13. August 2003

Sachsen-Anhalt: Landvolkverband gegen Kürzungen an der Agrarfakultät in Halle

Themen: Archiv — info @ 09:08

Quedlinburg (agrar.de) – In einem persönlichen Brief hat der Präsident des Landvolkverbandes Sachsen-Anhalt, Kurt-Henning Klamroth, den Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Wolfgang Böhmer gebeten, die geplanten Kürzungen für die Agrarfakultät der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg im Rahmen der Hochschulstrukturplanung zurückzunehmen. Nach Einschätzung des Landvolkverbandes würden damit acht Professuren wegfallen, was mit einer Schließung der Fakultät gleichzusetzen wäre.

‚Die landwirtschaftliche Fakultät in Halle, hat sich nach der Wende von der ehemaligen ‚Kaderschmiede‘ für uneffektive sozialistische Großbetriebsstrukturen zu einer profilierten Universität für die Ausbildung von Betriebsleitern in den leistungsstarken bäuerlichen Betrieben der ostdeutschen Bundesländer, ebenso wie in der Ausbildung von Mitarbeitern für juristische Personen, entwickelt. Viele bedeutende Agrarwissenschaftler haben an der landwirtschaftlichen Fakultät in Halle gewirkt.

Die Stärkung dieser Fakultät ist nicht nur aus der Verantwortung der Geschichte als kulturelle Dimension zu verstehen, sondern sie ist auch gerade zur Bewältigung des Nachwuchsproblems in dem bedeutenden Wirtschaftszweig unseres Landes notwendig.

Daher muss die landwirtschaftliche Fakultät in ihren Möglichkeiten verstärkt werden und darf nicht Kürzungen der Haushaltsmittel bekommen. Schließlich ist die Agrarfakultät der Universität als weltweit bekannte renommierte agrarwissenschaftliche Ausbildungs- und Forschungsstätte auch ein Prestigeobjekt für unser Land,‘ so Präsident Klamroth abschließend.

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12. August 2003

Thüringen: Bericht zur Landentwicklung 2003 erschienen

Themen: Archiv — info @ 14:08

Erfurt (agrar.de) – Der ‚Bericht zur Landentwicklung 2003‘ für Thüringen ist erschienen. Alle Bereiche des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens in den ländlichen Gebieten sind dabei einbezogen. ‚Eine Land- und Forstwirtschaft, die auf Leistung, Wettbewerb, Umwelt und Verbraucherschutz zielt, ist nach wie vor ein wichtiger und gestaltender Faktor in den ländlichen Räumen. Stärkung der Wirtschaftskraft heißt aber auch Schaffen von Arbeitsplatzalternativen außerhalb des Agrarsektors. Darüber hinaus beteiligt sich die Landentwicklung aktiv an der ländlichen Regionalentwicklung. Die Unterstützung kommunaler Aktivitäten ist dabei ebenso bedeutsam wie eine nachhaltige Gestaltung der Umwelt‘, erklärte der Thüringer Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Dr. Volker Sklenar.

In vielen Regionen Thüringens ist Agrarproduktion – gerade auf schwierigen Standorten – aktive Landschaftsgestaltung. Eine negative Entwicklung befürchtet Minister Dr. Sklenar, wenn infolge neuer EU-Rahmenvorgaben die landwirtschaftliche Produktion stetig zurückgeht oder gar eingestellt werden muss. Arbeitsplätze gehen dann verloren. Die Kulturlandschaft könnte sich negativ verändern, ihr Erholungswert sinkt.

Dem will Dr. Sklenar entschieden entgegenwirken. ‚Wir wollen die Zukunft in unseren ländlichen Räumen nachhaltig gestalten. Dafür werden auch zukünftig die Instrumente der Landentwicklung erfolgreich eingesetzt‘, betonte der Minister.

Der Landentwicklungsbericht 2003 weist auch für den Zeitraum 2002 die Dorferneuerung als einen Eckpfeiler der Thüringer Landentwicklung aus. 1.700 Gemeinden kamen seit 1991 in die Förderung der Dorferneuerung. Weitere 83 Gemeinden und Ortsteile konnten in diesem Jahr die Urkunden als neuer Förderschwerpunkt für die Jahre 2005 bis 2009 entgegennehmen. Durch die Dorferneuerungsförderung konnten bereits vielerorts vorhandene funktionale und bauliche Mängel beseitigt werden. Die Dorferneuerung hat aber auch einen erheblichen Einfluss auf die strukturelle Entwicklung der Dörfer. Sie hilft, die Funktionen Leben, Arbeiten, Wohnen und Erholen nachhaltig zu erfüllen. ‚So kann es gelingen, die Menschen auf dem Lande zu halten und der Abwanderung, gerade junger Leute, entgegenzuwirken‘, ist sich Minister Dr. Sklenar sicher.

Wesentliche Abschnitte des Autobahnnetzes in Thüringen sind im Aus- und Neubau bereits fertig gestellt. Eine schnelle Realisierung dieser Verkehrsprojekte ist ohne begleitende Unternehmensflurbereinigungsverfahren häufig nicht möglich. 52 Flurbereinigungsverfahren sind derzeit in der Bearbeitung der drei Thüringer Flurneuordnungsämter Gotha, Meiningen und Gera.

