31. Dezember 2002

Landwirtschaftliche Einkommen im Sturzflug

Themen: Archiv — info @ 16:12

Im laufenden Wirtschaftsjahr keine Trendwende absehbar

Hannover (agrar.de) – Geradezu im Sturzflug haben sich die landwirtschaftlichen Einkommen im abgelaufenen Wirtschaftsjahr nach unten bewegt. Im Durchschnitt aller Betriebsformen und aller Bundesländer sanken nach Angaben des niedersächsischen Landvolk-Pressedienstes die Gewinne der im Haupterwerb wirtschaftenden Landwirte vom 1. Juli 2001 bis zum 30. Juni 2002 um 12,9 Prozent auf 31.900 Euro. Damit gehört der Gewinnanstieg des vorhergehenden Wirtschaftsjahres schon wieder der Vergangenheit an und auch für das laufende Wirtschaftsjahr können die Landwirte nach Einschätzung des Bauernverbandes auf keine erneute Besserung der wirtschaftlichen Ergebnisse vertrauen. Heftige Einbrüche bei den Erzeugerpreisen für Milch und Schweinefleisch sowie die schwierigen Erntebedingungen dürften erneut Anlass für ein Minus bei der Einkommensentwicklung sein. Der Bauernverband appelliert daher an die Verbraucher, beim Einkauf von Lebensmitteln nicht allein auf den Preis zu schauen. Wer Qualität und Nachhaltigkeit in der landwirtschaftlichen Erzeugung tatsächlich unterstützen wolle, müsse dazu an der Ladentheke seinen Beitrag leisten. Mit diesem Anspruch solle auch der Lebensmittelhandel den Preiskampf aufgeben.

Das Schlusslicht bei den landwirtschaftlichen Einkommen und das Land mit den stärksten Einbrüchen ist in der regionalen Betrachtung Rheinland-Pfalz. Um mehr als ein Viertel gingen die Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe zurück. Niedersachsen liegt mit einem Rückgang um 15,1 Prozent im Mittelfeld, die absolute Höhe der Unternehmensergebnisse dagegen rangiert mit 33.271 Euro nach Schleswig-Holstein und den neuen Bundesländern auf Rang 3 und damit noch im vorderen Bereich. Nach den Betriebsformen betrachtet mussten die Veredelungsbetriebe den größten Einschnitt verkraften, aber auch die Bewirtschafter von Dauerkulturbetrieben mit Obst- oder Weinbau konnten bei weitem nicht an den Vorjahresgewinn anknüpfen. Mit Rückgängen von 10,4 beziehungsweise 6,2 Prozent kamen die Betriebsleiter auf Marktfruchtbau- und Futterbaubetrieben relativ gesehen noch glimpflich davon. Allerdings bewegen sich insbesondere bei den Milchviehhaltern die Einkommen dramatisch weiter nach unten, da die Auszahlungspreise für Milch auf Grund des harten Preiskampfes im Lebensmittelhandel weiter stetig sinken.

Mit Sorge beobachtet der Berufsstand zudem die starke Zurückhaltung der Betriebsleiter bei den Investitionen. Nach zwei recht guten Wirtschaftsjahren hätten die Landwirte Geld in die Entwicklung ihrer Betriebe stecken müssen. Mit einem Investitionsvolumen von 29.300 Euro je Betrieb blieb dieser Ausgabenposten aber um fast drei Prozent unter dem Vorjahresniveau. Dies sei Ausdruck dafür, dass viele Landwirte daran zweifeln, ob eine leistungsfähige Land- und Ernährungswirtschaft noch auf die Unterstützung der deutschen Politik rechnen darf, vermutet der Bauernverband.

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