01. Mai 2003

Sommer: EU-Rat hat rot-grünen GVO-Blütenträumen die Flügel gestutzt

Themen: Archiv — info @ 12:05

Brüssel (agrar.de) – In der Debatte um die Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung Genetisch Veränderter Organismen (GVO) sowie Genetisch Veränderter Futtermittel hat die CDU-Europaabgeordnete und EVP-ED-Schattenberichterstatterin Renate Sommer eine durchwachsene Zwischenbilanz gezogen. So sei es grundsätzlich positiv zu bewerten, daß inzwischen auch die Sozialisten von ihrer Forderung nach einem Schwellenwert von 0,5 Prozent für die verpflichtende GVO-Kennzeichnung abgerückt seien. Wie von der EVP bereits in der ersten Lesung gefordert, habe sich der Rat mit einem nun im Gemeinsamen Standpunkt einstimmig festgelegten Schwellenwert von 0,9 Prozent pro Lebensmittelbestandteil dem ursprünglichen Kommissionsvorschlag von 1 Prozent ebenfalls angenähert.

Auch bei den GVO, die bereits wissenschaftlich positiv beurteit und damit als zulassungsreif eingestuft wurden, komme die vom Rat favorisierte Zulassungsschwelle von 0,5 Prozent den Vorstellungen der EVP-ED-Fraktion wesentlich mehr entgegen als die von Rot-Grün in der ersten Lesung des Parlaments durchgedrückte Nulltoleranz. Die geplante Einführung einer Übergangsfrist von maximal drei Jahren für eine endgültige Zulassung solcher GVO bezeichnete Renate Sommer angesichts des hohen Verwaltungsaufwands allerdings als unrealistisch. Die CDU-Europaabgeordnete kritisierte zudem die erneuten Änderungsanträge der sozialistischen Berichterstatterin im Hinblick auf die sogenannte Koexistenz konventioneller bzw. alternativer Anbaumethoden auf der einen und genetisch veränderter Pflanzen auf der anderen Seite: ‚Die Frage der Koexistenz muß an anderer Stelle diskutiert werden. Mit den Verordnungsentwürfen zur Kennzeichnung von Lebensmitteln hat dies nichts zu tun. Bei der Koexistenz geht es um die wirtschaftlichen Konsequenzen für die Landwirte im Falle einer zufälligen Vermischung von GVO, konventionellen Produkten und Ökoprodukten. Es ist grundsätzlich zu bezweifeln, daß EU-Regelungen bei den völlig unterschiedlichen regionalen Klima- und Anbaumethoden überhaupt sinnvoll sind‘.

Die EVP-Umweltpolitikerin lehnt zudem das Festhalten des Rates an der prozessbasierten Kennzeichnung auf Basis der reinen Rückverfolgbarkeit von GVO klar ab, denn diese sei ohne Zweifel der falsche Weg, der sich als nicht machbar erweisen werde. Sinnvoll sei statt dessen nur eine produktbasierte Kennzeichnung auf Grundlage der tatsächlichen wissenschaftlichen Nachweisbarkeit, zumal es sich in der Praxis klar erwiesen habe, daß es zum Beispiel bei Schüttgütern oder durch Winde zur unbeabsichtigten Übertragung von GVO kommen könne. ‚Die Existenz genetisch veränderter Substanzen in der Landwitrtschaft und bei der Lebensmittelproduktion ist längst eine Tatsache und kann nicht mehr wegdiskutiert werden. Dem sollte das Europäische Parlament durch realistische Forderungen ohne ideologische Scheuklappen Rechnung tragen‘, unterstrich Renate Sommer abschließend.

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Geänderte Geflügelpest-Verordnung tritt in Kraft

Themen: Archiv,Tierseuchen — info @ 12:05

Berlin (agrar.de) – Seit gestern (30.04) sind erweiterte Vorschriften zum Schutz vor der Geflügelpest in Kraft. Damit gelten jetzt folgende Regelungen:

– Die bereits bestehende Verpflichtung, die Haltung von Hühnern, Puten, Enten und Gänsen der zuständigen Behörde anzuzeigen, wird auf die Haltung von Fasanen, Rebhühnern, Wachteln und Tauben ausgeweitet. Dies gilt auch für die Hobby-Haltung dieser Geflügelarten. (Url1%Meldebogen zum Download%/%)

– Sofern in einem Bestand der genannten Geflügelarten erhöhte Verluste oder eine Verringerung der Leistung auftreten, ist der Tierhalter verpflichtet, dies der zuständigen Behörde mitzuteilen und eine Untersuchung auf die Klassische Geflügelpest durchführen zu lassen.

