02. September 2002

Fischler: Fundamentalopposition Eigentor für Bauern

Themen: Archiv — info @ 10:09

Wien (agrar.de) – Anläßlich seines heutigen Besuchs zur Diskussion der Vorschläge zur Halbzeitbewertung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in Wien betonte EU Kommissar Franz Fischler, dass Änderungen im Fördersystem nicht nur im Interesse der Konsumenten, der Umwelt und des Tierschutzes seien, sondern im ureigensten Interesse der österreichischen Bauern. ‚Manche Bauernvertreter schießen sich mit ihrer Fundamentalopposition ein klassisches Eigentor. Sich taub zu stellen gegenüber den Erwartungen der Bürger und nur auf Abwarten zu setzen, dieser Schuß geht nach hinten los, weil so die Bauern die Unterstützung der Steuerzahler verlieren. Einen Vorschlag radikal abzulehnen, mit dem die österreichischen Bauern gewinnen, weil sie nach dem neuen Fördersystem unterm Strich mehr Geld bekämen als bisher – ich tue mir schwer, diese Logik nachzuvollziehen. Vor allem weil gerade die gestärkte ländliche Entwicklungspolitik den Bauern finanziell hilft sich auf die Erweiterung vorzubereiten. Ich möchte auch mit dem Missverständnis aufräumen, dass die Kommission den Agrarhaushalt kürzen wolle. Die Kommission hält Wort. Am vorgesehenen Budget bis 2006 ändert sich kein Komma, das Geld soll aber sinnvoller und effizienter verwendet werden‘, sagte der Kommissar.

Fischler betonte, dass die Kommission in Zukunft nach dem Prinzip ‚Leistung und Gegenleistung‘ mehr Geld für Umweltprogramme, den Bio-Landbau, für die Modernisierung der landwirtschaftlichen Betriebe oder den Tierschutz zur Verfügung stellen wolle. ‚Das wird denjenigen Bauern zugute kommen, die Qualität produzieren, unsere wertvollen Landschaften erhalten oder mehr für die Umwelt tun wollen. Ist das nicht genau das, worin die Stärke der österreichischen Landwirtschaft besteht? Ich glaube, es leuchtet ein, dass es sinnvoller ist, unseren Bauern die Freiheit zu geben, das zu produzieren, was die Verbraucher wollen, ihnen aber gleichzeitig ein angemessenes Einkommen zu sichern, mit Direktzahlungen, die nicht an die Produktion, dafür aber an Umwelt-, Lebensmittelsicherheits- und Tierschutzstandards gekoppelt werden. Und ich denke es ist fairer, den Bauern ihre Zusatzleistungen in voller Transparenz direkt zu bezahlen, damit sie die hohen Anforderungen unserer Gesellschaft an die Agrarprodukte auch erfüllen können‘, so der Kommissar.

‚Mir geht es um die langfristige Absicherung der Direktzahlungen in der Gesellschaft, aber auch in der WTO. Denn produktionsabhängige Agrarförderungen werden in der WTO als handelsverzerrend eingestuft und werden mittelfristig gekürzt oder gar abgeschafft werden müssen. Und wie stünden unsere Bauern heute ohne diese Direktzahlungen da. Wie sähe ihr Einkommen aus, wo die Flut ihre Ernte zunichte gemacht hat? Unser Vorschlag zur Entkoppelung der Förderung verhindert nicht nur Anreize zur Überproduktion, sie gibt den Bauern auch wesentlich mehr Einkommensstabilität‘, so Fischler weiter.

Um die ländliche Entwicklungspolitik finanziell ausbauen zu können, schlägt die Kommission vor, die Modulation in allen Mitgliedstaaten verpflichtend einzuführen. ‚Wir wollen die Direktzahlungen jährlich um 3 Prozent kürzen, bis nach sieben Jahren 20% erreicht werden. 5000 EUR pro Betrieb sind davon befreit. Für Österreich heißt das, dass über zwei Drittel aller Betriebe von der Modulation überhaupt nicht betroffen wären! Es ist völlig irreführend, die Modulation den Bauern als Kürzungsaktion zu verkaufen. Denn das so eingesparte Geld bleibt der Landwirtschaft erhalten, weil es in die ländliche Entwicklungspolitik umgeleitet wird. Damit hat ein Getreidebauer zB. die Möglichkeit einer zusätzlichen Förderung von Zertifizierungssystemen für Qualitätsprodukte und dadurch verbesserte Chancen bei der Vermarktung der Produkte. Wenn in einem Milchviehbetrieb die Kühe in einem entsprechenden Laufstall gehalten werden, kann der Betrieb zusätzlich von der Prämie für artgerechte Tierhaltung profitieren‘, betonte der Kommissar.

‚Es wird in Österreich auch gerne vergessen, daß wir die Interventionspreiskürzung beim Getreide mit erhöhten Direktzahlungen abfedern wollen oder zusätzlich 45 EUR /ha für den Anbau von Energiepflanzen zahlen‘, erklärte Fischler.