Verfahren nach dem Landwirtschaftsanpassungsgesetz haben mittlerweile viele Landwirtschaftsbetriebe und Grundeigentümer von Eigentumskonflikten infolge getrennten Eigentums an Boden und Gebäuden befreit und Investitionen erst ermöglicht. Von den 5.300 Anträgen wurden bis jetzt bereits 4.200 Vorgänge erledigt.

Auch der ländliche Wegebau ist immer noch eine Schwerpunktaufgabe der Landentwicklungsverwaltung, sichert er doch den Landwirtschaftsbetrieben die Flurerschließung. Zugleich ist die landschaftsschonende Erneuerung des ländlichen Wegenetzes ein Beitrag zur Entwicklung, auch unter dem Gesichtspunkt der Naherholung. Bereits 1.100 km ländliche Wege wurden seit 1991 erneuert.

Die Privatisierung von ehemals volkseigenen landwirtschaftlichen Flächen ist ein weiteres Aufgabenspektrum. Dieses schafft vor allem Chancengleichheit für ortsansässige Wieder- und Neueinrichter von landwirtschaftlichen Betrieben. 5.500 ha wurden im Rahmen der Vermögenszuordnung in Landeseigentum übertragen und stehen als strukturpolitisches Instrument zur Verfügung.

Grenze, Mensch, Natur sind Schlüsselbegriffe für die integrierte Entwicklung im ‚Grünen band Thüringen‘ – dem ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen – geworden. Wie wichtig und richtig es ist, sich dieses Projektes anzunehmen, haben die vielen positiven Aktionen vor Ort gezeigt. ‚Wir werden weiter engagiert daran arbeiten, diesen wertvollen Biotopverbund zu erhalten und zu gestalten‘, so Dr. Sklenar.

Der ‚Bericht zur Landentwicklung 2003‘ kann bestellt werden beim: Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Referat 16 – Öffentlichkeitsarbeit, Beethovenstraße 3, 99096 Erfurt, Tel.: 0361-3799922, E-Mail.

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CDU zur Zukunft der Bio-Landwirtschaft in NRW

Themen: Archiv — info @ 14:08

Düsseldorf (agrar.de) – Mitteilung zum Pressegespräch mit dem umweltpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, Eckhard Uhlenberg:

‚I. Lage der Landwirtschaft ist dramatisch

Dürre bei den Bauern: Nach dem Agrar-Bericht der Bundesregierung gab es im Wirtschaftsjahr 2001/2002 einen Rückgang der landwirtschaftlichen Einkommen um 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In NRW mit seinen vielen Veredelungsbetrieben war es sogar ein Minus von 14 Prozent. Für das Wirtschaftsjahr 2002/2003 wird ein weiterer deutlicher Rückgang von mindestens 15 Prozent im Bundesdurchschnitt und zumindest 20 Prozent in NRW vorhergesagt.

Die dramatische Einkommenssituation ist Spiegelbild der schlechten Rahmenbedingungen, unter denen die Landwirte und ihre Familien bei Rot-Grün in Berlin und Düsseldorf wirtschaften müssen. Allein die von der Bundesregierung angekündigten Zusatzlasten in der landwirtschaftlichen Krankenversicherung, beim Agrardiesel und dem Steuerrecht zur Finanzierung der vorgezogenen Steuerreform und zum Stopfen der Löcher im Haushalt 2004 belasten die Landwirte in Deutschland mit mehreren 100 Millionen Euro. Die nordrhein-westfälische Landesregierung unterstützt im Bundesrat diese landwirtschaftsfeindliche Politik der Bundesregierung. Darüber hinaus betreibt sie selbst eine Politik gegen die Landwirte und ihre Familien, wie beispielsweise der aberwitzige Schweinehaltungserlass zeigt. Viele landwirtschaftliche Unternehmer investieren angesichts dieser Politik nur noch das Notwendigste in ihre Betriebe.

Die rot-grüne Agrarpolitik gefährdet die Existenz von landwirtschaftlichen Familienbetrieben, vernichtet Arbeitsplätze und führt zu Produktionsverlagerungen ins Ausland, wo der Stellenwert des Tier-, Natur- und Gesundheitsschutzes erheblich geringer ist als bei uns.

II. Alternativer Anbau – Ideologie und Populismus führen in die Sackgasse

Auch die alternativ wirtschaftenden Betrieb sind von der Krise betroffen. In NRW hat die ökologisch bewirtschaftete Fläche gegenüber 2001 um 16,5 Prozent zugenommen und erreichte Ende 2002 einen Stand von 45.000 Hektar (3 Prozent der Gesamtfläche). Die Zahl der Ökobetriebe in NRW lag Ende 2002 bei 1.212 (2,4 Prozent von 52.000 landwirtschaftlichen Betrieben).

Der Marktdruck auf Betriebe des ökologischen Landbaus hat sich in diesem und im vergangenen Jahr dramatisch verschärft. Die Preise sind teilweise im freien Fall. Folgende Preisentwicklung gab es 2002 im Vergleich zum Vorjahr:

Milch: bis zu – 20 Prozent, Rindfleisch: – 20 Prozent, Schweinefleisch: – 10 Prozent, Futtergetreide: bis zu – 20 Prozent, und Brotweizen bis zu – 10 Prozent.