– Die Durchführung von Geflügelmärkten, Geflügelschauen und ähnlichen Veranstaltungen, auch von Brieftauben-Flugveranstaltungen, ist verboten. Ausnahmen können von den zuständigen Behörden genehmigt werden.

– Geflügel und Bruteier dürfen nur transportiert werden, wenn der Bestand innerhalb von 24 Stunden vor dem Transport tierärztlich untersucht worden ist und keine Hinweise auf Geflügelpest vorliegen. Der Transport ist der zuständigen Behörde mindestens einen Werktag vorher anzuzeigen. Die benutzten Transportfahrzeuge sind unmittelbar vor und nach jedem Transport zu reinigen und zu desinfizieren.

– Alle Geflügelhalter (auch Hobby-Halter) haben ein Register zu führen, in das sie Zu- und Abgänge von Geflügel mit Namen und Anschrift des bisherigen Besitzers, des Erwerbers sowie des Transportunternehmers einzutragen haben. Zudem ist der Besuch betriebsfremder Personen einzutragen.

– Das Inverkehrbringen von Geflügel ohne vorherige Bestellung durch ‚fliegende Händler‘ wird verboten. (Ausnahmegenehmigungen durch die zuständige Behörde sind möglich.)

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DBV fordert weiterhin EU-weite Positivliste für Futtermittel

Themen: Archiv — info @ 11:05

Kritik an Bericht der EU-Kommission

Berlin/Brüssel (agrar.de) – Um die Sicherheit von Futtermitteln und deren Ausgangsstoffe zu erhöhen, hält es der Deutsche Bauernverband (DBV) nach wie vor für notwendig, EU-weit eine Positivliste für Einzelfuttermittel nach deutschem Vorbild einzuführen. In der vergangenen Woche wurde von der Europäischen Kommission ein Bericht veröffentlicht, in dem sie einer EU-Positivliste keine weitere Verbesserung der Futtermittelsicherheit beimisst und sie deshalb ablehnt. Die Argumentation des Berichtes kann seitens des DBV nicht nachvollzogen werden. Die ablehnende Haltung der Kommission stößt auch deshalb auf Unverständnis, weil die EU-Kommission in ihrem Bericht durchaus den Nutzen durch eine EU-Positivliste im Hinblick auf die Rückverfolgbarkeit und die Etikettierung von Futtermittelausgangsstoffen anerkennt sowie Betrügereien im Handel mit Futtermitteln verurteilt. Mit ihrem ablehnenden Votum vergibt die Kommission die Chance, die Transparenz und Sicherheit von Futtermitteln europaweit zu verbessern und zu erhöhen, kritisiert der DBV. Denn eine Positivliste für die Ausgangsstoffe von Futtermitteln trägt entscheidend zu mehr Transparenz und Sicherheit innerhalb der Lebensmittelkette bei.

Deshalb hat die deutsche Land- und Futtermittelwirtschaft für Mischfuttermittel aus heimischer Produktion eine Positivliste entwickelt, in der Herkunft und Herstellungsverfahren aller Einzelfuttermittel eindeutig beschrieben und mögliche Risiken genannt werden müssen. Jedes Produkt wird einer Risikobewertung unterzogen, bevor es in die Liste aufgenommen wird. Diese Positivliste ist im Prüfzeichen “Qualität und Sicherheit“ (QS) elementarer Bestandteil der Kriterien. Landwirte und Futtermittelhersteller, die sich bei QS beteiligen, dürfen ausschließlich nur die Futtermittel verwenden, die in der von der Normenkommission für Einzelfuttermittel herausgegeben Positivliste aufgeführt sind. In diesem Gremium sind Fachleute aus den beteiligten Wirtschaftszweigen vertreten, die den einheitlichen Standard für die Beschreibung und die Qualität von Futtermitteln definiert haben.

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Niedersachsen ist das Eierland Nummer Eins

Themen: Archiv — info @ 10:05

Bundesdeutscher Marktanteil liegt bei 37 Prozent – Verbraucher kaufen Käfigeier

Hannover (agrar.de) – Niedersachsen hat auch im Jahr 2002 trotz leichter Einbußen seine Position als Eierland Nummer eins behauptet. Nach Ermittlungen des Landvolkverbandes lag die Eierproduktion bei 3,72 Milliarden Stück gegenüber 3,75 Milliarden Stück im Jahr 2001. Mit einem Marktanteil von 37 Prozent liegt Niedersachsen mit weitem Abstand vor der zweitwichtigsten Eierregion Sachsen mit einer Produktion von 1,02 Milliarden Eiern und einem Marktanteil von rund zehn Prozent.

