20. Oktober 2003

Happach-Kasan: Bundesregierung hat die Dramatik der Borkenkäferkalamität nicht erkannt

Themen: Archiv — info @ 13:10

Berlin (agrar.de) – Zur Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage zu den Waldschäden in Deutschland erklärt die forstpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel Happach-Kasan:

‚Die Borkenkäferschäden in Deutschland sind dramatisch. Auf den 590.000 Hektar bundeseigenen Forstflächen rechnet die Bundesregierung mit einem Wertverlust von über einer Million Euro, so die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. Bundesweit bedeutet dies einen Wertverlust von etwa 20 Millionen Euro Forstwirte weisen darauf hin, dass das ganze Ausmaß der Kalamität erst im nächsten Frühjahr erkannt werden wird. Das heißt der Wertverlust wird noch größer sein.

In einigen Regionen haben sich die Borkenkäfer auf Grund der langen Trockenperiode im Sommer explosionsartig vermehrt. Auch gesunde Bäume wurden befallen und zum Absterben gebracht. Die Bundesregierung hat es abgelehnt, durch Zuschüsse zur maschinellen Entrindung und der Zwischenlagerung von Käferholz Forstbetriebe, die auf Grund des Preisverfalls von Fichtenholz finanziell in Bedrängnis sind, bei dringend erforderlichen Bekämpfungsmaßnahmen zu unterstützen. Es ist nun zu befürchten, dass in der Folge der Kalamität große Kahlschlagsflächen entstehen werden.

Von der Kalamität sind auch FSC (Forest Stewardship Council)-zertifizierte Betriebe betroffen, wie beispielsweise die Landesforsten in Schleswig-Holstein. Deren oberste Forstbehörde hat als einzige die Anwendung von Insektiziden erlaubt. Dies ist fachlich nicht zu beanstanden, zeigt aber, dass die FSC-zertifizierten Betriebe genau wie andere zur Abwendung größerer Schäden zu dieser Maßnahme greifen müssen. Vor diesem Hintergrund sollte die Bundesregierung von ihrer bisherigen Bevorzugung der FSC-zertifizierten Betriebe Abstand nehmen und die Nutzung heimischen Holzes unterstützen. Dies hilft, unnötige Importe zu verhindern und mindert damit den illegalen Holzeinschlag, dessen Bekämpfung ein wichtiges Anliegen einer nachhaltigen Entwicklungspolitik ist.

Die Äußerung der Bundesregierung zur Verkehrssicherungspflicht sind völlig unbefriedigend. Wer den Anteil von Totholz im Wald mehren will, muss Waldbesitzer von der Verkehrssicherungspflicht entbinden. Andernfalls wird Waldbesitz zum unkalkulierbaren Risiko.‘

Links zum Thema Wald und Forst, Links zum Thema Agrarpolitik.

Erzeugerpreise September 2003: 1,9 Prozent höher als im September 2002

Themen: Archiv — info @ 12:10

Wiesbaden (agrar.de) – Der Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte lag im September 2003 um 1,9 Prozent höher als im September 2002. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, hatte die Jahresveränderungsrate im August bei 2,1 Prozent gelegen. Im Vergleich zum Vormonat blieb der Index im September 2003 unverändert.

Mit den Ergebnissen für September 2003 veröffentlicht das Statistische Bundesamt letztmalig Erzeugerpreisindizes auf der Preisbasis 1995 = 100. Ab Berichtsmonat Oktober 2003 wird der Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte auf die neue Preisbasis 2000 = 100 umgestellt. Dies wird, wie bei früheren Indexumstellungen auch, eine Neuberechnung aller Ergebnisse beginnend mit dem Januar des neuen Basisjahres beinhalten.

Wie schon in den vergangenen Monaten beeinflusste auch im September 2003 die Preisentwicklung bei elektrischem Strom (+ 8,4 Prozent gegenüber September 2002) und bei Erdgas (+ 19,2 Prozent) das allgemeine Preisklima besonders stark. Bei anderen Energieträgern waren gegenüber dem Vorjahr geringere Preiserhöhungen (Kohle + 1,7 Prozent, Fernwärme + 1,9 Prozent) oder Preisrückgänge (Mineralölerzeugnisse – 1,6 Prozent) zu verzeichnen. Ohne Energie hätte der Jahresanstieg des Index der Erzeugerpreise lediglich 0,4 Prozent betragen.

