20. März 2003

Biotechnologie: EU-Bürger sind geteiler Meinung

Themen: Archiv — info @ 16:03

Brüssel (agrar.de) – Nach wie vor unterscheiden die EU-Bürger deutlich zwischen den verschiedenen Anwendungsfeldern der Biotechnologie: Biotechnologie zu medizinischen Zwecken wird von vielen befürwortet, aber die Mehrheit der Europäer ist gegen ihren Einsatz im Landwirtschafts- und Lebensmittelbereich, der als ‚riskant‘ erachtet wird. Insgesamt glauben 44 Prozent der Befragten, dass Biotechnologie ihren Lebensstandard verbessern wird. 17 Prozent stehen dem Einsatz der Biotechnologie skeptisch gegenüber. Dies geht aus der aktuellen Eurobarometer-Umfrage ‚Europäer und Biotechnologie 2002‚ (PDF-Datei, 44 Seiten, englisch) hervor.

Die Erhebung stützt sich auf die Befragung von 16.500 Europäern, rund 1.000 je Mitgliedstaat. Die Zahlen für 2002 zeigen eine Trendumkehr zum Vergleichszeitraum 1991 bis 1999. In diesem Zeitraum sank der Optimismus kontinuierlich. In der Periode 1999 bis 2002 erreicht der Optimismus wieder den Stand der frühen 90-er Jahre. Der zunehmende Optimismus gilt laut Erhebung für alle EU-Länder mit den Ausnahmen von Deutschland und Niederlande. Hier verbesserte sich die Einstellung zur Biotechnologie bereits im Zeitraum 1996 bis 1999.

Während alle 15 EU-Mitgliedstaaten Gentests für vererbbare Krankheiten und das Klonen von menschlichen Zellen und Geweben als sinnvoll erachten, kann die Mehrheit der Europäer mit den Ausnahmen Spanien, Portugal, Irland und Finnland Gen-Nahrungsmitteln nichts abgewinnen. Die öffentliche Ablehnung von GV-Produkten ist in jenen EU-Ländern am größten, deren Regierungen das De-facto-Moratorium gegen neue GVO-Zulassungen befürworten. Dies sind Frankreich, Italien, Griechenland, Dänemark, Österreich und Luxemburg.

Mehrheitlich befürwortet werden GV-Lebensmittel nur in vier Ländern – Spanien, Portugal, Irland und Finnland. Transgene Tiere für Xenotransplantationen werden nur mäßig unterstützt, zur Gänze nicht von Finnland, Griechenland und Österreich.

Die Ablehnung der Biotechnologie in Lebensmitteln und der Landwirtschaft hat dazu geführt, dass Feldversuche mit genetisch veränderten Organismen (GVO) in der EU um 76 Prozent zurückgingen. 61 Prozent der privaten Biotech-Unternehmen erklären, dass sie in den letzten vier Jahren GVO-Forschungsprojekte abgesagt hätten.

Durchwachsen ist auch das Vertrauen der Europäer in Biotechnologie-Fachleute: 70 Prozent der Befragten halten Ärzte, Wissenschaftler an Hochschulen und Verbraucher- und Patientenverbände für vertrauenswürdig, wenn es um dieses Thema geht. 55 Prozent vertrauen Wissenschaftlern aus der Industrie sowie der Kommission und Landwirten, weniger als die Hälfte der befragten glaubt an Statements der eigenen Regierung oder der Wirtschaft. Der Erhebung zufolge ist der typische GM-Befürworter männlich, vertraut prinzipiell neuen Technologien, beschäftigt sich mit Wissenschaft bzw. Biotechnologie eher als mit Politik und ist materialistisch eingestellt.

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