30. Mai 2003

DBV: Schwache Konjunktur auch in der Landwirtschaft

Themen: Archiv — info @ 12:05

Berlin (agrar.de) – ‚Stimmung und konjunkturelle Entwicklung in der deutschen Landwirtschaft bleiben schlecht, sind derzeit jedoch nicht ganz so katastrophal wie in der übrigen Wirtschaft. Doch vorhandene Zukunftshoffnungen vertrocknen bei den Landwirten durch politisch bedingte Verunsicherungen wie in diesem Jahr einige Frühjahrssaaten.‘ Dieses Resümee zog der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Dr. Helmut Born, bei der Vorstellung des Investitionstestes Agrar, den der DBV vierteljährlich durch das Forschungsinstitut Produkt und Markt erstellen lässt. Repräsentativ werden in jedem Vierteljahr 1.800 Landwirtschaftsbetriebe sowie 300 landwirtschaftliche Lohnunternehmen zu ihrer Stimmung und ihren Investitionsabsichten befragt.

Die Stimmung innerhalb der Landwirtschaft hat sich gegenüber dem vorangegangenen Quartal nicht verbessert und ist ähnlich schlecht wie 1999. Ursache für die Unsicherheiten sind vor allem in der nationalen Steuer- und Finanzpolitik mit ständigen Diskussionen über Steuererhöhungen, die diskutierte Reform der EU-Agrarpolitik, die Wettbewerbssituation in der EU und die EU-Osterweiterung zu suchen. Vergleichsweise positiv gesehen wird hingegen der Zinssatz für Fremdkapital, was eine Reihe von Landwirten zu Investitionen bewegen kann.

Ihre wirtschaftliche Situation bewerteten die Landwirte vor allem in Nord-, West- und Nordostdeutschland heute schlechter als Ende 2002. In Süddeutschland hat sich die Stimmung dagegen leicht verbessert; vor allem in Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen schätzen die Landwirte ihre wirtschaftliche Situation optimistischer ein. Bundesweit bewerten die Betriebsleiter von Ackerbaubetrieben ihre wirtschaftlichen Verhältnisse am ungünstigsten. Darin spiegeln sich vor allem die schwierigen Ernte- und Aussaatbedingungen vom Sommer und Herbst 2002 wider. Nicht viel besser ist die Stimmungslage bei den Milchviehhaltern. Diese schlägt sich in den bundesweiten Protesten gegenüber der Dauerniedrigpreispolitik der Discounter nieder, kommentierte Born. Die Milchbauern hätten sich in über 100 Aktionen nicht ohne Erfolg gegen sinkende Milcherzeugerpreise gewehrt, wie die Ergebnisse der Listungsgespräche der Molkereien mit dem Lebensmitteleinzelhandel schlussfolgern ließen. Born warnte den Handel eindringlich davor, die Marginalisierung hochwertiger Milchprodukte fortzusetzen. Anders als im vergangenen Jahr wird heute die Stimmung der Landwirte kaum noch negativ von der Preisentwicklung für Rindfleisch und Futtermittel, von der BSE-Problematik oder vom Euro beeinflusst.

Als ‚erstaunlich stabil‘ bewertete Born das Investitionsverhalten der Landwirte. Die Zahl der investitionswilligen landwirtschaftlichen Betriebe stieg sogar gegenüber dem letzten Quartal 2002 an. 59 Prozent aller Landwirte wollten trotz der anhaltend schlechten Stimmungslage in den kommenden sechs Monaten in ihren Betrieb investieren, was eine Verbesserung um 5 Prozentpunkte gegenüber der Dezemberbefragung bedeutet. Allerdings wird deutlich weniger in Großprojekte wie Stallneubauten, große Feldmaschinen, Mähdrescher und Traktoren investiert, sondern vermehrt in kleinere Projekte wie Ersatzbeschaffungen, gebrauchte Maschinen und in Renovierung von Stallgebäuden. Damit verharren die Investitionen der Landwirte auf dem gleichen niedrigen Niveau, und zwar bei durchschnittlich 30.000 Euro pro Haupterwerbsbetrieb. Dies macht Gesamtinvestitionen von rund 7 Milliarden Euro aus. Am höchsten ist die Investitionsbereitschaft in Nordwest- und Südwestdeutschland. Zunehmende Bedeutung gewinnen nach dem Investitionstest Agrar außerlandwirtschaftliche Investitionen.

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