Die Preise für Investitionsgüter und für Konsumgüter waren im September 2003 nur geringfügig höher als im September 2002 (+ 0,4 Prozent bzw. + 0,7 Prozent), Vorleistungsgüter verbilligten sich im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 0,1 Prozent.

Überdurchschnittliche Preiserhöhungen im Jahresvergleich gab es u.a. im September 2003 bei folgenden Gütern: Tabakerzeugnisse (+ 7,5 Prozent), Weizenmehl (+ 7,0 Prozent), Roggenmehl (+ 5,6 Prozent), Schmieröle (+ 5,2 Prozent) sowie Stickstoff-, Phosphor- und Kalidüngemittel (+ 5,1 Prozent).

Links zum Thema Agrarbericht und Statistik.

Zwei Jahre Bäuerinnentreff

Themen: Archiv — info @ 09:10

Passau/Aurich/Langgöns (agrar.de) – Im Oktober 2001 begann mit der Idee einer Bäuerin aus Bayern, die sich Kontakt mit anderen Bäuerinnen wünschte – eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Therese Fisch startete einen Aufruf in einem landwirtschaftlichen Internet-Fachtreff, um Bäuerinnen zum Austausch via Internet aufzufordern. Daraus wurde mittlerweile einer der erfolgreichsten Internetauftritte im deutschsprachigen Agrar-Internet.

Heute – zwei Jahre nach dem Gang in die Öffentlichkeit des Internets – nutzen Bäuerinnen aus ganz Deutschland das Internetportal Bäuerinnentreff zum unkomplizierten, schnellen und regionenübergreifenden Austausch. Auch Landfrauen aus Österreich, Schweiz, Dänemark, Frankreich, Kanada, Portugal oder Namibia beteiligen sich mittlerweile am Gedankenaustausch, kurzweiligen Plausch oder auch an der Lösung konkreter Alltagsprobleme.

Neben den Informationsseiten der Homepage-Adresse, von der monatlich über 200.000 Seiten mit Poesie und praktischen Tipps abgerufen werden, besteht der von den Macherinnen kurz ‚BT‘ genannte Treff aus einem öffentlichen Diskussionsforum, einer ausschließlich den Bäuerinnen vorbehaltenen Mailingliste und eine Internet-Chat. Allein im Forum tummeln sich weit über 800 Mitglieder, die im vergangenen Jahr etwa 32.000 Beiträge schrieben – jeden Monat kommen über 160.000 Seitenabrufe, mehr als 100 neue Themen mit knapp 3.000 Beiträgen und circa 60 neue Mitglieder hinzu. Die Frauen tauschen Bilder ihrer Höfe, diskutieren Problemlösungen von Agrarpolitik bis Zellzahlen oder schicken sich gegenseitig Rezepte, Gedichte und gute Wünsche.

In der Mailingliste sind die Bäuerinnen ganz unter sich: hier sind die Themen emotionaler und oft sehr persönlicher Natur. In der nach außen geschlossene Gruppe von über 150 Benutzerinnen wurden in den vergangenen zwei Jahren über 43.000 Beiträge ausgetauscht.

Im Laufe der beiden Jahre ist der Bäuerinnentreff keine virtuelle Community geblieben. Die Mitglieder organisieren regionale Treffen, um sich ‚real‘ kennenzulernen, zuletzt im Rheinland, in Hessen und am Bodensee. Im Diskussionsforum werden die Treffen vereinbart, vorbereitet und später in Text und Bild präsentiert werden.

In der vergangenen Woche fanden – aus Anlass des zweijährigen Bestehens – gleich mehrere große Treffen statt. Wie vor einem Jahr gab es ein Fest auf dem Hof von BT-Gründerin Therese Fisch in der Nähe von Passau, eine zweite Gruppe organisierte eine Deutschlandreise, die ihren Höhepunkt im ostfriesischen Aurich fand, ein drittes Treffen fand im hessischen Langgöns bei Giessen statt.

Organisiert wird der Bäuerinnentreff von einem Team: zehn Frauen aus mehreren Bundesländern kümmern sich um die Gestaltung und Aktualisierung der Homepage, betreuen und verwalten die Mitglieder, helfen bei Computer-Problemen, vermitteln Kontakte und neue Online-Freundschaften. Stolz sind die Macherinnen besonders darauf, daß sie ihr Projekt selbst und ohne jeden Anschub von außen etabliert haben. Der Bäuerinnentreff lebt allein vom Engagement seiner Mitglieder und der ehrenamtlichen Arbeit des Teams.

