20. August 2002

Verbraucherzentrale: Neues QS-Siegel für Fleisch zu lasch

Themen: Archiv — info @ 15:08

vzbv fordert rasche Nachbesserung und Perspektivenpläne

Berlin (agrar.de) – Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat schärfere Kriterien für das neue QS-Prüfzeichen für Fleischprodukte gefordert. ‚Die jetzigen Statuten des Prüfzeichens sind zu lasch und gehen in wichtigen Punkten nur wenig über die gesetzlichen Mindeststandards hinaus‘, so vzbv-Vorstand Prof. Dr. Edda Müller in Berlin. Dadurch sei die Chance verpasst worden, den Verbrauchern eine vertrauenswürdige Alternative zwischen Bio- und Massenmarkt anzubieten. Immerhin sichere das Prüfsiegel gesetzliche Standards ab und sei mit einigen positiven Verbesserungen die bessere Wahl zur anonymen Massenware. Dies reiche jedoch keinesfalls aus. Der vzbv fordert daher eine rasche Nachbesserung der QS-Kriterien sowie genau definierte Sanktionen für Siegelnutzer, die gegen die Charta verstoßen.

Aus Sicht des vzbv wird das QS-Prüfzeichen seinem Anspruch als aussagekräftiges Label für Qualität und Sicherheit (QS) nicht gerecht. ‚Bei dem neuen QS-Zeichen handelt es sich lediglich um ein Prüfzeichen zur Kontrolle der Produktionskette‘, so Thomas Isenberg, Leiter Fachbereich Gesundheit/Ernährung des vzbv. Kriterien zur Tierhaltung insbesondere in Hinblick auf den Tierschutz fehlten in dem Konzept ebenso wie Einschränkungen hinsichtlich des Einsatzes von Gentechnik. Zudem sei für den Verbraucher nicht erkennbar, ob der Betrieb die QS-Anforderungen vollständig oder nur teilweise erfülle. In Bezug auf die Vergabekriterien kritisierte der vzbv vor allem die Tatsache, dass in der Einführungsphase bei Verbänden, Gemeinschaften, Zentralen – sogenannten Bündlern – auch diejenigen Betriebe bereits unter dem QS-Siegel vermarkten dürfen, die noch gar nicht überprüft worden sind. Dazu müssen lediglich 10 % der angeschlossenen Betriebe überprüft und zugelassen sein.

Zudem bemängelt der vzbv das Fehlen von Sanktionskriterien. Auch Kontrollen würden nicht häufig genug durchgeführt. Diese Punkte seien jedoch von zentraler Bedeutung und notwendige Voraussetzung für die Orientierung von Landwirten, Verarbeitern und Verbrauchern. Konkret fordert der vzbv des Weiteren:

– Ein vollständiges Verbot von antibiotischen Leistungsförderern (während der gesamten Lebensdauer der Tiere),

– ein Resistenzmanagement für Antibiotika – der Einsatz von Antibiotika soll gemäß den ‚Leitlinien für den sorgfältigen Umgang mit antimikrobiell wirksamen Tierarzneimitteln‘ erfolgen. Diese wurden gemeinsam von der Bundestierärztekammer (BTK) und der Arbeitsgemeinschaft der leitenden Veterinärbeamten (ArgeVET) erarbeitet und stellen die Regeln der tierärztlichen Wissenschaft für den Einsatz von Antibiotika dar,

– einen Perspektivenplan für die Verbesserung der Tierhaltungsbedingungen durch a) ein großzügigeres Platzangebot für die Tiere, b) ein Verbot von Vollspaltenböden und Anbindehaltung sowie c) eine Reduzierung der zulässigen Transportzeit (4 Stunden),

– einen Perspektivenplan für die Verfütterung von Futtermitteln ohne gentechnisch veränderte Organismen sowie

– eine Kennzeichnung der Tierarten bei Zutaten tierischen Ursprungs und die chargenweise Rückverfolgbarkeit bei Schweinefleisch.

Neben diesen grundsätzlichen Mängeln am QS-Konzept nennt Thomas Isenberg als positive Ansätze das Verbot von Antibiotika als Leistungsförderer in der Mast (‚leider nicht von Geburt an‘), eine Positivliste der Futterinhaltsstoffe sowie die Verpflichtung der Benennung eines Vertragstierarztes – ‚Maßnahmen also, die über den gesetzlichen Regelungen liegen‘.

Hintergrund zum QS-Zeichen

Die Fleischwirtschaft macht in der deutschen Ernährungsindustrie den drittgrößten Wirtschaftsbereich aus. Rund 300 Schlachtbetriebe, 950 Zerlegebetriebe und etwa 1.500 Verarbeitungsbetriebe mit EU-Zulassung müssen mit ihren Qualitätsstandards den Erfordernissen der Lebensmittelsicherheit und der Nachfrage entsprechen. Gerade vor dem Hintergrund anhaltend neuer Lebensmittelskandale fragen Verbraucher heute mehr denn je nicht nur nach der hygienischen Qualität eines Nahrungsmittels, sondern auch danach, wo und wie es erzeugt wurde. Fragen des Tierschutzes, nach dem Einsatz von Gentechnik oder der Verwendung von Antibiotika spielen somit eine wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung. Als Orientierungshilfe dienen neben der Zutatenliste verschiedene Siegel und Prüfzeichen. In Ergänzung zum Biozeichen für ökologische Produkte wird in den nächsten Wochen auch ein Prüfzeichen für Fleisch und Wurstwaren aus konventioneller Produktion eingeführt. Dazu hat die QS-GmbH ein Prüfzeichen, an dem alle Vermarktungsstufen beteiligt sind, entwickelt.

Links zum Thema Lebensmittelqualität und Kontrolle.

