28. September 2003

Baden-Württemberg: Kartoffelanbau im Zeichen der Sommertrockenheit

Themen: Archiv — info @ 11:09

Unterdurchschnittliche Erträge und rückläufige Anbauflächen – Große regionale Unterschiede

Stuttgart (agrar.de) – Bei Kartoffeln verzögert sich in diesem Jahr die Ernte der für das Einkellerungsgeschäft maßgeblichen mittelfrühen und späten Sorten. Hintergrund ist die durch die lang anhaltende Trockenheit verursachte Kluten- (Schollen-) bildung der Böden, die wiederum die Gefahr von Verletzungen der Knollen beim Roden mit sich bringt. Mitte September lagen dem Statistischen Landesamt nur drei Viertel der für die Besondere Ernteermittlung vorgesehenen Proberodungsergebnisse vor. Danach zeichnet sich im Landesdurchschnitt ein voraussichtlicher Ertrag von 275 Dezitonnen je Hektar (dt/ha) ab; das ist rund ein Fünftel weniger als im Vorjahr (352 dt/ha) bzw. im Mittel der letzten sechs Jahre (348 dt/ha). Die diesjährige Ernte zeichnet sich durch klein- bis normalsortierte Ware mit geringen Mengen an Übergrößen aus.

Regional und sortenspezifisch sind auch in diesem Jahr starke Ertragsschwankungen festzustellen, wobei in den traditionellen Kartoffelanbaugebieten im allgemeinen auch die höheren Erträge erzielt wurden. Entscheidend war im Trockenjahr 2003 aber immer die Frage, ob den Stauden genügend Wasser zur Verfügung stand oder nicht. So liegen die Erträge am Bodensee und in den Beregnungsgebieten am Oberrhein mit 315 bis 340 dt/ha auf annähernd normalem Niveau, während im Heilbronner Raum (265 dt/ha) das durchschnittliche Ertragsniveau um nahezu ein Drittel verfehlt wurde.

Da nach dem vorläufigen Ergebnis der Bodennutzungshaupterhebung die Anbaufläche der landwirtschaftlichen Betriebe gegenüber dem Vorjahr um 850 ha auf 5 950 ha eingeschränkt wurde, wird mit voraussichtlich 1,6 bis 1,7 Millionen dt Spätkartoffeln (einschließlich mittelfrühe) eine Erntemenge erwartet, die sowohl das Ergebnis von 2002 als auch den Sechsjahresdurchschnitt 1997/02 (jeweils rund 2,4 Mill. dt) um drei Zehntel verfehlt.

Bei Frühkartoffeln erzielten die heimischen Anbauer mit 242 dt/ha eine Flächenleistung, die um 8 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis (264 dt/ha) zurückbleibt und das Mittel 1997/02 (289 dt/ha) um 16 Prozent unterschreitet. In Verbindung mit der binnen eines Jahres um 200 ha auf 935 ha reduzierten Anbaufläche ergibt dies mit 225 000 dt Frühkartoffeln aus heimischer Erzeugung eine Erntemenge, die um ein Viertel unter der des Vorjahres liegt. Das langjährige Mittel wird um drei Zehntel unterschritten. Die gesamte Kartoffelernte der marktorientierten Betriebe des Landes ist demnach auf voraussichtlich 1,8 bis 1,9 Mill. dt gegenüber rund 2,7 Mill. dt im Vorjahr bzw. im Sechsjahresdurchschnitt 1997/02 zu veranschlagen.

Bei der Beurteilung dieser Zahlen ist im Hinblick auf die Versorgung der Bevölkerung mit heimischen Speisekartoffeln zu berücksichtigen, dass ergänzend zur Kartoffelernte in den landwirtschaftlichen Betrieben noch eine nennenswerte Produktion bei Eigenerzeugern und Kleinstflächenbewirtschaftern zusätzlich anfällt, so dass die Gesamtversorgung an Kartoffeln im Land auf schätzungsweise 2,5 Mill. dt zu veranschlagen ist.

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27. September 2003

Neues Pflanzenschutzmittel gegen Mehltau

Themen: Archiv — info @ 16:09

Ludwigshafen (agrar.de) – BASF hat ein neues Pflanzenschutzmittel nach natürlichem Vorbild entwickelt, das flexibel gegen viele Schadpilze einsetzbar sein soll. Wie das Unternehmen mitteilte, kann der ‚F 500‘ getaufte Wirkstoff im Wein-, Gemüse-, Obst- und Getreideanbau eingesetzt werden.

