18. Oktober 2002

Backhaus: Keine „neuen“ Nitrofen-Fakten

Themen: Archiv — info @ 12:10

Schwerin (agrar.de) – Die durch die Verbraucherschutzorganisation ‚Foodwatch‘ veröffentlichten Informationen zu nitrofenbelastetem Futter (unsere Meldung) sind dem Landwirtschaftsministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern und der Öffentlichkeit seit längerem bekannt, so das Ministerium in einer Pressemeldung. Auf der Grundlage dieser Fakten arbeitet das Landwirtschaftsministerium bereits seit dem 1. Juni 2002 mit dem Landeskriminalamt und der zuständigen Staatsanwaltschaft zusammen und hat so zu einer umfassenden und schlüssigen Aufklärung der Vorfälle um die mit Nitrofen belasteten Futter- und Lebensmittel beigetragen.

Staatsanwaltliche Ermittlungen gegen die vermeintlichen Verursacher der Vorgänge wurden durch das Landwirtschaftsministerium ebenfalls bereits am 1. Juni 2002 veranlasst und sind noch nicht abgeschlossen.

Schlussfolgernd aus diesen Ereignissen hat sich Landwirtschaftsminister Dr. Backhaus auf Bundesebene für die Erhöhung der Kriterien der Futtermittelsicherheit und der Lebensmittelsicherheit eingesetzt. Entsprechende Rechtsvorschriften wurden im Rahmen der Initiative erlassen. So besteht jetzt eine Informationspflicht an die Behörde u. a. für Untersuchungseinrichtungen bei möglicher Beeinträchtigung der Futtermittel- und Lebensmittelsicherheit.

Weitere Konsequenzen aus der Bearbeitung des Nitrofen-Geschehens im Land sind die Überarbeitung des Landesalarmplanes mit Vorgaben für das Krisenmanagement im Bereich des gesundheitlichen Verbraucherschutzes und die verstärkte Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt.

Die ehemalige MTV-Pflanzenschutzmittelhalle in Malchin ist nach umfangreichen Recherchen als alleinige Quelle für die Verunreinigung von Futter- und Lebensmitteln mit dem verbotenen herbiziden Wirkstoff ‚Nitrofen‘ anzusehen.

Sämtliche Warenströme, die in einer Beziehung zur ehemaligen MTV-Halle in Malchin standen, wurden zurückverfolgt. Es wurden alle notwendigen Maßnahmen zur Gewährleistung einer hohen Futtermittel- und Lebensmittelsicherheit durch das Landwirtschaftsministerium und seine nachgeordneten Behörden veranlasst.

Die Überprüfung aller ehemaligen ACZ- und MTV-Lagerstätten, in denen zu DDR-Zeiten Pflanzenschutzmittel lagerten, ergab, dass eine lose Lagerung von Futter- oder Lebensmitteln ausschließlich in der ehemaligen MTV-Halle in Malchin erfolgte. Lediglich in einer Halle lagerten originalverpackte und in Folie verschweißte Futtermittel. Nach sofortiger Auslagerung, anschließender Beprobung und dem Vorliegen negativer Laborbefunde konnte diese Ware veräußert werden.

Links zum Thema Nitrofen.

Wernicke: Bund muss Wettbewerbsfähigkeit sichern – Polarisierung in der Landwirtschaft ist nicht zielführend

Themen: Archiv — info @ 12:10

Magdeburg (agrar.de) – Landwirtschaftsministerin Petra Wernicke setzt weiterhin auf ein Nebeneinander von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft. Sie hält eine Quotierung und zeitliche Vorgabe für die Etablierung des Ökolandbaus, wie es in der Koalitionsvereinbarung der Bundesregierung festgeschrieben worden ist, für falsch. Damit werde erneut unsachgemäß zwischen den Bewirtschaftungsformen pola-risiert. Wernicke: ‚Es kann nur ein Miteinander geben.‘

Für die Ministerin steht außer Frage, dass der Ökolandbau Unterstützung bedürfe. Das treffe allerdings auch auf den konventionellen Teil der Landwirtschaft zu. Die besten Konzepte sowie die Qualitätssicherung der jeweiligen Produkte ist maßgebend. Wernicke: ‚Letztlich entscheidet der Verbraucher selbst.‘

Man müsse nichts regeln, was der Markt bestimmt. Ziel der Bundesregierung müsse es sein die Landwirtschaft als modernen Wirtschaftszweig auszubauen, der im internationalen Wettbewerb bestehen kann.