Neuer FAO-Weltbericht: Landwirtschaft bis zum Jahre 2015/2030

Themen: Archiv — info @ 10:08

Global wird es im Jahre 2030 genügend Nahrung für mehr Menschen geben – In vielen Ländern müssen Hunger und Umweltprobleme dringend gelöst werden

Rom (agrar.de) – Es wird weltweit im Jahre 2030 trotz eines höheren Bevölkerungswachstums genügend Nahrungsmittel geben. Allerdings werden mehrere hundert Millionen Menschen in den Entwicklungsländern hungern und chronisch unterernährt sein. Auch wird die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion nicht ohne zusätzliche Belastungen für die Umwelt möglich sein. Dies sind die Kernaussagen des neuen Weltberichts der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zur ‚Weltlandwirtschaft im Jahre 2015/2030‚, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

Die Weltbevölkerung wird in Zukunft langsamer wachsen als bisher und gleichzeitig werden mehr Menschen besser ernährt sein. Diese beiden Faktoren werden den Anstieg des Nahrungmittelbedarfs – weltweit betrachtet – verlangsamen. Dennoch wird die Landwirtschaft die natürlichen Ressourcen weiter stark beanspruchen, allerdings wird auch hier die Geschwindigkeit der zusätzlichen Belastungen anbehmen.

Viele der mehr als 1,1 Milliarden Menschen, die in extremer Armut leben, sind auf das Wachstum in der Landwirtschaft und in nachgeordneten Sektoren angewiesen, um ihre Lebenssituation zu verbessern. In den Entwicklungsländern lebt die Mehrzahl der armen Menschen in ländlichen Gebieten. Es sei deshalb wichtig, dort die Bedingungen für Wirtschaftswachstum zu schaffen und den Zugang der ländlichen Bevölkerung zu Land, Wasser, Krediten, Gesundheitsdiensten und Bildung zu verbessern, um Hunger und Armut zu verringern, betonte die FAO.

Der internationale Handel spiele eine wichtige Rolle, um Ernährungssicherheit zu verbessern. Eine weitere Liberalisierung des internationalen Handels könne zu Einkommensverbesserungen in der Landwirtschaft der Entwicklungsländer führen. In jedem Fall wird erwartet, dass das Agrar-Handelsdefizit der Entwicklungsländer bis 2030 drastisch ansteigen wird. Die FAO rief dazu auf, den Zugang zu den Agrarmärkten in den OECD-Ländern zu erleichtern, Exportsubventionen abzuschaffen und Zölle, vor allem bei verarbeiteten landwirtschaftlichen Produkten in Industriestaaten und Entwicklungsländern zu verringern.

Die Diskriminierung der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern müsse, dort wo dies immer noch der Fall sei, unbedingt gestoppt werden.

Die Vorteile der Globalisierung in den Bereichen Ernährung und Landwirtschaft könnten die Risiken und Kosten überwiegen, so die FAO. Zugang zu ausländischem Kapital und effizienteren Technologien können wichtige Beiträge zur Entwicklung der Landwirtschaft und damit zur Armuts- und Hungerbekämpfung leisten. Die Globalisierung habe beispielsweise in Asien allgemein dazu beigetragen, Fortschritte bei der Armutsbekämpfung zu erzielen.

‚Die Globalisierung hat aber auch zum Entstehen von multinationalen Nahrungsmittelunternehmen geführt, die nicht immer und überall zum Nutzen der Landwirtschaft agieren. Entwicklungsländer benötigen eine rechtliche und administrative Handhabe, um sich gegen die Nachteile dieser Entwicklung schützen und die Vorteile nutzen zu können.‘ Die Globalisierung könne dann den Armen nützen, wenn es offene internationale Märkte gebe, in Infrastruktur investiert, wirtschaftliche Integration gefördert und Marktkonzentration begrenzt werde.

Die Ergebnisse des FAO-Berichts im einzelnen:

Die Erzeugung von Nahrungsmitteln wird weltweit bis 2030 jährlich um 1,5 Prozent zunehmen, die Weltbevölkerung wird pro Jahr im Schnitt um 1,1 Prozent wachsen.

Die Weltbevölkerung wird von heute rund sechs Milliarden Menschen auf 8,3 Milliarden im Jahre 2030 steigen. Das Wachstum wird jährlich 1,1 Prozent betragen, verglichen mit 1,7 Prozent in den vergangenen 30 Jahren. Gleichzeitig wird der Anteil der insgesamt gut ernährten Menschen weltweit deutlich zunehmen. Verlangsamtes Bevölkerungswachstum und verbesserte Kalorienversorgung im Durchschnitt der Weltbevölkerung werden das Wachstum bei der Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen verlangsamen, von durchschnittlich 2,2 Prozent jährlich in den zurückliegenden 30 Jahren auf 1,5 Prozent bis 2030. In den Entwicklungsländern wird der Rückgang noch stärker sein: von 3,7 Prozent auf zukünftig 2 Prozent pro Jahr bis 2030.

Dies gilt allerdings nicht für die Entwicklungsländer mit einem niedrigen bis mittleren Verbrauch. In diesen Ländern lebt die Hälfte der Menschen in der Dritten Welt. Hier wird die Nachfrage um nur 2,5 Prozent pro Jahr wachsen, verglichen mit 2,9 Prozent in der Vergangenheit. Der Pro-Kopf-Verbrauch wird steigen.

Die Weltbevölkerung wird im Jahre 2030 besser ernährt sein: Pro-Kopf werden täglich rund 3050 Kilokalorien (kcal) zur Verfügung stehen, verglichen mit täglich 2360 kcal Mitte der 60er Jahre und heute 2800 kcal. Dies spiegelt einen höheren Verbrauch in den Entwicklungsländern wider, die im Jahre 2030 die Marke von 3000 kcal erreichen werden.

Die Zahl der Hungernden und Unterernährten in den Entwicklungsländern wird von heute 777 Millionen Menschen auf rund 440 Millionen im Jahre 2030 sinken. Dies bedeutet, dass das Ziel des Welternährungsgipfels von 1996, die Zahl der Hungernden von 815 Millionen im Jahre 1990-92 bis 2015 zu halbieren, selbst bis zum Jahre 2030 nicht erreicht wird. Kritisch ist die Lage in Afrika südlich der Sahara, da die Zahl der chronisch Unterernährten dort nur von 194 auf 183 Millionen zurückgehen wird.

Weltweit werden sich die Ernährungsweisen angleichen, so die FAO. Es werden zunehmend höherwertige und teuere Erzeugnisse wie Fleisch und Milchprodukte konsumiert. So ist beispielsweise der Fleischverbrauch in den Entwicklungsländern von nur 10 kg pro Person jährlich im Zeitraum 1964-66 auf 26 kg 1997-99 gestiegen. Im Jahre 2030 werden es vermutlich 37 kg sein.