Links zum Thema Landfrauen.

18. Oktober 2003

Wirtschaftliche Stimmung in der Landwirtschaft erreicht Tiefstand

Themen: Archiv,Banken,Förderung — info @ 09:10

Weiterhin wenig Hoffnung auf Besserung der wirtschaftlichen Lage

Berlin (agrar.de) – Die deutschen Landwirte beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Situation weiter sehr negativ. Wenig Grund zur Hoffnung gibt auch die negative Zukunftserwartung, wonach vor allem viele Milchvieh- und Rinderhalter sowie Betriebe im Ackerbau glauben, dass ihre Lage in Zukunft noch schlechter sein wird als gegenwärtig. Dies ist das Ergebnis des neuesten Investitions- und Konjunkturtests Agrar vom September 2003, der noch vor der im Bundestag beschlossenen neuen Erhöhung des Steuersatzes beim Agrardiesel und den Einschnitten bei der landwirtschaftlichen Krankenversicherung erhoben wurde.

Die aktuelle Stimmungslage hat sich im Vergleich zum Juni 2003 leicht verschlechtert. Im Durchschnitt wird sie mit 3,52 (Juni 2003: 3,50) bewertet, wobei eine Notenskala von 1 (=sehr gut) bis 5 (=sehr ungünstig) zugrunde liegt. Die Einschätzung erreicht damit ihren schlechtesten Wert seit Beginn der Erhebung vor vier Jahren. Die Beurteilung ’sehr gut/gut‘ wählen so wenige (9 Prozent), die Beurteilung ‚ungünstig/sehr ungünstig‘ dagegen so viele wie nie zuvor (49 Prozent). Insbesondere Landwirte in Süd- und Ostdeutschland äußern sich besorgt über ihre aktuelle Lage. Im Süden ist ein Abwärtstrend, im Nordosten dagegen ein leichter Aufwärtstrend der Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage im Vergleich zur vorherigen Befragung zu beobachten. Bei den wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen wirken sich nach Einschätzung der Landwirte insbesondere die Preisentwicklung bei Milch, die nationale Finanzpolitik und die EU-Agrarpolitik negativ aus. Im Vergleich zum Juni 2003 wird vor allem die Preisentwicklung bei Getreide und Schweinefleisch deutlich positiver gesehen. Negativer bewertet als im Juni 2003 werden die Ernteergebnisse, Futtermittelpreise und Zinsen für Fremdkapital.

In die Zukunft blicken die Landwirte noch immer pessimistisch, allerdings etwas weniger als im Juni 2003. Bei der Beurteilung ihrer wirtschaftlichen Lage in zwei bis drei Jahren im Vergleich zur aktuellen Situation vergaben die Befragten im Durchschnitt die Note 3,44, wobei ‚3‘ gleichbleibend und ‚4‘ schlechter bedeutet. Insbesondere die Schweine- und Geflügelhalter gehen von einer nahezu gleichbleibenden Situation aus (3,14); Milchvieh- und Rinderhalter sowie Betriebe mit Schwerpunkt Ackerbau schätzen ihre Zukunft dagegen schlechter ein als die aktuelle Lage (3,54 bzw. 3,56).

In Bezug auf die Zukunftserwartung zeigen sich regionale Unterschiede: Während in Süddeutschland nur 7 Prozent der Befragten glauben, ihre Situation sei in zwei bis drei Jahren besser als heute, beurteilen 14 Prozent der Landwirte in Norddeutschland und 22 Prozent der Landwirte in Ostdeutschland ihre Zukunft günstiger.

Die Investitionszurückhaltung in der Landwirtschaft besteht weiter: 50 Prozent der Landwirte planen in den nächsten sechs Monaten Investitionen (Juni 2003: 48 Prozent). Die Zahl liegt damit weiterhin auf niedrigem Niveau. In den Bereichen Maschinen und Geräte möchten 20 Prozent der Befragten investieren (Juni 2003: 15 Prozent), in Wirtschaftsgebäude ebenfalls 20 Prozent (Juni 2003: 22 Prozent), in Bürotechnik und EDV 10 Prozent (Juni 2003: 6 Prozent) und in Hoftechnik 6 Prozent (Juni 2003: 10 Prozent). Im außerlandwirtschaftlichen Bereich werden 11 Prozent (Juni 2003: 11 Prozent) der Befragten im folgenden halben Jahr investieren.

