28. Oktober 2003

NABU fordert Beschränkung der Jagd auf 12 Tierarten

Themen: Archiv — info @ 10:10

Berlin (agrar.de) – Der Naturschutzbund NABU hat eine drastische Kürzung der Liste der in Deutschland jagdbaren Tierarten gefordert. ‚Es ist skandalös, dass das geltende Bundesjagdgesetz noch immer die Jagd auf vom Aussterben bedrohte und in ihren Beständen gefährdete Tierarten erlaubt‘, sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz.

Die Tatsache, dass in der Liste Arten wie der Wisent geführt würden, die in Deutschland längst ausgestorben seien, verdeutliche den enormen Reformbedarf. Nach Ansicht des NABU dürfe die Jagd nur auf solche Arten zugelassen werden, deren biologisch nachhaltige Nutzung gesichert sei und nicht gegen internationale Abkommen oder EU-Recht verstoße. Tierarten, für die diese Kriterien nicht sichergestellt seine, müssten aus dem Jagdgesetz gestrichen und unter den Schutz des Naturschutzrechtes gestellt werden.

‚Massive Konflikte gibt es heute vor allem bei der Jagd auf so genannte Beutegreifer‘, so Opitz. Hier sei entgegen früher verbreiteter Ansicht keine Bejagung aus Artenschutzgründen erforderlich. So müssten nach Ansicht des NABU unter anderem alle Greifvögel endlich aus dem Jagdgesetz gestrichen und unter Schutz gestellt werden. Ein weiterer Missstand sei die Jagd auf Arten, wie etwa arktische Gänse, die Deutschland als Durchzugs- oder Überwinterungsgebiet nutzten. ‚Die am 1. November in vielen Bundesländern beginnende Bejagung solcher Tiere verbietet sich aus ethischen Gründen, da Deutschland selbst nicht die Verantwortung für deren Fortbestand trägt‘, sagte Opitz.

Nach den Vorstellungen des NABU müsse sich Jagd zukünftig auf Rot-, Dam- und Sikahirsch, Reh, Gemse, Mufflon, Wildschwein, Wildkaninchen, Fuchs, Feldhase, Fasan und Stockente beschränken. Wenn eine nachhaltige Nutzung wegen der Gefährdung einer dieser Arten nicht gewährleistet sei, müsse der Bestand ganzjährig unter Schutz gestellt werden. Ein Beispiel hierfür sei der Feldhase, der in den Roten Listen der Bundesländer als gefährdet eingestuft werde. Der NABU forderte die Bundesregierung erneut auf, noch in dieser Legislaturperiode die Novelle des Bundesjagdgesetzes ins Visier zu nehmen. Auch die Jäger sollten ihren Widerstand aufgeben, so Opitz: ‚Wenn sich große Teile der Jägerschaft bis jetzt vehement gegen die überfällige Reform sträuben, legt es den Verdacht nah, dass es mit ihrem Selbstverständnis vom Naturschützer nicht soweit her ist.‘

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27. Oktober 2003

Grüne: Freilandversuche mit genmanipulierten Apfelbäumen gestoppt

Themen: Archiv — info @ 16:10

Berlin (agrar.de) – Die sächsischen Bundestagsabgeordneten Antje Hermenau und Peter Hettlich von Bündnis 90 / Die Grünen, erklären:

‚Wir begrüßen die Anweisung des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) an den Leiter der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ), die Freilandversuche mit genmanipulierten Apfelbäumen in Dresden-Pillnitz (Sachsen) und Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) nicht durchzuführen.

Das BAZ hatte geplant, über einen Zeitraum von 20 Jahren in Pillnitz insgesamt 10.000 und in Quedlinburg 5.000 genmanipulierte Apfelbäume auszusetzen, um deren Resistenzen gegen Pilze und Bakterien, unter anderen den Feuerbrand, im Freiland zu untersuchen. Wir haben mehrfach auf das große Risiko einer Kontamination der in Pillnitz angesiedelten ‚Genbank Obst‘ sowie angrenzender Obstbaubetriebe, die biologisch und konventionell wirtschaften, hingewiesen. Deren Existenz wäre durch den Großversuch dauerhaft bedroht.

