24. Juli 2002

Nitrofen: Abschlagszahlungen an betroffene Bauern

Themen: Archiv,Nitrofen — info @ 10:07

Münster (agrar.de) – Landwirte, die nitrofenhaltiges Futter von der GS agri Handelsgenossenschaft in Schneiderkrug bezogen haben, erhalten von deren Versicherung in diesen Tagen die ersten Abschlagszahlungen für entstandene Schäden.

Nach Mitteilung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), auf dessen gemeinsame Initiative mit dem Öko-Anbauverband Naturland die Gründung der ‚Interessengemeinschaft nitrofengeschädigter Landwirte‘ zurückgeht, zahlt der Haftpflichtversicherer des Futtermittelwerkes 40 Prozent der von unabhängigen Sachverständigen vorläufig ermittelten Schäden. Wie der WLV weiter mitteilt, ist die Höhe des entstandenen Gesamtschadens frühestens Ende August bekannt, wenn alle Gutachten der Sachverständigen vorliegen. Die finanziellen Schäden entstanden in erster Linie aufgrund eines Vermarktungsverbotes für Tiere und Erzeugnisse sowie durch tage- bis wochenlangen Produktionsausfall.

Nach Angaben der Münsteraner Anwälte Hubertus Schmitte und Thomas Hemmelgarn, die allein 28 von insgesamt etwa 60 geschädigten Landwirten vertreten, dürfte bei ihren Mandanten insgesamt ein Schaden von weit über 1 Mio. Euro auszugleichen sein. Die Anwälte sind zuversichtlich, dass der gesamte entstandene Schaden einvernehmlich beglichen wird.

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Müller: Carstensen sollte Kinderernährung ernster nehmen

Themen: Archiv — info @ 10:07

Berlin (agrar.de) – Der Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, Alexander Müller, wies heute Behauptungen des MdB Peter-Harry Carstensen zurück, wonach die Fehlernährung von Kindern zur Zeit kein ernsthaftes Problem für die Politik sei.

Müller bekräftigte: ‚Insgesamt ist die Nährstoffversorgung der Kinder in Deutschland gut. Dennoch erwächst Fehlernährung zu einem massiven Problem, nicht nur bei Kindern aus Randgruppen mit einer unausgewogenen Nährstoffbilanz. In den letzten 15 Jahren hat sich die Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen mehr als verdoppelt. Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche sind heute übergewichtig. Gründe: zu hohe Kalorienzufuhr, Bewegungsmangel, falsche Ernährung. Die Kinder nehmen zu viel Fleisch, fettreiche Wurst, fettreiche Milcherzeugnisse, Süßigkeiten und Gebäck zu sich. Wer den Zusammenhang zwischen Werbung und Kinderernährung ausblendet, verkennt einen wichtigen Problembereich.‘

Das Verbraucherministerium setzt sich seit länerem mit eigenen Aktionen für eine Verbesserung der Kinderernährung und Ernährungserziehung ein. Zusammen mit Trägern der Ernährungsaufklärung führt das Ministerium die Kampagne FIT KID: die Gesundessen-Aktion in Kitas durch. Sie umfasst

– 80 Beratungsveranstaltungen für Mitarbeiterinnen von Kitas zum Thema ‚Ausgewogene Ernährung‘, – 200 Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Sinnesschulungen für Kinder, – zahlreiche Veranstaltungen Puppentheater – sowie den Wettbewerb ‚Unsere kunterbunte Kinderküche‘.

Außerdem wird Schulen die Wanderausstellungen ‚Vollwertig essen und trinken‘ kostenlos zur Verfügung gestellt, der Wettbewerb ‚Fruit for You(ngsters)‘, gibt Kindern und Jugendlichen Gelegenheit, die Vorteile von Obst und Gemüse in medienwirksamen Projekten darzustellen. Modellvorhaben wie: Selbst is(s)t der Mann – Gesunde Ernährung für sozial benachteiligte Jugendliche werden aus dem Etat des Ministeriums finanziert und eine interaktive Ausstellung der Verbraucherzentralen zum Thema Kinderernährung gefördert.