Bei Milchprodukten stieg der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von 28 kg (1964-66) auf heute 45 kg, 2030 wird mit 66 kg gerechnet. Insgesamt wird der Milch- und Fleischverbrauch aber weniger stark zunehmen als in der Vergangenheit.

Getreide ist die bei weitem wichtigste Nahrungsquelle, sowohl für menschliche Nahrung als auch für Tierfutter. Bis zum Jahre 2030 werden zusätzlich eine Milliarde Tonnen Getreide benötigt. Dies entspricht einer höheren Getreideproduktion von rund 50 Prozent.

Die Entwicklungsländer werden zunehmend auf die Einfuhr von Getreide, Fleisch und Milchprodukten angewiesen sein, da sie die Nachfrage nach diesen Produkten selbst nicht werden decken können. Ihre Produktion wird 2030 rund 85 Prozent des eigenen Getreidebedarfs decken, ihre Nettoimporte werden von gegenwärtig 103 Millionen Tonnen auf 265 Millionen Tonnen steigen. Die FAO erwartet, dass die Fleischimporte der Entwicklungsländer – wenn auch von niedrigerem Niveau aus – sich noch schneller erhöhen werden.

Traditionelle Getreideausfuhrländer wie die USA, die EU, Kanada, Australien und Argentinien sowie einige Transformationsländer werden genügend Überschüsse produzieren, um die Lücke zu decken. ‚Wenn die realen Nahrungsmittelpreise nicht steigen, und die Exporte von Industriewaren und Dienstleistungen im erwarteten Ausmaß zunehmen werden, dann werden sich die meisten Länder die notwendigen Getreide- und Fleischeinfuhren leisten können. Die ärmsten Staaten werden aber am wenigsten in der Lage sein, die zusätzlich benötigten Importe zu bezahlen.‘

Getreide als Tierfutter zu benutzen führt nicht zu mehr Hunger und Unterernährung, betonte die FAO. Jedes Jahr werden rund 660 Millionen Tonnen Getreide an Nutztiere verfüttert. Das ist mehr als ein Drittel des Weltgetreideverbrauchs. Dieses Getreide würde zum größten Teil erst gar nicht angebaut, wenn es nicht als Futtergetreide genutzt würde. Es stünde deshalb auch nicht für die menschliche Ernährung zur Verfügung. Sollte die Nachfrage nach Futtergetreide sinken, sei insgesamt mit einer niedrigeren Getreideerzeugung zu rechnen.

Für die zusätzlich benötigten Nahrungsmittel ist eine höhere Produktivität der Landwirtschaft erforderlich. Die Entwicklungsländer werden rund 70 Prozent der höheren Getreideproduktion aus steigenden Erträgen erzielen, für 20 Prozent werden die Anbauflächen erweitert werden und zehn Prozent werden durch Mehrfachanbau und kürzere Bracheperioden erzielt werden können.

Die Anbauflächen für die Nahrungsmittelerzeugung werden in Zukunft langsamer wachsen als in der Vergangenheit. Die Entwicklungsländer werden in den kommenden 30 Jahren rund 120 Millionen Hektar mehr Land für den Getreideanbau benötigen. Die Agrarflächen werden vor allem in Afrika südlich der Sahara und in Lateinamerika zunehmen. Für einen großen Teil dieser zusätzlich benötigten Äcker werden Wälder gerodet werden. Andere Entwicklungsländer nutzen bereits fast alle geeigneten Böden. In einigen Ländern wird es Landmangel geben.

In den 90er Jahren sind auf der Erde rund 9,4 Millionen ha Wald jährlich zerstört worden. Dies entspricht einer Fläche von der dreifachen Größe Belgiens. Die Waldzerstörungsrate war in den 90er Jahren allerdings niedriger als in den 80er Jahren. Die Zerstörung der Wälder wird sich in Zukunft weiter verlangsamen. Allerdings werden der Nutzflächenausdehnung weitere Wälder zum Opfer fallen, und der Weltverbrauch von industriellen Rundhölzern wird um 60 Prozent steigen.

Die Bewässerung wird in Zukunft eine noch größere Rolle spielen. Die Entwicklungsländer werden ihre Bewässerungsflächen von heute 202 Millionen ha Land auf 242 Millionen Hektar im Jahre 2030 ausdehnen.

Global gibt es genügend Süßwasser, einige Regionen haben aber mit ernsten Wasserproblemen zu rechnen. In den Entwicklungsländern wird der Wasserverbrauch für die Bewässerungslandwirtschaft bis 2030 um 14 Prozent wachsen.

In einem von fünf Entwicklungsländern wird es Wassermangel geben. In Libyen und Saudi-Arabien fällt wegen der Bewässerung bereits der Grundwasserspiegel. In Indien und China sinkt das Grundwasser ebenfalls, im Schnitt zwischen einem und drei Metern im Jahr. Diese Länder werden ihre Wasserreserven sparsamer nutzen müssen. Auf die Landwirtschaft entfallen rund 70 Prozent des Süßwasserverbrauchs. Wenn die Landwirtschaft Wasser spart, wird anderen Sektoren mehr Süßwasser zur Verfügung stehen.

Mit moderner Biotechnologie wird sich Ernährungssicherheit verbessern lassen. Wenn die mit der Biotechnologie verbundenen Risiken für Mensch und Umwelt im Griff sind, wenn sich die armen und unterernährten Bauern die Technologie leisten können und sie an ihre Bedürfnisse angepasst ist, dann können die neuen Technologien einen wichtigen Beitrag zur Produktivitätssteigerung in den Entwicklungsländern und damit zur Hunger und Armutsbekämpfung leisten. Dies ist besonders dann der Fall wenn genetisch veränderte Nahrungsmittel auch auf marginalen Böden angebaut werden und werden degradierte Böden für den Nahrungsanbau wieder nutzbar sein werden. Um den Bedenken der Verbraucher Rechnung zu tragen, seien verbesserte Testverfahren und Sicherheitsstandards erforderlich.