Der fungizide Wirkstoff ‚F 500‘ wurde einer Substanz nachempfunden, die der Kiefernzapfenrübling (Strobilurus tenacellus) produziert. Weil dessen natürlicher Abwehrstoff Strobilurin A sehr lichtempfindlich ist, haben die BASF-Forscher ihn nachgebildet und eine neue Wirkstoffklasse entwickelt.

Der Stoff ‚F 500‘ unterbricht die Energieerzeugung der Schadpilze (zum Beispiel von Mehltau) und soll sie dadurch schon in kleinen Mengen erfolgreich bekämpfen. Sporen und Pilzgeflecht sterben schließlich ab. Nach Auskunft des Unternmehmens soll ‚F 500‘ ökologisch verträglich sein und keine Nebenwirkungen auf Ertrag und Qualität haben.

Vom neuen Wirkstoff verspricht sich BASF ein Umsatzpotenzial von 300 Mio. Euro im Jahr. Das Fungizid soll in Europa, später auch in Süd- und Nordamerika auf den Markt kommen. Das Unternehmen sieht in der Wirkstoffklasse der Strobilurine ein Potenzial für weitere Entwicklungen.

Links zum Thema Pflanzenschutz.

Bayern: Agrarberufe – tierisch gefragt

Themen: Archiv — info @ 15:09

München (agrar.de) – Trotz schwieriger agrarpolitischer Rahmenbedingungen suchen immer mehr Jugendliche die Chance einer fundierten Ausbildung in einem landwirtschaftlichen Beruf. Wie Bayerns Landwirtschaftsminister Josef Miller in München mitteilte, besuchen in diesem Jahr 748 junge Männer und Frauen das Berufsgrundschuljahr für die Ausbildung zum Land-, Tier-, und Pferdewirt. Das sind 15 Prozent mehr als im vergangenen Schuljahr und 40 Prozent mehr als 2001/2002. In den vergangenen 15 Jahren wählten nur 1988/89 mit 861 Azubis mehr Jugendliche einen dieser drei Agrarberufe.

Während das Berufsziel Pferde- oder Tierwirt mit landesweit 94 Azubis fünf Prozent weniger Jugendliche wählten als 2002, besuchen heuer 654 junge Männer und Frauen das erste Berufsgrundschuljahr für Landwirte. Das sind 18 Prozent mehr als im vergangenen und 41 Prozent mehr als im Schuljahr 2001/2002. Im Regionalvergleich verzeichnen dabei die Berufsschulen in der Oberpfalz, in Oberfranken und Schwaben mit 85, 67 und 140 ‚Erstklässlern‘ den größten Zulauf. Das ist ein Plus von 31, 29 bzw. 22 Prozent.

Links zum Thema Bildung und Arbeitsmarkt, Links zum Bundesland Bayern.

Agraraußenhandel im ersten Halbjahr 2003 angestiegen

Themen: Archiv — info @ 13:09

Berlin (agrar.de) – Der deutsche Agraraußenhandel ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im ersten Halbjahr 2003 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum angestiegen, teilt das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) mit. Die Exporte von Gütern der Agrar- und Ernährungswirtschaft übertrafen die des ersten Halbjahres 2002 um 3,7 Prozent und erreichten einen Wert von 14,6 Milliarden Euro. Die Importe stiegen um 5,4 Prozent auf 21 Milliarden Euro. Das Agrarhandelsdefizit erhöhte sich damit auf 6,4 Milliarden Euro.

Rund zwei Drittel des Agraraußenhandels wurden wie bisher mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) abgewickelt: 74 Prozent der Ausfuhren und 64 Prozent der Einfuhren. Die Ausfuhren in die EU stiegen um 7,3 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro, die Einfuhren um 6,2 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro. Wichtigster EU-Handelspartner waren unverändert die Niederlande, die rund 30 Prozent der von Deutschland aus den EU-Staaten bezogenen Agrar- und Ernährungsgüter lieferten. Wie im Vorjahr kamen 17 Prozent der Lieferungen aus Frankreich und 14 Prozent aus Italien. Bei den deutschen Lieferungen in die EU betrugen die entsprechenden Anteile für die Niederlande 22 Prozent und für Italien und Frankreich jeweils 16 Prozent.

