31. Juli 2003

Niedersachsen: Heugewinnung nur noch von geringer Bedeutung

Themen: Archiv — info @ 16:07

Verfütterung vorrangig an Hobbytiere – Rinderhalter setzen auf Silage

Hannover (agrar.de) – Sengende Sonne lässt zurzeit die Wiesen verdorren. Auf vielen Grünlandflächen ist der zweite Schnitt nach Angaben des Landvolks Niedersachsen deshalb ausgeblieben oder hat zumindest nur geringe Erträge geliefert. Seit die Wiesen Ende Mai das erste Mal gemäht wurden, hat es vor allem im östlichen Niedersachsen kaum noch einen Wiederaufwuchs gegeben. Etwas besser sind der Norden und der Westen davon gekommen, dort konnte dank der besseren Wasserversorgung noch ein recht guter zweiter Schnitt eingefahren werden. Für die Heubereitung war die Witterung hingegen optimal, in kürzester Zeit war das gemähte Gras ‚knochentrocken‘. Wegen der günstigen Bedingungen dürfte deshalb nach Einschätzung des Landvolks auf Kosten der Silage in diesem Jahr etwas mehr Heu geworben worden sein.

Dennoch ist die Heubereitung heute nur noch von untergeordneter Bedeutung. Der Anteil des Heus am Winterfutter vom Grünland liegt nach Schätzung von Fachleuten allenfalls noch bei fünf Prozent. Seit Ende der 60-er bis Anfang der 70-er Jahre die Silagebereitung ihren Siegeszug antrat, ist die Heugewinnung mehr und mehr in den Hintergrund geraten. Vor 30 Jahren wurden schätzungsweise noch – mit regionalen Unterschieden – bis zu 40 Prozent des Wiesenaufwuchses als Heu geerntet. Vor allem der erste Schnitt wird heute fast ausschließlich als Silage gewonnen, denn hohe Milchleistungen erfordern allerbestes, energiereiches Futter und damit einen frühen Schnittzeitpunkt Anfang bis Mitte Mai. Die Witterungsbedingungen lassen die Heubereitung dann aber noch nicht zu. Auch der zweite Schnitt wird von den intensiven Milchviehbetrieben wegen des geringeren Wetterrisikos und der schlagkräftigen Erntetechnik in der Regel als Silage geerntet. Gleichwohl nutzen auch die Rinderhalter günstige Trocknungsbedingungen, um einen Teil des zweiten Schnittes als Heu zu gewinnen, denn in der Kälberfütterung hat das getrocknete Gras nach wie vor großen Stellenwert.

Größere Bedeutung hat das Heu lediglich noch für Pferde, die etwas älteres, gröber strukturiertes Futter bevorzugen. Für sie wird der erste Schnitt erst im Juni und dann als Heu geborgen. Aber auch die Pferdehalter entdecken zunehmend die Vorteile der Silage und stellen um. Etliche Bauern, die nach der Abstockung oder gänzlichen Abschaffung ihrer Rindviehbestände über restliches Grünland verfügen, haben die Pferdehalter längst als Kunden entdeckt, für die sie Heu bereiten und in kleinen Mengen ab Hof anbieten oder sogar ganze Wagenladungen frei Haus liefern. Aber auch die Hobbytierhaltung zählt zu den bevorzugten Abnehmern für Heu. Einige findige Bauern beliefern Heimtierhandlungen oder verpacken sogar kleine Mengen Heu in Tüten und haben sich damit einen recht lukrativen, wenn auch kleinen Markt erschlossen.

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