Es gebe aber auch andere vielversprechende Technologien, mit denen sich mehr Nahrung bei gleichzeitig höherem Umweltschutz erzeugen lassen, so die FAO. Dazu zähle die bodenschonende Landwirtschaft und die integrierte Schädlingsbekämpfung. In einigen Gebieten kann der organische Landbau in den nächsten 30 Jahren zu einer realistischen Alternative zur traditionellen Landwirtschaft werden.

Die FAO machte darauf aufmerksam, dass auf die Folgen einer höheren Milch- und Fleischerzeugung genau geachtet werden müsse. Die Produktion wird sich von der extensiven Weidewirtschaft zu einem mehr intensiven und industrielleren Erzeugung verlagern. “Dies könnte die Lebensgrundlage der rund 675 Millionen armen Viehbauern in den Entwicklungsländern ernsthaft gefährden. Ohne zusätzliche Maßnahmen wird der Wettbewerb für diese Bauern immer schwieriger, ihre Armut könnte sich weiter verschärfen. Wenn die richtigen politischen Weichen gestellt werden, könnte die wachsende Nachfrage nach Fleisch den armen Bauern eine Chance für mehr Arbeit und Einkommen bieten.” Dabei muss den Umweltproblemen der industriellen Fleischerzeugung (Abfallbeseitigung, Umweltverschmutzung, die Ausbreitung von Viehseuchen, der übertriebene Einsatz von Antibiotika) mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Wegen des zu erwartenden Klimawandels können einige Entwicklungsländer abhängiger von Nahrungsmitteleinfuhren werden. Insgesamt aber wird sich der Klimawandel nur geringfügig auf die Weltnahrungsmittelerzeugung auswirken. In den Industriestaaten wird die Erzeugung von Nahrung zunehmen. Der Klimawandel wird am stärksten Kleinbauern in Gegenden treffen, in denen es Dürre, Überschwemmungen und einen höheren Meeresspiegel gibt. Besonders gefährdet sind einige afrikanische und südasiatische Länder.

Da viele Meeresfischbestände erschöpft oder überfischt sind, muss mit Engpässen beim Fischangebot gerechnet werden. Der Anteil der Hochseefischerei wird weiter sinken, die Bedeutung der Fischzucht weiter wachsen. Die weltweiten Flottenkapazitäten sollten reduziert werden, um eine nachhaltige Fischerei zu ermöglichen. ‚In der Vergangenheit sind Überkapazitäten gefördert worden und die Fischer haben nicht nachhaltig gefischt. Die Politiker müssen handeln, um diese Situation rückgängig zu machen,‘ hieß es in dem Bericht.

Der FAO-Bericht ist im Internet zu finden. Er ist eine Zusammenfassung des technischen Gesamtberichts, der später veröffentlicht wird. Die FAO hat bereits 1970, 1981, 1988 sowie 1995 ähnliche Studien zur Entwicklung der Weltlandwirtschaft veröffentlicht.

Links zum Thema %url3%Zukunft und Visionen%/%.

BfN: Flutkatastrophe muss Anlass für mehr Naturschutz sein

Themen: Archiv — info @ 09:08

Den Flüssen mehr Raum geben und Landnutzung naturverträglicher gestalten – Renaturierung der Auen verbindet Naturschutz und Hochwasservorsorge

Bonn (agrar.de) – Angesichts der dramatischen Flutkatastrophe in Süd- und Ostdeutschland sowie in Tschechien und Österreich mahnt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) einen sorgsameren Umgang mit unseren Flüssen an: ‚Der Naturschutz muss sowohl an unseren Flüssen als auch bei der Landnutzung einen größeren Stellenwert erhalten‘, sagte der BfN-Präsident Prof. Dr. Hartmut Vogtmann. Die Verschärfung in Ausmaß und Häufung der Hochwasser in den letzten Jahren ist nach Auffassung des BfN vom Menschen mitverursacht.

Flussbegradigungen, der Verlust von Auen, die intensive Landnutzung, die Flächenversiegelung und das nach wie vor hohe Niveau der Waldschäden in den Hochlagen der Mittelgebirge haben zu den katastrophalen Auswirkungen der Fluten beigetragen. ‚Die jetzige Katastrophe an Elbe, Mulde und Donau wurde zwar durch extreme Niederschläge verursacht. Sie muss aber gleichzeitig Anlass sein, die alarmierenden Zeichen für unseren oftmals verfehlten Umgang mit den Flüssen, deren Einzugsgebieten und dem Wasserhaushalt, insbesondere in Bezug auf die Böden Ernst zu nehmen‘, erläuterte Vogtmann. Dramatisch ist nach Auffassung des BfN unter anderem der Verlust der Auen und damit der natürlichen Überschwemmungsflächen. Von den ehemals großflächigen Auen unserer Ströme ist nur ein kleiner Teil übrig geblieben. An fast allen größeren Flüssen wurden die Auen durch Staustufenbau, Kanalisierung und Regulierung sowie Deichbauten auf einen Bruchteil reduziert. Der Rhein büßte so ca. vier Fünftel seiner Auen ein, am deutschen Abschnitt der Elbe sind nur noch etwa 15 bis 20 Prozent der natürlichen Überschwemmungsflächen erhalten.

‚Die Funktion der Auen als Hochwasserretentionsflächen muss daher, wo immer möglich, wieder hergestellt werden. Gleichzeitig müssen die noch vorhandenen naturnahen Auen, beispielsweise an Donau, Elbe und Rhein erhalten, langfristig gesichert und dürfen keinesfalls durch weiteren Staustufenbau und Eindeichungen gefährdet werden‘, forderte Professor Vogtmann. Das BfN weist in diesem Zusammenhang auf die europäische Wasserrahmenrichtlinie hin, die derzeit in nationales Recht umgesetzt wird. Nach Auffassung des BfN bietet diese Richtlinie hervorragende Möglichkeiten, Naturschutz und Wasserhaushalt miteinander zu verbinden. ‚Diese Chance muss genutzt werden, denn die Wasserrahmenrichtlinie richtet den Blick auf die gesamten Einzugsgebiete unserer Ströme. Gerade dort muss ein vorsorgender Hochwasserschutz ansetzen und versuchen, die Fluten bereits im Entstehen zu entschärfen. Wir müssen deshalb Renaturierungsmaßnahmen an den kleineren Bächen, Flüssen und Strömen umsetzen, das BfN leistet dazu bereits seit Jahren einen wesentlichen Beitrag‘, erläuterte Professor Vogtmann.