Der von Bundesagrarministerin Künast am Beginn der BSE-Krise Ende 2000 propagierte Anstieg alternativ wirtschaftender Betriebe auf 20 Prozent aller Betriebe innerhalb weniger Jahre wurde von Umweltministerin Höhn unterstützt. Diese Politik war und ist geleitet von Ideologie und Populismus. Sie blendet die Wirklichkeit auf den Märkten – angefangen beim Verbraucher – vollkommen aus. Deshalb ist sie gescheitert.

Inzwischen müssen ökologisch erzeugte Produkte konventionell vermarktet werden, weil zu wenig Verbraucher bereit sind, höhere Preise für Öko-Produkte zu zahlen. Theorie und Praxis, Erklärungen in Umfragen und tatsächliches Kaufverhalten, stimmen nicht überein. Am Ende steht die bittere Erkenntnis, dass nirgendwo in Europa Lebensmittel so einseitig über den Preis und nicht über die Qualität verkauft werden wie in Deutschland. Heute werden gerade einmal 12 Prozent des Haushaltseinkommens für Nahrungsmittel ausgegeben (1950: über die Hälfte, 1970: knapp ein Drittel), davon landet rund ein Viertel bei den Landwirten (bei Getreide sogar nur 4 Prozent, also von einem 25-Cent-Brötchen gerade einmal ein Cent).

Natürlich ist das Problem von Dumping-Preisen bei Lebensmitteln auf die viel zu geringe Marktmacht der Landwirte gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel zurück zu führen. Aber es hat etwas mit falscher Politik zu tun, wenn insbesondere alt eingesessene Ökobetriebe aufgeben müssen, wenn andere Ökobetriebe wieder auf herkömmliche Bewirtschaftung umstellen und wenn von herkömmlicher Bewirtschaftung auf alternative Bewirtschaftung umstellende Betriebe den Umstellungsprozess wieder abbrechen.

III. Forderungen der CDU-Landtagsfraktion

1. Der Verbraucher entscheidet

Trotz immer neuer Förderprogramme zur Unterstützung des alternativen Landbaus sind wir heute von 20 Prozent Öko-Landbau weit entfernt. Der Umsatz von Bio-Produkten ist im Lebensmitteleinzelhandel seit 2000 am stärksten gestiegen. Und trotzdem ist der Anteil mit 1,7 Prozent am Gesamtumsatz von Lebensmitteln Ende 2002 noch immer verschwindend gering. Die alt eingesessenen Öko-Betriebe, die über die Naturkostläden, Reformhäuser und durch Direktvermarktung ihre Existenz sicherten, sind durch das von Grün-Rot verursachte Marktungleichgewicht ebenfalls in wirtschaftliche Not geraten.

Die CDU fordert die Landesregierung auf, mit ihrer Agrarpolitik den Rahmen zu setzen für eine nachhaltige und leistungsfähige Landwirtschaft. Hiervon profitieren herkömmlich und alternativ wirtschaftende Betriebe gleichermaßen. Über Erfolg oder Misserfolg von Produkten entscheidet letztlich der Verbraucher, entscheidet letztlich der Markt.

2. Öko-Dumping durch EU-weites Ökosiegel beenden

Im September 2001 wurde das europaweite Ökosiegel eingeführt. Es sollte nach grün-roter Lesart das Instrument sein, um den Öko-Landbau innerhalb weniger Jahre auf 20 Prozent explosionsartig zu steigern. Mit der Brechstange wurden gewachsene Vermarktungs- und Wirtschaftsstrukturen aufgebrochen.

Das EU-Ökosiegel erlaubt unseren europäischen Mitbewerbern im Gegensatz zur nationalen Regelung, dass nicht der gesamte Betrieb auf die alternative Wirtschaftsweise umgestellt wird, dass der Futterbedarf nicht vorrangig aus betriebseigenen Futtermitteln gedeckt wird, dass konventionelle Futtermittel verwendet werden und dass konventioneller Geflügelmist zum Einsatz kommt. Öko ist also nicht gleich Öko.

Wie die Marktmechanismen bei diesen Rahmenbedingungen funktionieren, zeigt folgendes Beispiel: Der Umsatz von alternativen Erzeugnissen im Lebensmitteleinzelhandel ist im vergangenen Jahr um 40 Prozent gestiegen, die Zahl der Bio-Höfe aber nur um 14 Prozent. Die steigende Nachfrage nach Öko-Produkten wird also zusehends auf niedrigem Niveau aus dem Ausland gedeckt und setzt die heimischen Betriebe unter Druck. Diese Wettbewerbsverzerrungen machen unseren Öko-Betrieben immer mehr zu schaffen.

Die CDU fordert die Landesregierung auf, endlich dafür zu sorgen, dass die EU-Standards des Öko-Siegels unverzüglich auf das nationale Niveau angehoben werden.

3. Öko-Siegel nur mit Herkunftsbezeichnung akzeptabel

Nach Auffassung der CDU muss das EU-Bio-Siegel mit einem regionalen oder nationalen Herkunftsnachweis versehen werden, bis das Ziel der europaweiten Vereinheitlichung erreicht ist. Die Verbraucher sollen frei entscheiden, ob sie ihr Geld für herkömmlich erzeugte Produkte, für Pseudo-Bioprodukte oder für tatsächlich alternativ erzeugte Nahrungsmittel ausgeben.