Die matten Einwände seitens der BAZ, eine unkontrollierte Verbreitung des genmanipulierten Pollens werde durch die Umhüllung der Blütenstände mit Folien verhindert, haben wir stets als unhaltbar zurück gewiesen.

Das BMVEL begründet seine Entscheidung unter anderem mit den bisherigen Erfahrungen, dass die Entwicklung alternativer Bekämpfungsmaßnahmen vielversprechender sei. Da die Freilandversuche sehr langfristig angelegt seien, könne damit das Ziel einer schnellen Entwicklung von Bekämpfungsmaßnahmen nicht erreicht werden. Zudem sei ein Erfolg der Versuche nicht absehbar.‘

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Kein Soforthilfeprogramm für dürregeschädigte Forstwirtschaft

Themen: Archiv — info @ 13:10

Berlin (agrar.de) – Die Regierung plant kein eigenes Soforthilfeprogramm für private und kommunale Waldbesitzer, um die durch Dürre und Borkenkäferbefall nach der Hitzewelle 2003 entstandene Schäden in der deutschen Forstwirtschaft aufzufangen. Da im Gegensatz zur Landwirtschaft die Dürreschäden im Wald keine akuten Ertragsausfälle und damit existenzbedrohende Liquiditätsengpässe nach sich gezogen hätten, haben Bund und Länder die Forstwirtschaft auch nicht in das Bund-Länder-Programm für dürregeschädigte Landwirte einbezogen. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervor. Auch einen finanziellen Zuschuss zur maschinellen Entrindung, zum Abtransport und zur Zwischenlagerung des vom Borkenkäfer befallenen Rundholzes will die Bundesregierung nicht gewähren.

Für die Durchführung des Pflanzenschutzes, einschließlich der Maßnahmen für die Überwachung und Bekämpfung, seien die Länder zuständig, heißt es in der Antwort weiter. Darüber hinaus weist die Regierung darauf hin, sie begrüße grundsätzlich die Forderungen von Naturschutzverbänden, den Anteil von Totholz in den bewirtschafteten Wäldern zu erhöhen.

Totholz sei in strukturreichen Laub- und Mischwäldern, wie sie bei der naturnahen Waldbewirtschaftung entstehen, in der Regel von ökologischem Vorteil. In bewirtschafteten strukturarmen Nadelwäldern könne jedoch der kurzfristige Anfall von Totholz, zum Beispiel nach Sturm, verbunden mit Hitze und Trockenheit, zu einer explosionsartigen Vermehrung von Borkenkäfern führen.

Den Regierungsangaben zufolge können dann auch gesunde Bäume befallen und zum Absterben gebracht werden. Absterbende Bäume müssten aus Sicht des Forstschutzes umgehend gefällt und aus dem Wald entfernt oder nach Möglichkeit entrindet werden, um die Massenvermehrung der Borkenkäfer nicht noch weiter zu vergrößern. Älteres Totholz, in dem sich keine Borkenkäferbrut mehr befindet, könne dagegen im Wald bleiben.

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BDL: Qualifikation nicht erwünscht

Themen: Archiv — info @ 10:10

Berlin (agrar.de) – ‚In diesen Tagen zeigt sich, dass die Bundesregierung die Wettbewerbsfähigkeit des Wissenschaftsstandortes Deutschland, kurzfristigen Sparzwängen unterordnet. Von Nachhaltigkeit in der Bildungspolitik kann keine Rede sein.‘ so Anja Mücke-Hansen, Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL), über die Pläne der Bundesregierung, die Anrechnungszeiten von Schul- und Studienzeiten auf die Rente zu streichen.