Im Drittlandhandel gingen die Ausfuhren um 5,4 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro zurück. Betroffen waren davon vor allem die infolge der geringeren Ernte in Deutschland und dem Exportdruck aus der Schwarzmeerregion niedrigeren Getreide- und Ölsaatenexporte sowie rückläufige Lieferungen von Fleisch und Fleischerzeugnissen. Die Einfuhren stiegen dagegen um 4,1 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro.

Fast zwei Drittel der Drittlandimporte stammten aus Entwicklungsländern. Die Einfuhren aus diesen Ländern erreichten einen Umfang von 4,7 Milliarden Euro, 4,9 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Exporte in die Entwicklungsländer verringerten sich dagegen weiter auf insgesamt 1,1 Milliarden Euro (- 6,5 Prozent).

Stark angestiegen sind die Einfuhren aus den EU-Beitrittsstaaten (+ 25,5 Prozent bzw.+ 200 Millionen Euro). Obwohl auch die gute Getreideernte aus dieser Region zu einem wertmäßigen Anstieg der Getreideimporte – fast ausschließlich Weizen – um 15 Millionen Euro führte, fielen vor allem die Importzuwächse bei Fleisch und Fleischerzeugnissen (+ 40 Millionen Euro) sowie Milch und Milcherzeugnissen (+ 37 Millionen Euro) ins Gewicht.

Wichtigste Handelspartner im Drittlandhandel, nach Ländern betrachtet, waren bei den Ausfuhren die USA (434 Millionen Euro) und Russland (399 Millionen Euro) gefolgt von der Schweiz (358 Millionen Euro). Bei den Einfuhren war Brasilien der wichtigste Handelspartner (871 Millionen Euro). An zweiter Stelle folgten die USA (720 Millionen Euro) und Polen (489 Millionen Euro).

Der Agrarhandel mit den USA als größtem Einzelland hat sich gegen den Trend im Drittlandhandel entwickelt. Die Ausfuhren stiegen um 4,7 Prozent auf 430 Millionen Euro, während die Einfuhren nach Deutschland um 12,9 Prozent auf 720 Millionen Euro abnahmen.

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Agrarministerkonferenz: Bundeseinheitliche Regelung für Entkopplung als Ziel festgelegt

Themen: Archiv — info @ 12:09

Ausgestaltung bis November 2003 wird angestrebt

Rostock (agrar.de) – Auf der Agrarministerkonferenz (AMK) in Rostock-Warnemünde bedauerten die Agrarminister der Länder und Bundes den ergebnislosen Verlauf der Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation WTO in Cancun. Sie stellten jedoch fest, dass der vom EU-Rat beschlossene Vorschlag auch weiterhin den Verhandlungsrahmen für die Europäische Union darstellen soll. Einseitige Zugeständnisse seitens der EU dürfe es nicht geben. Auf WTO-Ebene müsse weiter auf Regelungen zu Umwelt-, Sozial- und Tierschutzstandards hingewirkt werden.

In der Frage der nationalen Ausgestaltung der EU-Agrarreform einigten sich die Agrarminister darauf, eine bundeseinheitliche Regelung für die Umsetzung der Entkopplung zu erreichen. ‚Die Reform ist ein Einstieg in ein gesellschaftsfähiges Modell, in dem die Gemeinwohlleistungen der Landwirtschaft vergütet werden‘, sagte Dr. Till Backhaus (SPD), Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern und amtierender Vorsitzender der AMK.

Unklar ist jedoch noch die Ausgestaltung des Prämiensystems und der Zeitrahmen. Es wurde deshalb vereinbart, dass die Bund-Länder-Arbeitsgruppe Entkopplung bis November 2003 offene Fragen untersuchen soll, insbesondere die Wirkungen auf bestehende Strukturen, die Umsetzung in der Verwaltung, die Regelung von Härtefällen sowie den möglicher Handel von Prämienrechten. Geprüft werden soll auch ein gleitender Übergang zu einer regionalen Flächenprämie und wie mögliche Prämienunterschiede zwischen den Regionen verringert werden können.

Eine abschließende Beratung der Agrarminister und Senatoren der Länder dazu ist für November vorgesehen, so dass möglichst noch in diesem Jahr ein Gesetzgebungsverfahren eingeleitet werden kann. ‚Das ist dringend notwendig. Die deutschen Bauern müssen wissen, wo es lang geht. Wir können uns kein Vakuum in der Entwicklung leisten‘, betonte Dr. Backhaus.