Bei der vierteljährlich durchgeführten Erhebung des Marktforschungsinstituts ‚Produkt + Markt‘, des Deutschen Bauernverbandes, der Landwirtschaftlichen Rentenbank, des VDMA Fachverbandes Landtechnik und des Bundesverbandes der Lohnunternehmer werden rund 1000 Landwirte und Lohnunternehmer befragt. Themen sind neben der aktuellen wirtschaftlichen Situation und ihren Einflussfaktoren auch die Zukunftserwartung und Investitionsplanung in der Landwirtschaft.

Schaubilder zum Investitions- und Konjunkturtest Agar vom September 2003.

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17. Oktober 2003

Höfken zu Gentechnik, Landwirtschaft und Lebensmittel: Wahlfreiheit und Koexistenz sichern

Themen: Gentechnik,Umwelt — info @ 16:10

Berlin (agrar.de) – Anlässlich des heutigen Fachgesprächs zur Grünen Gentechnik erklärt Ulrike Höfken, agrar- und verbraucherpolitische Sprecherin:

‚In dieser Wahlperiode steht beim Thema Grüne Gentechnik die Novellierung des Gentechnik-Gesetzes ganz oben auf der politischen Agenda. Die Leitlinien und die darauf aufbauenden Eckpunkte, die aus unserer Sicht in dem Gentechnik-Gesetz enthalten sein müssen, werden heute bei der Veranstaltung vorgestellt.

Sehr wichtig ist uns die Berücksichtigung des Vorsorgeprinzips und eine echte Koexistenzfestschreibung. Wie wichtig dies ist, wird deutlich, wenn man sich die erst gestern veröffentlichten Ergebnisse einer britischen Langzeitstudie zu gentechnisch veränderten Organismen betrachtet. Experten stellen darin fest, dass eine Freisetzung dieser Organismen weitaus größere Folgen hat, als bisher angenommen. Insekten und Wildpflanzen sind in einem größeren Umfang als bisher angenommen von den Feldern verschwunden, auf denen gentechnisch veränderter Raps oder Zuckerrüben angebaut wurden. Bienen haben den Pollen viel weiter getragen, als bisher die Daten anderer Studien ergeben haben.

Neben dem Vorsorgeprinzip ist uns weiterhin die Festschreibung der Koexistenz wichtig. Denn die Sorge vieler Verbraucher und Landwirte, dass ihnen gentechnisch veränderte Produkte oder Saatgut gegen ihren erklärten Willen aufgedrängt werden sollen, ist verständlich. Schon seit Jahren spricht sich in Umfragen immer wieder die deutliche Mehrheit der Verbraucher in Europa gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel aus. Auch diejenigen, die Gentechnik nicht grundsätzlich ablehnen, wollen auf jeden Fall die Wahlfreiheit haben, sich zwischen Lebensmitteln mit und ohne Gentechnik entscheiden zu können. Koexistenz

ist das Schlagwort, unter dem dieses Thema debattiert werden muss.‘

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CDU: Rot-grüne Kürzungen im Agrarhaushalt Desaster für Landwirte

Themen: Archiv — info @ 14:10

Keine verantwortungsvolle Politik für Agrar- und Ernährungssektor

Berlin (agrar.de) – Zu den Auswirkungen des heute im Bundestag verabschiedeten Haushaltsbegleitgesetzes auf die Landwirtschaft erklärt die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gerda Hasselfeldt :

‚Rot-Grün setzt ihre Kahlschlagpolitik gegen die deutsche Landwirtschaft fort. Ohne Rücksicht auf die schwierige Lage der deutschen Bauern, die in diesem Jahr durch die Trockenheit im Sommer enorme Einkommensausfälle verkraften mussten, werden die gesetzlichen Regelungen geschaffen, die darauf hinauslaufen, dass der Agrarhaushalt 2004 von allen Ressorts am stärksten gekürzt wird. Da die geplanten Einschnitte bei der Landwirtschaftlichen Krankenversicherung oder beim Agrardiesel unmittelbar einkommenswirksam sind, werden viele Betriebe in ihrer Existenz betroffen sein, der Strukturwandel in der Landwirtschaft weiter beschleunigt.