Das Verbraucherministerium stellt nicht nur die Ernährungserziehung, sondern auch das Thema Kinderlebensmittel in den Fokus. Müller hierzu: ‚Wir brauchen mehr und wissenschaftlich belegtes Wissen über die aktuellen Ernährungsgewohnheiten von Kindern. Deshalb haben wir bereits die erste Verzehrsstudie für 0 – 6-Jährige auf den Weg gebracht, mit der Mengen, Gewohnheiten, aber auch die detaillierte Aufnahme von einzelnen Inhaltsstoffen wissenschaftlich erforscht werden. Die Ergebnisse müssen Basis sein für eine internationale Neubestimmung erlaubter Inhaltstoffe. Im übrigen ist der Ernährungsbericht 2000 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung eine gute Grundlage, um die Diskussion auch in Wahlkampfzeiten sachbezogen zu führen.‘

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Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung auf die Landwirtschaft

Themen: Archiv — info @ 09:07

Bonn (agrar.de) – Dass das Ruhestandsalter von heute real rd. 60 Jahren bis zum Jahr 2018 kontinuierlich auf 65, bis zum Jahr 2036 gar auf 70 und schließlich bis zum Jahr 2074 auf 73 Jahre angehoben werden muß, damit der Rentenbeitragssatz nicht über Gebühr steigt, wird heute von niemanden mehr bestritten. Man redet nur nicht gerne darüber.

Selbst Industrie und Versicherungen lassen mittlerweile die Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung auf die Absatzmöglichkeiten ihrer Produkte untersuchen.

Um die Einwohnerzahl von rd. 82 Mio. zu halten, wäre eine Geburtenrate von rd. 2,1 Kindern je Frau nötig. Derzeit beträgt die Geburtenrate je Frau in Deutschland aber nur 1,3. Und die Prognosen sind düster. Trotz verstärkter Migration ausländischer Mitbürger und einer familienfreundlichen Politik wird die Einwohnerzahl Deutschland bereits im Jahr 2030 auf rd. 78 Mio geschrumpft sein. Im Jahr 2080 gar auf 53 Mio. Fast 47 Prozent der Bevölkerung werden bereits im Jahr 2030 älter als 60 Jahre sein.

Die Folgen für die schweinehaltenden Landwirte sind nach Einschätzung des Zentralverbandes der deutschen Schweineproduktion (ZDS) gravierend. Unterstellt man einen jährlichen Rückgang des Schweinefleischverzehrs von nur 100 Gramm/Kopf und Jahr, läßt sich der Nettobedarf an Schweinefleisch auf der Basis der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung berechnen: Er wird im Jahr 2030 nur noch 2,8 Mio Tonnen betragen. Das sind 1,7 Mio. Tonnen Schweinefleisch bzw. 18,5 Mio Schweine weniger als im Jahr 2001. Es müssten nur noch 24 Mio Schweine geschlachtet werden, um die heimische Nachfrage zu decken. Derzeit sind es rd. 45 Mio. Tiere.

Geht man weiter davon aus, dass die Betriebsschließungen in dem Ausmaß weiter gehen wie in den letzten Jahren, werden nur noch eine Hand voll Landwirte übrig bleiben, die Schweine halten. Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, wären Betriebsgrößen mit 1.100 Sauen und 10.000 Mastschweinen vorteilhaft. Weitere Expansionen wären jederzeit möglich, weil wegen der gesunkenen Tierzahlen die Flächenbindung keine Thema mehr ist (wie heute bereits in Ostdeutschland) und die Höfe nach EU-Biosiegelkriterien wirtschaften. Insgesamt wären bei diesem Szenario nur noch 900 Ferkelerzeugerbetriebe notwendig, die im Direktverkehr die noch übriggebliebenen 1.000 Mastschweinebetriebe beliefern. Aber auch nur, wenn die Nachfrage zu 100 Prozent aus heimischer Produktion gedeckt würde. Und das ist sehr unwahrscheinlich.