Der Herkunftsnachweis wird bislang von Frau Künast und Frau Höhn abgelehnt wegen angeblicher Vermarktungsprobleme des Lebensmitteleinzelhandels. In Baden-Württemberg gibt es dagegen die Herkunftsbezeichnung. Bei Grün-Grün fehlt es anscheinend am politischen Willen. Das Motto lautet: Lieber 20 Prozent Öko-Dumping als 5 oder 10 Prozent gewachsene Marktstrukturen durch richtige Bio-Produkte.

IV. Fazit

Die grün-rote Agrarpolitik muss den Irrweg von willkürlich und ideologisch motivierten Zielvorgaben für einen Marktanteil des alternativen Landbaus beenden. Angesichts knapper werdender öffentlicher Mittel sollte Agrarpolitik den Ordnungsrahmen dafür setzen, dass unsere Landwirte und ihre Familien als leistungsstarke und nachhaltige Unternehmer am Markt ein existenzsicherndes Einkommen erzielen – egal, ob sie alternativ oder herkömmlich wirtschaften.

Konkret wird es auf Bundesebene nach der Sommerpause. Zur Finanzierung des Haushalts und der vorgezogenen Steuerreform plant die rot-grüne Bundesregierung tiefe und ungerechte Einschnitte bei den Landwirten. Von der Verringerung des niedrigeren Steuersatzes beim Agrardiesel sind insbesondere die Biobetriebe als klassische Familienbetriebe betroffen. Ein Ökolandwirt benötigt in der Regel eben doppelt so viel Agrardiesel wie ein konventioneller Landwirt, da er Unkraut nur mechanisch bekämpfen darf. Auch die Abschaffung der vereinfachenden Umsatzsteuer-Pauschalierung und höhere Kosten bei der Krankenversicherung treffen insbesondere Biobetriebe als klassische Familienbetriebe.

Die Regierung Steinbrück/Höhn muss endlich einmal Position für die Landwirte und ihre Familien beziehen. Das gilt insbesondere für die Umweltministerin, die ja auch dem Agrarressort vorsteht. Machen Steinbrück/Höhn das nicht, werden sie zu Mittätern beim Anschlag auf den Agrarstandort NRW.‘

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Getreidemarkt: Blum kritisiert die aktuelle EU-Getreidemarktpolitik

Themen: Archiv — info @ 14:08

Koblenz (agrar.de) – Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau (BWV), Leo Blum, kritisiert scharf das Verhalten der EU-Kommission, die durch das Exportverbot für Getreide die Teilnahme der europäischen Getreidebauern am Weltmarkt und damit höhere Preise verhindere. Das sei eine nicht nachvollziehbare Vorgehensweise und zeige, dass die EU-Bürokraten kein Verständnis für die augenblicklich schwierige Situation der Landwirtschaft hätten, erklärte Blum.

Hintergrund des Exportverbotes für Getreide durch die EU ist, dass der internationale Getreiderat (IGC) seine Schätzung für die weltweite Produktion 2003/04 um 3,6 Mio. t auf rund 568 Mio. t zurückgenommen hat.

Gleichzeitig senkten die Londoner Marktexperten die Verbrauchsschätzungen um 5 Mio. t auf weltweit 591 Mio. t. Damit entsteht beim Weizen zwischen Angebot und Nachfrage die größte Lücke seit 30 Jahren! Daraufhin verteuerte sich der Weizen aus der neuen Ernte an der Terminbörse von Chicago, die als Welt-Leitbörse gilt, um 3,2 Prozent und kostet nun umgerechnet 11,69 Euro/dt (3,60 Dollar je Buschel). Damit überschreitet die Weizennotierung erstmals seit September vorigen Jahres die psychologisch wichtige Marke von 3,50 Dollar je Buschel Weizen. Innerhalb der letzten vier Wochen haben die Terminpreise damit um über 15 Prozent zugelegt.

Europäische Getreidebauern können diesen Preisvorteil nicht nutzen, da die EU-Kommission in der letzten Woche sämtliche Gebote für den Drittlandsexport – auch die mit Nullerstattungen, d.h. ohne jegliche Exportbeihilfe – von Getreide abgelehnt hat. Darüber hinaus wurden die Ausschreibungen bis auf weiteres ‚ausgesetzt‘ (unsere Meldung). Als Grund nannte die Kommmission die sich abzeichnende Knappheit bei Getreide auf dem europäischen Binnenmarkt. Sie entschied sich dafür, obwohl die Exporteure rund eine Million Tonnen Getreide ohne Exportbeihilfen geboten hatten. Die Kommission habe sich hierzu gezwungen gesehen, weil die EU nach den dürrebedingten Ernteeinbrüchen zum Nettoimporteur von Getreide zu werden drohe, so die Begründung aus Brüssel.

Präsident Blum kritisierte dieses Vorgehen der Kommission. ‚Man stelle sich vor, der Weizenpreis am Weltmarkt steigt und kein europäischer Landwirt darf daran teilhaben, obwohl gerade die EU-Kommission die Landwirte immer wieder auffordert, sich auf den Weltmarkt einzustimmen. Bei einem derzeitigen Weizenpreis in Rheinland-Pfalz von gerade einmal 8,50 bis 10, 00 Euro pro dt. wäre die Möglichkeit zur Teilnahme am Weltmarkt für den Getreidehandel von großem Vorteil und würde die Preise für die Landwirte deutlich verbessern. Das verhindert nun die EU Kommission durch ihren Exportstopp.

