31. Juli 2003

DBV fordert Hilfsprogramm für Dürre geschädigte Landwirte

Themen: Archiv,Banken,Förderung — info @ 15:07

Trockenheit treibt Landwirte in den Konkurs

Berlin (agrar.de) – Alles läuft darauf hinaus, dass sich die Befürchtungen des Deutschen Bauernverbandes (DBV) über die Ertragsausfälle und Schadenshöhe bewahrheiten werden. Dies betonte der Stellvertretende Generalsekretär des DBV, Adalbert Kienle, bei der Vorlage der zweiten Erntemeldung im Rahmen eines Pressegesprächs am 30 Juli in Berlin. Insbesondere die Landwirte im Süden, Südwesten und im Osten Deutschlands stünden aufgrund der Trockenheit und den massiven Ertragsausfällen vor einer extrem schwierigen Situation. Aber auch in vielen Regionen im Westen falle die Ernte deutlich schlechter aus als im Vorjahr. Nach Schätzung des DBV wird die Getreideernte bundesweit sogar um 10 bis 15 Prozent unter der schlechten Vorjahresernte liegen, die durch Hochwasser und Starkregen beeinträchtigt war.

Das Wetter gehört zwar zum Risiko des Landwirts. Die jetzige Situation hebelt jedoch in einigen Regionen mit Ertragsausfällen bis zu 80 Prozent jede betriebswirtschaftliche Kalkulation und Erlössituation aus den Angeln. Unternehmerische Leistung allein reicht hier zur Existenzsicherung nicht mehr aus. DBV-Präsident Gerd Sonnleitner forderte deshalb in einem Interview mit dem Rheinischen Merkur für die wegen der Dürre in ihrer Existenz bedrohten Betriebe ein gemeinsames Hilfsprogramm von Bund und Ländern. Die Betriebe müssen den immensen Schaden nachweisen. Für alle übrigen Dürre geschädigten Betriebe bietet die Landwirtschaftliche Rentenbank verbilligte Kredite an, die der Berufsstand bereits angestoßen hat. Ebenso sollten alle EU-Direktzahlungen zeitlich vorgezogen werden, forderte Sonnleitner. Auch müssten die Möglichkeiten zur Stundung von Pacht, Steuern und Beiträgen zu den Sozialversicherungen genutzt werden, ebenso wie Transportzuschüsse zur Sicherstellung der Futterversorgung der Tiere.

In vielen Betrieben würden die finanziellen Mittel fehlen, um Löhne zu zahlen, den Kapitaldienst zu bedienen und in Vorleistungen für die neue Saat zu gehen, beschrieb Kienle vor Journalisten die aktuelle Situation der betroffenen Höfe. Ein Verschulden der Landwirte schloss er aus. Der Landwirt passe zum Beispiel über die Pflanzenwahl seine Kulturen den unterschiedlichen Standortverhältnissen und der regionalen Witterung an. Roggen sei ein Beispiel einer an die leichten, sandigen Standorte in Brandenburg und Vorpommern und dem generell niedrigeren Niederschlag angepassten Kultur. Darüber hinaus haben die Bauern in bewährter Weise bereits zur solidarischen Selbsthilfe gegriffen und mit Futterbörsen begonnen, die Futterversorgung der Tiere in besonders geschädigten Betrieben zu sichern.

Überdies erörtere der Berufsstand auch Versicherungsmöglichkeiten zur Abmilderung Existenz gefährdender Ertragsausfälle und habe bereits Pilotprojekte dazu angestoßen. Kienle bemängelte, dass eine Ertragsschadensversicherung aber bislang an der fehlenden Bereitschaft der Bundesregierung und des Bundeslandwirtschaftsministeriums, diese mitzutragen, gescheitert sei.

Der DBV wird mit der dritten Erntemeldung in ca. 14 Tagen eine vorläufige Abschlussbilanz der Ernte 2003 vorlegen.

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