Die Fraktionen von SPD und Grünen haben in den Haushaltsberatungen deutlich gemacht, wie wenig ihnen an unseren Landwirten liegt. Anstatt die überproportionalen Kürzungen abzulehnen, satteln die Regierungsfraktionen bei der Agrardieselsteuer noch drauf! Zusätzlich zu den 157 Mio. Euro, die der Entwurf der Bundesregierung als Einsparungen beim Agrardiesel vorsieht, wollen SPD und Grüne die deutschen Bauern um weitere 125 Mio. Euro belasten. Damit werden auch die im Regierungsentwurf bislang verschonten kleineren Betriebe massiv betroffen sein! Doch bereits jetzt zahlen unsere Landwirte im Vergleich zu den meisten EU-Kollegen einen höheren Steuersatz für Agrardiesel!

Durch die vorgesehene Kürzung des Bundeszuschusses zur landwirtschaftlichen Krankenversicherung kommen auf die aktiven Landwirte erhebliche Beitragssteigerungen zu. Während der Kompromiss bei der Gesundheitsreform darauf angelegt ist, die Beiträge zu senken, wird sich das Beitragsniveau für die Landwirte in den kommenden Jahren erhöhen. Die Kürzungen stellen das gesamte System der landwirtschaftlichen Sozialversicherung in Frage: eine gefährliche Entwicklung, wo doch durch den enormen Strukturwandel in diesem Sektor bereits heute auf einen Beitragszahler zwei Altenteiler kommen! Mit dem ebenfalls von Rot-Grün geplanten Griff in die Rücklagen der Versicherungen werden Vermögenswerte ausgegeben, die für Einnahmeschwankungen des Systems und nicht zum Stopfen von Haushaltslöchern geschaffen wurden.

Die Abschaffung der Pauschalierung für landwirtschaftliche Betriebe ist eine weitere Maßnahme, die die Rahmenbedingungen für unsere Bauern erheblich verschlechtern wird. Von einer verantwortungsvollen Politik für Agrar- und Ernährungssektor kann wirklich keine Rede mehr sein.‘

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DBV: Haushaltsbegleitgesetz für Landwirte ungerecht und sozial verwerflich

Themen: Archiv — info @ 13:10

Präsidium diskutierte aktuelle Agrarpolitik in Sonthofen

Sonthofen (agrar.de) – Der deutschen Landwirtschaft drohen erhebliche finanzielle Einschnitte mit äußerst weitreichenden Folgen, wenn der Bundestag dem Haushaltsbegleitgesetz zustimmt. Die Pläne der rot-grünen Bundesregierung zur Umsatzsteuer, zum Agrardieselsteuersatz und zur Landwirtschaftlichen Krankenversicherung bedeuten, dass die Bauern mit ihrem Anteil von 1,5 Prozent an der Gesamtbevölkerung knapp ein Zehntel der 10 Milliarden Euro Einsparsumme im Bundeshaushalt aufbringen müssen. ‚Dies ist unakzeptabel‘, stellte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, auf der Klausurtagung des DBV-Präsidiums in Sonthofen klar. Anstatt wie in der übrigen Wirtschaft Impulse für Wachstum und Entwicklung zu setzen, kosteten die Kürzungen des Agrarhaushaltes sowie die Steuererhöhung in der Land- und Agrarwirtschaft Investitionen und Arbeitsplätze.

Auch in einem Leitkommentar der Braunschweiger Zeitung hob Sonnleitner hervor, dass die deutschen Bauernfamilien die dringende Notwendigkeit einer Sanierung der Staatsfinanzen sehen und die Ziele der Bundesregierung, eine solide Haushaltsführung zu erreichen, unterstützten. So hätte die Landwirtschaft bereits in den vergangenen vier Jahren durch Kürzungen im Agrarhaushalt und Steuererhöhungen wie bei der Ökosteuer und beim Agrardiesel zur Sanierung der Staatsfinanzen beigetragen. ‚Wäre man in anderen Politikbereichen ähnlich vorgegangen, stände man heute nicht vor einem fiskalpolitischen Scherbenhaufen‘, betonte Sonnleitner. Wenn der Bundestag dem Haushaltsbegleitgesetz mit diesen dramatischen finanziellen Belastungen der Bauernfamilien am Freitag zustimme, läge es in der Hand der Bundesländer im Bundesrat, ob daraus tatsächlich ein ‚Schwarzer Freitag‘ für die deutsche Landwirtschaft entstehe.