Der Gedanke der Kommission eventuell eine Exportsteuer zu erheben zeigt die geistige Haltung der Kommission. Sind die Preise am Weltmarkt tief, fordert sie die Produktion zu Weltmarktpreisen. Wenn sie aber steigen, schließt sie die Grenzen. Mit diesem Verhalten dreht die Kommission ihren eigenen Forderungen den Rücken zu. Dabei würde sich am Brotpreis nichts ändern. Selbst eine Verdoppelung des Getreidepreises würde das Mehl pro Brötchen nur um einen halben Cent, also unmerklich, verteuern,‘ so Blum. Sich auf solche Weise in den Markt einzumischen, laufe auch der Zielsetzung der Beschlüsse zur Agrarreform entgegen, nach denen das Handeln der Landwirte in Europa sich stärker am Weltmarkt orientieren solle. Die Kommission verspiele mit Ihrer Vorgehenswiese einmal mehr das Vertrauen der Landwirte.

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Schweinebestand in Sachsen deutlich über Vorjahresniveau

Themen: Archiv — info @ 13:08

Dresden (agrar.de) – Die sächsischen Landwirte halten nach Angaben des Statistischen Landesamtes 521.600 Rinder, 637.900 Schweine und 141.500 Schafe. Diese Angaben stammen aus einer Befragung von rund 10.000 landwirtschaftlichen Betrieben im Rahmen der Agrarstrukturerhebung im Mai dieses Jahres. Demgegenüber wurden 1990 in Sachsen noch 1,1 Millionen Rinder, 1,5 Millionen Schweine und 274.000 Schafe gezählt.

Binnen Jahresfrist erhöhten die sächsischen Betriebe mit Schweinehaltung ihren Bestand um 25.200 Tiere (vier Prozent). Letztmalig wurden im August 1994 mit 646.400 Schweinen mehr Schweine im Freistaat Sachsen ausgewiesen. Die Zahl der Ferkel erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr überdurchschnittlich um 19.200 auf 185.200 Tiere (zwölf Prozent). Dagegen sind in der Kategorie Jungschweine mit 172.200 Tieren gut 6.000 Stück (drei Prozent) weniger als im Mai 2002 erfasst. Eine positive Bestandsentwicklung ist auch in der Mastschweinehaltung ersichtlich. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich deren Zahl um 13.600 auf 198.200 Stück (sieben Prozent). Mit 81.500 Zuchtsauen wurden 1.500 Tiere (zwei Prozent) weniger als im Vorjahr gezählt.

In der sächsischen Rinderhaltung hielt der Bestandsabbau auch 2003 weiter an. In den letzten zwölf Monaten verringerte sich die Zahl der Rinder um 7.800 Tiere (1,5 Prozent) auf 521.600 Stück. Die Bestandsentwicklung verlief in den einzelnen Kategorien und Nutzungsrichtungen jedoch unterschiedlich. So verringerte sich die Zahl der männlichen Rinder über sechs Monate um 1.700 Tiere (vier Prozent) auf 37.700. Ebenfalls rückläufige Bestände sind bei den weiblichen Zucht- und Nutztieren über zwölf Monate zu verzeichnen. Deren Anzahl sank um 3.800 (drei Prozent) auf 113.800 Tiere. Auch in der Ammen- und Mutterkuhhaltung wurden mit 35.700 Kühen 1.000 Stück (drei Prozent) weniger als im Mai 2002 erfasst. Die Zahl der Kälber (unter sechs Monate) verringerte sich um knapp 700 (ein Prozent) auf 74.900. Demgegenüber ist bei den Milchkühen ein geringfügig höherer Bestand als im Vorjahr ersichtlich. Dieser erhöhte sich um 700 auf 209.100 Milchkühe. Die Haltung von Schlacht- und Mastkühen (1.200 Tiere) und weiblichen Schlachtfärsen über zwölf Monate (2.500 Tiere) spielt in Sachsen eine untergeordnete Rolle.

Insgesamt 141.500 Schafe werden in Sachsens landwirtschaftlichen Betrieben gehalten. Das sind 3.400 Tiere (gut zwei Prozent) mehr als zur Vorjahreszählung. Den größten Anteil am Schafbestand bilden die weiblichen Schafe zur Zucht einschließlich der Jährlinge mit fast 91.300 Tieren. Dies sind 1.600 mehr (zwei Prozent) als im Mai 2002. Auch in der Altersgruppe unter einem Jahr (einschließlich der Lämmer) ist mit 46.700 Tieren eine Bestandserhöhung um 1.500 (drei Prozent) ersichtlich. Weiterhin werden 1.500 Schafböcke zur Zucht und 1.900 Hammel und übrige Schafe gehalten.

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Gentechnik lässt Pflanzen der Dürre trotzen

Themen: Archiv — info @ 12:08

Bonn (agrar.de) – Wissenschaftler der Universität Bonn haben ein Gen identifiziert, das Pflanzen resistenter gegen Wassermangel macht. Sie konstruierten eine Variante, in der das Dürre-Gen häufiger abgelesen wurde. Erfreuliches Resultat: Die gentechnisch veränderte Modellpflanze trotzt der Trockenheit deutlich länger als die Wildpflanze. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe von ‚The Plant Journal‘ publiziert (Band 35 Ausgabe 4 Seite 452 ff). Langfristig können sie vielleicht zur Entwicklung trockenresistenter Nutzpflanzen beitragen.