Zugegeben, die dargestellten Folgen für die Schweineproduktion sind rein hypothetisch. Die Prognosen der Bevölkerungsentwicklung jedoch nicht. Selbst die optimalste Familien- und Migrationspolitik kann daran nichts mehr ändern. Diese Chance wurde von der Politik schlicht verschlafen. In der Landwirtschaft darf man nicht die gleichen Fehler machen. Alle Gesetze und Verordnungen müssen zukünftig vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung auf ihre langfristigen Auswirkungen hin überprüft werden. Es müssen heute die Weichen für eine funktionierende, vielfältige bäuerliche Landwirtschaft im Jahr 2030 gestellt werden.

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23. Juli 2002

Sauberes Wasser durch Agrarreform

Themen: Archiv — info @ 16:07

Bonn (agrar.de) – Die Vorschläge von EU-Agrar-Kommissar Fischler, zukünftig die Umweltleistung der Landwirte stärker zu fördern, wird von den deutschen Wasserwerken begrüßt.

Nach wie vor sind die Nitrat- und Pflanzenschutzmitteleinträge in die Gewässer zu hoch und müssen durch teure Wasserwerkstechnik aus dem Trinkwasser entfernt werden. ‚Die bisherige landwirtschaftliche Massenproduktion ist mit dem nachhaltigen Schutz der Gewässerressourcen vielerorts nicht vereinbar. Die Konsequenz ist, dass der Bürger zweimal zahlt – für Agrarsubventionen und die erhöhte Trinkwasseraufbereitung‘, so die Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfachs (DVGW) in Bonn.

Der DVGW sieht den Gewässerschutz als Gesellschaftsaufgabe, und es gäbe vorzeigbare Projekte für eine gewässerschützende Landwirtschaft. Es sei richtig, EU-Gelder dorthin zu bringen, wo alle etwas davon haben – Landwirte und Trinkwasserkunden. Nach Einschätzung des DVGW muss der Geldhahn bei der bestehenden Überproduktion zugedreht werden und Finanzmittel dafür an messbaren Umweltleistungen gekoppelt werden. ‚Die deutschen Landwirte können hervorragende Umweltleistungen erbringen, sie sind hier EU-weit Spitze‘, so der DVGW, nur würden sie durch die bestehende EU-Agrarpolitik daran gehindert. Damit die Saat für einen besseren Gewässerschutz aufgeht, muss gerade jetzt – vor der EU-Osterweiterung umgesteuert werden, um Umweltfördergelder nach Deutschland zu holen. ‚Wenn die deutschen Landwirte beim umweltgerechten Bewirtschaften die Nase vorn haben, dann muss dafür auch EU-Geld auf die deutschen Höfe. Dies verspricht gleichzeitig weniger Einträge von den Feldern in die Gewässer.‘

Etwa 10 Milliarden Euro EU-Gelder fließen zurzeit in die rund 500.000 landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland, das sind ca. 580 Euro/Hektar oder 20.000 Euro/Betrieb und Jahr. Bereits für 50-150 Euro/Hektar, das sind bundesweit 0,9-2,6 Milliarden Euro, lassen sich fast alle Auflagen für eine gewässerverträgliche Landwirtschaft finanzieren, rechnet der DVGW vor.

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BTK-Präsident Pschorn widerruft Vorwürfe gegen Futtermittelhersteller

Themen: Archiv,Nitrofen — info @ 16:07

Bonn (agrar.de) – In der Diskussion zur Verunreinigung von Glucose-Sirup mit dem Hormon MPA (Medroxyprogesteron-Acetat) hatte der Präsident der Bundestierärztekammer (BTK), Prof. Dr. Günter Pschorn, am 17.7.2002 gegenüber dem ‚Münchner Merkur‚ erklärt, es gebe Hinweise, wonach MPA von Futtermittelherstellern gezielt als Masthilfe eingesetzt worden sei, um den Absatz von Futtermitteln zu erhöhen. Auch bei dem Nitrofen-Skandal habe es sich um eine gezielte Verabreichung illegaler Zusatzstoffe gehandelt.

Diese Aussagen haben die Futtermittelindustrie und die Produzenten schockiert. Die Bonner Staatsanwaltschaft sowie das Bundesverbraucherministerium wurden umgehend informiert, um den Hinweisen nachzugehen und ggf. Strafanzeige wegen des Verstoßes gegen § 3 Futtermittelgesetz zu stellen – zum Schutz der Verbraucher und der ordnungsgemäß wirtschaftenden Tierhalter. Bereits zwei Tage später nahm der Präsident der BTK die Vorwürfe mit dem ‚Ausdruck des Bedauerns‘ öffentlich zurück.

