31. Oktober 2002

Wiederentdeckung der Ziege

Themen: Archiv — info @ 11:10

Münster (agrar.de) – Seit Beginn der 80er Jahre findet eine Wiederentdeckung der Ziege statt. Das hat viele Gründe. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe ist die Ziege ein liebenswerter, vorwitziger und eigensinniger ‚Gefährte‘. Sie ist in der Lage, extensive Grünlandflächen und teilweise verbuschte Landstriche als Nahrungsquelle aufzuschließen, um mit Milch und Fleisch wertvolle und gesunde Nahrungsmittel zu liefern.

Ferner hat die Reiselust der Deutschen vor allem in das südliche Europa dazu beigetragen, Produkte der Ziege auszuprobieren, die dort auf dem täglichen Speiseplan stehen. Diese Ziegenprodukte werden auch in Deutschland verstärkt nachgefragt.

Anfang der 20er Jahre gab es in Westfalen-Lippe etwa 280.000 Ziegen und mehr als 100.000 Mitglieder im 1907 gegründeten Landesverband der Ziegenzüchter. 1941 waren immerhin noch 130.000 Ziegen vorhanden und 64.000 Mitglieder registriert. Mit Beginn der 60er Jahre ging es dann mit der Ziegenzucht und -haltung in Westfalen rapide bergab. Es kam der wirtschaftliche Aufschwung und die Produkte der Ziegenhaltung waren nicht mehr notwendig, um die Existenz zu sichern. Die ‚Kuh des kleinen Mannes‘ wurde zunehmend zu einem Zeichen von Armut und Bedürftigkeit.

1981 wurde mit 1.300 Ziegen in ganz Westfalen-Lippe der absolute Tiefpunkt erreicht. Der Ziegenzuchtverband hatte lediglich 145 Mitglieder, die knapp 300 Ziegen hielten. Im Jahr 2000 wurde der Ziegenbestand in Westfalen-Lippe auf etwa 8.500 Tiere geschätzt. Davon waren ca. 1.800 Ziegen im Verband erfasst, die von 122 Mitgliedern betreut wurden. Im Westfälischen Zuchtbuch wurden von 98 Herdbuchzüchtern etwa 1.000 Zuchtziegen und Zuchtböcke mit ihren Abstammungs-, Bewertungs- und Leistungsdaten registriert.

Der Ziegenbestand in Deutschland beträgt derzeit etwa 160.000 Tiere. Bundesweit gibt es ca. 200 landwirtschaftliche Betriebe, die mehr als 20 Ziegen halten und für die die Ziegenhaltung ein erwerbsmäßiges Standbein darstellt.

Im Landesteil Westfalen-Lippe werden vorwiegend Milchziegen der Rasse Weiße Deutsche Edelziege mit einem Rasseanteil in Höhe von 30 Prozent, Bunte Deutsche Edelziege (22 Prozent) und die Toggenburger Ziege (16 Prozent) gehalten. Als Besonderheit sind noch einige Zuchtziegen der Rassen Anglo-Nubier, Waliser Schwarzhals-Ziege, Thüringer Waldziege und Zwergziege vertreten. Die Fleischziegenhaltung nimmt in den vergangenen Jahren zu, so dass sie inzwischen einen Rasseanteil von etwa 15 Prozent erreicht.

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