03. Dezember 2002

Neue Broschüre: Ohne Boden – bodenlos

Themen: Archiv — info @ 11:12

Berlin (agrar.de) – Viele glauben: ‚Im Boden ist es dunkel und leblos‘. Doch das stimmt so nicht, wie der Wissenschaftliche Beirat Bodenschutz (WBB) beim Bundesumweltministerium beweist. Die acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bringen in der Broschüre ‚Ohne Boden – bodenlos‘ Licht in das vermeintliche Dunkel des Bodens. Auf 57 Seiten schildern sie bilderreich und gut verständlich, wie schillernd, lebendig und wertvoll Böden sind. Und sie zeigen, wie wir sie besser schützen können. Die kostenlos erhältliche Publikation wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Böden sind wertvoll. Wir siedeln auf ihnen und bauen darauf unsere Lebensmittel an. Der Boden reinigt das Wasser und ist Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen. Doch dieser Lebensraum ist empfindlich. Wir bürden ihm Schadstoffe, Arzneimittel und zuviel Dünger auf. Auch Erosion und Versiegelung für Siedlung und Verkehr gefährden unsere Lebensgrundlage. Beispielsweise wird in Deutschland pro Tag die freie Fläche von rund 170 Fußballfeldern mit Siedlungen und Straßen überbaut.

Die Autorinnen und Autoren appellieren daher: Achtet mehr auf die Böden. Grundbesitzer, Landwirte, Naturschützer, Pädagogen – jeder kann etwas zum Bodenschutz beitragen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geben Empfehlungen ab, was zu tun ist. Hinterlegt werden die Empfehlungen durch umfangreiche weitere Informationsquellen und ein Glossar.

Zum WBB gehören die Professoren Peter Grathwohl, Dietrich Henschler, Werner Klein, Günter Miehlich (Vorsitzender), Heidrun Mühle, Hans Willi Thoenes (stellvertretender Vorsitzender), Wolfgang Walther und Berndt Michael Wilke. Der Beirat berät das Bundesumweltministerium in Fragen des Bodenschutzes. Die Geschäftsstelle ist im Umweltbundesamt angesiedelt.

Die Denkschrift ‚Ohne Boden – bodenlos‚ gibt es kostenlos bei der Geschäftsstelle des WBB, c/o Umweltbundesamt, FG II 5.1, Kerstin Seidler, Postfach 33 00 22, 14191 Berlin, Fax: 030-8903-2103, E-Mail oder zum kostenlosen Download im Internet.

Links zum Thema %url4%Boden%/%.

DNR-Appell an Bundesregierung: Naturschutzflächen in Ostdeutschland vor dem Ausverkauf retten

Themen: Archiv — info @ 11:12

Berlin (agrar.de) – Mit einer bei der Mitgliederversammlung des DNR verabschiedeten Resolution meldete sich heute in Berlin der Deutsche Naturschutzring (DNR) zu Wort. Der DNR forderte zur Sicherung von bis zu 100 000 ha Naturschutzgebietsflächen in den ostdeutschen Bundesländern von der Bundesregierung die folgenden sechs Sofortmaßnahmen:

1. Um sicher zu stellen, dass bis zur Übertragung der Flächen an Länder und Naturschutzorganisationen keine weitere Fläche durch angebliche Vorrangklauseln an Alteigentümer oder landwirtschaftliche Pächter übertragen werden, muss umgehend ein Moratorium über den gesamten Pool von Naturschutzflächen der Bundesverwertungs- und –verwaltungsgesellschaft (BVVG)verhängt werden.

2. Der weitere Verlust an Naturschutzwerten auf den Flächen, zum Beispiel durch massiven Holzeinschlag in Altholzbeständen, muss sofort beendet werden.

3. Die vom Bundesfinanzministerium versäumte Einholung der Beihilfegenehmigung bei der EU ist umgehend nachzuholen.

4. Bis zum Vorliegen der Beihilfegenehmigung ist die Flächenübertragung fortzuführen. Eventuelle Beihilfeauflagen der EU sind durch eine Vertragsklausel aufzufangen, die eine spätere Heilung möglicher Vertragsdefizite vorsieht. Durch diese Klausel dürfen für die gemeinnützigen Verbände und Stiftungen keine zusätzlichen Nachteile und Risiken entstehen.

