31. Dezember 2002

Landwirtschaftliche Einkommen im Sturzflug

Themen: Archiv — info @ 16:12

Im laufenden Wirtschaftsjahr keine Trendwende absehbar

Hannover (agrar.de) – Geradezu im Sturzflug haben sich die landwirtschaftlichen Einkommen im abgelaufenen Wirtschaftsjahr nach unten bewegt. Im Durchschnitt aller Betriebsformen und aller Bundesländer sanken nach Angaben des niedersächsischen Landvolk-Pressedienstes die Gewinne der im Haupterwerb wirtschaftenden Landwirte vom 1. Juli 2001 bis zum 30. Juni 2002 um 12,9 Prozent auf 31.900 Euro. Damit gehört der Gewinnanstieg des vorhergehenden Wirtschaftsjahres schon wieder der Vergangenheit an und auch für das laufende Wirtschaftsjahr können die Landwirte nach Einschätzung des Bauernverbandes auf keine erneute Besserung der wirtschaftlichen Ergebnisse vertrauen. Heftige Einbrüche bei den Erzeugerpreisen für Milch und Schweinefleisch sowie die schwierigen Erntebedingungen dürften erneut Anlass für ein Minus bei der Einkommensentwicklung sein. Der Bauernverband appelliert daher an die Verbraucher, beim Einkauf von Lebensmitteln nicht allein auf den Preis zu schauen. Wer Qualität und Nachhaltigkeit in der landwirtschaftlichen Erzeugung tatsächlich unterstützen wolle, müsse dazu an der Ladentheke seinen Beitrag leisten. Mit diesem Anspruch solle auch der Lebensmittelhandel den Preiskampf aufgeben.

Das Schlusslicht bei den landwirtschaftlichen Einkommen und das Land mit den stärksten Einbrüchen ist in der regionalen Betrachtung Rheinland-Pfalz. Um mehr als ein Viertel gingen die Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe zurück. Niedersachsen liegt mit einem Rückgang um 15,1 Prozent im Mittelfeld, die absolute Höhe der Unternehmensergebnisse dagegen rangiert mit 33.271 Euro nach Schleswig-Holstein und den neuen Bundesländern auf Rang 3 und damit noch im vorderen Bereich. Nach den Betriebsformen betrachtet mussten die Veredelungsbetriebe den größten Einschnitt verkraften, aber auch die Bewirtschafter von Dauerkulturbetrieben mit Obst- oder Weinbau konnten bei weitem nicht an den Vorjahresgewinn anknüpfen. Mit Rückgängen von 10,4 beziehungsweise 6,2 Prozent kamen die Betriebsleiter auf Marktfruchtbau- und Futterbaubetrieben relativ gesehen noch glimpflich davon. Allerdings bewegen sich insbesondere bei den Milchviehhaltern die Einkommen dramatisch weiter nach unten, da die Auszahlungspreise für Milch auf Grund des harten Preiskampfes im Lebensmittelhandel weiter stetig sinken.

Mit Sorge beobachtet der Berufsstand zudem die starke Zurückhaltung der Betriebsleiter bei den Investitionen. Nach zwei recht guten Wirtschaftsjahren hätten die Landwirte Geld in die Entwicklung ihrer Betriebe stecken müssen. Mit einem Investitionsvolumen von 29.300 Euro je Betrieb blieb dieser Ausgabenposten aber um fast drei Prozent unter dem Vorjahresniveau. Dies sei Ausdruck dafür, dass viele Landwirte daran zweifeln, ob eine leistungsfähige Land- und Ernährungswirtschaft noch auf die Unterstützung der deutschen Politik rechnen darf, vermutet der Bauernverband.

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30. Dezember 2002

DBV: Steigende Produktivität der Landwirtschaft kommt Verbrauchern zugute

Themen: Archiv — info @ 12:12

Lebensmittelpreise sind Inflationsbremse Nummer Eins

Berlin (agrar.de) – Die Landwirte in Deutschland arbeiten hoch produktiv. Die ständige Weiterentwicklung und Optimierung der Betriebsabläufe kommt den Verbrauchern in Form von preiswerten Lebensmitteln zugute. Im Vergleich zu früheren Jahren arbeiten Deutschlands Arbeitnehmer immer weniger, um sich ernähren. Dies geht aus dem Situationsbericht 2003 des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervor.

