Erntebilanz Mecklenburg-Vorpommern: Ergebnisse nur gering unter langjährigem Durchschnittswert
Landesregierung unterstützt Landwirte mit extremen Verlusten
Schwerin (agrar.de) – ‘Die Landwirte Mecklenburg-Vorpommerns haben im Landesdurchschnitt eine mäßige Ernte in diesem Jahre eingefahren. Die Ergebnisse liegen zwar weit unter denen der Rekordernten von 2001 und 2000. Im Vergleich zum Durchschnittswert der letzten 5 Jahre allerdings sind zumindest was das Getreide betrifft nur geringe Abweichungen zu verzeichnen. Beim Raps ist auch dieser Unterschied etwas deutlicher. ‘Dennoch ist eine solche Situation für die Landwirtschaft nicht untypisch. Aufgrund extremer Witterungsverhältnisse (Staunässe) in einzelnen Regionen bzw. der Auswirkungen des Hochwassers haben einzelnen Betriebe drastische Ertragseinbußen zu verzeichnen. Hier greifen die umfangreichen Hilfsmaßnahmen von Bund und Land’, erklärte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus heute auf der Landespressekonferenz zur Vorstellung des Ernteberichts 2002 in Schwerin.
Die Ergebnisse im Vergleich:
Durchschnitt 1996-01; 2001; 2002 Getreide 66,6 dt/ha; 74,7 dt/ha; 65,1dt/ha Winter-Raps 36,4 dt/ha; 41,8 dt/ha; 32,3 dt/ha
Im Vergleich der Bundesländer liegt Mecklenburg-Vorpommern beim Getreideertrag an 3. Stelle. Den höchsten Ertrag erzielte hierbei wiederum Schleswig-Holstein mit 75,4 dt/ha. In Deutschland insgesamt wird eine Getreidemenge von etwa 39,6 Mio. Tonnen geerntet. Mecklenburg-Vorpommern hat daran mit 3,82 Mio. Tonnen einen Anteil von 9,6% und belegt damit im Ländervergleich den 4. Platz.
‘Trotz des deutlich geringeren Ertrages beim Raps erreicht Mecklenburg-Vorpommern mit 32,3 dt/ha immer noch den 1. Platz im Bundesdurchschnitt. Auch durch die erneute Ausdehnung der Anbaufläche von Winterraps um 29.100 ha hat Mecklenburg-Vorpommern seine Spitzenstellung im Rapsanbau untermauert’, erläutert Landwirtschaftsminister Dr. Backhaus.
Der Getreideanbau wurde im Vergleich zum Vorjahr um 24.000 ha reduziert, bedingt durch die schlechten Bedingungen zur Wintergerstenaussaat im Herbst 2001. Insgesamt waren im Land von 586,9 Tha Getreide und von 232,8 Tha Winterraps zu ernten. Der Anbau der übrigen Kulturen hat sich nur unwesentlich geändert.
Die Ursachen für die nur mäßigen Ernteergebnisse sind nicht nur in den komplizierten Erntebedingungen, sondern im gesamten Vegetationsverlauf 2001/2002 zu sehen. Die Aussaat im Herbst 2001 erfolgte bedingt durch Nässe erst sehr spät und mit großen Qualitätsabstrichen. Die Kulturen konnten sich demzufolge nur ungenügend entwickeln. Auch die Vegetationsbedingungen in den Monaten März bis Mai 2002 waren nicht optimal. Hinzu kommen die überdurchschnittlich hohen Niederschläge mit Beginn der Ernte (Anfang Juli bis 10. August) und die Hochwasserschäden in bestimmten Regionen des Landes, insbesondere im Landkreis Ludwigslust.
Neben den geringeren Erträgen haben auch die deutlich niedrigeren Preise zu Mindereinnahmen bei den landwirtschaftlichen Unternehmen geführt. So liegen die Preise bei Getreide im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt um 1,50 Euro/dt bis 2,00 Euro/dt niedriger. Für Trocknung, Lagerung, Aufbereitung und Transport fielen bei den Landwirten zusätzliche Kosten an. Hinzu kommt, dass große Mengen von Getreide insbesondere bei Roggen und Ökogetreide aufgrund der Qualitätsmängel nur noch als Futtergetreide verkauft werden konnten.
Die witterungsbedingten Mindererträge und die erhöhten Kosten führten dazu, dass im ganzen Land im Vergleich zum Vorjahr Erlösausfälle in Höhe von ca. 211 Mio. Euro entstanden sind; im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1996 bis 2001 belaufen sich die Ausfälle auf ca. 80 Mio. Euro. Die Überflutungen besonders im Landkreis Ludwigslust haben Schäden in Höhe von ca. 13 Mio. Euro verursacht.
‘Die Liquidität vieler Landwirtschaftsbetriebe hat sich aufgrund der dargestellten Ausfälle erheblich verschlechtert. Die Landesregierung hat deshalb umfangreiche Maßnahmen eingeleitet, um den betroffenen Betrieben kurzfristig zu helfen. So habe ich zum 1.September alle namhaften Banken des Landes und im Land ansässige Unternehmen des Handels und der Verarbeitung eingeladen, um zu erwirken, dass den betroffenen Landwirte durch Gewährung von Krediten bzw. durch weitere Vorfinanzierung auch seitens der Wirtschaft geholfen wird’, erklärt der Landwirtschaftsminister.
