Österreichs erfolgreicher Weg für die Zukunft abgesichert – Berechenbare Perspektive bis 2013
Wien (agrar.de) – Nach fast einem Jahr Diskussion konnten gestern, Donnerstag, in Luxemburg, die Verhandlungen der Agrarminister über die Zukunft der europäischen Agrarpolitik erfolgreich abgeschlossen werden. Von zentraler Bedeutung ist, dass es dabei gelungen ist, den österreichischen Weg einer bäuerlichen und naturnahen Landwirtschaft zu verteidigen und für die Zukunft abzusichern. Die Bauern bekommen mit diesem Ergebnis eine berechenbare Perspektive bis 2013 und in Teilbereichen auch darüber hinaus. So können sich die Konsumenten auch in Zukunft darauf verlassen, dass die heimischen Lebensmittel aus gesunder und intakter bäuerlicher Produktion stammen. Nach harten Verhandlungen und gemessen an den ursprünglichen Vorschlägen der Kommission liegt damit ein für die österreichische Landwirtschaft gangbarer Kompromiss vor, so Landwirtschafts- und Umweltminister Dipl. Ing. Josef Pröll in einer gemeinsam Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern Österreichs, Rudolf Schwarzböck sowie Fritz Grillitsch, Präsident des Österreichischen Bauernbundes über die Bewertung der Ergebnisse von Luxemburg.
Österreich konnte mit seiner grundlegenden Positionierung wesentliche Verbesserungen gegenüber den ursprünglichen Vorschlägen der Kommission erzielen. Dies gilt insbesondere für die strategischen Produktionsbereiche Milch, Rinder, Getreide und Nachwachsende Rohstoffe. Hier ist eine hervorragende Absicherung der österreichischen Interessen gelungen. Schließlich ist auch bei den problematischen Vorschlägen zur Totalentkoppelung aufgrund einer hartnäckigen und massiven Ablehnung und Kooperation mit Verbündeten gelungen, eine Entschärfung und Verbesserung herbeizuführen. Klar ist jedoch, dass nun auf nationaler Ebene umgehend Arbeiten an flankierenden Maßnahmen, insbesondere im Rahmen der bestehenden Programme der Ländlichen Entwicklung in Angriff genommen werden müssen – etwa im Bereich der Investförderung zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe.
Die Ergebnisse im Detail:
Milchmarktordnung bis 2014 gesichert
Österreich hat immer betont, dass die Verlängerung der Milchquote und Absicherung dieser Marktordnung die höchste Priorität hat.
Die Milch- und Rinderproduktion stellt knapp die Hälfte der landwirtschaftlichen Endproduktion dar. Deshalb war die Fixierung eines tauglichen Rahmens für die nächsten zehn Jahre von größter Bedeutung für unsere bäuerliche Landwirtschaft.
Mit der nunmehr beschlossenen Verlängerung der Milchquote bis 2014 konnte die Kernforderung der österreichischen Delegation realisiert werden. Entgegen den ursprünglichen Vorschlägen nach einer Aufstockung und weiterer massiver Preissenkungen konnte der Preis für die Verlängerung niedrig gehalten werden und zugleich vermieden werden, dass die Milchquote durch eine Aufstockung wie dies vorgeschlagen worden war ausgehöhlt wird und an Wert verliert.
Über sämtliche Quotenaufstockungen einschließlich der in der Agenda vereinbarten individuellen Erhöhungen wird erst später entschieden werden. Die Agenda Erhöhungen werden 2006 verwirklicht. Für den Rest bedarf es dann eines Vorschlags der Kommission.
Die Preissenkungen bleiben im Rahmen der Beschlüsse der Agenda 2000 lediglich bei Butter (der Fettkomponente der Intervention) wird der Interventionspreis stärker reduziert und damit auf die aktuellen Marktentwicklungen reagiert. Die Kompensation der Preissenkung beim Butterinterventionspreis liegt über den in der Agenda vereinbarten Ausgleichssätzen.
Die Milchquote ist die wichtigste Absicherung der Milcherzeugung in den benachteiligten Gebieten und Berggebieten. Mit der nunmehr vereinbarten Verlängerung wurde ein Auslaufen der Quote ab 2008 verhindert und eine Planungsperspektive für die heimischen Milchbauern geschaffen.
Damit ist auch gewährleistet, dass die Umsetzung der Milchquote in den neuen Mitgliedstaaten verwirklicht werden kann und damit insgesamt dieser wichtige Markt langfristig stabilisiert wird. Für die bäuerliche Einkommensbildung in Österreich ist die Quote von zentraler strategischer Bedeutung.