5. Das politische Ziel, 100.000 Hektar Naturschutzflächen als Grundlage des nationalen Naturerbes zu sichern, muss ungeschmälert umgesetzt werden. Die durch den eingetretenen Flächenschwund aus dem Bestand der BVVG bereits jetzt nicht mehr zu realisierende Zielgröße ist durch andere geeignete Flächen des Bundes im ‚Grünen Band‘, in den Bergbaufolgelandschaften und auf aufgegebenen Truppenübungsplätzen aufzufüllen. Das Grüne Band wird vom Bund als modellhaftes Länder übergreifendes Biotopverbundsystem gesichert. Truppenübungsplätze und Bergbaufolgelandschaften sind als großflächige Kerngebiete des nationalen Naturerbes zu sichern. Darüber hinausgehende Naturschutzflächen die zur Veräußerung anstehen sind zunächst den Ländern oder übernahmebereiten Naturschutzorganisationen anzubieten.

6. Zur langfristigen Sicherung des nationalen Naturerbes müssen institutionelle und finanzielle Möglichkeiten des Bundes ausgeschöpft und neu geschaffen werden. Der Erwerb und Unterhalt der ökologisch wertvollen Bundesflächen (BVVG, Militärflächen, Bergbaufolgelandschaften, Grünes Band) muss aus Mitteln eines öffentlichen, zu diesem Zweck zu errichtenden Kapitalstocks finanziert werden.

An die Adresse der ostdeutschen Bundesländer gerichtet verlangte der DNR energische Anstrengungen zum Schutz des nationalen Naturerbes. In einer weiteren Resolution hat sich die DNR-MV für wirksame Hochwasserschutzmaßnahmen ausgesprochen. Um in Zukunft weitere Katastrophen zu verhindern, müssen an allen Flüssen naturgerechte Schutzmaßnahmen Vorrang vor anderen Nutzungen und technischen Lösungen erhalten.

Links zum Thema Landschaft und Natur, Links zum Thema Verbände.

Forstkammer Baden-Württemberg: Anstieg der Beförsterungskosten in den kommunalen Haushalten 2003 nicht akzeptabel

Themen: Archiv — info @ 11:12

Präsident Bamberger: Vorschlag der Haushaltsstrukturkommission kommt Vertrauensbruch gegenüber kommunalen Waldbesitzern gleich

Östringen (agrar.de) – Eine Erhöhung der staatlichen Beförsterungskosten für die Kommunen im Jahr 2003 ist aus Sicht der Forstkammer nicht akzeptabel. Dieser Schritt würde zu einer weiteren Belastung der kommunalen Haushalte führen und damit die Erfüllung allgemeiner Aufgaben beeinträchtigen. Hierauf verwies Forstkammer-Präsident Bürgermeister Erich Bamberger am 3. Dezember 2002 in Östringen (Lkr. Karlsruhe).

Die Kommunen haben die Haushaltsplanungen für 2003 nahezu abgeschlossen. Wegen der großen Steuerausfälle und erhöhter Sozialausgaben müssen bei der Umsetzung in fast allen Gemeinden und Städten schmerzhafte Einschnitte erfolgen und viele Dienstleistungen für die Bürger gekürzt werden. Eine weiterer Kostenfaktor für das kommende Jahr würde viele Gemeinden und Städte vor die Situation stellen, erneut den Rotstift anzusetzen, sagte Bamberger. Er bezeichnete die von der Haushaltstrukturkommission vorgeschlagene Erhöhung als Vertrauensbruch gegenüber den kommunalen Waldbesitzern. Eine solche Maßnahme sei den Bürgern vor Ort nicht zu vermitteln.

Dass das Land eine Erhöhung des sog. Forstverwaltungskostenbeitrags, für 2004 plant, sei bekannt, betonte der Forstkammer-Präsident. Nun soll auf Vorschlag der Haushaltsstrukturkommission mit dieser Maßnahme bereits im kommenden Jahr ein Mehrerlös von 500.000 Euro im Landeshaushalt erzielt und das Gesetz zum 1. Juli 2003 geändert werden. Damit müsste der Beitrag auf rd. 7 Euro/Kubikmeter und Jahr ansteigen. Aus Sicht des Kommunalwaldes darf eine Erhöhung des Forstverwaltungskostenbeitrags frühestens ab dem Jahr 2004 zur Diskussion stehen, sagte Bamberger, verbunden mit der Aufforderungen an das Land, wegen der Höhe des Betrags erst einmal den ausstehenden Bericht des Rechnungshofes hierzu abzuwarten.