Wie der Bauernverband mitteilte, sind die Lebensmittel seit 1995 jährlich nominal nur um 1,1 Prozent teurer geworden und damit unterdurchschnittlich gestiegen. Denn der Preisanstieg der übrigen Lebenshaltungskosten lag bei jährlich 1,6 Prozent deutlich höher. Vergleicht man den Anstieg der Lebensmittelpreise seit 1995 von insgesamt 7 Prozent mit dem Anstieg der übrigen Lebenshaltungskosten von 11 Prozent, ’sparen‘ die Verbraucher in der Summe um gut 5 Milliarden Euro pro Jahr durch unterdurchschnittlich gestiegene Lebensmittelpreise. Niedrigere Agrarpreise haben die Lebensmittelpreise damit zur Inflationsbremse Nummer Eins gemacht.

Während sich die Verbraucher über diese Entwicklung freuen können, tragen die Bauern an der ‚Kehrseite‘ dieser Entwicklung schwer. Denn von jedem Euro, den der Verbraucher für Lebensmittel ausgibt, erhält der Landwirt immer weniger – im Durchschnitt heute nur noch 27 Cent. Anfang der 70er Jahre lag der entsprechende Anteil noch bei 50 Prozent. Bei Milch- und Milcherzeugnissen beträgt der Anteil 44 Prozent. Bei Fleisch- und Fleischwaren ist der Anteil mittlerweile auf unter ein Viertel gesunken. Am niedrigsten ist der Erlösanteil nach wie vor bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnissen mit weniger als 4 Prozent.

Die Diskrepanz zwischen steigendem Wohlstand, Lebensmittelpreisen und rückläufigen Erzeugererlösen wird beim Brot am deutlichsten. Innerhalb von zwei Jahrzehnten haben sich die Löhne mehr als verdoppelt (von 5,51 Euro auf 11,72 Euro nach Angaben des Statistischen Bundesamtes). Die Brotpreise sind um das 1,7fache gestiegen, dagegen die Brotweizenpreise um das 2,4fache gesunken. Ein Weizenerzeugerpreis von 10 Euro je Dezitonne – wie zur Ernte 2002 – macht nur noch 4 bis 5 Prozent des Brotpreises aus. Demgegenüber waren es 1950 entsprechend noch zwei Drittel des Brotpreises. Wären die Weizenpreise seit 1950 genauso stark gestiegen wie die Inflationsrate, dann müssten die Getreidebauern 72 Euro für eine Dezitonne Weizen im August 2002 erlösen, also mehr als das Siebenfache des tatsächlichen Erlöses.

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Deutschland ist „Vize-Europameister“ als Agrarproduzent

Themen: Archiv — info @ 09:12

Bei der Betriebsgröße hingegen liegen die deutschen Bauern im Mittelfeld

Berlin (agrar.de) – Deutschland ist nach Frankreich der zweitgrößte Agrarproduzent in der Europäischen Union. Dies geht aus dem neuen Situationsbericht 2003 des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervor. Insgesamt produzierte die deutsche Landwirtschaft Erzeugnisse im Wert von über 46 Milliarden Euro. Die Analysen des DBV zeigen, dass die deutschen Bauern bei 13 wichtigen Agrarprodukten zum Spitzentrio der Produzenten gehören. Bei Raps, Kartoffeln, Schweinefleisch und Milch sind sie ‚Europameister‘, bei Getreide, Zucker, Rind- und Kalbfleisch belegen sie den zweiten Platz.

Rund 7 Millionen landwirtschaftliche Betriebe in der EU bewirtschaften 129 Millionen Hektar. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei 18,4 Hektar. Dabei sind 56 Prozent aller Betriebe kleiner als 5 Hektar, während gut 3 Prozent der Betriebe 100 Hektar und mehr bewirtschaften. Innerhalb der EU unterscheiden sich die Agrarstrukturen sehr stark. Griechenland und Portugal haben mit Abstand die kleinsten Betriebe, während das Vereinigte Königreich und in der Viehhaltung die Niederlande und Dänemark die höchsten Produktionspotentiale je Betriebseinheit ausweisen. In Deutschland beträgt die durchschnittliche Betriebsgröße 32,1 Hektar. Damit liegen die deutschen Betriebe im EU-Vergleich im Mittelfeld. Doch ist zu berücksichtigen, dass die deutsche Landwirtschaft durch große regionale Unterschiede und durch einen besonders hohen Anteil von Betrieben im Nebenerwerb (38 Prozent) gekennzeichnet ist.