Besonders kurios erscheinen die Pläne vor dem Hintergrund der aktuellen OECD Studie, die dargestellt hatte, dass in Deutschland weniger junge Menschen studieren wollen, als in anderen Staaten und das sich dies negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland auswirkt.

‚Immer wieder wird von der Politik und der Wirtschaft festgestellt, dass es einen Fachkräftemängel in Deutschland gibt und immer wieder gibt es halbherzige Versuche, dies zu verändern, wie beispielsweise die Einführung der Greencard,‘ so Anja Mücke-Hansen weiter, ‚ein Konzept, das überhaupt nicht aufgegangen ist‘.

Schon jetzt zeigen uns PISA, OECD und Co, dass es Bücherpreise, Studiengebühren u.v.a. gerade jungen Menschen aus sozial schwächeren Verhältnissen nicht leicht machen, in Deutschland einen höheren Bildungsabschluss zu bekommen.

Darüber hinaus spricht die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt auch für AkademikerInnen keine gute Sprache: selbst der qualifizierte Hochschulabschluss ist heutzutage kein Garant für einen Arbeitsplatz. Gleichzeitig stehen viele StudienabgängerInnen vor einem Berg Schulden, der ihnen im Zuge ihres Studiums entstanden ist.

‚Doppelt ärgerlich ist es, dass die bereits erfolgten Kürzungen verschwiegen werden, und suggeriert wird, die Studierenden seien zu keinerlei Kompromissen bereit!‘, erklärt Anja Mücke-Hansen. Im Jahr 1992 wurden die bis dahin gültigen 13 Ausbildungsjahre die rentensteigernd berücksichtigt wurden, auf sieben Jahre und im Jahr 1996 noch einmal auf drei Jahre verkürzt.

Wenn die Regierung ihre Pläne wahr macht und die Studienzeiten nicht mehr auf die spätere Rentenberechnung anerkannt wird, wird es noch weniger Studierende in Deutschland geben und der Fachkräftemangel sich verstärken.

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Düngemittelstatistik im Wirtschaftsjahr 2002/2003

Themen: Archiv — info @ 10:10

Düngemittelabsatz außer bei Phosphatdüngern rückläufig

Wiesbaden (agrar.de) – Im Wirtschaftsjahr 2002/2003 wurden aus inländischer Produktion oder Einfuhr

. 1,79 Mill. Tonnen Stickstoffdünger (N), . 0,33 Mill. Tonnen Phosphatdünger (P2O5), . 0,48 Mill. Tonnen Kalidünger (K2O) und . 2,12 Mill. Tonnen Kalkdünger (CaO)

an landwirtschaftliche Absatzorganisationen oder Endverbraucher in Deutschland abgesetzt.

Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, war dies gegenüber dem Wirtschaftsjahr 2001/2002 eine Abnahme um 0,2 Prozent bei Stickstoffdüngern, um 8,4 Prozent bei Kalkdüngern und um 5,2 Prozent bei Kalidüngern; bei Phosphatdüngern war dagegen eine Steigerung um 4,1 Prozent zu verzeichnen.

Der Aufwand je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche verringerte sich von 2001/2002 zu 2002/2003 bei Kalidüngern von 30 auf 28 kg K2O und bei Kalkdüngern von 124 auf 115 kg CaO. Der Aufwand von Stickstoff- und Phosphatdüngern blieb mit 105 kg N bzw. 19 kg P2O5 unverändert.