Zur Information: Mit dem Forstverwaltungskostenbeitrag erhebt die Landesforstverwaltung die Kosten für den staatlichen Revierdienst bei den Kommunen. Die Gebühr beträgt derzeit 6,10 Euro/Kubikmeter des jährlichen Hiebssatzes aus dem Forsteinrichtungswerk, d.h., der 10jährigen Planung im Forstbetrieb.

Die Forstkammer Baden-Württemberg vertritt die Interessen der privaten und kommunalen Waldbesitzer. Sie verfügen über rd. 1 Mio. Hektar, das sind ca. 75 Prozent der Waldfläche im Land.

Die Kommunen im Land verfügen mit rd. 40 Prozent über den größten Waldanteil. Fast alle der rd. 1.100 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg sind Waldbesitzer.

Links zum Thema Wald und Forst, Links zum Bundesland Baden-Württemberg.

DBV zum Agrarhaushalt: Investive Maßnahmen werden gekürzt

Themen: Archiv — info @ 10:12

Bauernverband warnt vor weiteren Einschnitten im Agrarhaushalt

Berlin (agrar.de) – Auch der Agraretat ist von den massiven Einschnitten des Bundeshaushaltes 2003 betroffen. Mit den Kürzungen und der Umschichtung im Agrarhaushalt werden nicht die richtigen Zeichen für die im harten Wettbewerb stehenden Landwirte und ihre Unternehmen gesetzt. Zu diesem Urteil kommt der Deutsche Bauernverband (DBV) anlässlich der Debatte des Agraretats im Rahmen der heutigen Haushaltsdebatte im Deutschen Bundestag.

Nicht akzeptabel sind vor allem die geplanten Kürzungen der Gemeinschaftsaufgabe ‚Agrarstruktur und Küstenschutz‘ um 107 Millionen Euro Bundesmittel, also um über 12 Prozent, obwohl die Bundesregierung gerade mit diesen Mitteln mehr Investitionen und mehr Beschäftigung in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum schaffen will. Tatsächlich aber fährt die Bundesregierung eine Reihe investiver Maßnahmen zurück. Da die Bundesmittel durch Länderfinanzen ergänzt werden müssen (Finanzierungs-Verhältnis Bund: Länder 60:40) ergeben sich Kürzungen in der Agrarstrukturförderung von fast 180 Millionen Euro. Nach Ansicht des DBV verhält sich die Bundesregierung mit dem Agraretat 2003 somit völlig widersprüchlich: Von der EU verlangt sie einen Ausbau der zweiten Säule der Agrarpolitik, doch zugleich streicht sie in Deutschland die erforderlichen nationalen Kofinanzierungsmittel zusammen, kritisiert der Bauernverband..

Zustimmung findet beim DBV hingegen die um 13 Millionen auf 49 Millionen Euro aufgestockte Förderung für nachwachsende Rohstoffe, womit ein wichtiges Signal für diesen Zukunftsmarkt gesetzt werde. Dies trägt der erfolgreichen Anbauentwicklung bei nachwachsenden Rohstoffen Rechnung. Deutschland ist mit einem Anbau nachwachsender Rohstoffe auf 850.000 Hektar mittlerweile führend in der EU. Der DBV hatte im Sinne einer wirksamen Markteinführung der Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen eine bessere Förderung der neu entstandenen kleinen und mittleren Unternehmen sowie der Vielzahl von Projekten zur Verarbeitung und Vermarktung gefordert. Damit kann den Innovationen am Markt zum Durchbruch verholfen werden. Der Bundesagrarhaushalt 2003 wird insgesamt bei 5,680 Milliarden Euro liegen, also 17 Millionen Euro weniger als 2002. Über 70 Prozent des Volumens werden für die Sozialpolitik aufgewendet. Deshalb ist kein Spielraum für weitere Einschnitte vorhanden, auch nicht nach den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen, falls sich in der Schlussphase der Haushaltsberatungen die Einnahmen des Staates weiter verschlechtern, mahnt der DBV. Insbesondere die Bundeszuschüsse für die Landwirtschaftliche Unfallversicherung (256 Millionen Euro) müssen erhalten werden, um die strukturwandelbedingte Alte Last nicht für die Beitragszahler ‚unbezahlbar‘ zu machen.

Links zum Thema Agrarpolitik. Links zum Thema Verbände.

Im Saarland sind Kahlhiebe künftig verboten

Themen: Archiv,Saarland — info @ 09:12

Saarbrücken (agrar.de) – Das Saarland setzt mit dem neuen Landeswaldgesetz, dem dem Ministerrat heute nach erfolgter externer Anhörung zugestimmt hat, Maßstäbe im Hinblick auf eine moderne konsequent ökologisch ausgerichtete Waldwirtschaft. Gleichzeitig soll der Wald noch stärker zu einem ‚Bürgerwald‘ werden, wie Umweltminister Stefan Mörsdorf betonte. Der Gesetzentwurf wird nun von Ministerpräsident Peter Müller im Landtag des Saarlandes eingebracht.