Nach Erhebungen der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) konnte Nordrhein-Westfalen trotz eines Produktionsrückganges um fast vier Prozent den dritten Platz verteidigen. Die Erzeugung sank von 948 Millionen Eiern in 2001 auf 911 Millionen Eier im vergangenen Jahr. Auch die bayrischen Hühner mussten Federn lassen, hier sank die Produktion im Vergleichszeitraum von 903 Millionen Eier auf 878 Millionen. Ebenfalls rückläufig war die Erzeugung in Brandenburg, sie sank um zwei Prozent auf reichlich 777 Millionen Eier. In den genannten fünf Bundesländern fielen fast drei Viertel aller in Deutschland erzeugten Eier an.

Insgesamt betrug die deutsche Eierproduktion in Betrieben mit mehr als 3.000 Hennenhaltungsplätzen 9,93 Milliarden Stück, 1,9 Prozent weniger als im Vorjahr mit 10,12 Milliarden Stück. Die Zahl der Plätze in der Hennenhaltung belief sich im vergangenen Jahr auf 40,79 Millionen, davon entfielen rund 14 Millionen auf Niedersachsen.

Doch nicht nur die Produktion, auch die Eierkäufe der deutschen Haushalte sind im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Die ZMP schätzt den Absatzeinbruch auf rund sechs Prozent. Während bei den Eiern aus Käfighaltung nur ein Minus von 2,4 Prozent zu verzeichnen war, lag der Rückgang bei den Alternativ-Eiern bei 5,5 Prozent. Die Tendenz zur ‚Schnäppchenjagd‘ hat auch die Entwicklung der Einkaufsstätten für Eier beeinflusst. Auf den erzeugernahen Absatzwegen, wie z.B. direkt beim Bauern oder auf dem Wochenmarkt, kauften die Haushalte im vergangenen Jahr deutlich weniger Eier. Starke Einbußen mussten ebenso Verbrauchermärkte und der traditionelle Lebensmitteleinzelhandel hinnehmen. Gewinner waren hingegen die Discounter. Nach Ermittlungen der ZMP gehen inzwischen zwei Drittel der im Lebensmitteleinzelhandel gekauften Eier über die Kassentische der Discounter.

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DBV: Bevölkerungswachstum verlangt Intensivierung des Ackerbaus

Themen: Archiv — info @ 10:05

FAO-Studie zur Weltlandwirtschaft

Berlin (agrar.de) – Bis zum Jahr 2030 wird die Weltbevölkerung von derzeit 6,2 Milliarden Menschen auf 8,3 Milliarden Menschen ansteigen. Dies geht aus der neuesten FAO-Studie ‚Weltlandwirtschaft 2015/2030‘ hervor, wie der Deutsche Bauernverband (DBV) mitteilte. Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln wird sich deshalb in den kommenden 27 Jahren um 60 Prozent vergrößern. Der Nachfrageschub hat nach FAO-Einschätzung vor allem als Ursache das Bevölkerungswachstum und die Notwendigkeit, die bislang rund 800 Millionen unterernährten Menschen besser zu versorgen. Zudem wird mit stärkerem Wirtschaftswachstum einiger Entwicklungsländer die Kaufkraft zunehmend steigen und werden die Verbraucher höherwertige Lebensmittel wie Fleisch und Fleischprodukte nachfragen. Damit nimmt weltweit auch der Futtergetreideeinsatz zur Erzeugung von tierischem Eiweiß zu. Die Steigerung des Nahrungs- und Futtermittelangebotes muss vor allem aus der bäuerlichen Landwirtschaft der Entwicklungsländer selbst kommen, stellt die FAO fest. Nach Meinung der meisten Fachleute sind dazu die Flächenerträge durch eine ökologisch verträgliche Intensivierung zu steigern, da der Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfläche, vor allem des Ackerlandes, Grenzen gesetzt sind.