Sonnleitner machte auf der Klausurtagung des DBV-Präsidiums in Sonthofen sowie in verschiedenen Interviews deutlich, dass der Bauernverband weiterhin darauf bestehen werde, die Defizithaftung des Bundes für die Landwirtschaftliche Krankenversicherung bei 100 Prozent voll zu erhalten. Zwar habe man erreicht, dass nicht wie ursprünglich geplant 85 Prozent der Leistungsaufwendungen für die Altenteiler vom Bund übernommen werden, sondern 95 Prozent in 2004 und 93 Prozent ab 2005. Doch würden dadurch nach wie vor zweistellige Beitragssteigerungen für die aktiven Landwirte entstehen. Außerdem würde das eigenständige agrarsoziale Sicherungssystem, das sich bisher bewährt habe, an die Wand gefahren.

Scharfe Kritik übte Sonnleitner auch an den noch kurzfristig verschärften Steuererhöhungen beim Agrardiesel. Die derzeitigen Pläne der Bundesregierung würden Steuererhöhungen beim Agrardiesel von umgerechnet 56 Prozent bedeuten. Damit würde die Wettbewerbsposition der deutschen Landwirte gegenüber ihren Wettbewerbern in der EU weiter verschlechtert. Würden die Pläne der Bundesregierung Realität, müssten die Betriebe umgerechnet für die ersten 17 Hektar und ab dem 90. Hektar den vollen Steuersatz für Diesel in Höhe von 47,04 Cent zahlen. Die Landwirte in Dänemark zahlten nur 3,24 Cent pro Liter, in Frankreich nur 5,5 Cent pro Liter. Anstatt für eine EU-weite Harmonisierung des Agrardieselsteuersatzes einzutreten, belaste die Bundesregierung die deutschen Bauern zusätzlich – ebenso wie mit der geplanten Abschaffung der Umsatzsteuerpauschalierung, kritisierte Sonnleitner. Statt Bürokratieabbau bedeute dies 250.000 Umsatzsteuererklärungen mehr ohne Zugewinn für den Bundesfinanzminister, wohl aber für die Steuerberater zu Lasten der Landwirte.

Die Vorschläge im Haushaltsbegleitgesetz, so Sonnleitner, seien kein Programm der Ermutigung für die jüngere Generation, kein Ankurbelungsprogramm für die Agrarwirtschaft und keine ‚Jobmaschine‘ für die ländlichen Räume. Deshalb müssten die Bundesländer diesen ökonomischen Unsinn stoppen und eine Gleichbehandlung der Landwirtschaft durchsetzen.

Links zum Thema Verbände.

„Deutsche Mühlen – Fakten zur Branche“ neu aufgelegt

Themen: Archiv — info @ 09:10

Bonn (agrar.de) – Der Verband Deutscher Mühlen hat das Faltblatt ‚Die Deutsche Mühlen – Fakten zur Branche‘, das erstmals 1999 erschienen ist, neu aufgelegt. Dargestellt werden das breite Sortiment einer Mühle mit den unterschiedlichen Mehltypen und anderen Mühlenprodukten, z. B. Vollkornprodukten, aus Roggen und Weizen. Aufgezeigt wird der Ballaststoffgehalt hellerer Weizenmehle im Vergleich zu Obst und Salat. Wie in der vorangegangenen Ausgabe enthält auch dieses Faltblatt Angaben zur Struktur der Mühlenbranche.

Deutlich wird, dass nach wie vor in Süddeutschland zahlenmäßig die meisten Mühlen ihren Sitz haben, während Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg über die größten Mühlen verfügen. Dargestellt wird die Weichweizenvermahlung ebenso wie die deutsche Roggenvermahlung, ergänzt durch Absatzsegmente für Mehl. Danach gehen 58 bis 62 Prozent an Abnehmer aus dem Bäcker- und Konditorenhandwerk, 28 bis 33 Prozent gehen an Großverarbeiter aus dem Bereich Brot- und Lebensmittelindustrie, 7 – 10 Prozent an Spezialverarbeiter und an den Endverbraucher in Form von Kleinpackungen (bis 5 kg) 5 – 7 Prozent. Abgerundet wird das Faltblatt mit Kennzahlen der Mühlenwirtschaft (Zahl der Mühlen, Höhe der Vermahlung, Herstellung von Mühlenfuttermitteln, Zahl der Arbeitnehmer, Lohnsumme und Umsatz der Branche). Zum Abschluss wird der Mehlverbrauch je kg dargestellt, der nach Angaben des VDM seit 1996/97 leicht aber stetig auf jetzt 64,1 kg je Kopf in Deutschland gestiegen ist.