‚Allerdings hätte ich mir ein klares Bekenntnis zur vollständigen Entkopplung aller Prämien mit Beginn 2005 gewünscht‘, sagte Minister Backhaus. ‚Für mich ist ein Kombinationsmodell ein guter Weg, um Brüche zu vermeiden.‘ Danach sollte in einer Übergangsphase von 5 Jahren, spätestens aber 2012 ein Teil der für die tierische Erzeugung gesicherten Prämie nach dem Prinzip des Betriebsmodells zugeteilt werden. Anschließend sollte eine einheitlichen Flächenprämie gezahlt werden.

Mit der Agrarreform fällt ab 2004 die Roggenintervention in der Europäischen Gemeinschaft weg. Länder, in denen der Roggenanbau jedoch eine bedeutende Rolle spielt, haben die Möglichkeit, zehn Prozent der Modulationsmittel als Hilfe für die Roggenanbaugebiete zu gewähren. In Deutschland sollen diese Mittel – es wird von einem Betrag von bis zu 19 Mio. Euro in der Endstufe ausgegangen – entsprechend den Anbauverhältnissen in den einzelnen Bundesländern verteilt werden. Mecklenburg-Vorpommern erhält danach 12 Prozent der Mittel. ‚Wir freuen uns, dass die Länder unserem Kompromissvorschlag gefolgt sind. Wir haben damit eine gerechte Lösung für alle Standorte gefunden‘, sagte Backhaus.

Beschlossen wurde des weiteren, den Ausbau von energetisch nutzbaren nachwachsenden Rohstoffen weiter zu unterstützen und darauf hinzuwirken, dass die energetische Verwertung von Biomasse zukünftig stärker zum Einsatz kommt. Dabei soll insbesondere der Bereich der Forschung und Entwicklung in den Bereichen Bioenergie, biogene Kraftstoffe und Schmierstoffe, aber auch Verpackungsmaterialien sowie Bau- und Dämmstoffe weiter voran getrieben werden.

Die gerade in Kraft getretene europäische Freisetzungsrichtlinie für gentechnisch veränderte Organismen sowie der bevorstehende Fall ihres Einfuhrverbots in die Europäische Union bedeuten auch für Deutschland neue Rahmenbedingungen. Die Länder haben deshalb in Rostock die Bundesregierung aufgefordert, entsprechende Rahmenregelungen für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu schaffen. Vor allem die Frage der Haftung müsse geklärt werden. Europaweit ist es notwendig, zu möglichst niedrige Schwellenwerten zu kommen.

In der Frage der Legehennenhaltung wurde das Bundesministerium von den Ländern gebeten, die Bedingungen bei den unterschiedlichen Haltungsformen zu überprüfen und hierzu einen Bericht abzugeben. ‚Es geht mir nicht darum, die Käfighaltung von Legehennen gewissermaßen durch die Hintertür wieder einzuführen. Es geht vielmehr um die sachliche Analyse von Daten und Fakten sowie um die weitere Verbesserung der Haltungssysteme‘, sagte Landwirtschaftsminister Backhaus. Auch bei der Haltung von Legehennen müssen die Anforderungen des Tierschutzes und der Tiergesundheit erfüllt werden, d.h. es muss eine ausreichende Gesundheitsversorgung und ordnungsgemäße Pflege sicher gestellt sein. Die Haltungsbedingungen sollten sich außerdem an den Grundbedürfnissen der Tiere wie Scharren, Nestbau und ungestörte Eiablage ausrichten.

Links zum Thema Agrarbericht und Statistik, Links zum Bundesland Thüringen.

Lüneburger Erklärung zu Weidelandschaften und Wildnisgebieten verabschiedet

Themen: Archiv — info @ 09:09

Extensive Weidelandschaften – ein zukunftsträchtiges Konzept für Naturschutz und Landwirtschaft auch in Deutschland

Lüneburg/Hamburg/Bonn (agrar.de) – Nach Einschätzung der Fachleute werden großflächige, extensive Beweidungssysteme künftig eine wichtige Rolle bei dem Erhalt wertvoller Offenlandschaften in Europa spielen. ‚Es wird zudem deutlich, dass solche Beweidungssysteme auch geeignet sind, einer extensiven und damit naturverträglichen Grünlandnutzung in Deutschland neue Perspektiven zu öffnen‘, sagte Hardy Vogtmann, Präsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), anlässlich einer Tagung zu neuen Wegen der Kulturlandschaftspflege in Lüneburg. An der Veranstaltung nahmen 160 Experten aus Naturschutz und Landwirtschaft auf Einladung des Bundesamtes für Naturschutz und der Universität Lüneburg teil.

