25. Juli 2003

Saarland: Grün besucht dürregeschädigte Landwirte

Themen: Archiv,Saarland — info @ 10:07

Bundesregierung darf Bauern nicht weiter belasten

Saarbrücken (agrar.de) – Die Bundesregierung darf die Bauern, die derzeit unter der extremen Trockenheit zu leiden haben, nicht noch weiter belasten. ‚Es ist der falsche Zeitpunkt, wenn Ministerin Künast und Finanzminister Eichel die Bauern ausgerechnet jetzt zusätzlich zur Kasse bitten wollen‘, erklärte Grün.

Grün hatte sich heute beim Besuch zweier landwirtschaftlicher Familienbetriebe in Nohfelden-Eiweiler und Marpingen selbst ein Bild von den massiven Ernteausfällen gemacht, unter denen die Bauern im Saarland durch die Trockenheit zu leiden haben.

Umwelt-Staatssekretär Grün: ‚Viele Bauern haben gerade bei der für sie wichtigen Gewinnung von Grundfutter wie Silage und Heu erhebliche Einbußen zu verzeichnen. Teilweise müssen sie schon jetzt an die eigentlich für den Winter gedachten Futtervorräte rangehen. Was unsere Betriebe gegenwärtig sehr belastet, ist jedoch nicht allein die Trockenheit, sondern vielmehr die agrarpolitischen Rahmenbedingungen von Brüssel und Bonn/Berlin. Infolge der luxemburgischen Beschlüsse von EU und den Mitgliedstaaten am 26. Juni 2003 rechnen viele saarländische Milchviehbetriebe mit deutlichen Mindereinnahmen. Aber auch von den nationalen Planspielen der rot-grünen Bundesregierung wären die Saar-Bauern aufgrund ihres großen Strukturwandels besonders betroffen, wie etwa bei der in Diskussion befindlichen Erhöhung der landwirtschaftlichen Krankenkassenbeiträge um über 50 Prozent oder gar bei einer bei Agrardiesel-Steuererhöhung.‘

Was die Umsetzung der Luxemburger Beschlüsse anbelangt, setzt sich die Landesregierung bei den anstehenden Beratungen auf Bundesebene für eine vollständige Entkopplung der Direktzahlung von der Produktion ein und plädiert für bundeseinheitliche flächenbezogene Prämienzahlungen.

Neben der Entbürokratisierung der Agrarverwaltungen bietet die Einführung einer bundeseinheitlichen Flächenprämie die Chance, die Verteilungsgerechtigkeit der EU-Zahlungen an die Landwirtschaftsbetriebe zu verbessern. Die Bevorzugung von Ackerland gegenüber Grünland sowie von ertragsreichen gegenüber ertragsschwachen Standorten ist unter dem Aspekt der Entkopplung nicht mehr gerechtfertigt. Im Hinblick auf die von der Landwirtschaft erbrachten Gemeinwohlleistungen für die Allgemeinheit ist es nicht nachvollziehbar, in bevorzugten Ackerregionen – bezogen auf den Hektar – höhere Direktzahlungen zu gewähren als auf Grenzertragsstandorten. Grün: ‚Dies ist eine Wettbewerbsverzerrung, die es abzubauen gilt.‘

Umwelt-Staatssekretär Grün weiter: ‚Weitere von der Bundesregierung verursachte Wettbewerbsverzerrungen innerhalb Deutschlands können wir uns nicht mehr leisten. Das Saarland wird hier besonders wachsam sein!‘

Den Schwerpunkt der saarländischen Landwirtschaft bilden die so genannten Futterbaubetriebe mit ihrer Milch- und Fleischproduktion. Rund die Hälfte der Landesagrarfläche liefert dabei auf den rund 38.000 ha Dauergrünland Gras, Heu und Silage. Der erste Schnitt wies – in bestimmten Regionen – bereits Ertragseinbußen bis zu 30 Prozent auf. Ob es einen zweiten Schnitt geben wird, hängt von den Niederschlagsmengen in den nächsten Tagen ab. Grünfuttermangel kann dazu führen, dass bereits auf Wintervorräte zurückgegriffen werden muss bzw. Rinder vorzeitig verkauft werden müssen.

Bei der noch laufenden Getreideernte sind in bestimmten Regionen bis zu 30 Prozent Ernteausfälle zu erwarten; erst nach Abschluss der besonderen Ernteermittlung wird man genauere Ergebnisse haben. Bei den 3.000 ha Silomaisanbau wird es auf die kurzfristige Niederschlagsentwicklung ankommen. Von größeren Schäden beim heimischen Kartoffelanbau (max. 180 ha) werden nur wenige Betriebe – vorzugsweise im Kreis Saarlouis – betroffen sein.

Grün: ‚Was die Landwirte derzeit brauchen, ist Regen, Regen und nochmal Regen, damit zumindest der Mais noch ordentliche Erträge bringt.‘

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