Ein richtiger Weg bahne sich an, wenn die multifunktionale Landwirtschaft durch Einkommensdiversifizierung gestärkt würde. Das verlange vom Bund sich gegen die Veränderungen im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe stark zu machen. Der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen auf Stilllegungsflächen muss weiterhin möglich sein. Gerade Sachsen-Anhalt verliert sonst entscheidende Potentiale für die Erzeugung und Nutzung der Biomasse. Wernicke: ‚Dafür müsse sich aber die Bundesregierung gegenüber Brüsseler Plänen stärker ins Zeug legen.‘ Auch nationale Alleingänge seien weiterhin abzulehnen, da sie die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft gefährden.

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Stächele: Rot-Grüne Koalitionsvereinbarung belastet die Landwirtschaft

Themen: Archiv — info @ 11:10

Koalitionsvereinbarung im Bund schwächt Landwirtschaft im Land

Freiburg (agrar.de) – Der baden-württembergische Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Willi Stächele MdL kritisiert die am Mittwoch vorgestellte Koalitionsvereinbarung von Rot-Grün im Bund als weiteren ’schmerzlichen Schlag gegen die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft im Land‘. ‚Statt richtungsweisende Vorschläge für eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu entwickeln, gibt es neue bürokratische Hürden für unsere Betriebe‘, betonte Minister Willi Stächele in Freiburg.

‚Insbesondere in den benachteiligten Gebieten, in denen die durch die vorgesehenen Änderungen betroffenen Betriebe einen wichtigen Beitrag zur Offenhaltung der Landschaft leisten, sind schwerwiegende Folgen für die Kulturlandschafterhaltung absehbar‘, kritisierte Stächele. ‚Die Beschlüsse der Koalition stehen im Gegensatz zu den bisherigen Erklärungen, man wolle die kleine und mittlere Betriebsstruktur stärken und setzen die lange Liste der Belastungen der Landwirtschaft durch die rot-grüne Bundesregierung fort‘, sagte Stächele. Hierzu zählt auch die Kürzung der Mittel für die Gemeinschaftsaufgabe ‚Agrarstruktur und Küstenschutz‘ durch den Bund um 113 Mio. Euro.

Die Beschlüsse sehen unter anderem vor, dass für eine Reihe von landwirtschaftlichen Vorprodukten und für Blumen und Zierpflanzen der bisherige Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent auf 16 Prozent erhöht werden soll. Außerdem soll die bisherige Durchschnittsatzbesteuerung bei der Umsatzsteuer, die vor allem für die kleineren und mittleren Betriebe eine wesentliche Vereinfachung darstellte, zukünftig nicht mehr möglich sein. Gerade diese Abschaffung bedeutet für die Masse der landwirtschaftlichen Betriebe einen zusätzlichen bürokratischen Aufwand, ohne dass damit entsprechende Steuermehreinnahmen verbunden sind. ‚Die rot-grüne Koalitionsvereinbarung arbeitet damit gegen das gesellschaftlich wichtige Ziel, die flächendeckenden Landbewirtschaftung zu stärken‘, so Minister Willi Stächele.

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Sachsen-Anhalt: Kürzungen bei Agrar- und Umweltverbänden

Themen: Archiv — info @ 10:10

Neues Konzept der Verbandsförderung ab 2003

Magdeburg (agrar.de) – Sachsen-Anhalts Landwirtschafts- und Umweltministerin Petra Wernicke kündigte heute vor Vertretern der Agrar- und Umweltverbände an, dass ab 2003 die Mittel für deren Förderung gekürzt werden müssen. Der Grund ist die angespannte Haushaltssituation des Landes.

