Mehr Angebote für private Waldbesitzer in Brandenburg
Potsdam (agrar.de) – Die Waldbesitzer haben nach Jahrzehnten der Fremdbestimmung ihr Eigentum wieder angenommen. Viele sind nach Brandenburg zurückgekehrt, um alten Familienbesitz zurückzuerwerben oder sind als Neueinrichter ganz ohne Vorbelastung Waldeigentümer geworden. Brandenburg verfügt über knapp 1,1, Mio. Hektar Wald. Gegenwärtig sind 500.000 Hektar in privater Hand. Langfristig soll der Anteil privater und kommunaler Waldbesitzer auf 60 Prozent steigen.
In Brandenburg gibt es wieder rund 100.000 private Waldbesitzer. Bis Ende 2001 sind von der BVVG, der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft, in Brandenburg 120.000 Hektar Wald an Neueinrichter (34 Prozent), Wiedereinrichter (3 Prozent) und frühere Eigentümer (36 Prozent) sowie zum Verkehrswert an sonstige Erwerber privatisiert (27 Prozent) worden. Einen Tag vor der morgigen Konferenz des Brandenburgischen Forstvereins in Eberswalde zum gleichen Thema stellte Agrar- und Umweltminister Wolfgang Birthler (SPD) eine Bilanz zur Privatwaldentwicklung in Brandenburg vor: ‘Die Forstreform hat die Weichen auch dafür gestellt, dass die Betreuung und Beratung der privaten Forstwirtschaft auf einer kalkulierbaren Grundlage steht. Die Dienstleistungsangebote für die Privaten müssen erheblich ausgeweitet werden, auch um sicherzustellen, dass unter den Brandenburger Bedingungen mehr Holz für die heimische Industrie mobilisiert werden kann.’
Schwierige Produktionsbedingungen
So schön die Brandenburger Landschaften auch sind, die natürlichen Produktionsbedingungen für die Forstwirtschaft sind eher mäßig. Geringe Niederschläge und ausgeprägte Trockenzeiten addieren sich mit der geringen Wasserspeicherkapazität der überwiegend sandigen Böden.
Kriegsfolgen und die Bedürfnisse der DDR-Volkswirtschaft bescheren den Waldbesitzern ein Übermaß junger und mittelalter, zumeist strukturarmer Kiefernbestände. Die standörtlichen Bedingungen, die Waldstrukturen und die Baumartenzusammensetzung wiederum bedingen eine besonders hohe Anfälligkeit gegenüber Feuer und anderen Schadeinwirkungen.
Mit regionalen Unterschieden überwiegen bei den zirka 100.000 Betrieben vor allem die kleinen, die über weniger als 5 Hektar Wald verfügen. Ein Viertel aller Betriebe besitzt sogar unter 3 Hektar Wald. Die Privatisierung des ehemals volkseigenen Waldes durch die BVVG führt dazu, dass künftig etwa ein Drittel der Privatwaldfläche über 200 Hektar verfügt. 1.000 oder 2.000 Hektar Wald sind unter Brandenburger Ertragsbedingungen noch keine Lizenz zum Gelddrucken. Selbst unter günstigen Bedingungen liegen die Betriebserträge selten über 80 bis 90 Euro pro Jahr und Hektar und damit etwa 250 Euro unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.
In vielen Fällen reichen die Betriebserträge nicht einmal mehr aus, um die fixen Belastungen für Grundsteuern, gesetzliche Unfallversicherung, Boden- und Wasserverbände sowie die Waldbrandversicherung zu decken. Vor dieser Situation stehen Waldbesitzer, die nach einer Untersuchung der Universität Tharandt in den meisten Fällen schon etwas betagter sind, keine forstliche Ausbildung erfahren haben und über keinerlei technische Ausstattung verfügen.
