30. Dezember 2002

DBV: Steigende Produktivität der Landwirtschaft kommt Verbrauchern zugute

Themen: Archiv — info @ 12:12

Lebensmittelpreise sind Inflationsbremse Nummer Eins

Berlin (agrar.de) – Die Landwirte in Deutschland arbeiten hoch produktiv. Die ständige Weiterentwicklung und Optimierung der Betriebsabläufe kommt den Verbrauchern in Form von preiswerten Lebensmitteln zugute. Im Vergleich zu früheren Jahren arbeiten Deutschlands Arbeitnehmer immer weniger, um sich ernähren. Dies geht aus dem Situationsbericht 2003 des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervor.

Wie der Bauernverband mitteilte, sind die Lebensmittel seit 1995 jährlich nominal nur um 1,1 Prozent teurer geworden und damit unterdurchschnittlich gestiegen. Denn der Preisanstieg der übrigen Lebenshaltungskosten lag bei jährlich 1,6 Prozent deutlich höher. Vergleicht man den Anstieg der Lebensmittelpreise seit 1995 von insgesamt 7 Prozent mit dem Anstieg der übrigen Lebenshaltungskosten von 11 Prozent, ’sparen‘ die Verbraucher in der Summe um gut 5 Milliarden Euro pro Jahr durch unterdurchschnittlich gestiegene Lebensmittelpreise. Niedrigere Agrarpreise haben die Lebensmittelpreise damit zur Inflationsbremse Nummer Eins gemacht.

Während sich die Verbraucher über diese Entwicklung freuen können, tragen die Bauern an der ‚Kehrseite‘ dieser Entwicklung schwer. Denn von jedem Euro, den der Verbraucher für Lebensmittel ausgibt, erhält der Landwirt immer weniger – im Durchschnitt heute nur noch 27 Cent. Anfang der 70er Jahre lag der entsprechende Anteil noch bei 50 Prozent. Bei Milch- und Milcherzeugnissen beträgt der Anteil 44 Prozent. Bei Fleisch- und Fleischwaren ist der Anteil mittlerweile auf unter ein Viertel gesunken. Am niedrigsten ist der Erlösanteil nach wie vor bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnissen mit weniger als 4 Prozent.

Die Diskrepanz zwischen steigendem Wohlstand, Lebensmittelpreisen und rückläufigen Erzeugererlösen wird beim Brot am deutlichsten. Innerhalb von zwei Jahrzehnten haben sich die Löhne mehr als verdoppelt (von 5,51 Euro auf 11,72 Euro nach Angaben des Statistischen Bundesamtes). Die Brotpreise sind um das 1,7fache gestiegen, dagegen die Brotweizenpreise um das 2,4fache gesunken. Ein Weizenerzeugerpreis von 10 Euro je Dezitonne – wie zur Ernte 2002 – macht nur noch 4 bis 5 Prozent des Brotpreises aus. Demgegenüber waren es 1950 entsprechend noch zwei Drittel des Brotpreises. Wären die Weizenpreise seit 1950 genauso stark gestiegen wie die Inflationsrate, dann müssten die Getreidebauern 72 Euro für eine Dezitonne Weizen im August 2002 erlösen, also mehr als das Siebenfache des tatsächlichen Erlöses.

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