‚Wir sind damit das erste Bundesland, das eine naturnahe Waldwirtschaft im öffentlichen Wald konsequent in Gesetzesform gießt und Kahlhiebe mit wenigen Ausnahmen verbietet‘, unterstrich Mörsdorf. Neben dem Verbot von Kahlschlägen unterstreichen die Pflicht zu einer bestands- und bodenschonenden Ernte des Holzes, der Vorrang der natürlichen Waldverjüngung, der weitgehende Verzicht auf Pestizide sowie das Belassen von Biotopholz die ökologische Ausrichtung des Gesetzesentwurfes. Der Minister zeigte sich besonders erfreut darüber, dass diese Regelungen zu einer naturnahen Waldbewirtschaftung im Einvernehmen mit den Waldbesitzern erarbeitet worden sind.

‚Doch wir wollen den saarländischen Wald nicht nur konsequent ökologisch bewirtschaften und den nachwachsenden Rohstoff Holz nutzen, sondern den Wald noch mehr zu einem Bürgerwald machen.‘ So hat das Saarland sich – anders als andere Bundesländer – zu einer liberalen Auslegung des Betretungsrechtes (das im Bundeswaldgesetz als Rahmengesetz grundsätzlich geregelt ist) entschieden. So dürfen Waldwege und –straßen im Saarland auch künftig von Wanderern, Spaziergängern, Joggern und Radfahrern genutzt werden. Aber auch das Reiten soll in Zukunft auf allen Waldwegen und Forststraßen erlaubt sein. Bisher ist dies nicht der Fall: Auf gekennzeichneten Wander- und Fußwegen ist Reiten bislang noch verboten; im so genannten Verdichtungsraum des südlichen Saarlandes ist es bisher nur auf ausgewiesenen Waldwegen gestattet.

‚Diese liberale Regelung appelliert an das Verantwortungsgefühl aller, die den Wald in ihrer Freizeit zur Erholung nutzen. Sie wird dann funktionieren, wenn Jogger und Spaziergänger, Radler und Reiter Rücksicht aufeinander nehmen und sich gegenseitig Verständnis entgegenbringen. Und dabei nicht vergessen, dass jeder Wald auch einen Eigentümer hat, der sein Eigentum natürlich auch nutzen will.‘ Das Verständnis für die Lebensgemeinschaft Wald – mit all ihren Tieren und Pflanzen, aber auch dem Menschen als Waldnutzer – will Umweltminister Stefan Mörsdorf noch stärker wecken. So enthält das neue Landeswaldgesetz einen neuen Absatz zur Waldpädagogik. Fachleute wie Förster, die sich mit dem Wald beschäftigen, sollen also noch stärker als bisher Wissen über ökologische Zusammenhänge im Wald vermitteln.

Der grundsätzlichen Philosophie des Umweltministeriums, Natur und Landschaft stärker ganzheitlich zu sehen, dient eine weitere Gesetzesänderung: So wird der Landeswaldbeirat abgeschafft. Das Beiratswesen (mit derzeit z. B. Landeswaldbeirat, Landesnaturschutzbeirat, Landesfischereibeirat etc.) soll gestrafft und dadurch insgesamt aufgewertet und gestärkt werden.

Die Gesetzentwurf der Regierung zur Änderung des Landeswaldgesetzes ist Teil der Initiative von Umweltminister Stefan Mörsdorf, das ‚grüne Recht‘ im Saarland zu modernisieren. So stehen auch im Landesjagdgesetz Änderungen an; ein neues Saarländisches Naturschutzgesetz soll im nächsten Jahr auf den Weg gebracht werden.

Links zum Thema Wald und Forst, Links zum Bundesland Saarland.

Schindler: Einkommenspirat dreht wieder am Steuerrad

Themen: Archiv — info @ 09:12

Mainz (agrar.de) – ‚Keine Steuer, die es für sie nicht gibt… Eine Zusatzgrundstücksverkaufssteuer passt hervorragend in die Reihe der Erdoberflächennutzungssteuer, die Schlecht-Wetter-Steuer, den Atemaufschlag und den Tarif für’s Essenkauen, die so treffend in dem neuen Kanzlerlied die derzeitige Situation beschreiben‘, erklärt Norbert Schindler, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd (BWV), den am vergangenen Freitag veröffentlichten Vorschlag von Michael Reitzel, Landesvorsitzender der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft für Kommunalpolitik, zur Zusatzsteuer auf Grundstücksverkäufe.