Als weiterer wichtiger Faktor zur Verschärfung der Hochwasserentstehung wirkt die derzeitige Form der Bodenbearbeitung. In Verbindung mit der Monotonie der Fruchtfolgen in der intensiven Landwirtschaft wird der Boden verdichtet, das Wasseraufnahmevermögen vermindert und damit der Oberflächenwasserabfluss beschleunigt. Dies geschieht nicht nur in den Auen, sondern auf der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche, immerhin die Hälfte der Landesfläche. ‚Das gesunkene Wasseraufnahmevermögen vieler Böden muss Anlass zur Änderung der landwirtschaftlichen Bodennutzung sein. Hier sind extensivere Nutzungen, die konservierende Bodenbearbeitung und insbesondere die Fruchtfolgen und Produktionstechniken des ökologischen Landbaus eindeutig vorteilhafter‘, sagte der BfN-Präsident.

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19. August 2002

Bauckhage: Licht und Schatten im Obstbau

Themen: Archiv — info @ 16:08

Mainz/St. Martin (agrar.de) – Landwirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage sieht für Obst anbauende Betriebe im Land Licht und Schatten. Auf der Sommertagung der Fachgruppe Obstbau im Bundesausschuss Obst und Gemüse im Haus am Weinberg in St. Martin skizzierte der Minister, wo er Chancen und Risiken für die Obstbauern sieht.

Rheinland-Pfalz ist nicht nur das bedeutendste weinbautreibende Bundesland, sondern auch eine wichtige Obstregion. 3.000 Betriebe mit rund 90 Millionen Euro Umsatz bewirtschaften über 5.000 Hektar Obstfläche. Damit rangiert Rheinland-Pfalz im bundesdeutschen Vergleich unter den ersten Fünf. Neben dem klassischen Sortiment wie Äpfel, Kirschen und Pflaumen werden in Rheinland-Pfalz zunehmend klimatisch, anspruchsvolle Obstarten wie Pfirsich, Aprikose, Kiwi, Mandeln und Feigen angebaut.

‚Aus der Region für die Region – dies ist für mich der Schlüssel zum Erfolg des Obstbaus‘, sagte der Minister. Kurze Wege, die Möglichkeit zum Dialog zwischen Erzeugern und Verbrauchern, ein weitgehend umweltschonender Anbau seien die ‚Pfunde, mit denen die deutschen Obstbauregionen wuchern könnten‘, so Bauckhage.

Gute Qualität und klare Herkunftsangaben seien hohe Güter, auf die die Verbraucher immer mehr Wert legten, so der Minister. Gerade der Obstbau habe bei der integrierten umweltschonenden Produktion bundesweit eine Vorreiterrolle übernommen.

Sorgen bereitet dem Minister die im Vergleich zu den internationalen Mitbewerbern restriktive Zulassungspraxis bei Pflanzenschutzmitteln in Deutschland. Insbesondere im integrierten Obstbau habe dies zu Indikationslücken mit erheblichen Beeinträchtigungen geführt. ‚Trotz intensiver Bemühungen auch meines Hauses ist es bislang nicht ausreichend gelungen, das Problem der Bekämpfung der Kirschfruchtfliege und des Feuerbrandes zu lösen‘, stellte Bauckhage fest.

Bei der Kirschfruchtfliegenbekämpfung sei es trotz aller Anstrengungen nicht gelungen, die Verlängerung der Zulassung für das Mittel Lebaycid zu erreichen. Der Pflanzenschutzdienst und die Obstbauberatung seien jetzt auf der Suche nach Bekämpfungsalternativen. Bei der Feuerbrandbekämpfung werde Rheinland-Pfalz weiter für die Anwendung von Plantomycin eintreten, bis praxistaugliche Alternativen der Feuerbrandbekämpfung gefunden seien. ‚Wir brauchen ein effektives und zügiges Zulassungsverfahren, damit in Deutschland angebaute Kulturen ausreichend Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen und Ausnahmeregelungen überflüssig werden‘, so Bauckhage. Genauso wichtig sei es, zu einer Harmonisierung beim Pflanzenschutz in der EU zu kommen. ‚Die Produzenten in allen Mitgliedsstaaten müssen auf die gleichen Pflanzenschutzmittel zurückgreifen können – dies ist schon allein ein Gebot des fairen Wettbewerbs‘, so der Minister.

Links zum Thema Obst, Links zum Bundesland Rheinland-Pfalz.

Bayern: Mehr Geld für Wege und Brücken

Themen: Archiv — info @ 15:08

München (agrar.de) – Für die Beseitigung von Hochwasserschäden an land- und forstwirtschaftlichen Wegen und Brücken stellt Bayern zusätzliche Fördermittel in Höhe von zunächst 3,5 Millionen Euro bereit. Wie das Landwirtschaftsministerium mitteilte, kommen die Gelder Landwirten, privaten Waldbesitzern, Forstbetriebsgemeinschaften und Kommunen zugute, deren Wege und Brücken ganz oder teilweise zerstört wurden. Die Betroffenen sollten sich bei Schäden an landwirtschaftlichen Wegen rasch an die zuständige Direktion für Ländliche Entwicklung, bei Forstwegen an das Forstamt wenden. Dort gibt es auch die erforderlichen Förderanträge. Die Mittel sind Teil des 65 Millionen Euro-Hilfspakets der Bayerischen Staatsregierung.

Für die Wiederherstellung von schwerlastbefahrbaren Forstwegen gibt es nach Angaben des Ministeriums Zuschüsse von bis zu 45 Prozent der förderfähigen Kosten. Ist ein Neubau erforderlich, können abhängig von den örtlichen Gegebenheiten 45 bis 90 Prozent erstattet werden.

Für die Sanierung hochwassergeschädigter landwirtschaftlicher Wege wird ein Zuschuss von bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten gewährt. Die entsprechenden Anträge müssen der Direktion für Ländliche Entwicklung bis spätestens 30. September vorliegen.