Im Wirtschaftsjahr 2002/2003 wurden die Stickstoffdünger fast zur Hälfte (46 Prozent) als Kalkammonsalpeter abgesetzt. Es folgten Harnstoffdünger mit 16 Prozent und Ammonnitrat-Harnstoff-Lösungen mit 13 Prozent. Als Mehrnährstoffdünger wurden Stickstoffdünger lediglich zu 11 Prozent eingesetzt. Phosphatdünger wurden zu neun Zehnteln als Mehrnährstoffdünger abgesetzt. Dabei überwogen mit rund 44 Prozent die Stickstoff-Phosphatdünger. Kalidünger wurden annähernd zur Hälfte (49 Prozent) als Kaliumchlorid abgesetzt. Rund 44 Prozent entfielen auf Mehrnährstoffdünger. Kalkdünger wurden zu über zwei Dritteln (71 Prozent) als Kohlensaurer Kalk verkauft.

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25. Oktober 2003

Schweiz: Milchstatistik 2002 erschienen

Themen: Archiv,Schweiz — info @ 11:10

Bern (agrar.de) – Die schweizerische Treuhandstelle Milch hat die ‚Milchstatistik der Schweiz 2002‘ herausgegeben. Die Broschüre veranschaulicht wichtige Sachverhalte der Milchwirtschaft, von den Milchproduzenten bis hin zum Konsum der verschiedenen Milchprodukte. Die Strukturen der Milchproduktion, von der Anzahl Kühe und Betriebe pro Kanton, pro Bestandesgrösse und Zone sind ebenso enthalten wie detaillierte Angaben über die produzierten und verarbeiteten Milchmengen.

Ferner finden sich Statistiken zum Konsum, zu Preisen und Margen, zu Kontingenten, zu betriebswirtschaftlichen Daten der Betriebe, zu den Berufsorganisationen und zur internationalen Milchproduktion. Die Statistik stützt sich auf umfangreiche Erhebungen der Herausgeber, sowie Angaben von Amtsstellen und privatwirtschaftlichen Organisationen.

Die Milchstatistik kann für 35 Franken bezogen werden bei der Treuhandstelle Milch GmbH, Weststr. 10, 3000 Bern 6, Tel.: 031-359-59-56, Fax: 031-359-59-61, E-Mail.

Links zum Thema Agrarbericht und Statistik. Links zum Land %url4%Schweiz%/%.

Angebotsnaturschutz – neue Wege im Naturschutz

Themen: Archiv — info @ 11:10

Bonn (agrar.de) – Neue Möglichkeiten zur Honorierung ökologischer Leistungen in der Landwirtschaft zeigt eine neue Publikation des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) auf. Sie fasst die Ergebnisse einer Tagung zusammen, die das BfN, die Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW sowie die Biologische Station Ravensberg im Kreis Herford zum Thema ‚Angebotsnaturschutz: Vorschläge zur Weiterentwicklung des Vertragsnaturschutzes‚ veranstaltet haben.

‚Es ist unbestritten, dass ökologische Leistungen in der Landwirtschaft stärker honoriert werden müssen‘ sagte Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, Präsident des BfN. ‚Inwieweit leistungsorientierte Ansätze den bisherigen handlungsorientierten Agrarumwelt- und Vertragsnaturschutzmaßnahmen überlegen sind, muss jedoch noch weiter geprüft werden. Prinzipiell kann alles, was die aktive Teilnahme fördert, nur von Vorteil für die Kooperation zwischen Naturschutz und Landnutzung sein‘.

Vor diesem Hintergrund könnten im Rahmen eines sogenannten Angebotsnaturschutzes Leistungen wie z.B. die Anlage von Strukturelementen (Sträucher, Hecken, etc.) ausgeschrieben werden. ‚Ich halte dies für einen wichtigen Beitrag zur Akzeptanzförderung von Naturschutzleistungen‘ so Hartmut Vogtmann. Die mit der Reform der EU-Agrarpolitik einhergehende Stärkung der sogenannten zweiten Säule (Verordnung Ländlicher Raum, VO (EU) 1257/1999) eröffne zudem die Chance, Agrarumweltprogramme und Vertragsnaturschutz finanziell besser ausstatten zu können.