Zur Flutkatastrophe sagte Fischler, dass diese viele Menschen, darunter auch unzählige Bauern in Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg schwer getroffen habe. ‚Mit dem Vorschlag zur Einrichtung eines mit 500 Mio. bis 1 Mrd. EUR ausgestatteten Hilfsfonds für Natur-, Umwelt- und Technologiekatastrophen und der Neuzuweisung der Strukturfondsmittel in Deutschland und Österreich stellt die Kommission unter Beweis, dass wir es ernst meinen mit der Solidarität mit den Flutopfern. Wir haben alles in ihrer Macht stehende getan, um die negativen Folgen für die Landwirtschaft so gut als möglich abzufedern. Dazu gehört eine Verbilligungsaktion für Getreide, das die Bauern als Futtermittel verwenden können, die Möglichkeit Beihilfezahlungen vorzuziehen, stillgelegte Agrarflächen zur Nutzung freizugeben, um Produktionsausfälle auszugleichen oder die Umprogrammierung von ländlichen Entwicklungsprogrammen, um den Wiederaufbau mit Investitionsbeihilfen zu fördern.‘

Links zum Thema EU und Landwirtschaft.

Stächele: Wer gesunde Lebensmittel will, muss durch sein eigenes Verhalten an der Ladentheke dazu beitragen

Themen: Archiv — info @ 09:09

‚Gläserne Produktion‘ ist Landwirtschaft zum Anfassen und stärkt das Verbrauchervertrauen

Kehl (agrar.de) – ‚Transparenz regionaler Nahrungsmittelproduktion, wie sie mit den Aktivitäten der Gläsernen Produktion geschaffen wird das Vertrauen in heimische Lebensmittel stärken‘, sagte der baden-württembergische Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Willi Stächele am Sonntag anlässlich der Eröffnung der ‚Gläsernen Produktion‘ in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Kehl-Bodersweier (Ortenaukreis).

Bei der landesweiten Aktion ‚Gläserne Produktion‘ stehe der offene Dialog zwischen heimischen Landwirten und Verbrauchern am ‚Ort des Geschehens‘ im Mittelpunkt, betonte Minister Stächele. ‚Die baden-württembergischen Landwirte leisten Qualitätsproduktion unter besonderer Berücksichtigung des Tier- und Umweltschutzes‘, sagte Stächele. Minister Stächele hob bei der Eröffnung der Aktion ‚Gläserne Produktion‘ die unverzichtbaren Leistungen der Bäuerinnen und Bauern für alle Menschen im Land hervor. Längst könne man die Landwirtschaft nicht mehr nur eindimensional als Nahrungsmittelproduzenten betrachten.

‚Ohne die Pflege der Kulturlandschaft durch die Bewirtschaftung der Betriebe werden landschaftlich vielfältige Flächen nicht mehr offen gehalten. Der Reiz unserer Landschaft, ein Wechsel zwischen Äckern, Wiesen und Wäldern, ginge verloren‘ warnte Stächele. Eine direkte Auswirkung auf die landwirtschaftliche und damit ländliche Struktur habe auch der Verbraucher. ‚Mit dem Kauf regionaler Produkte, entscheidet sich jeder Verbraucher auch aktiv für die Erhaltung unserer Landschaft, Wiesen und Äcker‘, sagte Minister Willi Stächele.

Bei der landesweiten Aktion ‚Gläsernen Produktion‘, die in diesem Jahr zum zwölften Mal in Baden-Württemberg durchgeführt wird, und die in den letzten Jahren auf großen Zuspruch gestoßen ist (über 500.000 Besucher), öffnen rund 250 landwirtschaftliche Erzeugerbetriebe ihre Hoftore, um ihren Kunden die Vorzüge der regionalen Produktion zu zeigen. Neben offenen Stalltüren, Obst- und Gemüsegärten werden Attraktionen wie Wettmelken, Tretschlepperfahren, Streichelzoo und Geschicklichkeitsturniere angeboten, außerdem stehen selbst erzeugte Produkte zur Verköstigung bereit.

Links zum Thema Lebensmittel, Links zum Bundesland Baden-Württemberg.

DBV: Erste Spendengelder an hochwassergeschädigte Landwirte ausgezahlt

Themen: Archiv — info @ 09:09

Berlin (agrar.de) – Nachdem der Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes bis zum Freitag, dem 30. August 2002, circa 1,5 Millionen Euro Spendenmittel für hochwassergeschädigte Landwirte zugeflossen sind, hat das Kuratorium der Stiftung noch am selben Tag über die ersten 40 Anträge auf Unterstützung entschieden und eine sofortige Auszahlung veranlasst. Das Vorstandsmitglied der Schorlemer Stiftung, DBV-Vizepräsident Wilhelm Niemeyer, sowie Landesbauernverbandspräsident Werner Gutzmer, Sachsen-Anhalt, überreichten am Samstag den Betriebsleitern von landwirtschaftlichen Betrieben persönlich die zuvor zugesagten Spendenmittel.

Die Betriebe, die in Sachsen und Sachsen-Anhalt liegen, erlitten durch das Hochwasser teilweise Totalschaden in Millionenhöhe. Die überwältigende Spendenbereitschaft und die Dimension des eingetretenen Schadens auch bei landwirtschaftlichen Betrieben ist der Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes eine hohe Verpflichtung, schnell und unbürokratisch Zeichen der Ermutigung und der Solidarität vor Ort zu setzen. Der Spendenaufruf erfolgte gemeinsam von dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, der Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes, Erika Lenz, und dem Vorsitzenden des Bundes der Deutschen Landjugend, Erik Jennewein.

Links zum Thema Hochwasser.

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