03. Dezember 2002

Im Saarland sind Kahlhiebe künftig verboten

Themen: Archiv,Saarland — info @ 09:12

Saarbrücken (agrar.de) – Das Saarland setzt mit dem neuen Landeswaldgesetz, dem dem Ministerrat heute nach erfolgter externer Anhörung zugestimmt hat, Maßstäbe im Hinblick auf eine moderne konsequent ökologisch ausgerichtete Waldwirtschaft. Gleichzeitig soll der Wald noch stärker zu einem ‚Bürgerwald‘ werden, wie Umweltminister Stefan Mörsdorf betonte. Der Gesetzentwurf wird nun von Ministerpräsident Peter Müller im Landtag des Saarlandes eingebracht.

‚Wir sind damit das erste Bundesland, das eine naturnahe Waldwirtschaft im öffentlichen Wald konsequent in Gesetzesform gießt und Kahlhiebe mit wenigen Ausnahmen verbietet‘, unterstrich Mörsdorf. Neben dem Verbot von Kahlschlägen unterstreichen die Pflicht zu einer bestands- und bodenschonenden Ernte des Holzes, der Vorrang der natürlichen Waldverjüngung, der weitgehende Verzicht auf Pestizide sowie das Belassen von Biotopholz die ökologische Ausrichtung des Gesetzesentwurfes. Der Minister zeigte sich besonders erfreut darüber, dass diese Regelungen zu einer naturnahen Waldbewirtschaftung im Einvernehmen mit den Waldbesitzern erarbeitet worden sind.

‚Doch wir wollen den saarländischen Wald nicht nur konsequent ökologisch bewirtschaften und den nachwachsenden Rohstoff Holz nutzen, sondern den Wald noch mehr zu einem Bürgerwald machen.‘ So hat das Saarland sich – anders als andere Bundesländer – zu einer liberalen Auslegung des Betretungsrechtes (das im Bundeswaldgesetz als Rahmengesetz grundsätzlich geregelt ist) entschieden. So dürfen Waldwege und –straßen im Saarland auch künftig von Wanderern, Spaziergängern, Joggern und Radfahrern genutzt werden. Aber auch das Reiten soll in Zukunft auf allen Waldwegen und Forststraßen erlaubt sein. Bisher ist dies nicht der Fall: Auf gekennzeichneten Wander- und Fußwegen ist Reiten bislang noch verboten; im so genannten Verdichtungsraum des südlichen Saarlandes ist es bisher nur auf ausgewiesenen Waldwegen gestattet.

‚Diese liberale Regelung appelliert an das Verantwortungsgefühl aller, die den Wald in ihrer Freizeit zur Erholung nutzen. Sie wird dann funktionieren, wenn Jogger und Spaziergänger, Radler und Reiter Rücksicht aufeinander nehmen und sich gegenseitig Verständnis entgegenbringen. Und dabei nicht vergessen, dass jeder Wald auch einen Eigentümer hat, der sein Eigentum natürlich auch nutzen will.‘ Das Verständnis für die Lebensgemeinschaft Wald – mit all ihren Tieren und Pflanzen, aber auch dem Menschen als Waldnutzer – will Umweltminister Stefan Mörsdorf noch stärker wecken. So enthält das neue Landeswaldgesetz einen neuen Absatz zur Waldpädagogik. Fachleute wie Förster, die sich mit dem Wald beschäftigen, sollen also noch stärker als bisher Wissen über ökologische Zusammenhänge im Wald vermitteln.

Der grundsätzlichen Philosophie des Umweltministeriums, Natur und Landschaft stärker ganzheitlich zu sehen, dient eine weitere Gesetzesänderung: So wird der Landeswaldbeirat abgeschafft. Das Beiratswesen (mit derzeit z. B. Landeswaldbeirat, Landesnaturschutzbeirat, Landesfischereibeirat etc.) soll gestrafft und dadurch insgesamt aufgewertet und gestärkt werden.

Die Gesetzentwurf der Regierung zur Änderung des Landeswaldgesetzes ist Teil der Initiative von Umweltminister Stefan Mörsdorf, das ‚grüne Recht‘ im Saarland zu modernisieren. So stehen auch im Landesjagdgesetz Änderungen an; ein neues Saarländisches Naturschutzgesetz soll im nächsten Jahr auf den Weg gebracht werden.

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