‚Zwei Tage zu spät‘ urteilt der Zentralverband der deutschen Schweineproduktion (ZDS). Denn inzwischen ist Prof. Pschorn mehrfach zitiert worden. Der Schaden ist angerichtet.

Die BTK ist der Dachverband von 17 Tierärztekammern und 11 freien Berufsverbänden. Ihr Wort hat Gewicht. Mit diesem Ansehen muß verantwortungsvoll umgegangen werden. Unbewiesene Vorwürfe schaden nicht nur der ungerechtfertigt in die Schlagzeilen geratenen deutschen Wirtschaft sondern auch der Bundesvertretung der deutschen Tierärzte. Wer durch unbedachte Äußerungen zur Verunsicherung der Verbraucher beiträgt, muß sich darüber bewußt sein, dass er dadurch Arbeitsplätze gefährdet. So bedeutet z.B. ein Verzehrsrückgang von 1 kg Schweinefleisch hochgerechnet rd. 1 Mio. weniger Schlachtschweine = rd. 500 Ldw. Betriebe = rd. 750 ldw. Arbeitsplätze. Grundsätzlich gilt: mit jedem landwirtschaftlichen Arbeitsplatz sind weitere 9 Arbeitsplätze aus der vor- und nachgelagerten Industrie verknüpft.

Lemke: EU-Agrarreform muss ostdeutsche Interessen wahren

Themen: Archiv — info @ 16:07

Berlin (agrar.de) – Zu dem Gespräch zwischen EU-Agrarkommissar Fischler und den Mitgliedern des Agrarausschusses des Deutschen Bundestages erklärt die Parlamentarische Geschäftsführerin von Bündnis 90/Die Grünen, Steffi Lemke:

‚Diese Reformvorschläge passen nicht für Ostdeutschland. EU-Agrarkommissar Fischler hat die besonderen Strukturen der Landwirtschaft und den angespannten Arbeitsmarkt in den Neuen Ländern übersehen. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Die von Fischler vorgeschlagenen Förderobergrenzen können so nicht umgesetzt werden, denn sie würden der Landwirtschaft im Osten Deutschlands schaden. Die Betriebsgröße allein darf kein Kriterium für die Agrarförderung sein. Vielmehr soll die Förderung generell und linear an die Arbeitsplätze gekoppelt werden. In den ländlichen Räumen Ostdeutschlands brauchen wir für Erhalt und Schaffung von Arbeitsplätzen mehr, nicht weniger Geld.

Die Betriebsstrukturen im Osten haben sich als zukunftsfähig erwiesen. Der gemeinsame Einsatz von Familien- und Fremdarbeitskräften sorgt dafür, dass der Beruf des Landwirtes attraktiv bleibt. Dies ist besonders für die Tierhaltung relevant, die in den Neuen Bundesländern in Zukunft eine größere Rolle spielen muss.

Insgesamt begrüßen wir die unerwartet weitreichende Kurskorrektur. Die Entkopplung der Direktzahlungen an die Landwirte von der Produktion haben wir seit langem gefordert. In Zukunft darf es keine Zahlungen mehr ohne verbindliche Einhaltung von Standards im Umwelt- und Tierschutz und in der Nahrungsmittelsicherheit geben. Eine weitere, von Fischler noch nicht ausreichend berücksichtigte Voraussetzung muss aber die Schaffung und die Erhaltung von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft und in ländlichen Räumen sein.

Links zum Thema Agrarpolitik, Links zum Thema EU und Landwirtschaft.