Michael Reitzel hatte vorgeschlagen, im Falle einer Erhöhung der Grundstückspreise durch Baulandausweisung, die Grundstückseigentümer zusätzlich nochmals zu besteuern, da dies einem leistungslosen Gewinn gleichkomme. Man müsse sich langsam fragen, ob die Regierung und ihr Gefolge mit ihren Steuervorschlägen selbst noch ernst genommen werden wolle, so der Bauernpräsident. Denn in seiner Begründung verschweige Reitzel gänzlich, dass dieser mögliche Gewinn bereits neben der anfallenden erhöhten Einkommenssteuer des Verkäufers im Falle eines Buchgewinnes, auch noch durch die Grunderwerbesteuer des Käufers versteuert werde, und dies durch Schlüsselzuweisung den Landkreisen und den Gemeinden auch zukomme. Darüber hinaus verschweige Reitzel ebenfalls, dass sich die Gemeinden bereits jetzt neben den gut berechneten Erschließungskosten einen gehörigen Aufschlag abschöpften, sodass die Differenz zwischen Ackerland- und Baulandpreis ohnehin nicht beim Grundstückseigentümer lande. Somit werde dieser auch damit nicht über Nacht reich, wie Reitzel bemerkte.

Ob es sich bei Reitzel’s Beobachtung über den ‚leistungslosen Gewinn‘ um mangelndes Verständnis für das ureigenste marktwirtschaftliche Prinzip von steigenden Preisen bei knapper werdendem Angebot drehe, sei dahingestellt, so Schindler. Tatsache sei, dass Reitzel’s geplanter Griff in die Tasche, nicht nur wie in seinem Beispiel die Landwirte treffen werde, sondern jeden Besitzer von Flächen, die als Bauland ausgewiesen würden. Das Schlimme daran sei, dass die Landwirte mal wieder dreifach gekniffen würden, so Schindler. Schließlich müsse ein Landwirt, der seine Fläche in einer Baugebiets-, Naturschutzgebiets-, Gewerbegebiets- oder Infrastrukturflächenausweisung habe, einen Teil seiner Unternehmensgrundlage verkaufen. Selbst wenn er – was bei o. g. Ausweisungen nicht immer der Fall sei – mögliche Buchgewinne erzielen könne, müsse er sich andernorts die betriebliche Grundlage wieder beschaffen. Dies sei in den seltensten Fällen in der Nähe seines Betriebes möglich. So müsse er oft lange Fahrtwege und damit eine erheblich höhere Arbeitsbelastung hinnehmen, was durch Geld nur in den wenigen Fällen aufzuwiegen sei.

Außerdem sei zu bedenken, dass ein Rückkauf wiederum einem anderen Landwirt die Produktionsgrundlage nehme. ‚Boden ist nicht vermehrbar. Bei einem stets steigenden Flächenverlust ist der Produktionsfaktor Boden nicht nur in stadtnahen Gebieten immer knapper. Die Bedrohung durch irreversiblen Flächenverlust von 125 Hektar pro Tag in Deutschland belastet alle Landwirte und lässt sich auch nicht über einen ‚leistungslosen Gewinn‘ ausgleichen‘, erklärt Norbert Schindler. Darüber hinaus gehe den Landwirten und Winzern, die in und um eine Baugebietsausweisung lägen, teilweise nochmals bis um ein Vielfaches an landwirtschaftlichen Nutzflächen für Ausgleichsflächen verloren. Und dies geschehe zu einem Preis, der in keiner Weise einem ‚leistungslosen Gewinn‘ entspräche, sondern eher einem ’schlagkräftigen Verlust‘, so Schindler.

Links zum Thema Verbände.