Die Ministerin benannte Eckpunkte des Agrar- und Umwelthaushalts und verwies darauf, dass es der Landesregierung wichtig ist, die Kofinanzierung von EU- und Bundesmitteln zu sichern.

Wernicke: ‚Die Kürzung der Förderung von Verbänden wird nicht pauschal erfolgen.‘ Konkrete Einsparungen für die einzelnen Vereine sind nicht benannt worden.

Derzeit werde ein Konzept für die Förderung der Agrar- und Umweltvereine erarbeitet. Dieses Konzept soll unter Berücksichtigung der Haushaltssituation Förderprioritäten und eine für alle Seiten handhabbare Anwendung beinhalten.

Zukünftig wird die Prioritätensetzung stärker die Leistungsfähigkeit der einzelnen Vereine berücksichtigen. Wernicke: ‚Leistungen und Erfolg werden die entscheidenden Maßstäbe sein.‘

In der Diskussion ist bereits auch auf Einsparmöglichkeiten verwiesen worden. Eine effektivere Abstimmung der Aufgaben oder auch die Bildung von Bürogemeinschaften soll in den nächsten Wochen gemeinsam mit den Verbänden weiter erörtert werden. Wernicke: ‚Der Dialog mit den Verbänden wird fortgesetzt.‘

Ziel es bis Mitte Dezember die notwendigen inhaltlichen und finanziellen Abstimmungen mit den Verbänden abzuschließen.

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Möllers: Pauschale Umsatzsteuerregelung in der Landwirtschaft muss erhalten bleiben

Themen: Archiv — info @ 10:10

Abschaffung hätte unnötige Bürokratie zur Folge

Münster (agrar.de) – Auch nach der Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und Grünen ist immer noch unklar, in welchem Gesamtumfang die Landwirtschaft von steuerlichen Einschnitten betroffen sein wird. Nachdrücklich plädierte WLV-Präsident Franz-Josef Möllers deshalb am Mittwoch in Münster für die Beibehaltung der bestehenden Umsatzsteuerpauschalierung in der Landwirtschaft. ‚Mit der Abschaffung der Pauschalierung würde ein gut funktionierendes Beispiel einer Verwaltungsvereinfachung geopfert‘, betonte Möllers. Allein in Westfalen-Lippe müssten für mehr als 40.000 landwirtschaftliche Betriebe neue Steuerakten angelegt, verwaltet und die Zahlungsströme überwacht werden. Unnötige und nicht zu rechtfertigende Bürokratie wäre die Folge.

Dabei gebe es die oft behauptete Subventionierung der Landwirtschaft durch die Umsatzsteuerpauschalierung ohnehin nicht, so der Bauernpräsident. Die Belastung der bäuerlichen Betriebe beim Einkauf von Produktionsmitteln und der Vorteil beim Verkauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen halte sich in Schnitt nämlich überwiegend die Waage. Die Abschaffung der Pauschalierungsregelung träfe aber vornehmlich Direktvermarkter, Dauerkulturbetriebe und alle landwirtschaftlichen Unternehmen mit hoher Wertschöpfung.

Der WLV-Präsident wies darauf hin, dass mit der Entscheidung, den ermäßigten Satz der Mehrwertsteuer für zahlreiche Produkte der Landwirtschaft auf 16 Prozent zu erhöhen, Bauern und Gärtner durch den Sparkurs der Bundesregierung mit hoher Wahrscheinlichkeit hart getroffen würden; die abschließende Bewertung stehe dazu aber noch aus.

Der Bauernpräsident erinnerte ferner daran, dass auch steuerliche Vereinfachungsregelungen für kleinere Höfe (§ 13a Einkommenssteuergesetz) nicht aufgegeben werden dürften. Den Staat würde die Abschaffung dieser Regelung ohnehin weder besser noch schlechter stellen, für viele Betriebe stelle die dann notwendig werdende Buchführungspflicht aber eine nicht zu bewältigende Belastung dar.

17. Oktober 2002

DBV: Koalitionsvereinbarung ist kein Aufbruchsignal

Themen: Archiv — info @ 13:10

Pauschalregelungen bei Mehrwert- und Einkommensteuer nicht zu Fall bringen!