Die Wiederauferstehungspflanze trägt ihren Namen zu Recht: Bei Wassermangel verdorrt der südafrikanische Rachenblütler zu einem unansehnlich bräunlichen Gewächs. Doch wenn nach Wochen oder Monaten der lang ersehnte Regen fällt, kehrt binnen weniger Stunden wie durch Geisterhand das Grün in die scheinbar toten Blätter zurück. Bis zu 95 Prozent ihrer Wasserreserven kann die Pflanze unbeschadet verlieren und fällt dabei in einen Tiefschlaf, in dem sie ihren Stoffwechsel nahezu auf Null zurückschraubt.

Der Notfallplan der Wiederauferstehungspflanze steht in ihrem Erbgut: Eine ganze Reihe ihrer Gene wird nur bei Wassermangel abgelesen, andere werden komplett abgeschaltet. ‚Indem wir schauen, welche Erbanlagen hauptsächlich bei Trockenheit aktiv sind, versuchen wir zu verstehen, welche molekularen Vorgänge die Pflanze so unempfindlich machen‘, erklärt Professor Dr. Dorothea Bartels vom Botanischen Institut der Universität Bonn. Ihre Arbeitsgruppe konnte so eine Erbanlage identifizieren, die bei Wassermangel weit häufiger abgelesen wird als sonst. Erstaunlicherweise fanden die Forscher bei der heimischen Ackerschmalwand ein Gen, das dem der Wiederauferstehungspflanze sehr ähnlich ist – ‚ein großer Glücksgriff‘, so Professor Bartels. Denn die Ackerschmalwand (wissenschaftlich Arabidopsis thaliana) ist gewissermaßen die Labormaus der Pflanzengenetiker: Ein einfach zu züchtender und genetisch leicht zu verändernder Modellorganismus, dessen Erbgut zudem schon komplett sequenziert wurde.

Das Dürre-Gen sorgt dafür, dass die Pflanze mit bestimmten Giftstoffen besser fertig wird, die sich unter Trockenstress vermehrt bilden. Es enthält den Bauplan für das Entgiftungs-Enzym Aldehyd-Dehydrogenase (ALDH). Die Bonner Wissenschaftler schalteten dem ALDH-Gen der Ackerschmalwand eine Art Turbolader vor, der dafür sorgt, dass es erheblich häufiger abgelesen wird. Mit Erfolg: Die gentechnisch veränderten Pflanzen produzierten nicht nur deutlich mehr ALDH, sie überstanden auch erheblich längere Dürreperioden. Erst nach 16 Tagen ohne Wasser waren sie komplett vertrocknet – die Wildpflanzen überlebten nur 12 Tage ohne das lebenswichtige Nass. Auch mit erhöhten Salzkonzentrationen – in Böden trockener Regionen ein häufig anzutreffendes Phänomen – wurden die Pflanzen mit dem Turbo-Gen besser fertig.

Langfristig können Ergebnisse wie diese vielleicht zur Entwicklung trockenresistenter Mais-, Weizen- oder Soja-Sorten beitragen. Bedarf besteht zur Genüge: Nach einer Studie des International Water Management Institute wird bis zum Jahr 2025 ein Drittel der Weltbevölkerung in wasserarmen Regionen leben. Tragischerweise sind gerade die Ärmsten der Armen besonders betroffen, die zum Überleben auf den Ertrag ihrer Felder angewiesen sind. Doch auch die Industrieländer bleiben von dieser Entwicklung nicht verschont: Allein der Dürre von 1983 fielen in den USA die Hälfte der gesamten Mais- und ein Drittel der Sojabohnen-Ernte zum Opfer – ein Schaden in Höhe von zehn Milliarden Dollar. Und die deutschen Landwirte rechnen angesichts der diesjährigen extremen Trockenperiode mit bis zu 80prozentigen Ernteeinbußen.

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BBA: Mit Tunnelspritzgeräten 20 bis 60 Prozent Spritzmittel sparen

Themen: Archiv — info @ 11:08

Braunschweig (agrar.de) – Zum ersten Mal hat die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) ein Pflanzenschutzspritzgerät in das bei ihr geführte Verzeichnis aufgenommen, mit dem die Abdrift des Pflanzenschutzmittels um 99 Prozent verringert werden kann. Bisher gab es nur Klassen mit 50-, 75- und 90-prozentiger Minderung. Bei dem Gerät handelt es sich um ein Tunnelspritzgerät der Lipco GmbH für den Obstbau mit 3,5 m Höhe.

Tunnelspritzgeräte gibt es bereits seit einigen Jahren auf dem Markt. In Deutschland, mit seinem insgesamt 30.000 Hektar umfassenden Apfelanbau, werden zurzeit aber nur ein bis zwei Dutzend Geräte tatsächlich verwendet, obwohl sie gegenüber normalen Geräten hohe Vorteile haben. Mit der Modernisierung des Gerätes und vor allen Dingen dem Einbau von Injektorspritzdüsen konnte die Abdrift und damit die Verbringung in die Umwelt auf bis 1 Prozent gegenüber Standardgeräten reduziert werden.