Links zum Thema Hochwasser, Links zum Bundesland Bayern.

Hochwasser: Aktueller Stand der Hilfsmaßnahmen von EU, Bund und Ländern

Themen: Archiv,Banken,Förderung — info @ 14:08

DBV setzt sich für weitere Erleichterungen für hochwassergeschädigte Landwirte ein

Berlin (agrar.de) – Der Deutsche Bauernverband (DBV) wertet die Einigung der Agrar-Staatssekretäre von Bund und Ländern vom gestrigen Sonntag, ein gemeinsam finanziertes Hilfsprogramm für existenzgefährdete Landwirte aufzulegen, als einen notwendigen ersten Schritt. Dafür wurden zunächst 20 Millionen Euro bereit gestellt, die sich Bund und Länder teilen. Nach Angaben aus dem Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft sollen die Hilfsmaßnahmen konkreter bestimmt werden, sobald eine Bestandsaufnahme der Länder über die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe vorliegt. Der DBV rät daher allen betroffenen Betrieben, mit der örtlichen Agrarverwaltung Kontakt aufzunehmen, damit schnell ein Überblick über die erforderlichen Maßnahmen gewonnen werden kann. Der DBV erwartet von Bund und Ländern, dass diese jetzt zügig handeln und die bisher bereit gestellten Mittel kurzfristig aufstocken, wenn dies zur Existenzsicherung der Landwirte erforderlich ist. Bereits in der vergangenen Woche hatten Bund und Länder angekündigt, außerdem 20 Millionen Euro zur Wiederherstellung von beschädigten Deichen und Flußläufen über die Gemeinschaftsaufgabe ‚Agrarstruktur und Küstenschutz‘ zur Verfügung zu stellen.

Seit vergangener Woche können hochwasser- und regengeschädigte Landwirte Investitions- und Liquiditätshilfedarlehen der Landwirtschaftlichen Rentenbank erhalten. Der Zinssatz beträgt zum Beispiel für Kredite mit vierjähriger Laufzeit 4,4 Prozent nominal. DBV- Präsident Gerd Sonnleitner hat Bundesfinanzminister Eichel und Bundeslandwirtschaftsministerin Künast dringend darum gebeten, auch für Kredite an Landwirte einen Zinszuschuss zu gewähren. Für gewerbliche Unternehmen und Freiberufler hatte das Bundeskabinett am vergangenen Mittwoch einen einprozentigen Zinszuschuß aus Bundesmitteln gewährt. Der DBV erwartet darüber hinaus, dass Bund und Länder bei Bedarf den Betrieben im Einzelfall auch mit Bürgschaften zur Seite stehen.

Die EU-Kommission hat inzwischen der Nutzung von Stilllegungsflächen zur Viehfütterung in 25 betroffenen Landkreisen in den Bundesländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen unter bestimmten Bedingungen ermöglicht. Noch nicht entschieden hat die EU-Kommission über die vom DBV geforderte Anpassung der Interventionskriterien für Getreide. Beim ebenfalls vom DBV geforderten Vorziehen der EU-Flächenzahlungen zur Liquiditätssicherung der Betriebe fordert der DBV von EU, Bund und Ländern ein flexibles Vorgehen. Sollen die EU-Ausgleichszahlungen noch vor dem 15. Oktober und damit im laufenden Haushaltsjahr 2002 ausgezahlt werden, ist unter Umständen eine entsprechende Korrektur des EU-Haushaltsplanes und eine Vorfinanzierung durch Bund und Länder erforderlich.

Das Bundesfinanzministerium hat am letzten Freitag einen Rahmenkatalog von Steuererleichterungen vorgestellt, den die betroffenen Bundesländer nutzen können. Dazu gehören vor allem Steuerstundungen, Herabsetzung von Vorauszahlungen, Sonderabschreibungen beim Wiederaufbau von Gebäuden und Ersatz von Maschinen sowie die Bildung von Rücklagen. Aufwendungen für die Beseitigung von Schäden an Gebäuden und am Grund und Boden können ohne nähere Nachprüfung als sofort abzugsfähiger Erhaltungsaufwand behandelt werden, wenn sie den Betrag von 45.000 Euro nicht übersteigen.

Bei betroffenen Land- und Forstwirten, deren Gewinn nach Durchschnittsteuersätzen (§ 13 a EStG) ermittelt wird, ist ein Steuernachlaß möglich. Ermöglicht wurden auch ermäßigte Steuersätze für die sogenannte Kalamitätsnutzung von Holz sowie der sofortige Abzug der Aufwendungen für den Wiederaufbau zerstörter Obstbaumbestände. Aufwendungen für existenziell notwendige Gegenstände (Wohnung, Hausrat, Kleidung) können als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Bei Arbeitnehmern ist auch die Eintragung eines Freibetrags auf der Lohnsteuerkarte möglich.

Die Rückerstattung der Agrardieselsteuer für 2001 soll nach Zusage der Finanzverwaltung beschleunigt bearbeitet und zu einem möglichst frühen Zeitpunkt ausgezahlt werden. In den neuen Bundesländern sollen die Pachtzahlungen für BVVG-Flächen zeitlich gestreckt werden.

Links zum Thema Hochwasser.

Hochwasser: Hinweise für landwirtschaftliche Unternehmen zur Schadensabwehr

Themen: Archiv — info @ 12:08

Schwerin (agrar.de) – Im Hinblick auf das zu erwartende Hochwasser in einigen Teilen des Landkreises Ludwigslust, weist das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern Landwirtschaftbetriebe auf Besonderheiten bei den notwendigen Maßnahmen zur Schadensabwehr hin.

Beachtet werden sollten:

1) Verbringen von Tieren auf absolut nicht hochwassergefährdete Flächen:

Bei der Umsetzung oder Evakuierung von Tieren und einer Unterbringung von Tieren verschiedener Betriebe auf der gleichen Fläche oder im selben Stall muss auf den Gesundheitsstatus beider Herden geachtet werden, d.h. beide Herden müssen den selben Gesundheitsstatus aufweisen, um zusammen untergebracht werden zu können, ansonsten verliert die Herde mit dem höheren Status ihren Status. Deshalb sollte das Verbringen von Tieren immer in Abstimmung mit dem Veterinäramt erfolgen.