In der BfN-Veröffentlichung werden die gesamte Bandbreite der Vertragsnaturschutzmaßnahmen dargestellt, Verbesserungsnotwendigkeiten aufgezeigt und Lösungsvorschläge aus der Praxis konkretisiert. Die Diskussionen um die Weiterentwicklung bestehender Programme ist in einem Abschlusskapitel zusammenfassend dokumentiert.

Hinweis: Die Studie ist im Internet abrufbar und in gedruckter Form beim Bundesamt für Naturschutz, Konstantinstraße 110, 53179 Bonn, %url3%E-Mail%/% als BfN-Skript 89 kostenlos erhältlich.

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Agrardiesel: 18.000 landwirtschaftliche Betriebe in Westfalen-Lippe von Vergütungsregelung ausgeschlossen

Themen: Archiv — info @ 09:10

Möllers: Durch 56 Prozent Steuererhöhung deutsche Wettbewerbsposition in der EU weiter verschlechtert

Münster (agrar.de) – Scharfe Kritik übt der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Franz-Josef Möllers, an den kurzfristig verschärften Steuererhöhungen beim Agrardiesel. Die neuen Pläne der Bundesregierung würden Steuererhöhungen beim Agrardiesel von 26 Cent auf im Schnitt 40 Cent je Liter oder umgerechnet 56 Prozent bedeuten. ‚Anstatt für eine EU-weite Harmonisierung des Agrardieselsteuersatzes einzutreten, verschlechtert die Bundesregierung noch weiter die Wettbewerbsstellung unserer heimischen Landwirte gegenüber ihren Konkurrenten in der EU.‘

Neben der Begrenzung des steuerbegünstigten Agrardiesels auf 10.000 Liter hat die Bundestagsmehrheit im Rahmen des Haushaltsbegleitgesetzes 2004 am 17. Oktober einen Selbstbehalt in Höhe von 350 Euro beschlossen. Dieser Selbstbehalt würde mehr als 18.000 in der Regel Nebenerwerbsbetriebe in Westfalen-Lippe von der Vergütungsregelung ausschließen. Würden die Pläne der Bundesregierung Realität, müssten die westfälisch-lippischen Betriebe – insgesamt 36.300 ab 2 Hektar – umgerechnet für die ersten 15 Hektar und ab dem 80. Hektar den vollen Steuersatz für Diesel in Höhe von 47,04 Cent zahlen. Dies ist rund das 8-fache dessen, was die Landwirte beispielsweise in den Niederlanden (6,1 Cent pro Liter) oder in Frankreich (5,5 Cent pro Liter) an Steuern zahlten.

Allein die extrem hohen Dieselsteuern in Deutschland würden das Pflügen, Säen und Ernten von 1 ha Ackerland in Westfalen-Lippe um rund 40 Euro gegenüber einem Mitbewerber aus Holland verteuern. In dem offenen EU-Binnenmarkt seien solche krassen Wettbewerbsverzerrungen nicht zu verkraften, so Präsident Möllers. Dies gelte ebenso für die von der Bundestagsmehrheit am 17. Oktober im Rahmen des Haushaltsbegleitgesetzes 2004 beschlossene Beschränkung der in der Landwirtschaft bewährten Umsatzsteuerpauschalierung auf nicht buchführungspflichtige Betriebe sowie für die geplante Senkung des Pauschalierungssatzes von 9 auf 7 Prozent.

Von einer gerechten Lastenverteilung könne angesichts eines Anteils von rund einer dreiviertel Milliarde Euro insgesamt an den rund 10 Milliarden Haushaltskürzungen und Steuermehreinnahmen – bei einem etwa 1,5 prozentigen Anteil der Bauern an der Bevölkerung – keine Rede sein, so Möllers.

Links zum Thema Verbände, Links zum Bunesland Nordrhein-Westfalen.