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27. Dezember 2002

Umweltthemen nicht instrumentalisieren

Themen: Archiv — info @ 13:12

BUND zieht Bilanz 2002

Berlin (agrar.de) – Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat den großen Volksparteien vorgeworfen, Umweltthemen oft nur kurzatmig aufzugreifen. Es sei im zurückliegenden Jahr deutlich geworden, dass sich viele prominente Politiker nur um die Umwelt kümmerten, wenn es kurzfristigen Wahlzielen diene. Besonders auffällig sei dies bei der Opposition gewesen, die erst nach dem August-Hochwasser und der verlorenen Wahl wieder die Umwelt als Thema entdeckt hätte.

Dr. Angelika Zahrnt, BUND-Bundesvorsitzende: ‚Umweltschutz darf nicht instrumentalisiert werden. Das ist kein Thema, das man nach Belieben von der Tagesordnung streichen kann. Wenn der Fluss erst durch die Stadt fließt und die Parteien versuchen, das Wasser auf ihre Mühlen zu lenken, ist es zu spät. Dann bezahlen Menschen die Versäumnisse mit ihrem Leben, Milliardenschäden sind zu reparieren. Die Umwelt braucht eine vorausschauende Politik, Nachhaltigkeit ist Vorsorge. Aber kaum ist das Wasser abgelaufen, reden dieselben Politiker in Bayern und Sachsen-Anhalt, die eben noch betroffen auf den Deichen standen, wieder von einer Kanalisierung der Flüsse.‘

Zwei Jahre nach der BSE-Krise seien erste Schritte einer neuen Agrarpolitik erkennbar. Der Ökolandbau wachse stetig. Jedoch gebe es in einigen Bereichen der industriellen Tierhaltung leider ebenfalls Steigerungsraten. So stammten – einschließlich der Importe – bisher nur zwei Prozent des in Deutschland verkauften Putenfleisches aus tiergemäßer Haltung. Für mehr Biolandbau und eine artgerechte Nutztierhaltung wolle der BUND im kommenden Jahr verstärkt werben.

Eine Reihe von BUND-Aktionen warben 2002 für die Aufnahme ökologischer Themen in die rot-grüne Koalitionsvereinbarung. Zahrnt: ‚Rot-Grün hat im Koalitionsvertrag zwar einige Perspektiven für eine Politik der Nachhaltigkeit aufgezeigt, die neue Regierung startete aber auch im Umweltbereich mit groben Schnitzern. So verteidigte Umweltminister Trittin den Weiterbetrieb des Schrottreaktors Obrigheim und Agrarministerin Künast akzeptierte zu hohe Grenzwerte bei gentechnisch kontaminierten Lebensmitteln. Diese Beispiele zeigen, dass die Umweltverbände in ihrem Einsatz für mehr Umweltschutz nicht nachlassen dürfen.‘

Mit seiner Aktionstour ‚Stoppt Genfood‘ habe der BUND im Jahr 2002 versucht, Einfluss auf die EU-Gesetzgebung für genmanipulierte Lebensmittel zu nehmen. Ob es am Ende auch gelinge die Gentechnikfreiheit von Lebensmitteln zu sichern, sei jedoch noch nicht absehbar.

Ein Pluspunkt im rot-grünen Koalitionsvertrag sei der Schutz wichtiger Teile ursprünglicher Natur auf dem ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen – dem sogenannten ‚Grünen Band‘. Die Verabschiedung des neuen Bundesnaturschutzgesetzes Anfang 2002 biete neue Möglichkeiten zum Schutz der biologischen Vielfalt. Die Bundesländer seien nun verpflichtet, einen bundesweiten Biotopverbund einzurichten.

Ein Hauptfeld der BUND-Arbeit werde die Fortführung der Agrarwende sein. Weitere Schwerpunkte im kommenden Jahr seien eine umweltgerechte Verkehrsplanung, die Verlagerung größerer Transportanteile auf die Schiene und eine Verbesserung des Schutzes vor Verkehrslärm.