Nach Ansicht des BfN-Präsidenten müsse die Neuausrichtung der europäischen Landwirtschaft, die mit den Luxemburger Beschlüssen eingeleitet worden sei, konsequent weiterverfolgt werden. Darin läge eine große Chance für die Erhaltung einer artenreichen Kulturlandschaft, so Vogtmann.

Auf der Fachtagung an der Universität Lüneburg waren die Erkenntnisse aus zahlreichen Forschungs- und Modellvorhaben vorgestellt worden, die in den letzten vier Jahren insbesondere vom Bundesamt für Naturschutz und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zu dieser Thematik gefördert wurden. Als praktisches Beispiel wurde den Fachleuten das Modellprojekt ‚Halboffene Weidelandschaft Höltigbaum‘ bei Hamburg vorgestellt. In diesem Projekt der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, das vom BfN und den Bundesländern Schleswig-Holstein und Hamburg gefördert wird, beweiden Galloway-Rinder eines Ökolandbaubetriebes und Schafe ein ca. 220 ha großes Areal.

Zum Abschluss der Tagung machten die Teilnehmer in der ‚Lüneburger Erklärung zu Weidelandschaften und Wildnisgebieten‘ deutlich, wie die Rahmenbedingungen verändert werden müssen, damit solche Weidesysteme auch in Deutschland eine breite Anwendung in der Praxis finden können. Die wichtigsten Forderungen sind:

· Festsetzung regional einheitlicher, flächenbezogener Betriebsprämien für landwirtschaftliche Betriebe im Zuge der Umsetzung der Luxemburger Beschlüsse zur Agrarreform in Deutschland

Die Festsetzung regionalisierter flächenbezogener Betriebsprämien muss dabei die regional unterschiedlichen Standortbedingungen berücksichtigen. Betriebsspezifische Prämien, wie sie von anderer Seite gefordert werden, die sich an der Höhe der im Zeitraum von 2000 bis 2002 gezahlten Förderungen ausrichten, bewirken dagegen, dass die bisherige ungünstige Entwicklung von zunehmender Nutzungsaufgabe auf benachteiligten Standorten einerseits und immer intensiverer Bewirtschaftung auf landwirtschaftlichen Gunststandorten weitergeht. Durch die Einführung regionalisierter flächenbezogener Prämien kann die Voraussetzung für eine flächendeckend extensivere und damit nachhaltigere Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen geschaffen werden.

· Gezielte Förderung großflächiger extensiver Beweidungssysteme durch entsprechende Ausgestaltung der Agrarförderung

Die ökologische Leistung solcher Beweidungssysteme sollte durch einen Mix aus flächenbezogener Grünlandprämie und Leistungen aus den Agrarumweltprogrammen honoriert werden. Eckpunkt entsprechender Programme müssen u.a. die ganzjährige Beweidung mit regionalspezifisch festgelegten Beweidungsdichten, eine Mindestflächengröße von 20 bis 40 ha und eine Zulassung von bis zu 20 Prozent Gehölzanteil auf den zu fördernden Flächen sein.

Anpassung veterinär- und tierschutzrechtlicher Bestimmungen und der Viehverkehrsordnung an die besonderen Bedingungen großflächiger Weidesysteme Insbesondere die bestehenden Verpflichtungen zur zeitnahen Markierung von Kälbern, zur täglichen Kontrolle der Tiere und zur regelmäßigen Blutbeprobung müssen in geeigneter Weise für solche Beweidungssysteme modifiziert werden. Auch müsste die Entnahme von Tieren zur Vermarktung in großen bzw. sehr unübersichtlichen Gebieten durch Abschuss zugelassen werden.

· Entwicklung eines Verhaltenscodexes für Gebietsbetreuer von großflächigen Weidesystemen hinsichtlich der Tierbetreuung

Hinsichtlich des Umgangs mit kranken oder sterbenden Tieren in großflächigen Beweidungssystemen ist die Entwicklung eines bundesweit einheitlichen Verhaltenscodexes notwendig, der sowohl die artgerechte Haltung als auch die Großflächigkeit berücksichtigt. Dabei ist zwischen Gebieten mit einer landwirtschaftlichen Ausrichtung und Wildnisgebieten zu differenzieren.