Links zum Thema Mühlen.

16. Oktober 2003

Nordrhein-Westfalen: Auch Kartoffeln im Trockenstress

Themen: Archiv — info @ 16:10

Düsseldorf (agrar.de). Die langanhaltende Trockenheit und Hitze im Erntejahr 2003 verhinderte in Nordrhein-Westfalen eine bessere Kartoffelernte. Wie das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik anhand vorläufiger Ergebnisse der ‚Besonderen Ernteermittlung‘ mitteilt, blieb der Ertrag mit knapp 1,27 Millionen Tonnen um 2,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis.

Ein verminderter Flächenertrag – der mit knapp 428 Dezitonnen (früher: Doppelzentner) je Hektar um 1,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau blieb – zusammen mit einer gleichzeitigen Reduzierung der Kartoffelanbaufläche um 1,2 Prozent auf rund 29.600 Hektar führten nicht nur dazu, dass insgesamt weniger Kartoffeln als im Vorjahr gerodet werden konnten, sondern auch der Durchschnitt der Jahre 1997 bis 2002 wurde um 1,7 Prozent verfehlt.

Links zum Thema Agrarbericht und Statistik, Links zum Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Ratifikationsgesetz zum internationalen Biosicherheitsprotokoll tritt in Kraft

Themen: Archiv — info @ 16:10

Berlin (agrar.de) – Der Deutsche Bundestag hat heute das Ratifikationsgesetz zum ‚Cartagena-Protokoll‘ beschlossen. ‚Das ist ein Meilenstein im internationalen Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen. Denn es trägt ganz wesentlich zur Schaffung internationaler Sicherheitsstandards und zur Verbesserung der Transparenz bei‘, so Bundesverbraucherministerin Renate Künast. Wenn auch der Bundesrat diesem Gesetz – wie zu erwarten – am 17. Oktober zustimmen wird, ist der Weg frei, dass auch Deutschland diesem Protokoll über die Biologische Sicherheit (Biosafety-Protokoll) beitreten kann.

Das Protokoll enthält hauptsächlich Vorschriften über ein Verfahren zur Information des Importstaates vor der grenzüberschreitenden Verbringung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO). Die Staaten können dadurch vor der erstmaligen Verbringung der betreffenden GVO eine Entscheidung über die Zulässigkeit des Imports treffen. Für den Handel mit solchen GVO, die für die unmittelbare Verwendung als Lebensmittel oder Futtermittel oder für die Verarbeitung vorgesehen sind, gelten Sonderregeln. Außerdem gibt es Dokumentationsanforderungen für den internationalen Warenverkehr. Zum Austausch von Informationen und zur Unterstützung der Vertragsparteien bei der Umsetzung ist eine internationale Informationsstelle für biologische Sicherheit vorgesehen.

Mit Blick auf die erste Vertragsstaatenkonferenz zu dem Protokoll, die voraussichtlich im Frühjahr 2004 stattfindet und bei der wichtige Beschlüsse zu dessen weiterer Umsetzung zu treffen sind, sagte Künast: ‚Ich hoffe, dass bis dahin noch zahlreiche Staaten dem Protokoll beitreten und weitere Agrarexportstaaten, insbesondere die USA, ihren Widerstand aufgeben. Dann können damit internationale Regelungen für den vorsorgenden Verbraucher- und Umweltschutz bei der Gentechnik getroffen werden.‘

Das Protokoll war nach langen und außerordentlich schwierigen Verhandlungen, bei denen insbesondere die Agrarexportländer Widerstand geleistet hatten, im Januar 2000 beschlossen worden. Über 50 Staaten und die EG haben das Protokoll bislang ratifiziert oder sind ihm beigetreten. Zahlreiche weitere Staaten, darunter GVO-Exportstaaten wie Kanada oder Argentinien, haben das Protokoll unterzeichnet.

Links zum Thema Biotechnologie, Links zum Thema Landwirtschaft international.

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