Santa Cruz (agrar.de) – Der wachsende Einsatz gentechnisch-veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft wird zu einer ernsten Bedrohung für den Öko-Landbau. Das belegt eine aktuelle, landesweite US-Studie (’4th National Organic Farmers Survey’) der Organic Farming Research Foundation (OFRF). Darin bewertet ein Drittel der befragten Biobauern die mögliche Gefahr einer Verunreinigung ihrer Produkte durch gentechnisch-veränderter Organismen (GVO) als ‘hoch’ bis ‘sehr hoch’.
Weltweit gelten für den Öko-Landbau strenge Regeln, die unter anderem die Verwendung von Pflanzen mit rekombinierter DNA, wie sie im Rahmen der ‘Grünen Gentechnik’ verwendet werden, auschließen. Für die Produkte der Biobauern gibt es zudem sehr strenge Werte für mögliche Verunreinigungen ihrer Produkte mit GVO.
‘Als wir 1998 dieselbe Umfrage auswerteten waren GVO noch kein nationales Thema’, sagt OFRF-Direktor Bob Scowcroft. ‘Die aktuelle Befragung, die auf dem Erntejahr 2001 basiert, zeigt uns, dass sich ein signifikanter Einfluß in einem sehr kurzen Zeitraum ergab. Wenn sich dieser Trend fortsetzt ist das, was wir jetzt feststellen, nur die Spitze des Eisbergs.’
In der OFRF-Umfrage gaben 17 Prozent der Befragten an, dass sie – zumeist auf Initiative von Abnehmern oder Zertifizierern – bereits Saatgut oder andere Betriebsmittel auf die Anwesenheit von GVO untersuchen ließen. Elf Prozent davon berichten von positiven Resultaten bei diesen Tests.
Acht Prozent gaben an, dass ihren Öko-Betrieben direkte Kosten oder Schäden durch die Gegenwart von gentechnisch-veränderten Materialien entstanden sind. Die Beeinträchtigungen reichen von den Kosten für die Reinheitsuntersuchungen bis zum Verlust des Status als Öko-Betrieb durch verunreinigte Produkte oder Betriebsmittel.
48 Prozent der Befragten berichten, dass sie bereits Maßnahmen getroffen haben, um ihre Produktion vor GVO-Verunreinigungen zu schützen. 24 Prozent gaben an, sich mit ihren Nachbarn über Risiken und geeigneten Maßnahmen auseinandergesetzt haben, 19 Prozent haben die Pufferzonen zu GVO-Nachbarbetrieben vergrößert, 15 Prozent haben den Zeitplan ihres Anbaus verändert, 13 Prozent änderten die Fruchtfolge bzw. die angebauten Fruchtarten und neun Prozent wechselten den Standort für ihre Kulturen. Nur zehn Prozent der Befragten waren der Überzeugung, dass die offiziellen Regelungen ausreichenden Schutz für den Öko-Anbau bieten.
Die größte Gefahr sehen die Landwirte in GVO-verunreingtem Saatgut (48 Prozent), gefolgt von der möglichen Pollen-Abdrift in eigene Kulturen (42 Prozent) und der Verunreinigung anderer Produktionsmittel wie z.B. betriebsfremder Tierfuttermittel oder Kompost.
Für Ron Rosmann, Biobauer und Präsident der Organic Farming Research Foundation, zeigen die Ergebnisse der aktuellen Umfrage, dass ein Moratorium für die Freisetzung gentechnisch-veränderter Pflanzen erforderlich ist, ‘zumindest solange, bis eindeutige Regelungen zum Schutz der Öko-Betriebe vor GVO-Verunreinigungen und für die rechtliche Behandlung von damit zusammenhängenden Schäden sichergestellt ist.’
Die im Frühjahr 2002 durchgeführte Studie wird in dieser Woche auf der ‘Organic Trade Association’s All Things Organic Conference and Trade Show’ in Austin (Texas) vorgestellt. Die vollständigen Ergebnisse sollen im Herbst veröffentlicht werden.
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