Im Jahr 2002 hatte der BUND nach eigenen Angaben etwa 390 000 Mitglieder und Förderer. Das Jahresbudget blieb mit rund 13 Millionen Euro etwa gleich.

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23. Dezember 2002

Baden-Württemberg: Starker Rückgang beim Schlachtviehbestand

Themen: Archiv,Rinder,Statistik — info @ 16:12

Weiterhin rückläufiger Trend in der Rinderhaltung – noch 1,16 Millionen Rinder im Südwesten

Stuttgart (agrar.de) – Nach den aktuellen Ergebnissen zur repräsentativen Viehzählung vom 3. November 2002 hält der langfristige Trend beim Rückgang der Rinderbestände in Baden-Württemberg weiter an. Nach Feststellung des Statistischen Landesamtes wurde in den landwirtschaftlichen Betrieben des Landes zu diesem Zeitpunkt ein Bestand von 1,16 Millionen Rindern gezählt. Im Vergleich zum Vorjahr nahm der Rinderbestand damit um über 31.000 Tiere ab (-2,6 Prozent).

Besonders auffällig war der Bestandsrückgang bei den Schlachtrindern: Bei den weiblichen Rindern zum Schlachten in der Altersklasse von einem bis zwei Jahren nahm die Anzahl der Tiere um 19,6 Prozent auf 29.500 ab, bei den über zwei Jahre alten Schlachtfärsen um 18,7 Prozent auf 4.800 und bei den Schlachtkühen um 15,2 Prozent auf 7.200. Bei den zur Schlachtung bestimmten Bullen sank die Tierzahl um 19,6 Prozent auf 9.200. Der starke Rückgang der Schlachtrinder dürfte nach dem Abklingen der BSE-Krise im Zusammenhang mit einer inzwischen wieder weitgehenden Normalisierung des Absatzmarktes stehen.

Mit einem Anteil von rund 35 Prozent haben die Milchkühe weiterhin die größte Bedeutung bei der Rinderhaltung im Südwesten. Dem langjährigen Trend folgend, nahm der Milchkuhbestand weiter ab, und zwar um etwa 10.000 Tiere (-2,4 Prozent) auf nunmehr 406.400 Milchkühe.

Entgegen dem allgemein rückläufigen Trend in der Rinderhaltung stiegen die Bestandszahlen bei den für die zukünftige Bestandsergänzung vorgesehenen weiblichen Zucht- und Nutzrindern (+1,3 Prozent auf 142.000 Tiere) und den für die Pflege und Offenhaltung der Landschaft wichtigen Ammen- und Mutterkühen (+1 Prozent auf 57.300 Tiere) leicht an.

Links zum Thema Agrarbericht und Statistik, Links zum Bundesland Baden-Württemberg.

Neue Trinkwasserverordnung tritt in Kraft

Themen: Archiv — info @ 14:12

Schärfere Grenzwerte für Blei ab Ende 2003

Berlin (agrar.de) – Am 1. Januar 2003 tritt die neue Trinkwasserverordnung in Kraft. Sie berücksichtigt neue wissenschaftliche und technische Erkenntnisse sowie Erfahrungen mit dem Vollzug der bisherigen Trinkwasserverordnung und wird den Gesundheits- und Verbraucherschutz weiter verbessern. Mit ihr wurde die novellierte EG-Trinkwasserrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt, informiert das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (%url1/BMVEL%/%).

Die aus Sicht des Verbrauchers wichtigsten Neuregelungen sind:

Die zuständigen Behörden und Wasserversorgungsunternehmen sind verpflichtet, die Verbraucher umfassend über die Qualität des Trinkwassers zu informieren. Sollten die Grenzwerte, die in erster Linie nach dem Vorsorgeprinzip abgeleitet sind (d.h. keine unmittelbare Gefahr bei Überschreitung), zeitlich befristet einmal nicht eingehalten werden können, hat das Gesundheitsamt sicherzustellen, dass die betroffenen Verbraucher über die Abweichung und ggf. über von ihnen selbst zu treffende Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit informiert werden.

In der neuen Verordnung wird ausdrücklich betont, dass die festgelegten Grenzwerte am Zapfhahn des Endverbrauchers einzuhalten sind. Dies wird zukünftig verstärkt durch behördliche Kontrollen insbesondere in öffentlichen Gebäuden überwacht.