· Neuregelung des rechtlichen Status von ‚halbwilden Nutztieren‘ in Wildnisgebieten

Um die naturschutzfachlichen Ziele in großflächigen ‚Wildnisgebieten‘ erfüllen zu können, sind neben den wild vorkommenden großen Pflanzenfressern auch robuste Pferde- und Rinderras-sen in den dafür vorgesehenen Gebieten einzusetzen. Diese Tiere sollen sich weitestgehend unbeeinflusst in sozialen Herden frei im Gebiet entwickeln können. Damit für sie ähnliche rechtliche Bestimmungen gelten wie für Wildtiere, ist es erforderlich, einen eigenen rechtlichen Status als ‚Halbwildtiere‘ auch auf der EU-Ebene zu verankern.

· Wiedereinbürgerung von Großtieren in Deutschland

Damit sich perspektivisch wieder großflächige Wildnisgebiete in Deutschland entwickeln kön-nen, ist die geeignete Wiedereinbürgerung ausgerotteter bzw. verdrängte Großtiere wie zum Beispiel Elch, Wisent, Luchs und Wolf zu fördern. Dem Rothirsch sollte eine flächendeckende Besiedlung aller geeigneten Bereiche in Deutschland ermöglicht werden.

· Anpassung naturschutz- und forstrechtlicher Bestimmungen an die Erfordernisse großflächiger Weidesysteme

Um großflächige, extensive Weidesysteme ohne Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen einrichten zu können, bedarf es der Anpassung einschlägiger Bestimmungen. So müssen Ausnahmen bei dem gesetzlichen Verbot der Beweidung bestimmter Biotoptypen für solche Systeme zugelassen werden. Dies gilt insbesondere für die Einbeziehung von Waldbeständen in solche Weide-landschaften. Auch bedarf es einer Anpassung forstrechtlicher Bestimmungen, um den Erhalt bzw. die Wiederherstellung von Hudewäldern unter Einbeziehung der großen Pflanzenfresser zu ermöglichen.

· Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit für Weidelandschaften und Wildnisgebiete

Die bislang mit großflächigen Weidesystemen im In- und Ausland gemachten Erfahrungen müssen einem breiten Publikum vermittelt werden. Zielgruppen sind hier neben dem Naturschutz insbesondere die Land- und Forstwirtschaft und der Tourismus. Die ‚Unordnung‘ von Wildnisgebieten stößt in der Bevölkerung, insbesondere im ländlichen Raum, vielfach auf Ablehnung. Daher muss für den naturschutzfachlichen Wert und die Schönheit von ‚ungepflegten Wildnisgebieten‘ offensiv geworben werden.

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26. September 2003

Backhaus: Haltungssysteme für Legehennen sollen verbessert werden

Themen: Archiv — info @ 16:09

Ziel ist ein einheitliches Prüfverfahren

Schwerin (agrar.de) – ‚Es geht nicht darum, die Käfighaltung von Legehennen gewissermaßen durch die Hintertür wieder einzuführen. Es geht um die sachliche Analyse von Daten und Fakten und um die weitere Verbesserung der Haltungssysteme‘, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus (SPD) am Rande der Agrarministerkonferenz am Freitag in Rostock. Die Länder Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern stellen auf der Agrarministerkonferenz in Rostock eine Erhebung der Tierärztlichen Hochschule Hannover vor, in der der Gesundheitsstatus und die Legeleistung von Legehennen in verschiedenen Haltungssystemen erfasst wurden.

Die Studie, die vom Land Niedersachsen in Auftrag gegeben wurde, gibt unter anderem Auskunft über Krankheitsfälle, zu Auffälligkeiten wie Federpicken sowie zu Kannibalismus und Tierverlusten. Die Daten stammen aus insgesamt 72 Betrieben mit Boden-, Freilandhaltung und herkömmlichen Käfiganlagen. Die Studie zeigt im Ergebnis, dass Impfungen und Behandlungen gegen Wurmbefall und Milben in der Boden- und Freilandhaltung üblich sind, während bei der Käfighaltung weitgehend darauf verzichtet werden kann. Verhaltensstörungen wie Kannibalismus und Federpicken sind außerdem in der Boden- und Freilandhaltung stärker verbreitet als in der Käfighaltung. Die Zahlen zeigen auch, dass die Tierverluste in der herkömmlichen Käfighaltung deutlich niedriger sind als in den anderen Haltungssystemen.

