14. April 2003

Abstandsauflagen im Pflanzenschutz dem technischen Fortschritt anpassen

Themen: Archiv — info @ 11:04

Berlin (agrar.de) – Zu den anhaltenden Diskussionen über die Praxistauglichkeit der bestehenden Abstandsauflagen von Pflanzenschutzmitteln erklärt der zuständige Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion Gustav Herzog:

‚Pflanzenschutzmittel sind notwendige Werkzeuge in der Produktion pflanzlicher Lebensmittel. Zugleich stellen sie zum Teil hochtoxische Substanzen dar, die unerwünschte Wirkungen auf Nichtzielorganismen haben und daher einer strengen Kontrolle bedürfen.

Der Gesetzgeber sieht Abstandsauflagen für Pflanzenschutzmittel vor, um ökologisch bedeutsame Saumstrukturen landwirtschaftlich genutzter Flächen und Oberflächengewässer vor Belastungen zu schützen. Das System der Abstandsauflagen wurde im Laufe der Jahre verfeinert, aus- und umgebaut, um jeder anzutreffenden Praxissituation möglichst gerecht zu werden. Als Ergebnis ist eine schwer zu übersehende Vielfalt an möglichen Abständen anzusehen, je nachdem, um welches Pflanzenschutzmittel, welche Saum- oder Gewässerstruktur es sich handelt und welche Pflanzenschutztechnik eingesetzt wird. Dieser Zustand wird gestützt durch einen gewaltigen behördlichen Aufwand und ist zugleich Grund für massive Kritik aus der Landwirtschaft, die diese Vorschriften als praxisuntauglich betrachtet.

Der maßgebliche Impuls für eine notwendige Vereinfachung der Abstandsauflagen ist nun der technische Fortschritt, der mit Innovationen, bestehende Regeln ersetzen kann. Die Bereitstellung moderner, abdriftmindernder Pflanzenschutz technik schafft Möglichkeiten, Abstände zu reduzieren und damit die Auflagen zu vereinfachen. Dieses technische Potential wird bereits von der Praxis angenommen, die Maschinen werden umgerüstet und diese als Ausnahme vorgesehene Option könnte und sollte zum Standard werden.

Daher scheint der Zeitpunkt gekommen zu sein, moderne, abdriftmindernde Pflanzenschutztechnik nach einer Übergangsfrist von zwei bis vier Jahren als obligatorisch zu ernennen, damit bundeseinheitliche Abstandsauflagen von einem bis fünf Metern zu Saumstrukturen beziehungsweise Gewässern zu ermöglichen, einen Großteil des Regelwerkes abzuschaffen und somit der Entbürokratisierung Vorschub zu leisten.

Hierzu werden nun Gespräche mit der herstellenden Industrie von Pflanzenschutztechnik und den Hauptinteressengruppen geführt, um nach Bewertung aller Eventualitäten in die Abstimmung mit dem Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft zu gehen. Angestrebt wird eine gemeinsame und schnell umgesetzte Initiative.‘

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