Berlin (agrar.de) – Die rot-grüne Regierungskoalition hat nach Auffassung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) mit ihrer Koalitionsvereinbarung und den personellen Entscheidungen deutlich gemacht, dass sie angesichts einer katastrophalen konjunktur- und haushaltspolitischen Situation Kompromisse suchen muss. Ob die angekündigten zaghaften Korrekturen in der Sozialpolitik und in der Arbeitsmarktpolitik ausreichen werden, die für Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland dringend erforderlichen Grundsatzentscheidungen voranzubringen, muss jedoch bezweifelt werden. Die anhaltende konjunkturelle Schwächephase soll eher mit vorsichtigen steuer- und haushaltspolitischen Entscheidungen überwunden werden. Es wird sich zeigen, ob angesichts immer schneller wachsender Staatsverschuldung diese Rechnung aufgeht und die Koalitionsvereinbarung zum Beispiel schon bei den anstehenden Beratungen des Haushaltes 2003 eingehalten werden kann.

Die Land- und Forstwirtschaft ist gut beraten, die Einzelvorschläge der Koalitionsvereinbarung sehr sorgfältig zu prüfen. Auf heftige Ablehnung muss vor allem der Versuch stoßen, die bestehenden Pauschalverfahren des § 24 Umsatzsteuergesetz und § 13a Einkommensteuergesetz aufzugeben. Damit würde hunderttausenden von Betrieben ein kostenträchtiges und bürokratisches Steuerverfahren auferlegt, ohne dass wesentliche Mehreinnahmen für den Staat zu erwarten sind. Betroffen wären vor allem kleinere und extensiv wirtschaftende Betriebe, denen die Regierungsparteien vor der Wahl die Beibehaltung der Pauschalierung versprochen hatten. ‚Der Deutsche Bauernverband wird sich deshalb nachdrücklich im Bundestag und besonders im Bundesrat für eine Beibehaltung dieser Regelung einsetzen‘, so DBV-Präsident Gerd Sonnleitner in einer ersten Stellungnahme.

Aber auch die Verschlechterung der Abschreibungsbedingungen bei Gebäuden ist für die Land- und Forstwirtschaft kein Signal für mehr Investitionen. Verbesserte Reinvestitionsmöglichkeiten für Land- und Forstwirte fehlen vollständig, obwohl die Gleichstellung mit der gewerblichen Wirtschaft seit der Unternehmensteuerreform überfällig ist.

Die Festlegungen der Regierungskoalition im Bereich Tier-, Natur- und Umweltschutz enthalten kaum konkrete Festlegungen. Erfreulicherweise wird an verschiedenen Stellen auf die Notwendigkeit von EU-Harmonisierung abgestellt. Mit Sorge verfolgt der DBV aber den erneuten Versuch, über die gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft, aber auch in der Forstwirtschaft, Nachhaltigkeit stärker ökologisch und weniger ökonomisch zu definieren.

Die verschiedenen Vorschläge zum gesundheitlichen Verbraucherschutz sind nachvollziehbar, aber allesamt sehr vage formuliert. Deshalb wird es vor allem darauf ankommen, wie im Detail beispielsweise ein Verbraucherinformationsgesetz ausformuliert wird.

Mehr als ärgerlich sind die Formulierungen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik unter dem Kapitel ‚Außenpolitik und europäischer Einigungsprozess‘. Unverblümt wird dort die Gemeinsame Agrarpolitik als Steinbruch für die Finanzierung der Osterweiterung und der Außen- und Sicherheitspolitik definiert. Hier wird und muss sich der Deutsche Bauernverband zur Wehr setzen.

Erfreulich sind dagegen die Festlegungen bei nachwachsenden Rohstoffen und Energien. So soll das Marktanreizprogramm für Bioenergien in der nächsten Legislaturperiode kontinuierlich ausgebaut werden. Die Zuordnung dieses Politikbereiches zum Bundesministerium für Umwelt dürfte eher für eine Stabilisierung des Programms sprechen.