Einige Grenzwerte wurden entsprechend den Vorgaben der EG-Trinkwasserrichtlinie geändert bzw. neu aufgenommen. Die unter dem Aspekt des Gesundheitsschutzes wichtigste Änderung ist die schrittweise Herabsetzung der zulässigen Höchst-konzentration von Blei im Trinkwasser von derzeit 0,040 Milligramm je Liter (mg/l) auf 0,025 mg/l ab dem 01.12.2003 und auf 0,010 mg/l ab dem 01.12.2013.

Zur Problematik der Belastung des Trinkwassers mit Blei (betroffen sein können Gebäude, die älter als 30 Jahre sind) haben die zuständigen Bundesministerien zusammen mit Fachverbänden das Informationsfaltblatt ‚Blei und Trinkwasser‘ erstellt. Es beschreibt die mit Bleileitungen verbundenen gesundheitlichen Risiken, gibt Auskunft darüber, welche Haushalte betroffen sein können, wie man Bleirohre feststellen kann, welche Personengruppen besonders gefährdet sind (Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder) und informiert über ggf. zu ergreifende Abhilfemaßnahmen. Zudem nennt es Ansprechpartner für weitergehende Informationen.

Das Faltblatt ‚Blei und Trinkwasser‚ ist online als PDF-Datei verfügbar oder per E-Mail bestellt werden.

Links zum Thema Wasser.

22. Dezember 2002

Bayern gegen neue Brüsseler Milch-Pläne

Themen: Archiv — info @ 13:12

München (agrar.de) – Mit entschiedenem Widerstand aus Bayern und anderen europäischen Milcherzeugerländern muss Brüssel rechnen, wenn die EU ihre jetzt bekannt gewordenen Milchpläne durchzusetzen versucht. Das hat Landwirtschaftsminister Josef Miller in München erklärt. Wörtlich sagte er: ‚Wir wehren uns ganz entschieden gegen eine weitere Absenkung der Stützpreise in der Milchmarktordnung bei der EU-Halbzeitbewertung.‘ Für viele Betriebe im Freistaat sei dann unter den gegebenen Erzeugungsbedingungen und Preis-/Kostenver-hältnissen eine wirtschaftliche Milchproduktion nicht mehr möglich. Ein drastischer Strukturwandel wäre die Folge.

Als kontraproduktiv bezeichnet der Minister in diesem Zusammenhang die ebenfalls von der EU vorgesehene Aufstockung der Milchquoten um 1,5 Prozent über die für 2004 ohnehin vorgesehene Anhebung hinaus. Diese Maßnahme sei völlig verfehlt, sagte er, sie erhöhe nur den Preisdruck und entwerte die Milchquote. Das jetzt bekannt gewordene Vorgehen Brüssels widerspricht laut Miller dem Ziel der EU-Agrarpolitik, die landwirtschaftlichen Einkommen zu stabilisieren und eine flächendeckende nachhaltige Landbewirtschaftung sicher zu stellen.

Wenn die EU-Pläne Wirklichkeit werden, sieht Miller die Milcherzeuger besonders in den Mittelgebirgen und in den Berggebieten gefährdet. Dann werden seiner Meinung nach gerade dort immer noch mehr Milchbauern ihre Betriebe aufgeben. Miller: ‚Damit ist auch die dauerhafte Pflege unserer Kulturlandschaft in höchster Gefahr.‘

Links zum Thema EU und Landwirtschaft.

21. Dezember 2002

Sachsen: Acht Jahre Sorgentelefon im ländlichen Raum

Themen: Archiv — info @ 14:12

Telefon auch über Feiertage besetzt

Dresden (agrar.de) – Fast 48.000 Anrufe wurden in den vergangenen acht Jahren beim Sorgentelefon des Kirchlichen Dienstes auf dem Lande registriert. Allein von Januar bis Dezember diesen Jahres klingelte das Telefon 2.600 mal. Mehr als die Hälfte der Hilfesuchenden konnten ihre Probleme direkt mit einem der mittlerweile 18 ehrenamtlichen Mitarbeiter besprechen. Der Rest der Anrufe ging auf dem Anrufbeantworter ein, Rückrufe sind aufgrund der Anonymität jedoch nicht möglich.