Die Flächen bzw. die neuen Standorte zur Unterbringung der Tiere müssen als absolut hochwasserfrei eingeschätzt werden, um nicht Gefahr zu laufen, dass eine zweite Evakuierung erforderlich wird. Auch sollte die Zugänglichkeit zu den Flächen auch bei hohen Wasserständen gegeben bleiben.

2) Sicherung von Pflanzenschutzmittelvorräten:

Pflanzenschutzmittel sind teure Betriebsmittel, die umweltgefährlich sind, wenn sie nicht ordnungsgemäß angewendet werden. Deshalb ist das Mögliche zu unternehmen, damit PSM Bestände nicht durch Hochwasser geschädigt und das Elbewasser nicht durch PSM verunreinigt wird. Es ist deshalb erforderlich, dass die Betriebe sicherstellen, dass ihre PSM Bestände sicher vor Hochwasser gelagert werden oder bei einer nicht auszuschließenden Gefährdung diese an nicht hochwassergefährdete Standorte verbracht werden.

3) Sicherung von Düngemittelvorräten:

Das zu Pflanzenschutzmitteln dargelegte gilt vergleichsweise auch für Düngemittel, insbesondere in hoch konzentrierter Form.

4) Sicherung der Futtervorräte:

Soweit es möglich und leistbar ist, ist auch die Sicherung von Futtermitteln geboten. Auch hier muss bei einer Umlagerung der neue Lagerplatz unbedingt Hochwasserfrei bleiben.

5) Vorsorge vor möglichen Stromausfällen:

Da nicht auszuschließen ist, dass auch in nicht direkt vom Hochwasser betroffenen Gebieten Stromausfälle eintreten können, ist es erforderlich bei einer notwendigen Stromversorgung für den Betrieb, z.B. zeitweilig zum Melken, Milchkühlung, Stallbelüftung, Vorsorge zu treffen.

6) Sicherung wichtiger Betriebsunterlagen:

Für die landwirtschaftliche Betriebsführung sind Aufzeichnungen und Dokumente von zunehmender Bedeutung. Deshalb ist bei einer Bedrohung von einzelnen Betriebsgebäuden die rechtzeitige Sicherung der dort vorhandenen Unterlagen und Daten notwendig.

7) Sicherung der Technik und anderer mobiler Betriebsmittel:

Alle geltenden Vorschriften zum Umgang oben genannter Stoffe sind selbstverständlich einzuhalten.

Bei Problemen und Schwierigkeiten, die nicht über Nachbarschafts- und zwischenbetriebliche Hilfeleistung gelöst werden können, wenden Sie sich unbedingt an das zuständige Katastrophenschutzzentrum des Kreises. Weder das Amt für Landwirtschaft noch das LM können direkt in irgendeiner Form Hilfestellung geben. Erforderliche Hilfen werden über das Katastrophenzentrum des Kreises und den Krisenstab der Landesregierung organisiert.

Links zumn Thema Hochwasser.

Backhaus: Vieh aus potenziellen Überschwemmungsgebieten sofort in Sicherheit bringen“

Themen: Archiv — info @ 11:08

Schwerin (agrar.de) – Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus appelliert eindringlich an die Landwirte in den von Überschwemmung bedrohten Gebieten, sofort damit zu beginnen, ihr Vieh in Sicherheit zu bringen. ‚Wenn die Flut erst einmal da ist, bleibt dafür keine Zeit mehr. Dann steht die Evakuierung der Menschen an erster Stelle. Es darf nicht sein, dass wir den zeitlichen Vorteil verspielen‘, so der Minister.

Nach Angaben des kreislichen Krisenstabes gibt es in dem potenziellen Überflutungsgebiet 344 Tierhalter. Davon sind 80 Prozent Kleinstbetriebe. 90 Prozent der betroffenen Tiere stehen aber in den großen Unternehmen. Potenzielle gefährdet sind 14.660 Rinder, 16.785 Schweine, 5.369 Schafe und 463 Pferde.

Bereits am Wochenende haben Mitarbeiter des Landwirtschaftsministerium und der Ämter für Landwirtschaft Wittenburg und Parchim Kontakt zu den betroffenen Tierhaltern aufgenommen. Es wurden Listen mit Transportkapazitäten erarbeitet, ebenso eine Übersicht über Betriebe erstellt, die Vieh aufnehmen können. Die Koordinierung der Evakuierungsmaßnahmen erfolgt über den verantwortlichen Veterinär des Landkreises Ludwiglust. Darüber hinaus wurde mit Schlachthöfen gesprochen, die nun vorzugsweise Mastschweine aus den von der Flut bedrohten Gebieten zur Schlachtung annehmen.

‚Die Hilfsbereitschaft ist groß. Das Landgestüt in Redefin wird Pferde aufnehmen, ebenso das Gestüt in Ganschow. Dennoch bitte ich alle Betriebe, die noch Unterbringungsmöglichkeiten haben, diese zu melden. Als Ansprechpartner dafür dienen die Ämter für Landwirtschaft. Diese werden die Kapazitäten dem Krisenstab melden‘, erklärt der Landwirtschaftsminister.

Das Landwirtschaftsministerium weist gleichzeitig auf ein Merkblatt hin, das Landwirtschaftsbetriebe auf notwendige Maßnahmen zur Schadenabwehr hinweist. Dazu zählen auch Hinweise für die Lagerung von Pflanzenschutzmitteln, Düngemittel und Kraftstoffen. (unsere Meldung)

Geflügelhaltende Betriebe sollten unbedingt ihre Notstromaggregate überprüfen. Wenn es zu Stromausfällen kommt, fällt auch die Be- und Entlüftung aus. Das kann für diese Betriebe, ebenso für Unternehmen mit großen Kühlhäusern zu großen Schaden führen.

‚Ich denke, es ist im Interesse jedes einzelnen Landwirte, jedes Bürgers mögliche Schäden abzuwehren. Noch sind wir dazu in der Lage. Aber diese verbleibende Zeit gilt es intensiv zu nutzen‘, fordert Landwirtschafsminister Dr. Till Backhaus.