24. Oktober 2003

DBV: Statt mehr Effizienz droht mehr Bürokratie in der Agrarstrukturpolitik

Themen: Archiv — info @ 14:10

Berlin (agrar.de) – Anstatt zur gewünschten Effizienzsteigerung führe die geplante Knüpfung von Flurbereinigungs- und Dorferneuerungsmaßnahmen an eine vorherige regionale Entwicklungsplanung zu einer weiteren Bürokratisierung. Das stellte der Deutsche Bauernverband (DBV) nach Bekannt werden der Vorstellungen des Bundes zur Überarbeitung der Fördergrundsätze für die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) 2004 fest. Eine klare Absage erteilte der DBV insbesondere der geplanten Streichung der Förderung der kostengünstigen und ’schlanken‘ Maßnahmen zur Agrarstrukturentwicklung, wie dem freiwilligen Landtausch und der beschleunigten Zusammenlegung, aber auch dem ländlichen Wegebau. Die in den einschlägigen Fachgesetzen niedergelegten Ziele – wie zum Beispiel im Flurbereinigungsgesetz – seien nur dann erreichbar, wenn die Agrarstrukturförderung ergänzend eine wirksame Hilfestellung gebe.

Generell müsse die Agrarstrukturförderung die wirtschaftliche Entwicklung der Landwirtschaft und des gesamten ländlichen Raumes weiter in den Vordergrund stellen. Gerade angesichts des wachsenden Markt- und Wettbewerbsdruckes in der Landwirtschaft und einer immer knapperen finanziellen Ausstattung der GAK sei dies unverzichtbar.

Für die Förderung eines Regionalmanagements über die GAK hat der DBV dringend angeraten, zunächst die Erfahrungen des noch laufenden Pilotprojektes ‚Regionen Aktiv‘ abzuwarten. Die EU biete durch die jüngste Reform der Agrarpolitik ab 2005 eine Fördermöglichkeit für ein Regionalmanagement im Rahmen der Förderung der Entwicklung des Ländlichen Raumes (VO 1257/1999). Um einen besseren Abgleich der europäischen und nationalen Förderung zu erreichen, mahnte der DBV von einer übereilten Änderung der Fördergrundsätze schon in 2004 abzusehen.

Gleiches gilt nach Ansicht des DBV für die offenbar beabsichtigte Abschaffung der Förderung von Leistungskontrollen in der tierischen Erzeugung. Wenn die EU ab 2005 die Fördermöglichkeiten für Qualitätssicherungsmaßnahmen ausweitet und dies auch als politisches Signal verstanden wissen wolle, machten national eine vorschnelle Streichung dieser nützlichen Maßnahme keinen Sinn. Vielmehr sei eine Weiterentwicklung in Richtung einer Qualitätsförderung angezeigt.

Für die Agrarinvestitionsförderung regte der DBV an, bereits frühzeitig über eine deutliche Verbesserung der Förderbedingungen für Junglandwirte nachzudenken. Auch hier gelten ab 2005 erhöhte Fördersätze durch die EU. Dies gelte es laut DBV mit einem möglichst zielgenauen Einsatz der Modulationsmittel zur Entlastung der Milch- und Roggenerzeuger abzugleichen.

Links zum Thema Landentwicklung und Förderung, Links zum Thema %url4%Verbände%/%.

EU: Überschreitung der Milchquoten

Themen: Archiv — info @ 13:10

Brüssel (agrar.de) – Die EU-Kommission hat heute eine vorläufige Berechnung vorgestellt, nach der sich die Abgaben der Mitgliedstaaten für die Überschreitung ihrer Milchquoten auf 320 Mio. Euro belaufen. Die Zahlen beziehen sich auf das Wirtschaftsjahr 2002/2003. Die Abgaben im vorherigen Jahr betrugen 276 Mio. Euro.