‚Da die herkömmliche Käfighaltung unter dem Gesichtspunkt der verhaltensgerechten Unterbringung der Tiere nachdrücklich abzulehnen ist, muss nach Lösungen gesucht werden, um die niedrigen Tierverluste der Käfighaltungen mit den Vorteilen der Volieren- und Freilandhaltung im Hinblick auf das Tierverhalten zu kombinieren‘, erklärt Landwirtschaftsminister Backhaus den Vorstoß. Das Ziel sei, ein Prüfverfahren für serienmäßig hergestellte Haltungssysteme für Legehennen einzuführen. Dieses soll dann allen Haltungssystemen offen stehen.

Damit soll gewährleistet werden, dass nur Stallsysteme zum Einsatz kommen, die die Anforderungen des Tierschutzes und der Tiergesundheit erfüllen, das heißt eine ausreichende Gesundheitsversorgung und ordnungsgemäße Pflege. Sie sollen außerdem den Grundbedürfnissen der Tiere wie Scharren, Nestbau und ungestörter Eiablage nachkommen können. Die Einführung dieses Prüfverfahrens ist im übrigen auch ein Ziel des Bundesverbraucherschutzministeriums gewesen, betont Minister Backhaus. Bereits 2001 war vom BMVEL angekündigt worden, im Rahmen einer entsprechenden Rechtsänderung eine Bundeseinrichtung mit den Prüfverfahren zu beauftragen. Bisher ist das Bundesministerium jedoch nicht aktiv geworden. ‚Die Folge sind Verzögerungen zu Lasten von Tierschutz und Tiergesundheit‘, sagt Minister Backhaus.

Landwirtschaftsminister Backhaus begrüßt ausdrücklich die Ankündigung der Lebensmittelkette Aldi, voraussichtlich ab 2006 auf Eier aus Käfighaltung zu verzichten. ‚Es darf jedoch nicht passieren, dass durch Preisdruck auf die Erzeuger sich die Haltungsbedingungen für die Legehennen insbesondere hinsichtlich der Pflege verschlechtern‘, sagte Minister Backhaus.

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EU: Rückgang der Ernte 2003 um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr

Themen: Archiv — info @ 16:09

Bedarf auf den Binnenmärkten wird gedeckt

Brüssel (agrar.de) – Die Getreideexperten von COPA und COGECA gaben gelegentlich der Sitzung der Ständigen Gruppe ‚Getreide‘ bei der EU-Kommission ihre jüngsten Ernteschätzungen bekannt. Desweiteren befassten sie sich mit den Entwicklungen des neuen Vermarktungsjahres, das am 1. Juli 2003 angelaufen ist.

Ernte 2003

Zusätzlich zu der Abnahme der EU-Getreideanbaufläche um ca 3 Prozent (rund 1 Million ha) herrschte eine Dürre vor, die grosse Ertragseinbrüche zur Folge hatte. Mit rund 186 Millionen t sind der EU Produktionsausfälle von über 23 Millionen t gegenüber der Vorjahresernte entstanden, was einem Rückgang um mehr als 10 Prozent entspricht. Beeinträchtigt wurden insbesondere Weichweizen mit 83 Millionen t gegenüber 93 Millionen t im Vorjahr (Rückgang um rund 10 Millionen t, d.h. 11 Prozent) und Mais mit 32,5 Millionen t gegenüber 41 Millionen t (Rückgang um ca 9 Millionen t, d.h. 21 Prozent).

Bei näherer Betrachtung ist festzustellen, dass unter den Grosserzeugerländern der EU Deutschland, Italien und Frankreich volumensmässig am härtesten getroffen wurden. Dies soll aber nicht verdecken, dass auch andere Länder wie bspw. Portugal katastrophale Verluste hinnehmen mussten.

Auf Gemeinschaftsebene sind mehr als 3/4 der Volumensrückgänge bei Weichweizen und rund 55 Prozent der Rückgänge bei Mais der Dürre in Frankreich zuzuschreiben, während rund 1/3 der EU-Produktionsminderungen bei Mais auf Italien entfallen. Bemerkenswert ist auch der konstante, deutliche Flächen- und Produktionsrückgang bei Roggen (EU-weit auf 3,3 Millionen t gegenüber 4,7 Millionen t, d.h. um nahezu ein Drittel), insbesondere in Deutschland. Dieser Trend spiegelt wider, dass die Erzeuger sich stufenweise auf die anstehende Änderung der Vorschriften einstellen.