Privater Waldbesitz hat dennoch Zukunft
Birthler: ‘Und dennoch bejahe ich die Frage, ob Waldbesitz in Brandenburg überhaupt eine Zukunft hat.’ In Brandenburg hat sich eine Holzindustrie konsolidiert, die zwar nicht frei von Krisen ist, dennoch aber eine entscheidende Nachfrageposition ausübt und die auch bereit ist zu echten Partnerschaften. Darüber hinaus bilden sich zunehmend regionale und kleinräumigere Wirtschaftskreisläufe, in denen die Forstwirtschaft mit ihren umweltfreundlichen Produkten eine zunehmende Rolle spielen wird. Und schließlich hat auch der Privatwald in Brandenburg maßgeblich Anteil am Landschaftsbild und damit Bedeutung für den Natur- und Artenschutz. In Verbindung mit der Metropole Berlin wird es auch gelingen, diese Stärken zu einer Verbesserung des Betriebsertrags zu nutzen.
Erarbeitung eines Brandenburger Waldprogramms
Gegenwärtig wird mit großer öffentlicher Beteiligung ein Waldprogramm für Brandenburg entwickelt. Über 70 Einzelpersonen, Verbände, Kommunen haben ihre Erwartungen an den Wald, seine Bewirtschaftung und seine Nutzungsmöglichkeiten formuliert. Gerade der intensive Dialog mit den Waldbesitzern hat aber auch gezeigt, dass eine aktuelle – und möglichst objektive – Situationsanalyse dringend notwendig ist. Bevor aus den über 240 Aspekten die programmatischen Aussagen für die künftige Forstpolitik abgeleitet werden, ist es wichtig, dem Privatwald noch einmal besonderes Gehör zu verschaffen.
85 Mio. Euro Fördermittel
Die finanzielle Förderung der privaten und kommunalen Forstwirtschaft mit Mitteln des Landes, des Bundes und der EU betrug in den letzten 11 Jahren insgesamt etwa 85 Mio. Euro. Der weit überwiegende Teil hiervon, nämlich 76 Mio. Euro, ging in waldbauliche Maßnahmen, also in die Anpassung der Waldstrukturen, die die Waldbesitzer bei der Wiedererlangung ihres Eigentums vorgefunden haben. Mit 3,5 Mio. Euro wurde der Aufbau der forstlichen Zusammenschlüsse gefördert.
‘Dies scheint mir in der Rückschau zu gering’, sagte Birthler dazu: ‘Jetzt hat Brandenburg mit über 400 Zusammenschlüssen zwar den Spitzenplatz in der Bundesrepublik. Aber was die Durchschnittsgröße der einzelnen Zusammenschlüsse anbelangt und ihre Betriebsintensität – darin sollten wir noch jeden Vergleich meiden.’
So beträgt die Durchschnittsgröße von Forstbetriesgemeinschaften in Brandenburg 361 Hektar, aber in Niedersachsen 3.300 Hektar und in Bayern 6.700 Hektar.
Naturschutz und Wald
Die naturschutzfachliche Wert der brandenburgischen Wälder liegt insbesondere in der relativ geringen Zerschneidung durch Infrastruktur und Besiedelung. Dies zu erhalten ist ein Ziel der Schutzgebietsausweisungen, an denen der Privatwald im Verhältnis zu seinem Flächenanteil unterproportional beteiligt ist, bei Totalreservaten und bei Naturschutzgebieten mit 32 Prozent und bei Landschaftsschutzgebieten mit 56 Prozent.
Seit heute erhältlich: Privatwald in Brandenburg – Entwicklung, Rahmenbedingungen und aktuelle Situation, Eberswalder Forstliche Schriftenreihe, Band XVI, 78 Seiten, herausgegeben von der Landesforstanstalt Eberswalde und dem brandenburgischen Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung, Eberswalde/Potsdam 2002, ISBN: 3-933352-48-7; Bezugsquellen: Landesforstanstalt Eberswalde, Forstschule Finkenkrug, Dezernat Öffentlichkeitsarbeit, Telefon: 03322-243765 und 243766; E-Mail – oder über die Pressestelle des Ministeriums.
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