Darüber hinaus beabsichtigt die Landesregierung, den Landwirten eine weitere zusätzliche Liquiditätshilfe für witterungsbedingte Ernteausfälle zur Verfügung zu stellen. Dafür stellt das Land vorbehaltlich der noch ausstehenden EU-Genehmigung ca. 1 Mio. Euro bereit.
Zur Unterstützung der durch Hochwasserschäden betroffenen Landwirte stellen der Bund und das Land 2,0 Mio. Euro bereit. Zur Zeit liegen 15 Anträge im Umfang von 1,3 Mio. Euro vor.
In Abstimmung mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium und der Europäischen Kommission wurde erreicht, dass die Auszahlung der Flächenprämien für die Landwirte der Landkreise Ludwigslust, Parchim, Nordwestmecklenburg, Mecklenburg-Strelitz, Demmin und Güstrow vorzeitig zum 30.09.2002 erfolgen kann. Somit werden 98,5 Mio. Euro etwa 8 Wochen früher an die betroffenen Landwirte ausgezahlt.
Das Hilfspaket umfasst darüber hinaus weitere Möglichkeiten wie: Die Nutzung von Stilllegungsflächen für Futterzwecke. Die Erhöhung des Stilllegungssatzes auf 50 Prozent für das Anbaujahr 2002/2003 für Landwirte, auf deren Ackerflächen aufgrund der Überflutung keine Wiederbestellung für das Erntejahr 2003 möglich ist bzw. denen dadurch unverhältnismäßig hohe Kosten entstehen. die Stundung von Pachten, Abgaben und Kapitaldienste
Die ungünstigen Witterungsbedingungen haben auch zu schlechteren Erträgen bei der Obst- und Gemüseernte geführt. Bei Erdbeeren konnten nur 80 Prozent des erwarteten Aufkommens geerntet werden. Drastische Ausfälle, zum Teil bis zu 90 Prozent, verzeichneten die Obstbauern bei Süß- und Sauerkirschen. Bei Pflaumen liegen die Erwartungen bei etwa 50 Prozent. Ähnlich sieht es bei Kernobst aus. Hier werden etwa nur 60 Prozent einer durchschnittlichen Ernte erwartet.
Die Kartoffelernte wird in diesem Jahr ähnlich wie im letzen Jahr ausfallen. Die erwarteten Erträge von 363,3 dt/ha liegen nur um 2,6 dt/ha unter dem Vorjahresergebnis, aber um 25,5 dt/ha über dem Durchschnittsertrag von 1996-2001.
‘Die Entwicklung der Anbaufläche von Kartoffeln ist nicht befriedigend. Trotz aller Unterstützung durch das Landwirtschaftsministerium ist die Anbaufläche im Jahr 2002 auf 96,2 Prozent zurückgegangen. Es wurden nur noch 15.300 ha angebaut. Damit können wir die Verarbeitungskapazitäten in Hagenow und Stavenhagen nicht selbst auslasten. Noch immer benötigen wir dafür mehr als 100.000 t Kartoffeln aus anderen Bundesländern. Dabei ist der Kartoffelanbau sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch für die Schaffung neuer Arbeitsplätze interessant.
Für die Produktion von 1 ha Kartoffeln werden 25 Arbeitskräftestunden benötigt, dagegen für die Produktion von 1 dt Getreide nur 7 Arbeitskräftestunden. Auswertungen der LMS haben ergeben, dass Landwirte in unserem Land bei einem Durchschnittsertrag von 370 bis 380 dt/ha unter Beregnung stehend, einen Gewinn von mehr als 1.000 Euro pro ha erwirtschaften. Aus meiner Sicht ist die Erweiterung des Anbau um mindestens 4.000 Hektar erforderlich. Damit würden weitere ca. 100 Arbeitsplätze im Land geschaffen werden können’, appelliert der Minister an die Landwirte. Zudem wiesen die Vorschläge der EU-Kommission eindeutig daraufhin , dass eine einseitige Produktion von Raps oder Getreide künftig nicht mehr effektiv möglich sein werde und deshalb eine Alternative im Kartoffelanbau als auch in der die Ausdehnung des Feldgemüseanbaus gesucht werden müsse.
‘Die Ernteergebnisse des Jahres 2002 blieben weit hinter den Erwartungen und zurück. Die witterungsbedingten Ausfälle konnten trotz angestrengter Arbeit, der Einführung neuer Technologien, einer nachhaltigen Landbewirtschaftung unter besonderer Berücksichtigung der Einhaltung der guten fachlichen Praxis nicht ausgeglichen werden. Allerdings hätten Witterungseinflüsse wie in diesem Jahr vor 10 Jahren erheblich größere negative Auswirkungen gehabt. Uns allen wurde dadurch wieder bewusst, dass Landwirtschaft trotz allen Fortschritts auch mit unberechenbaren und unbeeinflussbaren Faktoren arbeiten muss. Das müssen die Unternehmen bei ihren betriebswirtschaftlichen Überlegungen stärker berücksichtigen’, mahnte Landwirtschaftsminister Backhaus an.
Der vollständige Erntebericht ist auf der Homepage des Ministeriums abrufbar.
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