Für das Wirtschaftjahr 2002/2003 wurde die EU-Gesamtquote für die Lieferungen auf 117,74 Mio. Tonnen festgesetzt (aufgeteilt auf 560 000 Einzelquoten). Die Überschreitungen für die EU insgesamt beliefen sich auf 344.000 Tonnen für alle Sektoren zusammen. Neun Mitgliedstaaten (Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Finnland) haben ihre Quote um insgesamt 853.000 Tonnen überschritten, was einer Abgabe von etwa 305 Mio. Euro entspricht. Was die Quote von 1,2 Mio. Tonnen für Direktverkäufe an die Verbraucher angeht, so verzeichneten Italien und die Niederlande eine Überschreitung von insgesamt 41.123 Tonnen, was einer Zusatzabgabe von 14,6 Mio. Euro entspricht.

Deutschland, Griechenland, Spanien, Irland, Schweden und Großbritannien haben ihre Quoten nicht vollständig ausgeschöpft und werden daher keine zusätzlichen Abgaben leisten müssen. Die nicht genutzten Mengen dieser Mitgliedstaaten belaufen sich auf 369.900 Tonnen. Darüber hinaus werden die Erzeuger in diesen Ländern von sämtlichen Abgaben befreit, da die nationalen Referenzmengen nicht überschritten wurden.

Zieht man die ungenutzten Mengen von den Überschreitungen ab, so beträgt die Überschreitung EU-weit im insgesamt 485.000 Tonnen gegenüber einer ungenutzten Menge von 450.000 Tonnen im Wirtschaftsjahr 2001/2002.

Für Deutschland wurden 122.758 aktive Erzeuger (2001/2002: 126.918) mit einer Li efermenge von 26.801.764 Tonnen (27.674.332 t nach Anpassung bzgl. Fettgehalt) festgestellt. Aufgrund der verfügbaren Quoten von 27.761.192 t ergab sich eine Unterlieferung um 86.861 t (0,31 Prozent, 2001/2002: Überlieferung um 0,52 Prozent). Bei den Direktverkäufen wurden 1.379 Erzeuger mit einer Menge von 45.390 t ermittelt. Die verfügbaren Quote (103.624 t) wurden um 58.233 t unterschritten.

Im Laufe der letzten 4 Wirtschaftsjahre (von 1999/2000 bis 2002/2003) ist die Gesamtquote der Lieferungen im Europa der 15 von 116 auf 117,7 Mio. Tonnen gestiegen, was auf die spezifischen Quotenerhöhungen im Rahmen der Agenda 2000 zurückzuführen ist. Die Anzahl der aktiven Milcherzeuger in der EU ist von 703.000 auf 560.000 zurückgegangen und die durchschnittliche Quote (Lieferungen) jedes Erzeugers von 164.000 auf 210.000 kg gestiegen.

So funktioniert das System

Um ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu erzielen und die Überschüsse zu reduzieren, ist die Milchvermarktung in der Europäischen Union durch ein Quotensystem geregelt. Jeder Mitgliedstaat erhält zwei ‚Referenzmengen‘ (Quoten), eine für die Lieferungen an die Molkereien, die andere für die Direktverkäufe an die Verbraucher. Diese Mengen sind in jedem Mitgliedstaat unter den Erzeugern (Einzelquoten) aufgeteilt. Wird die nationale Quote überschritten, so muss in dem betreffenden Mitgliedstaat von den an der Überschreitung beteiligten Erzeugern eine Zusatzabgabe gezahlt werden. Diese Zusatzabgabe muss von den Erzeugern von Kuhmilch auf alle Milchmengen oder Milchäquivalent gezahlt werden, die innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten (1. April bis 31. März) über die Quote hinaus vermarktet wurden. Die nicht genutzten Mengen können auf andere Erzeuger des gleichen Mitgliedstaats aufgeteilt werden. Die Mitgliedstaaten müssen der Kommission jedes Jahr vor dem 1. September die Ergebnisse der Anwendung der Milchquote im vorausgegangenen Referenzzeitraum mitteilen.

Links zum Thema Milchquoten und -börsen, Links zum Thema EU und Landwirtschaft.

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