Auch die beabsichtigte Unterstützung qualitätssichernder Maßnahmen bei Nahrungsmitteln in der gesamten Produktionskette findet in der Landwirtschaft Zustimmung. Allerdings muss dann auch sichergestellt werden, dass die festgeschriebene Koalitionsaussage, höhere Standards im Tier-, Natur- und Umweltschutz auch bei den WTO-Verhandlungen einzubringen, tatsächlich und mit großem Nachdruck politisch verfolgt wird.

Angesichts der vorgesehenen Stärkung des Kompetenzbereiches des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft ist es nur folgerichtig, beide Koalitionsparteien in der Führung des erweiterten Hauses zu verankern. Die große Spannbreite vom Verbraucherschutz bei Dienstleistungen bis hin zur Gestaltung der EU-Agrarpolitik nach der Agenda 2000 erfordert eine breite politische Verankerung in der Regierungskoalition. Der Deutsche Bauernverband geht davon aus, dass dies auch eine gute Grundlage für kritisch konstruktive Gespräche mit dem Berufsstand sein wird.

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foodwatch präsentiert neue Nitrofen-Fakten

Themen: Futtermittel,Pflanzenschutz — info @ 11:10

Verbraucherschutz-Organisation erstattet Strafanzeige gegen Raiffeisen-Firmen

Berlin (agrar.de) – ‚Es besteht der begründete Verdacht, dass die im Mai erstmals bekannt gewordenen Nitrofenverseuchungen in weitaus größerem Umfang stattfanden, als bisher angenommen. Wir haben deshalb gegen die Verantwortlichen der Firmen Raiffeisen Hauptgenossenschaft Nord AG (HaGE Nord) in Kiel und Norddeutsche Saat- und Pflanzengut AG (NSP) in Neubrandenburg, die ebenfalls zur Raiffeisen-Gruppe gehört, Strafanzeige gestellt. Die Vorwürfe lauten auf Körperverletzung, Betrug, unerlaubten Umgang mit gefährlichen Abfällen und Verstoß gegen das Futtermittelgesetz‘, erklärt foodwatch-Initiator Thilo Bode. Eine detaillierte foodwatch-Recherche zur Futtermittel-Sicherheit in Deutschland erbrachte neue Erkenntnisse über das Ausmaß des bekannten Nitrofen-Skandals. Die Ergebnisse der foodwatch-Untersuchungen:

* Behörden auf Kreis- und Landesebene waren Jahre vor dem Bekanntwerden der Nitrofen-Verseuchung der Malchiner Lagerhalle über die Gefahrenlage informiert, sind aber untätig geblieben.

* Weitere kontaminierte Standorte können nicht ausgeschlossen werden. Hinweise darauf ergeben sich aus einer Untersuchung der Biologischen Bundesanstalt im Land Brandenburg.

* Die in Malchin involvierten Firmen, insbesondere die HaGe Nordland (eine Geschäftsstelle der HaGe Nord AG) und NSP, beide der Raiffeisen-Gruppe zugehörig, müssen über die Gefahrenquelle informiert gewesen sein. Die Kontamination der Lagerhalle betraf einen abgetrennten Bereich im hinteren Teil der Halle, in dem nach Zeugenberichten starke Geruchsbelästigungen feststellbar waren. Genau in diesem Teil haben HaGe Nordland Gerste und NSP Weizen gelagert, der als ‚Nitrofen-Weizen‘ bekannt geworden ist.

* Während bei den kontaminierten Mengen das Augenmerk bisher vor allem auf rund 1.000 Tonnen Öko-Weizen und -Futtermitteln lag, muss von einer weitaus höheren belasteten Gesamtmenge ausgegangen werden: Die Getreidereinigungsanlage der HaGe Nord in Altentreptow wurde um die Jahreswende 1999/2000 mit mindestens 2.000 Tonnen Nitrofen-belasteter Gerste beschickt. Diese 2.000 Tonnen belasteter Gerste hat die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) EU-subventioniert nach Polen exportiert.

