Regional sehr unterschiedliche Ergebnisse – Gute Qualität beim Getreide – Erlösausfälle von 100 bis 120 Mio. Euro
Schwerin (agrar.de) – Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern erzielten aufgrund der ungewöhnlichen Trockenheit in diesem Jahr regional sehr unterschiedliche Ergebnisse. Während in einigen landwirtschaftlichen Betrieben, besonders in den Landkreisen Mecklenburg-Strelitz, Uecker-Randow, Ludwigslust, Parchim und im Müritz-Kreis Ertragsausfälle bis zu 50 Prozent entstanden konnten in anderen Regionen, insbesondere im Küstenbereich einzelne Betriebe insbesondere beim Winterraps gute bis sehr gute Ernten erzielen. Landesweit führten die witterungsbedingten Mindererträge jedoch zu Erlösausfällen von 100 bis 120 Mio. Euro. Das sind je Hektar im Ackerbau 100 bis 120 Euro. Erhebliche Ertragsausfälle sind auch in der Futterproduktion zu verzeichnen. Für den Futterzukauf entstehen zusätzliche Kosten von bis zu 20 Mio. Euro.
Dem gegenüber haben sich die Preise bei den Mähdruschfrüchten stabilisiert und sind sogar gestiegen, was sich positiv auf die Erlössituation ausgewirkt hat. Gegenüber dem Durchschnitt der letzten drei Jahre wurden zwischen 1 bis 1,50 Euro je Dezitonne für Getreide bzw. Raps mehr durch die aufnehmende Hand gezahlt. Weiterhin konnten die Erntekosten aufgrund der günstigen Erntebedingungen einschließlich Trocknung, Lagerung, Aufbereitung und Transport gesenkt werden. Die fehlenden Niederschläge führten zu dem Effekt, dass geringere Mengen an Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln eingesetzt wurden. Dadurch konnten etwa 25 Mio. Euro an Betriebsmitteln eingespart werden.
Ertragscharakteristik bei einzelnen Fruchtarten Getreide
Die Getreideernte konnte im Land zügig abgeschlossen werden. Insgesamt wird auf 589.400 Hektar Getreide angebaut. Nach der zweiten vorläufigen Ernteermittlung wurden in Mecklenburg-Vorpommern mit 3,44 Mio. Tonnen rund 400.000 Tonnen weniger geerntet als im Vorjahr. Nach Einschätzung des Statistischen Landesamtes sind das je Hektar 58,8 Dezitonnen Getreide – 6,5 Dezitonnen weniger als im Vorjahr und 9,7 Dezitonnen je Hektar (dt/ha) als im langjährigen Mittel 1997/2002. Dabei sind die regionalen Unterschiede im Land sehr groß. Während in den Landkreisen Nordwestmecklenburg, Bad Doberan, Rügen und Nordvorpommern sowie Teilen von Ostvorpommern und Güstrow im wesentlichen das gleiche Ernteertragsniveau erhalten werden konnte, gibt es drastische Mindererträgen in den andern Landkreisen. Im Ländervergleich belegt Mecklenburg-Vorpommern im Ertragsniveau bei Getreide den 5. Platz, von der gesamten Getreideproduktion in Deutschland wurden 9,5 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern erzeugt.
Winterraps
Beim Winterraps wurden 746 000 Tonnen erzielt. Damit konnte bei etwas verminderter Anbaufläche die annähernd gleiche Gesamterntemenge wie im Vorjahr erzielt werden. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes wurden 34 dt/ha Winterraps eingebracht. Auf die Fläche umgerechnet sind das 4,1 dt/ha weniger als im langjährigen Mittel (- 10,8 Prozent). Zum Vorjahr entspricht es jedoch einem Ertragszuwachs von 1,8 dt/ha (+5,6 Prozent). Im Ländervergleich lag Raps im Ertragsniveau auf Platz 2 (Vorjahr Platz 1). Insgesamt werden im Land auf 219 600 Hektar Raps angebaut.
Trotz der insgesamt allgemeinen ungünstigen Witterungsbedingungen im gesamten Vegetationsjahr wurden in den einzelnen landwirtschaftlichen Unternehmen des Landes Spitzenerträge bei Raps von fast 50 dt/ha und bei Winterweizen von fast 85 dt/ha erreicht.
Aufgrund der Witterungsbedingungen kann besonders bei den Ernteprodukten Raps, Winterweizen und Winterroggen die Qualität als gut eingestuft werden. Gleichzeitig haben die außerordentlich günstigen Qualitätsparameter einen positiven Einfluss auf das Preisgeschehen.
Kartoffeln
Im Erntejahr 2003 wurden 530 000 Tonnen Kartoffeln geerntet, das entspricht einer Menge von durchschnittlich 326,2 dt/ha. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Ertrag pro Hektar um 35,4 dt, (-9,8 Prozent), zum langjährigen Mittel um 14,6 dt (-3 Prozent).