‚Gerade jetzt in der Weihnachtszeit steigt der Bedarf nach einem Ohr zum Zuhören‘, so die Leiterin des Projektes. Zunehmend hätten sich in den letzten Tagen auch Betroffene der Flutkatastrophe an den kostenlosen und anonymen Service gewandt. ‚Patentrezepte haben wir nicht, aber wir können gemeinsam nach einem Lösungsweg suchen, den die Hilfesuchenden einschlagen können‘, so die Leiterin. Manchmal könne schon der erste Satz ‚Ich habe Zeit für Sie‘ etwas von dem Druck nehmen, unter dem der Anrufer stehe.

Das Sorgentelefon unter der Nummer 0800-086 7253 ist Montag, Mittwoch und Freitag jeweils von 10 bis 12 Uhr und von 16 bis 21 Uhr besetzt. Auch zwischen Weihnachten und Neujahr gibt es keine zeitlichen Änderungen. Die Mitarbeiter des Sorgentelefons werden regelmäßig durch einen erfahrenen Psychologen geschult und betreut. Anonymität und Diskretion stehen an oberster Stelle. Das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium fördert die technische Infrastruktur des Sorgentelefons sowie die Stelle der Projektleiterin.

Links zum Thema Landleben, Links zum Bundesland Sachsen.

20. Dezember 2002

Europäischer Gerichtshof lässt Klage von Alteigentümern zu

Themen: Archiv — info @ 16:12

Ostdeutsche LPG-Nachfolger, aber auch Wiedereinrichter, die ehemaliges Bodenreformland gepachtet oder preisgünstig gekauft haben, müssen weiter mit Rückgabeforderungen der Bodenreformopfer rechnen.

Brüssel. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat eine Klage zugelassen, mit der sich ehemalige Eigentümer und Enteignungsopfer der Bodenreform 1945/49 gegen das geltende deutsche ‚Vergabe-Recht‘ stemmen und eine Rückgabe der enteigneten Ländereien erzwingen wollen.

Für den Bundesverband Deutscher Landwirte (VDL) ist dies eine herbe juristische Schlappe für die EU-Kommission und die Bundesregierung, die beide eine Abweisung der Alteigentümer-Klage beantragt hatten. In der Sache selbst ist allerdings noch nichts entschieden. Doch das Verfahren geht in eine weitere Runde, so dass sowohl die Hoffnung (der Opfer), als auch die Rechtsunsicherheit (der Landkäufer) fortbesteht. Eine weitere mündliche Anhörung der streitenden Parteien soll im Frühjahr 2003 stattfinden.

Die Klage der Alteigentümer richtet sich formal gegen einen Beschluss der EU-Kommission, die Ende 1999 das deutsche Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz (EALG) und das darauf basierende Flächenerwerbsprogramm der Bundesregierung mit Abänderungen genehmigt hatte.

Die Brüsseler Behörde wird bezichtigt, mit dieser Genehmigung gegen europäisches Recht verstoßen zu haben. Die Alteigentümer wollen damit schon geschlossene Kaufverträge der BVVG mit Großpächtern im Nachhinein rechtsunwirksam machen.

Ein auch für den VDL schwieriges Thema, sagte VDL-Präsident Dieter Tanneberger. Vorwiegend müsse der Verband die Pacht- und Kaufinteressen seiner Mitglieder, der Wiedereinrichter privatbäuerlicher Betriebe berücksichtigen, die sich 1990 aus der Zwangskollektivierung befreit hätten und ohne den Zugang zu den staatlichen Treuhandflächen aussichtslos zurückgeworfen worden wären. Andererseits sei das Enteignungsunrecht 45/49 derart gravierend, dass der VDL eine glaubwürdige Haltung zu Recht und Eigentum und zu Treu und Glauben nur durch eine permanente Kritik an den einschlägigen Regelungen des Einigungsvertrages und der Urteile des Bundesverfassungsgerichts von 1991 und 1996 gewinnen könne.

Umstritten ist jenes Bodenreform-Land, das sich zum Zeitpunkt der deutschen Einheit in DDR-Staatsbesitz befand und damit in das Eigentum des Bundes überging. In ganz Ostdeutschland geht es um rund 1,8 Millionen Hektar Acker- und Forstfläche.