Gegenwärtig werden weltweit ca. 1,5 Milliarden Hektar Land als Ackerland und für Dauerkulturen genutzt; 3,4 Milliarden Hektar sind Weideland. Die Ackerlandfläche entspricht etwa 11 Prozent der Landoberfläche der Erde und könnte nach einer neuen Einschätzung des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse in Wien theoretisch zwar aus-geweitet werden, jedoch ohne die notwendige Ertragskraft zu erreichen. 2,8 Milliarden Hektar ständen noch einmal zur Verfügung, die je nach Bodengüte, Topografie und Kli-mabedingungen unterschiedlich stark für den Ackerbau genutzt werden könnten. 45 Prozent dieser Flächen sind derzeit von Wald oder Buschland bedeckt, 12 Prozent sind Schutzgebiete. Es ist ökologisch ratsam, die vorhandene Walddecke aus Gründen des Boden- und Klimaschutzes zu erhalten. Selbst wenn ein Teil dieser Flächen demnächst ackerbaulich genutzt werden müsste, ist ihr Ertragspotenzial nicht sehr hoch. Denn die Böden zum Beispiel unter tropischem oder subtropischem Wald sind von geringer Fruchtbarkeit und erosionsgefährdet, darauf wachsende Nutzpflanzen wären einem starken Krankheits- und Schädlingsbefall ausgesetzt.

Die für die landwirtschaftliche Nutzung verfügbaren Landreserven sind über die einzelnen Regionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sehr unterschiedlich verteilt. Die prognostizierte Flächenausdehnung bis zum Jahr 2030 wird zu 80 Prozent in afrikanischen Ländern südlich der Sahara und in Lateinamerika erfolgen. Bis dahin werden die Flächenreserven in Südasien, in Nahost und in Nordafrika durch weitere Erschließung auf wenige Millionen Hektar geschrumpft sein. Nach Einschätzung der FAO-Experten müsste die Mehrproduktion von Nahrungsmitteln deshalb zu 80 Prozent aus höheren Flächenerträgen kommen. Vor allem in Entwicklungsländern mit geringen Flächenreserven werde die In-tensität des Ackerbaus anwachsen, weil zum Beispiel die Bracheperioden kürzer seien und der Mehrfachanbau sowie die Bewässerungslandwirtschaft zunehmen würden.

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Scheele: Gentechnik-Verbraucherschutz ohne Einbeziehung der Landwirtschaft undenkbar

Themen: Archiv — info @ 09:05

Wien/Luxemburg (agrar.de) – Die Frage der Koexistenz von gentechnik-freier und Gen-Landwirtschaft bleibt ein wichtiges Thema in der europäischen Verbraucherschutz-Debatte: Dies wurde bei den derzeitigen Beratungen zur ‚Verordnung über genetisch veränderte Lebens- und Futtermittel‘ im Europäischen Parlament deutlich.

‚Ich habe im zuständigen Verbraucherschutz-Ausschuss nachdrücklich darauf hingewiesen, dass ich in dieser Frage eine europaweite Lösung für notwendig erachte, erklärte Karin Scheele, SPÖ-Europaabgeordnete und Gentechnik-Berichterstatterin im Europäischen Parlament. Hier wird derzeit in 2. Lesung der ‚gemeinsame Standpunkt‘ des Ministerrats diskutiert. ‚Eine europäische Regelung zur Koexistenz muss einheitlich sein, aber dennoch genügend Flexibilität für regionale Besonderheiten bieten.‘ Es sei zwar erfreulich, dass der ‚gemeinsame Standpunkt‘ sehr stark die Handschrift des EP trage, aber in der Frage der Koexistenz ‚hat der Ministerrat unsere Änderungsanträge nicht angenommen‘, stellt Scheele fest.

Die Argumente von Gegnern einer europäischen Regelung sind aus Scheeles Sicht nicht stichhaltig: ‚Es stimmt zwar, dass es bei der Frage der Koexistenz primär um Landwirtschaft und nicht um Verbraucherschutz geht, beide Bereiche sind aber eng miteinander verzahnt.‘ So hatte etwa EU-Landwirtschaftskommissar Fischler erst vor kurzem betont, dass die Landwirte die ersten in der Kette seien, um die Wahlfreiheit der Konsumenten zu gewährleisten. Scheele: ‚Und echte Wahlfreiheit kann es nur geben, wenn die landwirtschaftliche Produktion so geregelt ist, dass der Konsument weiß, woran er ist.‘

‚Schwer ausrottbare Missverständnisse‘ ortet Scheele in einem anderen Bereich: ‚Bei der Frage des Grenzwertes für eine technisch nicht vermeidbare und zufällige Kontaminierung von Lebens- und Futtermitteln gibt es offenbar noch immer Unklarheiten. Deshalb kann es nicht oft genug wiederholt werden, dass es bei den derzeit diskutierten 0,9 Prozent nicht um die absichtliche und bewusste Verwendung genetisch veränderter Zutaten geht. Vielmehr handelt es sich um einen Grenzwert für unbeabsichtigte Verschmutzungen.‘

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