02. Dezember 2002

Waldbericht NRW: Wälder haben sich leicht erholt

Themen: Statistik,Wald,Waldbericht — info @ 14:12

Versauerung und Stickstoffüberfrachtung des Waldes, der Böden und der Gewässer schreiten fort

Düsseldorf (agrar.de) – Den Bäumen in den nordrhein-westfälischen Wäldern geht es etwas besser. Das gesamte Ökosystem Wald ist jedoch weiterhin instabil. Das ist das Ergebnis des dritten Berichtes zum ökologischen Zustand des Waldes. Die deutlichen Baumschäden haben sich gegenüber 2001 um drei Prozentpunkte auf 24 Prozent verringert. Nachdem sich der Kronenzustand über 17 Jahre lang kontinuierlich verschlechtert und diese Entwicklung im Jahre 2000 ihren Höhepunkt erreicht hatte, sind die deutlichen Schäden zunächst in 2001 und nun erneut in 2002 in nennenswertem Umfang zurückgegangen. Dazu haben sicherlich die günstige Witterung mit wenigen extremen Wetterlagen, einer guten Wasserversorgung sowie ein früher Start der Wachstumsperiode beigetragen.

Umweltministerin Bärbel Höhn: ‚Die aktuelle Verbesserung der Situation der Bäume in unseren Wäldern darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ökosystem Wald mit großen Mengen an Stickstoff-, aber auch an Säureeinträgen, die sich über Jahrzehnte im Boden angereichert haben, überlastet ist. Die Speicherfunktion des Bodens kommt an ihre Grenzen. Insbesondere die Emissionen des Verkehrs, der Landwirtschaft und der Industrie tragen dazu bei. Wenn wir die Schadstoffeinträge nicht stärker reduzieren, dann müssen wir in Nordrhein-Westfalen auch damit rechnen, dass unsere Waldökosysteme ihre wichtige Funktion als Puffer für unser Trinkwasser verlieren. Die Ökosteuer hat bewirkt, dass zum ersten Mal die CO2-Belastung des Verkehrs bundesweit in den letzten zwei Jahren gesunken ist. Darüber hinaus zeigen die Neue Agrarpolitik, die Förderung regenerativer Energien und die naturnahe Waldwirtschaft Wirkung.‘

Anlass zur Sorge gibt die weiter fortschreitende Stickstoffüberfrachtung und die daraus entstehende Nährstoffverarmung und Versauerung des Waldes, seiner Böden und seiner Gewässer. So wurden beispielsweise im Münsterland und im Niederrheinischen Tiefland Stickstoffeinträge von 20 bis 50 Kilogramm pro Jahr und Hektar gemessen. Der Wald setzt jedoch nur 8 bis 10 Kilogramm Stickstoffeinträge pro Jahr und Hektar in Wachstum um. Die Versauerung der Waldböden reicht in

Einzelfällen bereits bis zu einer Tiefe von fünf Metern. Damit verbunden ist eine Fehlernährung der Bäume, da die Säuren wichtige Nährstoffe wie Magnesium, Kalzium und Kalium im Boden verdrängen und die Pflanzen dann nur noch Stickstoff im Übermaß aufnehmen können. Die Säuren werden gemeinsam mit den Nährstoffen, zu denen das Überangebot an Stickstoff zählt, das nicht mehr von den Bäumen aufgenommen werden kann, in die Gewässer ausgewaschen und belasten damit auch das Grundwasser. Für die öffentliche Trinkwasserversorgung ist ein qualitativ hochwertiges, nitratarmes Grundwasser unter Waldflächen eine wichtige Quelle.

Die Zahlen des Kronenzustandes der Baumarten im Einzelnen

Die Eichen haben am stärksten von der günstigen Witterung profitiert. Die deutlichen Schäden sind um 14 Prozentpunkte auf 29 Prozent zurückgegangen. Trotz eines im Vergleich zu 2001 intensiveren Schädlingsbefalls durch Eichenwickler und Frostspanner haben sich insbesondere ältere Eichenbestände leicht erholt.

Der Kronenzustand der Buche hat sich dagegen gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Die deutlichen Schäden sind um einen Prozentpunkt auf 37 Prozent gesunken. Gegenwärtig ist die Buche wieder die mit Abstand am stärksten geschädigte Hauptbaumart Nordrhein-Westfalens.

Der Zustand der Nadelbäume hat sich ebenfalls verbessert. Bei der Fichte sind die deutlichen Schäden um vier Prozentpunkte auf 19 Prozent abgesunken. Insbesondere die älteren Fichtenbestände haben offenbar besonders davon profitiert, dass in der Wachstumsphase reichlich Niederschläge gefallen sind. Bei der Kiefer konnte ein Rückgang der deutlichen Schäden um fünf Prozentpunkte auf 15 Prozent festgestellt werden.

