29. November 2002

BÖLW: Gentechnikfreie Produktion und Lebensmittelverarbeitung muss möglich bleiben

Themen: Archiv — info @ 14:11

Kennzeichnungsvorschriften müssen Klarheit für den Verbraucher schaffen

Berlin (agrar.de) – Die Agrarminister haben am Donnerstag Abend in Brüssel beschlossen, für die Kennzeichnung von Genetisch Veränderten Organismen (GVO) in Lebensmittel einen Grenzwert von 0,9 Prozent anzusetzen.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) erklärte dazu am Freitag in Berlin:

Auch in Zukunft wird der Ökologische Landbau ohne den Einsatz von Gentechnik produzieren. Das ergibt sich aus seinem Selbstverständnis her ebenso wie aus den gesetzlichen Vorschriften und den Richtlinien seiner Verbände. Noch gibt es in Europa keinen kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Wenn das Moratorium, das diesen Anbau bis jetzt verhindert, jedoch fallen sollte, liegt es nur noch die Entscheidung des Verbrauchers, ob auch in den hier erzeugten Nahrungsmitteln und Futtermitteln GVO zu finden sein werden. Denn von der Landwirtschaft wird nur das erzeugt werden, was gekauft wird.

Wenn flächenhaft GVO-Pflanzen angebaut würden, dann wären auch diejenigen nicht mehr vor Verunreinigungen sicher, die – wie die ökologisch wirtschaftenden Bauern und die weit überwiegende Mehrzahl ihrer konventionellen Berufskollegen – bewusst auf den Einsatz von GVO verzichten wollen. Durch Pollen- und Samenflug auf dem Acker, durch Verunreinigungen bei Transport, Lagerung und Verarbeitung wird es dann zu Kontaminationen kommen.

‚Die Verbraucherinnen und Verbraucher können ihre Verantwortung aber nur wahrnehmen, wenn an der Kennzeichnung erkennbar bleibt, welche Produkte ohne den Einsatz von GVO hergestellt worden sind,‘ erläuterte der Vorsitzende des BÖLW, Dr. Felix Prinz zu Löwenstein. ‚Das bringt uns in eine absurde Situation: um weiterhin eine Chance für unsere gentechnikfreie Produktion zu haben, müssen wir – wenn auch zähneknirschend – Kennzeichnungsgrenzwerte akzeptieren, wie die gestern in Brüssel beschlossenen. Wie hoch diese sein müssen, wird sich letztlich erst in der Praxis zeigen. Nach den bislang in USA und Kanada gemachten Erfahrungen müßte bei größter Sorgfalt in den verschiedenen Produktionsstufen ein Grenzwert von 0,9 Prozent, möglichst sogar darunter, einzuhalten sein.‘

Der BÖLW fordert jedoch, dass auch dort die Verwendung von GVO gekennzeichnet werden muß, wo diese im Produktionsprozess verwendet wurden. So müßte z.B. auch Fleisch aus mit GVO gefütterten Tieren das Label: hergestellt mit GVO tragen. Ausserdem muss sichergestellt werden, dass die Verursacher – also die GVO-Produzenten – in Haftung genommen werden, wenn durch Verunreinigungen Grenzwerte überschritten werden.

Ganz andere Maßstäbe müssen jedoch für Saatgut gelten. Thomas Dosch, Pressesprecher im BÖLW-Vorstand, machte deutlich: ‚Saatgut steht am Beginn der Produktionskette. Es muss deshalb kompromisslos vor Verunreinigungen geschützt werden, denn sonst ist beim fertigen Produkt ein niedriger Grenzwert nicht einhaltbar. Wir fordern deshalb die Europäische Kommission auf, für Saatgut einen Grenzwert von 0,1 Prozent zu setzen und somit bis an die Nachweisgrenze zu gehen!‘

Links zum Thema Biotechnologie, Links zum Thema Bio-Landbau.




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