24. April 2003

AbL: Koexistenz-Veranstaltung der EU-Kommission ist tendenziös

Themen: Archiv — info @ 14:04

Runder Tisch der EU-Kommission zur Koexistenz von genmanipulierten und nichtgenmanipuliertem Ackerbau tendenziös und falsch besetzt

Brüssel/Hamm (agrar.de) – Am heutigen Donnerstag treffen sich auf Einladung der EU-Kommission ausgesuchte Vertreter der Gentechnik-Industrie, Wissenschaftler und einzelner Agrarverbände in Brüssel. Thema des Treffens sind aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zur so genannten Koexistenz von genmanipulierten und nichtgenmanipulierten Ackerpflanzen.

Dazu Martin Hofstetter, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL): ‚Weder die Art und Weise, wie dieser Runde Tisch zusammengesetzt ist, noch die angekündigten Referenten und die ausgewählten Themen werden dem eigentlichen Problem gerecht.‘ So sei die ‚Genindustrie‘ stark vertreten, während Vertreter kritischer Gruppen aus Landwirtschaft, Umweltschutz und Verbrauchern deutlich unterrepräsentiert und teilweise erst gar nicht eingeladen worden seien. ‚Anscheinend handelt es sich um eine Lobbyveranstaltung der Genindustrie‘, so Hofstetter. ‚Zudem will die Kommission nur wissenschaftliche Teilbereiche des Gesamtproblems wie Gentransfer bei Mais und Raps diskutieren. Wichtige grundsätzliche Fragen zur Haftung oder Kostenübernahme für die Trennung stehen dagegen nicht auf der Tagesordnung.‘

Veröffentlichungen der EU-Kommission vom letzten Jahr hätten gezeigt, dass es durch den Anbau von Genpflanzen bei bestimmten Ackerpflanzen unweigerlich zu Verunreinigungen benachbarter Felder kommen könne. Doch nicht nur über Pollenflug von Pflanze zu Pflanze, sondern auch durch verunreinigte Erntemaschinen, verdreckte Silos oder Kontaminationen bereits bei der heimischen Saatgutherstellung könnten Genpflanzen sich ausbreiten und herkömmliche Nahrungspflanzen kontaminieren. Untersuchungen hätten gezeigt, so die AbL, dass dieses Problem um so größer werde, je höher der Anteil an Genpflanzen sei. Außerdem entstünden erhebliche Aufwendungen und Kosten für die Reinhaltung.

Die AbL wirft EU-Kommissar Franz Fischler vor, dass er die Kosten für die Trennung nicht etwa der verursachenden Genindustrie oder den Landwirten aufbürden wolle, die Genpflanzen anbauen. ‚Wenn es nach Kommissar Fischler ginge, müssten ausgerechnet diejenigen, die ohne Genpflanzen wirtschaften wollen, also die große Mehrheit der konventionellen Landwirte und alle Biobauern die Kosten für die Trennung selbst bezahlen. Das ist eine Umkehrung des Verursacherprinzips und zeigt deutlich, welche Interessen Fischler hier vertritt‘, so Hofstetter. ‚Die EU-Kommission entwickelt sich zum Steigbügelhalter der Genindustrie.‘

Nach Ansicht der AbL kümmert sich die Kommission bereits bisher mangelhaft um die Freiheit jener Landwirte, die keine Gentechnik auf ihrem Hof haben wollen – laut Umfragen über 70 Prozent der Landwirte in Deutschland. So müssten z.B. bis heute Futtermittel von gentechnisch manipulierten Pflanzen nicht gekennzeichnet werden. Bei herkömmlichem Saatgut wolle die EU-Kommission sogar hohe Verunreinigungen mit genmanipuliertem Sorten zulassen.

Aktuell werden in der EU im Gegensatz zu den USA fast keine genmanipulierten Pflanzen angebaut. Einzig in Spanien gibt es in geringem Umfang einen Anbau von Genmais. In Deutschland wurden in diesem Frühjahr vom Bundessortenamt drei Genmaissorten für Versuchszwecke zugelassen, so dass auch hier auf einer Fläche von bis zu 500 ha Genmais angebaut werden könnte.

Links zum Thema Biotechnologie, Links zum Thema %url4%Verbände%/%.




   (c)1997-2017 @grar.de