Mit Tunnelspritzgeräten werden 20 bis 60 Prozent Spritzmittel eingespart, teilt die Biologische Bundesanstalt in Braunschweig mit. Für den Landwirt bringt das Gerät außerdem den Vorteil, dass er damit einige Pflanzenschutzmittel in geringerem Abstand zu Gewässern ausbringen darf. Auf den Gewässerschutz wird durch die Prüfung und Zulassung von Pflanzenschutzmitteln großen Wert gelegt. Ein Mindestabstand zum Fluss oder Bach ist immer vorgeschrieben. Der einzuhaltenden Abstand ist mit Abdrift vermindernden Geräten geringer, ein großer Vorteil in einigen Obstbaugebieten, vor allem aber im Alten Land bei Hamburg mit den vielen Gräben.

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Sachsen-Anhalt: Landwirtschaftsministerium untersagt Anbindehaltung von Pferden

Themen: Archiv — info @ 11:08

Magdeburg (agrar.de) – Das Landwirtschaftsministerium Sachsen-Anhalts hat die dauerhafte Anbindehaltung von Pferden in sogenannten Ständern untersagt. ‚Diese Haltung ist nicht artgerecht‘, begründet Landwirtschaftsstaatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens den Erlass. Die Anbindehaltung schränkt Bewegungsbedürfniss und Sozialkontakte des Pferdes ein und verhindert das Wälzen zur Körperpflege sowie das Schlafen in Seitenlage. Untersagt ist auch das dauerhafte Anbinden auf der Koppel mittels Kette. Die Übergangsfrist für die Umstellung beträgt 24 Monate.

Die Anbindehaltung ist nur noch auf Turnieren oder anderen Veranstaltungen, zur Pflege und zur tierärztlichen Behandlung kranker und verletzter Tiere zulässig.

Die in Sachsen-Anhalt gehaltenen Pferde werden nahezu ausschließlich zum Sport oder zur Freizeitbeschäftigung genutzt. Die Nutzungsintensität ist dabei sehr unterschiedlich, deshalb muss die artgerechte Haltung besonders berücksichtigt werden. Das wird bei dem überwiegenden Teil der Pferde in Sachsen-Anhalt bereits berücksichtigt.

In Sachsen-Anhalt gibt es 19.783 Pferde aus Reit- und Fahrbetrieben, Pferdepensionen und sonstige Pferdehaltungen. Pferde in der landwirtschaftlichen Nutzung gibt es in Sachsen-Anhalt so gut wie keine mehr.

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Niederlande: Verlangsamtes Öko-Wachstum

Themen: Archiv — info @ 09:08

Voorburg (agrar.de) – Immer weniger Landwirte in den Niederlanden stellen auf ökologische Landwirtschaft um. Nach Informationen des dortigen Statistikamts in Voorburg stieg die Anzahl der Öko-Betriebe im Jahr 2000 um 15 Prozent, im Jahr 2001 um 13 Prozent und im Jahr 2002 nur noch um sechs Prozent auf 1.088 Betriebe. Dies entspricht etwa 1,2 Prozent alle Betriebe im Nachbarland.

Die bewirtschaftete Fläche der Öko-Betriebe stieg im Jahr 2002 um 15 Prozent, so wie im Jahr zuvor. Die Gesamtfläche beträgt nunmehr etwa 35.000 Hektar, etwa 1,8 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Während die Anzahl der Milchviehbetriebe – etwa die Hälfte der Öko-Höfe – nahezu unverändert blieb stieg das Interesse der Ackerbauern am Ökolandbau. Ihre Zahl wuchs um ein Drittel auf 155. Auch die Anzahl der Öko-Gartenbaubetriebe änderte sich kaum während die Zahl der Obstbetriebe und Baumschulen um 21 Prozent zulegte.

Die Bestände an Öko-Geflügel – sowohl Mastgeflügel wie auch Legehennen – verdoppelten sich im Jahr 2002 auf insgesamt etwa 600.000 Tiere, der Rindviehbestand stieg um 15 Prozent auf nahezu 42.000 Tiere, die Zahl der Öko-Schweine stieg um mehr als ein Drittel auf 29.000 Tiere. Der Milchziegenbestand erhöhte sich um ein Viertel auf etwas über 12.000 Tiere.

Den größten Zuwachs verzeichnete der Öko-Landbau in der Provinz Gelderland (47 Prozent) vor Nord Brabant, Zeeland ünd Südholland. In Groningen ging die ökologisch bewirtschaftete Fläche um 12 Prozent zurück. Die meisten Öko-Betriebe gibt es nach wie vor in Flevoland.

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DBV: Obstexperten erwarten geringere Apfelernte

Themen: Archiv — info @ 09:08

Kongress der europäischen Apfelwirtschaft: Preis aber auch zukünftig das wichtigste Einkaufselement

Köln (agrar.de) – Die diesjährige Apfelernte der Europäischen Union wird um etwa drei Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr, im Durchschnitt der letzten fünf Jahre ist die Ernte damit sogar um 11 Prozent geringer. Diese Erwartungen äußerten nach Informationen des Deutschen Bauernverbandes (DBV) die Kernobstexperten auf dem Prognosfruit-Kongress 2003, der vom 8. bis 9. August 2003 in Köln stattfand. An diesem traditionellen Kongress der europäischen Apfelwirtschaft zur Schätzung der europäischen Apfel- und Birnenernte nahmen über 250 Experten aus der EU, aus mittel- und osteuropäischen Ländern sowie aus Ländern der südlichen Hemisphäre und den USA teil.