Mit der nunmehr ebenfalls beschlossenen Fixierung der Milchausgleichszahlung wird das Element der Direktzahlungen auch in diesem Marktsegment umgesetzt. Diese Direktzahlung bleibt bis zur vollständigen Umsetzung der Reform an die Produktion gekoppelt.
Getreide
Beim Getreide konnte im wesentlichen das Ergebnis der Agenda 2000 bestätigt werden. Es kommt zu keiner weiteren Preissenkung, da diese auch nicht durch die aktuelle Marktentwicklung gerechtfertigt wird. Österreich hatte Preissenkungen immer abgelehnt, weil dieser Sektor ohnehin weitestgehend zu Weltmarktbedingungen wirtschaften muss.
Damit sind auch für diese Marktordnung sichere planbare Bedingungen geschaffen worden, die für Stabilität sorgen.
Die Flächenstillegung als marktstabilisierendes Element bleibt entgegen den ursprünglichen Vorschlägen aufrecht und auch die Rotationsbrache bleibt erhalten. Österreich konnte auch durchsetzen, dass auf den stillgelegten Flächen nachwachsende Rohstoffe angebaut werden können. Dies ist für die Erfüllung der strategischen Ziele für den Bereich der nachwachsenden Rohstoffe und Energieträger von zentraler Bedeutung.
Auch die Bestimmungen über den Karbonkredit und die Eiweißpflanzenregelung entsprechen österreichischen Forderungen.
Horizontale Regelungen für die Direktzahlungen
Mit der neuen Verordnung über die Gemeinschaftsregelungen für die Direktzahlungen konnten ebenfalls österreichische Kernanliegen umgesetzt werden bzw. konnte in dieser Rahmenregelung der urspüngliche von Österreich vehement abgelehnte Vorschlag einer vollständigen Entkoppelung abgewendet werden.
Cross Compliance
Mit der neuen Rahmenregelung werden verpflichtende Mindeststandards für alle Mitgliedstaaten (auch die neuen MS) festgelegt. Mit einem einheitlichen Rahmen wird eine Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der Umwelt- und Qualitätsproduktion verhindert. Entgegen des ursprünglich sehr komplizierten Systems schwer kontrollierbarer unüberschaubarer gegenseitiger Verpflichtungen ist ein vor Ort realisierbarer Kontrollansatz gefunden worden, der in das bestehende Kontrollsystem eingebaut werden kann.
Modulierung
Österreich hat sich immer für eine Stärkung der zweiten Säule ausgesprochen. Mit dem nun vereinbarten System der Modulierung der Direktzahlungen werden Mittel aus der ersten in die zweite Säule umgelenkt. Dies erfolgt so, dass Betriebe bis 5.000 Euro aus der Modulierung ausgeklammert werden.
Der ursprüngliche Vorschlag der Degression also progressiven Kürzung zur Finanzierung von zusätzlichen Reformen konnte vorerst abgewandt werden. Über allfällige Reduktionserfordernisse wird aufgrund aktueller Marktentwicklungen zu entscheiden sein.
Vollständige Entkoppelung gefallen
Der Ansatz der Totalentkoppelung sämtlicher Direktzahlungen musste im Zuge der Verhandlungen zurückgenommen werden. Nunmehr wurde ein System einer differenzierten Betriebsprämie vereinbart, wie es viel besser den besonderen Bedingungen Österreichs entspricht.
Der Kulturpflanzenausgleich bei Ackerkulturen kann, wie das von Österreich auch als Möglichkeit angemeldet wurde vollständig entkoppelt werden wenn gewährleistet wird, dass auf den Flächen für die die Einzelbetriebsprämie gewährt wird, kein Obst und Gemüse und keine Speisekartoffeln angebaut werden.
Die Rinderprämien – insbesondere die von Österreich geforderte Mutterkuhprämie, welche besondere Bedeutung in den benachteiligten Gebieten hat, bleibt vollständig gekoppelt. Damit ist eine zentrale Forderung Österreichs umgesetzt worden.
Zusätzlich ist erreicht worden, dass die österreichische Mutterkuhquote um 50.000 Stück angehoben wurde. Dies ist vor allem aufgrund der nicht ausgenutzten Quoten bei der Sonderprämie männlicher Rinder möglich geworden und weil Österreich klar machen konnte, dass es beabsichtigt in diesem Bereich der extensiven nachhaltigen Rinderproduktion für das benachteiligte Gebiet Entwicklungsperspektiven zu geben.
Schließlich wurde seitens der Kommission auch die antragslose Abwicklung der gekoppelten Mutterkuhprämie zugesichert. Außerdem konnte eine flexible Nutzung der Kalbinnenprämie erreicht werden.
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