Der dritte aktuelle ‚Bericht über den ökologischen Zustand des Waldes 2002‚ hat den Themenschwerpunkt ‚Auswirkungen der Schadstoffeinträge auf Böden und Gewässer‘. Er enthält außerdem die Ergebnisse der landesweiten Kronenzustandserhebung an 525 Waldbeständen mit nahezu 10.000 Einzelbäumen, forstmeteorologischer Messungen und Erhebungen über Schadorganismen. Der vollständige Bericht mit detaillierten Informationen zum ökologischen Waldzustand 2002 kann von der Internetseite der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten des Landes Nordrhein-Westfalen (LÖBF) abgerufen werden.

Das Umweltministerium hat die Waldschadenserhebung im Jahr 2000 durch den ökologischen Waldzustandsbericht, der über den Kronenzustandsbericht hinaus das gesamte Waldökosystem betrachtet, ersetzt. Er wird jährlich im Auftrag des Umweltministeriums federführend von der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten gemeinsam mit den Forstbehörden, dem Landesumweltamt, den Landwirtschaftskammern, dem Geologischen Dienst und den privaten und kommunalen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern erarbeitet.

Links zum Thema Waldbericht, Links zum Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Ernährungsindustrie weiter im Tief

Themen: Archiv — info @ 14:12

Dachverband der Branche sieht auch für 2003 keine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage – weiterer Abbau von Arbeitsplätzen befürchtet

Bonn (agrar.de) – Die deutschen Nahrungsmittelhersteller werden in diesem Jahr den Umsatz des Rekordjahres 2001 nicht mehr erreichen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) schätzt den Branchenumsatz für das Gesamtjahr 2002 auf rund 125,5 Mrd. Euro. Das sind 1 Prozent weniger als im Vorjahr. ‚Wir bedauern diese Entwicklung und befürchten, dass der Trend im kommenden Jahr anhält‘, sagt BVE-Hauptgeschäftsführer Matthias Horst.

Ein Lichtblick sei jedoch das Exportgeschäft, das für die auf den Heimatmarkt Deutschland orientierte Ernährungsindustrie eine immer wichtigere Rolle spiele. Laut BVE-Prognose steigt der Anteil des Auslandsumsatzes in diesem Jahr um 0,4 Prozentpunkte auf 19,5 Prozent. Das Exportvolumen legt insgesamt um 1 Prozent auf 24,5 Mrd. Euro zu. ‚Wir sind zuversichtlich, dass die EU-Osterweiterung neue Impulse für unsere Industrie bringen wird‘, erklärt der Verbandschef. Das wachsende Exportgeschäft dürfe jedoch nicht über die Probleme der Industrie hinwegtäuschen. Der Umsatzverlust der Branche insgesamt werde sich in einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen widerspiegeln.

Die negative Entwicklung des Gesamtumsatzes in der Ernährungsindustrie hat bereits in diesem Jahr viele Arbeitsplätze gekostet. Laut BVE-Prognose verringert sich die Zahl der Beschäftigten 2002 im Durchschnitt um 3,4 Prozent auf 529.450. Das sind rund 18.500 Beschäftigte weniger als 2001. Die Zahl der Betriebe sinkt beim viertgrößten Industriezweig Deutschlands im Schnitt auf 5.850. Im vergangenen Jahr waren es noch 6.035 Betriebe.

‚Die Zeiten für die mittelständisch geprägte Industrie werden immer härter‘, so Horst. Die schwache Konjunktur und die daraus resultierenden sinkenden Erträge wirken sich immer deutlicher auf die Finanzsituation der Unternehmen aus. ‚Viele kleine Unternehmen können bald notwendige Investitionen in Produktionsanlagen nicht mehr finanzieren‘, klagt Horst. Dieser Trend werde sich durch die neuen Eigenkapitalrichtlinien Basel II, die ab dem Jahr 2007 greifen, und die Steuerpolitik der Bundesregierung weiter verschärfen.

Links zum Thema Lebensmittel, Links zum Thema Verbände und Institutionen.

BIOLAND zur Gentechnik: Grenzwerte allein sind zu wenig

Themen: Archiv — info @ 13:12

Fragen zur Haftung, Vorbeugung und Undenklichkeit weiterhin unbeantwortet

Mainz (agrar.de) – Der Anbauverband Bioland begrüßt die Entscheidung der EU-Agrarminister, Lebensmittel mit mindestens 0,9 Prozent gentechnisch veränderten Bestandteilen zu kennzeichnen, als einen Schritt in die richtige Richtung. Noch weitgehender ist die Forderung des EU-Parlamentes nach einem 0,5-Prozent-Wert, über den in Kürze entschieden werden soll. Dieser Grenzwert ist praktikabel – die technische Nachweisgrenze liegt bei 0,1 Prozent – und verringert wesentlich die Gefahr von ungewollten gentechnischen Verunreinigungen. Doch Grenzwertvorgaben allein greifen zu kurz. ‚Die Fragen nach den gesundheitlichen Folgen, den Vorbeugungsmaßnahmen der Inverkehrbringer sowie der Haftung bleiben für Verbraucher und Bauern weiterhin ungeklärt‘, kritisiert Bioland Bundesvorstand Thomas Dosch.