Die europäische Apfelernte beträgt insgesamt 6,9 Millionen Tonnen im Marktobstbau, gegenüber 7,1 Millionen Tonnen im Jahre 2002. Größere Ertragsrückgänge erwarten die Experten im fünfjährigen Durchschnitt für die Apfelsorten Jonagold (- 21 Prozent), Boskop (- 32 Prozent), Cox (- 25 Prozent) Gloster (- 23 Prozent) und Golden Delicious (-13 Prozent). Ertragszunahmen sagten die Fachleute indes für die Apfelsorten Gala (+ 18 Prozent) und Braeburn (+ 23 Prozent) voraus.

Die deutsche Apfelernte 2003 sei aufgrund von Blütenfrösten, Alternanz (d.h. Schwankungen der Blütenbildung und des Ertrags im Verlauf mehrerer Jahre) und Hagel im mehrjährigen Vergleich unterdurchschnittlich. Größere Ertragserwartungen lieferten in Deutschland die Apfelsorten Jonagold (+ 11 Prozent), Boskoop (+ 22 Prozent), Cox (+ 85 Prozent), Gloster (+ 49 Prozent), Jonagored (+ 9 Prozent), Elstar (+ 9 Prozent), Golden (+ 2 Prozent) und Idared (+ 11 Prozent), Gala (+ 18 Prozent) und Braeburn (+ 46,6 Prozent).

Die bedeutendsten Apfelproduzenten in Europa sind Italien mit 2 Millionen Tonnen (- 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr), Frankreich mit 1,9 Millionen Tonnen (- 2 Prozent), Deutschland mit 867.000 Tonnen (+ 14 Prozent), Spanien mit 655.000 Tonnen (+ 2 Prozent). Die Niederlande erzeugen 385.000 Tonnen (+ 4 Prozent) und Belgien 274.000 Tonnen (- 21 Prozent).

Die Apfelernte der Beitrittsstaaten der Europäischen Union wird nach Expertenschätzungen gegenüber dem Vorjahr sechs Prozent höher sein. In Tschechien werde dagegen dasselbe Ernteniveau wie im Vorjahr erwartet, während in Ungarn Ertragseinbußen von sieben Prozent erwartet werden.

Der europäische Apfelmarkt werde auch mit der EU-Osterweiterung konfrontiert. In Litauen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn sei der Anteil von Industrieware mit etwa 70 Prozent sehr hoch. Die Apfelanlagen seien zum Teil stark überaltert. Der EU-Beitritt stelle den Apfelanbau in den Kandidatenländern damit vor große Herausforderungen. Vom EU-Beitritt werde für den Obstbau eine stabilere Marktsituation, ein erleichterter Warenaustausch, steigende Preise in den Beitrittländern und ein erleichterter Zugang zu modernen und zukunftsfähigen Sorten erwartet. Befürchtet würden aber auch eine zunehmende Konkurrenz, ein schnellerer Anstieg der Produktionskosten und höhere Qualitätsanforderungen auf dem Tafelapfelmarkt.

Die europäische Birnenernte wird voraussichtlich mit 2,19 Millionen Tonnen 9 Prozent weniger als im Vorjahr betragen. Die größten Birnenerzeuger sind Italien mit 894.000 Tonnen (-6 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und Spanien mit 596.000 Tonnen (-1 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Die Birnenernte der EU-Beitrittsstaaten schätzen die Experten auf etwa 92.000 Tonnen.

Ein Obstexperte aus den USA betonte, ‚dass der Weltapfelmarkt weiter expandieren wird‘. Nach derzeit 58 Millionen Tonnen Welterzeugung sind im Jahr 2005 mit etwa 66 und in 2010 mit etwa 70 Millionen Tonnen zu rechnen‘. Besonders in China werde das Produktionspotential bis 2010 ansteigen. Auch werde die Kaufentscheidung der Verbraucher für Äpfel in Zukunft stärker von Faktoren wie wellness, convenience und Sicherheit bestimmt.

Nach Ansicht der Referenten spiele auch die Qualitätssicherung für Obst- und Gemüse eine zunehmend wichtige Rolle. Im Herbst sei mit Leitfäden von der Qualität und Sicherheit GmbH für die einzelnen Stufen Erzeugung, Großhandel und Lebensmitteleinzelhandel zu rechnen.

Ein weiterer Diskussionspunkt waren die weltweit unterschiedlichen Standards, die einen dringenden Harmonisierungsbedarf darstellten. Die Experten waren sich einig, dass diese Standards zwar Glaubwürdigkeit und Harmonisierung in die Food-Kette bringe, der Preis aber auch zukünftig das wichtigste Einkaufselement bliebe.

Der Kongress ‚Prognosfruit 2003‘, der nach 12 Jahren wieder in Deutschland stattfand, wurde vom ‚Organisations-Komitee Prognosfruit‘ gemeinsam von der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse, dem Bundesausschuss Obst und Gemüse, der CMA Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft, der Deutschen Obst-Werbung, der Marktgemeinschaft Rheinland für Obst und Gemüse, dem Provinzialverband rheinischer Obst- und Gemüsebauern und der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle in Zusammenarbeit mit der europäischen berufsständischen landwirtschaftlichen und genossenschaftlichen Interessenvertretung COPA/COGECA durchgeführt.

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