* Mittlerweile hat die HaGe Nord gegenüber foodwatch zugegeben, dass sie nicht nur 2.000, sondern über 5.000 Tonnen Gerste als Interventionsware der BLE zum Export angeboten hatte (Schreiben vom 16.10.2002). * Bei der Überprüfung der Getreidereinigungsanlage Altentreptow im Juni 2002 waren immer noch deutliche Verseuchungen mit Nitrofen nachweisbar. In der Zeit davor sind jedoch nach vorsichtigen Schätzungen mindestens weitere 100.000 Tonnen Getreide durch die Anlage gelaufen. Das Nitrofen wurde demnach großflächig in den Nahrungsmittelkreislauf gebracht.

Der Nitrofen-Skandal ist kein Betriebsunfall, sondern hat System: Entstehung und Ausmaß des Skandals sind ein Zeichen struktureller Probleme, sowohl bei den verantwortlichen Behörden wie auch bei den beteiligten Firmen der Futtermittelindustrie. foodwatch erhebt daher die folgenden Forderungen, um Verbraucherinnen und Verbraucher zukünftig besser zu schützen:

* Das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) muss unverzüglich für eine lückenlose Aufklärung der gesamten Vorgänge seit Übernahme der Lagerhalle in Malchin durch die Treuhandanstalt 1990 sorgen.

* Die Bundesregierung muss Auskunft geben über den Verbleib von ca. 2.500 Tonnen an nicht mehr verwertbaren Pestiziden aus DDR-Altbeständen, von denen sie seit 1990 Kenntnis hat. Insbesondere sind die Konsequenzen aus den Ergebnissen einer Untersuchung der Biologischen Bundesanstalt im Land Brandenburg aus dem Jahr 1992 öffentlich zu machen. Darin waren allein in Brandenburg elf Pestizid-Lagerstätten als höchst sanierungsbedürftig eingestuft worden.

* Der Raiffeisen-Verband muss sich endlich zu seiner Verantwortung bekennen und die relevanten Unterlagen seiner Tochterunternehmen HaGe Nord und NSP in dieser Sache öffentlich zugänglich machen.

* Gesetzeslücken bei der Lagerung von Getreideerzeugnissen bezüglich Registrierung, Dokumentation und Haftung sind umgehend zu schließen.

Links zum Thema Nitrofen.

RLV: Mitarbeit der Bäuerinnen unverzichtbar

Themen: Archiv — info @ 09:10

Bonn (agrar.de) – Keine Frage, ohne die Mitarbeit seiner Ehefrau würde manchem Landwirt die Arbeit über den Kopf wachsen. Laut Statistik werden 27,1 Prozent der in den landwirtschaftlichen Betrieben erbrachten Arbeitsstunden von Frauen geleistet. Dieser Prozentsatz ist bei den kleineren landwirtschaftlichen Betrieben noch deutlich höher. So entfallen in der Gruppe der Betriebe von 10 bis 20 ha sogar rund 30 Prozent auf die Arbeitsleistung der Ehefrauen. Aber auch bei den größeren Betrieben ist der Anteil der von Frauen erbrachten Arbeitsleistung beachtlich. Rund 21,2 Prozent sind es in der Gruppe der Betriebe über 100 ha.

Nach Ansicht des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) in Bonn beweisen diese Zahlen, dass die Mitarbeit der Bäuerinnen auf den Betrieben unverzichtbar ist. Dies gelte insbesondere in Nebenerwerbsbetrieben, in denen der Ehemann einer außerlandwirtschaftlichen Beschäftigung nachgehe. Durch ihren Arbeitseinsatz leisteten die Bäuerinnen einen entscheidenden Beitrag zum Betriebserfolg.

Links zu Thema Landfrauen, Bäuerinnentreff – Der Treffpunkt für die Bäuerin im Netz.

16. Oktober 2002

Schweiz: Änderung der Futtermittel- und Schlachtviehverordnung

Themen: Archiv,Schweiz — info @ 15:10

Bern (agrar.de) – Der schweizerische Bundesrat hat heute die Futtermittelverordnung geändert und damit Verbesserungen bei Produktion und Inverkehrbringen von Futtermitteln für Nutztiere beschlossen. Die neuen Vorschriften haben insgesamt einen positiven Einfluss auf die Sicherheit von Lebensmitteln.