Grundsätzlich ist festzustellen, dass sich der Kartoffelanbau in Mecklenburg-Vorpommern auch im Jahr 2003 im Anbauumfang nicht wesentlich weiterentwickelt hat. Wurden im Jahr 2002 15.300 ha Kartoffeln angebaut, so sind es im Jahr 2003 ca. 16.000 ha. Jedoch hat sich in diesem Jahr eindeutig gezeigt, dass ein intensiver und effektiver Kartoffelanbau unter den Bedingungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern nur mit Beregnung möglich ist. Aufgrund der geschaffenen Verarbeitungskapazitäten in Stavenhagen und Hagenow sowie den Lieferanteilen in den Stärkefabriken Dallmin und Kyritz könnten jedoch für die Verarbeitung mindestens 4.000 ha Kartoffeln im Rahmen einer Vertragsproduktion zusätzlich angebaut werden.
Gegenüber dem Wirtschaftsministerium konnte erreicht werden, dass künftig Lohnunternehmer, die die Kartoffeltechnologie aufbauen wollen, gefördert werden. Ziel einer Förderung soll sein, dass effektive Bedingungen für Investitionen in Kartoffeltechnologien geschaffen werden, die auch im Interesse des Landwirtes eine gewinnbringende Kartoffelproduktion sichert.
Zuckerrüben
Bei den Zuckerrüben lag die Erntemenge bei 1,3 Mio. Tonnen, was bei einer Aunbaufläche von 27.260 Hektar 470 dt/ha entspricht. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 4,9 Prozent oder 23,8 dt/ha weniger erzielt als im Vorjahr. Zum langjährigen Mittel sank der Ertrag um 3 Prozent oder 14,6 dt/ha.
Die Zuckerrübenproduktion in Mecklenburg-Vorpommern ist einer der stabilsten Zweige im Ackerbau. Bedingt durch die Zuckermarktordnung und gut funktionierende Zuckerfabriken in Anklam und Güstrow ist eine konstante Produktion und Verarbeitung gesichert. Die Ertragslage in Mecklenburg-Vorpommern hat sich stabil in den letzten Jahren entwickelt. Der Zuckergehalt liegt aufgrund der Sonneneinwirkungen erheblich über dem langjährigen Durchschnitt.
Futterproduktion
Die Futterproduktion hat sowohl in Menge und Qualität erheblich unter dem Niederschlagsdefizit in diesem Jahr gelitten. Insgesamt bewegen sich die Gesamtjahreserträge zwischen 30 und 50 Prozent unter dem Niveau der beiden Vorjahre. Niedermoorflächen sind von dieser Ertragsdepression nicht so stark beeinträchtigt und bestätigen ihre wichtige Rolle innerhalb der Futterflächen.
Vom futterbaulichen Standpunkt kann das Jahr 2003 in Mecklenburg-Vorpommern gegenüber den beiden hervorragenden Vorjahren als ein mittleres Jahr eingeschätzt werden. Aufgrund der Situation, dass die Stilllegungsflächen für Futterzwecke genutzt werden können und dass auch für die ökologische Tierhaltung auf Antrag konventionelles Futter über 10 Prozent eingesetzt werden darf, ist davon auszugehen, dass die Absicherung des Futters für die Tierbestände aus eigenem Aufkommen im Land erfolgen kann. Viele landwirtschaftliche Unternehmen müssen jedoch Futter dazu kaufen.
Saat- und Pflanzgutproduktion
Ein wichtiger Zweig für die Wertschöpfung und Schaffung von Arbeitsplätzen ist die Saat- und Pflanzgutproduktion in unserem Land. Auf etwa 34.000 ha führen 300 landwirtschaftliche Unternehmen die Saat- und Pflanzgutproduktion durch. Von den erzeugten Produkten werden etwa 50 Prozent im eigenen Land benötigt. Die dann verbleibende Menge wird exportiert bzw. kommt in anderen Bundesländern zum Anbau. Die diesjährige Witterungssituation hat in der Saat- und Pflanzgutproduktion keine wesentlichen Auswirkungen mit sich gebracht. Es ist aber davon auszugehen, dass die Saatware kleinfallend ist. Bei Pflanzkartoffeln fehlen die Übergrößen.
Durch das Landwirtschaftsministerium wird dieser Zweig weiterhin entsprechend den Möglichkeiten unterstützt. Die Rahmenbedingungen besonders hinsichtlich der Förderung sind dabei günstig.
Ökologischer Landbau
Mit Stand vom 31.12.2002 wurde in Mecklenburg-Vorpommern auf 103.803 ha der ökologische Anbau durchgeführt. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung um fast 6.600 ha auf 107 Prozent.
Die extremen Witterungsbedingungen haben besonders im Süden des Landes zu erheblichen Ertragsausfällen zwischen 30 und 50 Prozent geführt. Auch bei Körnerleguminosen kam es teilweise zu Ausfällen zwischen 50 und 100 Prozent. Die Situation im Futteranbau ist nicht so dramatisch, wie vorerst eingeschätzt. Viele Betriebe in der Region verfügen über Niedermoorstandorte und auf diesen Flächen ist teilweise noch gutes Futter herangewachsen. Wie bei den konventionell erzeugten Ernteprodukten ist die Qualität der Ernteprodukte auch im ökologischen Landbau überwiegend als gut einzuschätzen. Das trifft für Futterroggen, für Weizen aber auch für andere Getreidesorten zu.
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