Diese Ländereien werden von der bundeseigenen Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft (BVVG) ‚privatisiert‘. Die Anspruchsberechtigten – dazu zählen nach ELAG und Flächenerwerbsverordnung – in dieser Reihenfolge und von der BVVG, wie in der jüngsten Dresdner Affäre, oft verletzt:

Selbst wirtschaftende Alteigentümer, Wiedereinrichter, LPG-Nachfolgebetriebe und Neueinrichter an letzter Stelle. Als Neueinrichter gelten alle ‚LPG-Nachfolger‘, die lt. BGH-Rechtsprechung fehlerhaft konstruiert sind – in Sachsen lt. Bayer-Studie allein 50 juristische Personen (GmbH&CoKG) und weitere 70, dem VDL bekannte Agrar-AG und sonstige i.L.-Betriebe mit sonderbarsten Rechtskonstruktionen. Der VDL fordert daher von Staatsminister Steffen Flath (CDU) und von der BVVG Dresden ein transparentes Verfahren bei der Neuverpachtung von Flächen von LPG i.L. Der Fall der ‚BUDISSA‘ i.L.: 7000 Hektar, Anfang Dezember angeblich an mehrere Scheinfirmen aus der Mutter-Holding für weitere 18 Jahre verpachtet, schlägt in Dresden hohe Wellen.

Rechtsgrundlage ist das EALG, mit dem sowohl Interessen der früheren Besitzer als auch der ostdeutschen Landwirte Rechnung getragen werden soll, ‚die den Boden seit über einem halben Jahrhundert bearbeiten‘. Vorrang beim verbilligten Flächenerwerb haben langfristige Pächter, also auch Wiedereinrichter, vermehrt aber Rote Barone – die sich ca. 60 Prozent aller ostdeutschen Agrarflächen über die BVVG, unter Empfehlung der Ämter für Landwirtschaft, angeeignet haben.

Die früheren Eigentümer zogen gegen die EU-Kommission zu Felde. Ihre Klage vor dem Gericht Erster Instanz des Europäischen Gerichtshofes ist im Namen von rund 1000 Alteigentümern durch Anwälte der ARE eingereicht worden. Die Luxemburger Richter verwiesen darauf, dass ein Teil der klagenden Alteigentümer aktive Landwirte sind. Sie seien ‚in ihrer Wettbewerbsstellung beeinträchtigt worden‘.

Links zum Thema %url4%Bodenbesitz%/%, Links zum Thema %url5%Verbände%/%.

Kartoffelernte 2002 in Deutschland unter Vorjahresniveau

Themen: Archiv — info @ 16:12

Bonn (agrar.de) – Die im September veröffentlichten vorläufigen Daten zur Kartoffelernte müssen nur geringfügig korrigiert werden. Nach den endgültigen Ergebnissen der Bodennutzungshaupterhebung und der ‚Besonderen Ernteermittlung‘ wurden 2002 in Deutschland 11,11 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet.

Nachdem die Kartoffelanbaufläche im Jahr 2001 die kleinste seit der Wiedervereinigung gewesen war, wurde sie 2002 leicht auf 284 100 Hektar (+0,7 Prozent) ausgedehnt. Trotzdem blieb die Erntemenge 2002 um 389 000 Tonnen (-3,4 Prozent) hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Bundesweit lagen die Hektarerträge nach einem außergewöhnlichen Witterungsverlauf bei 391,2 Dezitonnen und damit 4,1 Prozent unter denen des Vorjahres. Das langjährige Mittel (395,1 Dezitonnen je Hektar) wurde ebenfalls nicht erreicht (-1,0 Prozent). Das Ertragsniveau war in den Bundesländern sehr unterschiedlich: Während in Bayern mit 406 Dezitonnen je Hektar das Vorjahresergebnis um 12 Prozent übertroffen werden konnte, lagen die Erträge im Haupterzeugerland Niedersachsen in diesem Jahr mit 403 Dezitonnen je Hektar um 10,7 Prozent unter denen des Vorjahres. Tendenziell konnten vor allem die Anbaugebiete im Norden und Osten die Vorjahresergebnisse nicht erreichen.

Kartoffelernte in Deutschland: Einzelwerte.

Links zum Thema Kartoffeln.

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