Versorgung des Binnenmarkts

Diese geringe, im Vergleich mit vorigen Schätzwerten weit niedriger ausgefallene Ernte, soweit sich die Angaben zur Maisernte bestätigen, wird durch Importe unter obligatorischen Kontingenten von über 6 Millionen t und Verfügbarkeiten von mehr als 10 Millionen t im Rahmen der Überhangsbestände ergänzt.

Damit wird die EU in der Lage sein, der Binnennachfrage von rund 190 Millionen t zu begegnen – unter gleichzeitiger Aufrechterhaltung eines Exportstroms, der die Voraussetzungen für eine Präsenz gegenüber den üblichen Kunden bietet. Der Kommission bietet sich in diesem Wirtschaftsjahr auch die Möglichkeit, die Roggeninterventionsbestände in vollem Umfang wieder auf den Markt zu bringen.

Links zum Thema EU und Landwirtschat, Links zum Thema Verbände.

Höhn: Der Grenzwert beim Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen soll möglichst niedrig liegen

Themen: Archiv — info @ 16:09

Düsseldorf/Rostock (agrar.de) – Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn hat im Zusammenhang mit den Beratungen zum Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) auf der AgrarministerInnenkonferenz in Rostock den Beschluss begrüßt, nach dem sich die Bundesregierung auf EU-Ebene weiterhin für die Einführung eines Schwellenwertes für Saatgut an der technischen Nachweisgrenze, also einen möglichst niedrigen Wert, einsetzen solle.

Zur Koexistenz von gentechnisch veränderten Pflanzen und gentechnisch freiem konventionellem und ökologischem Anbau, setzte sich Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn für klare Standards ein:

‚Wer gentechnisch veränderte Pflanzen anbaut, muss nach dem Verursacherprinzip auch dafür aufkommen, wenn dem Nachbarn, der weiterhin gentechnikfrei anbaut, die Pflanzen durch Bienen- und andere Insektenbestäubung verunreinigt werden. Es kann nicht sein, dass jene, die auf den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen verzichten wollen, das Risiko für nicht gewünschte Verunreinigungen tragen.‘

Zudem sprach sie sich für die Einrichtung eines öffentlich zugänglichen Anbauregisters für gentechnisch veränderte Pflanzen, für den Schutz ökologisch sensibler Gebiete vor GVO-Anbau und für eine Sachkundenachweispflicht für Anwender von GVO aus.

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BUND: Länder wollen Hühner weiter in Käfige sperren

Themen: Geflügel — info @ 15:09

Berlin (agrar.de) – Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Absicht der Bundesländer, die Legehennenverordnung neu zu verhandeln, scharf kritisiert. Die von Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern vorgeschlagene Gesetzesänderung stelle den vor zwei Jahren beschlossenen Ausstieg aus der Käfighaltung in Frage. Ausgestaltete Käfige seien kaum besser als Legebatterien und dürften nicht zugelassen werden.

Hubert Weiger, agrarpolitischer Sprecher des BUND: ‚Die Landesminister haben sich von den Hühnerbaronen weich kochen lassen. Mit ihrem Votum für die Käfighaltung missachten sie den Tierschutz und stellen sich gegen den Willen der Verbraucher. Keiner will Eier von gequälten Hühnern. Das haben mittlerweile auch die Discounter gemerkt. Sogar Aldi will ab 2006 keine Eier mehr aus Käfighaltung verkaufen.‘

An Landwirtschaftsministerin Renate Künast appellierte der BUND, die erst 2001 beschlossene Legehennenverordnung nicht zu verändern. Ihre nächste dringende Aufgabe sei, auch die Standards in der Schweinehaltung über die EU-Mindestrichtlinien hinaus anzuheben. Weiger: ‚Es kann nicht angehen, dass einige wenige Bundesländer, in denen besonders viele Großanlangen für Legehennen stehen, Fortschritte bei der Hühnerhaltung gegen mögliche Fortschritte bei der Schweinehaltung ausspielen. Dadurch würden Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutz insgesamt geschädigt.‘

Der BUND fordert bei allen Tierhaltungsformen Zugang zu Freiland und Ställe mit getrennten Funktionsbereichen. Im Ökolandbau und bei der Erzeugergemeinschaft Neuland werde dies bereits erfolgreich praktiziert.

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