzverlust bedroht. ‚Die Landesregierung opfert das Naturerbe Wald einer fragwürdigen Betriebswirtschaftlichen Logik‘, erklärte der mittelhessische Forstrevierleiter und Vorsitzende der Bundesvertretung Forst und Naturschutz in der IG BAU, Hans-Ulrich Blöcher.

Mehr als 40 Prozent der Landesfläche ist mit Wald bedeckt, Hessen ist das waldreichste Bundesland: ‚Ganz Europa beneidet uns um unsere artenreichen öffentlichen Wälder, die für die Bevölkerung frei zugänglich sind und wichtige Sozialfunktionen erfüllen‘, so Blöcher. Klima- und Wasserschutz seien ebenso in Gefahr wie die Erholungsfunktion des Waldes, der nicht auf einen Holzhackerbetrieb reduziert werden dürfe.

Für die Forstgewerkschaft IG BAU ist es höchste Zeit, dem Sozial-Kahlschlag Einhalt zu gebieten: ‚Wir sind uns einig mit den Oppositionsparteien, dass der Wald allen Hessen gehört, und wir fordern die Landesregierung auf, zum Wohle des Volkes und der vielen Urlauber, die Hessen und seine Wälder auch in Zukunft genießen wollen, mit der sinnlosen Arbeitsplatzvernichtung Schluss zu machen‘, erklärte

Links zum Thema Arbeitsmarkt, Links zum Bundesland Hessen.

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