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Stächele: Eindämmung des Landschaftsverbrauchs ist Zukunftsthema

Themen: Archiv — info @ 09:08

Modellvorhaben MELAP findet große Resonanz

Stuttgart (agrar.de) – ‚Wir wussten aus Vorgesprächen, dass wir mit unserem Modellvorhaben zum Landschaftsverbrauch auf großes Interesse bei den Gemeinden stoßen würden. Aber diese Antragsflut hat uns dann doch überwältigt‘, erklärte der Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Willi Stächele, heute in Stuttgart anlässlich einer ersten Zwischenbilanz zum Modellprojekt zur Eindämmung des Landschaftsverbrauchs durch Aktivierung des innerörtlichen Potenzials (MELAP). Anträge für fast 200 Orte sind von den Gemeinden gestellt worden. ‚Dies sind weit mehr als bei der Ausschreibung im Februar erwartet worden war‘, so Stächele hocherfreut. Die großartige Resonanz zeige, dass dieses Modellvorhaben genau den richtigen Punkt getroffen habe.

‚Gerade der Landschaftsverbrauch und der umsichtige sowie sparsame Umgang mit dem nicht vermehrbaren Gut Boden beschäftigt die Kommunen vor Ort. Hier wollen wir ihnen helfen Lösungen zu finden‘, betonte Minister Stächele und fügte hinzu: ‚das ist ein Zukunftsthema.‘ Der Flächenverbrauch in Baden-Württemberg sei hoch. Pro Tag würden mehr als elf Hektar Land für Verkehrs- und Siedlungsmaßnahmen verbraucht. ‚Diesem Trend muss im Sinne der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Strukturentwicklung des Ländlichen Raumes entgegenwirkt werden,‘ so Stächele.

Ziel von MELAP sei es, den Landschaftsverbrauch im Außenbereich einzudämmen und innerörtliche Freiflächen sowie leerstehende Gebäude zu nutzen. Das Modellvorhaben soll in zwei Stufen durchgeführt werden. In einer ersten Stufe sollen zunächst Untersuchungen und Planungen erfolgen. Daraus sollen Konzeptionen entstehen mit Projekten, die von besonderer struktureller Bedeutung für den jeweiligen Ort sind und eine gute Realisierungschance haben. Diese können mit einem Zuschuss von bis zu 80 Prozent gefördert werden. Etwa 40 von den 200 eingereichten Anträgen sollen zunächst für diese erste Stufe ausgewählt werden. In der zweiten Stufe ist dann vorgesehen, von den 40 geförderten Anträgen der ersten Stufe die Umsetzung der zehn besten Konzeptionen zu fördern. Minister Stächele geht davon aus, dass die Auswahl von zirka 40 Anträgen, die für eine Förderung in Frage kommen, angesichts der überwältigenden Resonanz der Kommunen nicht einfach wird. ‚Die Verbände, die das Projekt mittragen werden uns dabei tatkräftig unterstützen‘, so Stächele.

Das Modellprojekt wird vom Gemeindetag, vom Städtetag und vom Landkreistag Baden-Württemberg sowie vom Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V., der Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Bauernverbände, der Architektenkammer Baden-Württemberg und der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft e.V. unterstützt. Die Ausschreibung erfolgte im Rahmen des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR).

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Flutkatastrophe: Schutzfunktion des Waldes nicht vernachlässigen

Themen: Archiv — info @ 09:08

Berlin (agrar.de) – ‚Die Schutzfunktion der Wälder darf von der Politik nicht verkannt und vernachlässigt werden‘, appellierte der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), Michael Prinz zu Salm-Salm, in Anbetracht der herrschenden Hochwasserkatastrophen an die Politik.

Neben der Nutz- und Erholungsfunktion ist die Schutzfunktion die wichtigste Aufgabe der Wälder in Deutschland. Ein Drittel der bundesdeutschen Landesfläche, ca. 10,8 Millionen Hektar, ist mit Wald bedeckt. Der Wald schützt den Boden vor Erosion, filtert die Luft und entzieht ihr schädliche Treibhausgase durch Einlagerung con CO2 in Form von Kohlenstoff im Holz. Ganz entscheidende Aufgaben erfüllt der Waldboden darüber hinaus durch die Rückhaltung und Filterung von Wasser, das später als Grundwasser wieder.

Dem Trinkwasser zugeführt werden kann. Waldboden funktioniert wie eine Art Schwamm, der das Wasser lange Zeit speichern kann und nach und nach wieder abgibt. Für sein Wachstum ist der Wald zudem auf ausreichend Wasser angewiesen. „Deshalb ist es wichtig, dass für unsere Wälder, ihre Pflege und Bewirtschaftung verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Nur wirtschaftlich gesunde Forstbetriebe bieten die Gewähr für einen stabilen und gesunden Wald“, so Prinz Salm.

Nach Ansicht der AGDW ist es deshalb falsch, den bürokratischen Druck auf die Forstbetriebe durch immer mehr Vorschriften seitens der Umwelt- und Naturschutzpolitik zu erhöhen. Vielmehr sollte durch eine massive Deregulierung und Entlastung der Waldflächen von Steuern und Abgaben ein Motivationsanreiz für eine nachhaltige Bewirtschaftung geschaffen werden.

Die Waldbesitzer sind sich ihrer Verantwortung für den Wald bewusst. Die Zunahme der Waldflächen in Deutschland seit 1950 um 500.000 ha und eine freiwillige Zertifizierung der Waldbewirtschaftung auf mittlerweile über 53 Prozent der Fläche – Tendenz steigend – belegen dies. Nur müssen für die Waldbesitzer bei Investitionszeiträumen von 100 und mehr Jahren verlässliche Rahmenbedingungen bestehen. ‚Eine Ökologisierung der Forstpolitik, wie sie derzeit zu beobachten ist, wird dem Wald nicht helfen. Folge wird vielmehr sein, dass insbesondere die vielen kleinen Waldbesitzer ihr Interesse am Wald verlieren werden‘, schloss Prinz Salm seine Ausführungen.

Links zum Thema Wald und Forst, Links zum Thema Hochwasser.

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