Wichtig ist, dass sich bei der zukünftigen Kennzeichnungsregelung Konsumenten leichter für oder gegen ein gentechnisch verändertes Lebensmittel entscheiden können. ‚Dies darf jedoch kein Freifahrtschein für ein unkritisches Wirtschaften werden – nach dem Motto Hauptsache der Grenzwert stimmt‘, so Thomas Dosch. Nun müssen längst überfällige Spielregeln und Handlungsrahmen für Gentechnikanwender festgelegt werden:

Vor Anbau, Verarbeitung und Verkauf gentechnisch veränderter Organismen bzw. deren Produkte muss die gesundheitliche Unbedenklichkeit nachgewiesen werden.

Inverkehrbringern von gentechnisch veränderten Produkten müssen Schutzmaßnahmen auferlegt werden. Nur so kann einer Kontamination anderer Lebensmitteln und Pflanzen vorbeugt werden.

Es muss sichergestellt werden, dass Anwender und Inverkehrbringer gentechnischer Verfahren oder Produkte für die hieraus resultierenden Schäden haften. Dies beinhaltet auch Vermarktungsverluste und Analysekosten für die Betriebe, die keine Gentechnik anwenden.

Biologisch wirtschaftende Betriebe dürfen nach der EG-Öko-Verordnung keine gentechnischen Verfahren oder gentechnisch veränderte Produkte einsetzen. Sie stehen hingegen für eine nachhaltige und regionale Wirtschaftsweise, die den VerbraucherInnen auch in Zukunft eine Auswahlmöglichkeit ohne Gentechnik sichert.

Links zum Thema Biotechnologie, Links zum Thema Bio-Landbau.

Gen-Raps: Verwaltungsgericht hebt Ernteverbot auf

Themen: Archiv — info @ 09:12

Gelsenkirchen/Bonn (agrar.de) – Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat das von der Bezirksregierung Arnsberg und dem Staatlichen Umweltamt Hagen auferlegte Ernteverbot von konventionellem Raps, der unmittelbar neben einem Feld mit gentechnisch verändertem Raps stand, aufgehoben. Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) begrüßt die Entscheidung der Gelsenkirchener Richter und sieht in der Entscheidung ein positives Signal für diese Zukunftstechnologie in Deutschland.

Die Bezirksregierung Arnsberg und das Staatliche Umweltamt Hagen hatten einem Landwirt in Bönen verboten, unmittelbar neben einem Feld mit gentechnisch verändertem Raps konventionellen Raps zu ernten. Ihrer Auskunft nach müsse der Abstand mindestens 50 m betragen, um unerwünschte Auskreuzung zu vermeiden. Nun hob das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen dieses Vermarktungsverbot der Bezirksregierung auf (AZ: 8 K 6854/00) und stützte ihr Urteil maßgeblich auf die durch das Robert-Koch-Institut erteilte Freisetzungsgenehmigung.

Im Rahmen der gerichtlichen Auseinandersetzung kamen zahlreiche Experten, unter anderem von der Biologischen Bundesanstalt und dem Umweltbundesamt, zu der Auffassung, dass von dem gentechnisch veränderten Raps keine Gefahren für Mensch und Tier ausgehe. Dies gelte auch, wenn der Abstand zum Feld mit konventionellem Raps lediglich 50 cm betrage.

‚Die deutschen Pflanzenzüchter haben in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass von den gentechnisch veränderten Pflanzen keinerlei Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen. Dafür stehen nämlich mehr als 50 Behörden in Europa gerade‘, kommentierte Dr. Ferdinand Schmitz, BDP-Geschäftsführer, die Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Gelsenkirchen. Zugleich verband er mit dieser Entscheidung die Hoffnung, dass künftig derartige Prozesse und die damit verbundenen Kosten eingespart werden könnten, wenn es nun endlich zu der von Seiten der Pflanzenzüchter seit Jahren geforderten praktikablen Schwellenwertregelung für Saatgut komme.

Links zuj Thema Biotechnologie.

Seiten: << 1 2 3 ...9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 >>



   (c)1997-2017 @grar.de