Künftig wird von den Produzenten von Futtermitteln mehr Eigenverantwortung verlangt. Die neu eingeführte Selbstkontrolle fordert von diesen, sich aktiv und kritisch um die Qualität der Futtermittel zu kümmern. Im weiteren wird die Buchführungspflicht auf alle Produzenten und Inverkehrbringer ausgedehnt, damit eine allgemeine Rückverfolgbarkeit vom Produzenten zum Bauern und umgekehrt sichergestellt werden kann. Diese Regelungen bieten Gewähr, dass in besonderen Situationen Futtermittel zurückverfolgt und vom Markt genommen werden können. Die weiterhin notwendige und wichtige amtliche Kontrolle erhält durch die Selbstkontrolle und Rückverfolgbarkeit mehr Gewicht und Effizienz. Neu ist zudem, dass die Anforderungen an Nutztier-Futtermittel künftig auch für Produktion und Inverkehrbringen von Heimtiernahrung gelten.

Der Bundesrat hat heute auch die Schlachtviehverordnung geändert. Mit der Änderung werden die grossen Schlachtbetriebe dazu verpflichtet, ab dem 1. Januar 2003 das Ergebnis der neutralen Qualitätseinstufung der Schlachttiere auf dem Wiegedokument schriftlich festzuhalten. Damit wird die Information für die Produzentinnen und Produzenten von Schlachtvieh sichergestellt.

Links zum Thema Fleischwirtschaft, Links zum Land Schweiz.

Fleischerzeugung in Sachsen – weniger Hausschlachtungen

Themen: Fleisch,Sachsen,Statistik,Tiere — info @ 13:10

Dresden (agrar.de) – Im August 2002 wurden in Sachsen 4.600 Tonnen Fleisch aus gewerblichen und Hausschlachtungen erzeugt. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes sind das 195 Tonnen weniger als im vergleichbaren Vorjahresmonat. Von der im August 2002 erbrachten Fleischmenge entfallen rund 80 Prozent auf Schweine- und 19 Prozent auf Rindfleisch. Der Anteil an Kalb-, Schaf-, Ziegen- und Pferdefleisch liegt bei einem Prozent. Im Berichtszeitraum wurden 560 Hausschlachtungen durchgeführt. Gegenüber dem Vorjahr sind das 330 Tiere bzw. 37 Prozent weniger. Dies ist zugleich die geringste Anzahl an hausgeschlachteten Tieren seit August 1997. Der Rückgang der Hausschlachtungen betrifft alle Tierarten.

Die Rindfleischerzeugung betrug im Berichtsmonat 900 Tonnen. Damit wurde das Ergebnis des Vorjahresmonats um 48 Tonnen (fünf Prozent) unterschritten. Es wurden 1.000 Bullen und Ochsen, 1.900 Kühe und 170 Färsen geschlachtet. Diese Schlachtungen unterteilen sich in rund 3.000 gewerbliche und 70 Hausschlachtungen. Im Vergleich zum August 2001 gingen im Freistaat über 180 Rinder weniger zur Schlachtung.

Die 236 im August 2002 geschlachteten Kälber erbrachten eine Kalbfleischmenge von 15 Tonnen. Das ist ein Rückgang um drei Tonnen (17 Prozent) gegenüber dem Vorjahresmonat.

Die im Berichtsmonat erzeugten 3.700 Tonnen Schweinefleisch stammen aus 38.800 gewerblichen und gut 300 Hausschlachtungen. Gegenüber August 2001 ist das ein Rückgang um 123 Tonnen (drei Prozent). Unter den geschlachteten Schweinen befanden sich 2.100 Spanferkel.

Außerdem wurden im Freistaat elf Tonnen Schaffleisch durch die Schlachtung von 513 Schafen erzeugt. Im Vergleich zum August 2001 ist das eine Tonne Fleisch (sieben Prozent) weniger. Unter den im August 2002 geschlachteten Schafen befanden sich 100 Hausschlachtungen.

Weiterhin wurden im Berichtsmonat 31 Ziegen und 15 Pferde geschlachtet.

Links zum Thema Agrarbericht und Statistik, Links zum Bundesland Sachsen.

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