BUND unterstützt Forderung nach Positivliste für Futtermittel

Themen: Archiv — info @ 16:07

Deutschland soll Vorreiterrolle übernehmen

Berlin (agrar.de) – Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert die Ablehnung der von Agrarministerin Künast geforderten Positivliste für Futtermittelbestandteile durch den EU-Verbraucherschutzkommissar David Byrne. Byrne ginge von falschen Zahlen aus, wenn er annehme, dass eine solche Positivliste 10.000 Stoffe enthalten müsste und deshalb nicht durchgesetzt werden könne. Die in Deutschland bereits bestehende Liste umfasse gerade einmal 350 Stoffe. Sollte sich die Blockade-Haltung der EU weiter verhärten, müsse Deutschland eine Vorreiterrolle übernehmen und im Alleingang demonstrieren, wie die außer Kontrolle geratene Futtermittelindustrie in die Schranken gewiesen werden kann.

Prof. Dr. Hubert Weiger, BUND-Agrarexperte: ‚Kommissar Byrne hat dem europäischen Verbraucherschutz den Bankrott erklärt. Kühe, Schweine, Hühner oder Puten brauchen keine 10.000 Zusatzstoffe aus dem Gemischtwarenladen der Industrie, sondern möglichst natürliches Futter auf pflanzlicher Basis. Bisher sind auf EU-Ebene nur die schlimmsten Abfälle wie zum Beispiel Klärschlamm, Kot, Urin, mit Schutzmitteln behandeltes Holz oder so genanntes Risikomaterial wie Rückenmark als Futtermittelzusatz verboten. Eine sinnvolle und rigoros durchgesetzte Positivliste würde die Verbraucher besser gegen die Verunreinigung ihrer Lebensmittel schützen. Langfristig sind gesunde, umweltfreundlich produzierte und unbelastete Nahrungsmittel nur mit ökologischen Anbaumethoden, einer betriebseigenen Futterbasis und artgerechter Tierhaltung möglich.‘

Über die Positivliste hinaus fordert der BUND weitere Auflagen für die Futtermittelindustrie. Dazu gehörten scharfe Sanktionen bei Verstößen gegen das Futtermittelrecht, die lückenlose Registrierung der Futtermittelhersteller sowie Produkthaftung gegenüber geschädigten Bauern. Die Öffentlichkeit habe außerdem ein Recht darauf, sofort über Gefahren und Verstöße aufgeklärt zu werden. Ein entsprechendes Verbraucherinformationsgesetz sei vor wenigen Wochen durch die CDU/CSU-geführten Bundesländer im Bundesrat blockiert worden und liege derzeit im Vermittlungsausschuss. Weiger: ‚Die Wählerinnen und Wähler werden sich merken, wer im Bundesrat die Interessen der Verbraucher oder nur die Interessen der Industrie vertritt.‘

Links zum Thema Tierernährung, Links zum Thema Lebensmittelqualität und Kontrolle.

EU: Kommission schlägt neue Vorschriften für die Überwachung von Lebensmitteln tierischen Ursprungs vor

Themen: Archiv — info @ 16:07

Brüssel (agrar.de) – Die amtliche Überwachung der Hygiene von Lebensmitteln tierischen Ursprungs soll durch einen von der Europäischen Kommission angenommenen Vorschlag neu geregelt werden. Es handelt sich um einen von fünf Vorschlägen des sogenannten ‚Hygienepakets‘, das zu den im Aktionsplan des Weißbuchs zur Lebensmittelsicherheit aufgeführten Maßnahmen zählt. Der Vorschlag sieht überarbeitete Bestimmungen über die amtliche Überwachung von frischem Fleisch, lebenden Muscheln sowie von Milch und Milcherzeugnissen vor. Hauptzweck des Vorschlags ist die Gewährleistung eines hohen Maßes an Verbraucherschutz durch bessere Garantien für die Sicherheit von Erzeugnissen tierischen Ursprungs.

Bezüglich Fleisch sieht der Vorschlag Folgendes vor:

a) er trägt den jüngsten Gutachten des Wissenschaftlichen Ausschusses „Veterinärmedizinische Maßnahmen im Zusammenhang mit der öffentlichen Gesundheit“ Rechnung, indem er für die Fleischuntersuchung einen wissenschaftsbasierten Ansatz einführt;

b) er führt einen risikobasierten Ansatz in die Fleischuntersuchung ein, um den Verbraucher vor allen Gefährdungen im Zusammenhang mit dem Verzehr von Fleisch zu schützen;

c) er führt das Konzept ‚vom Erzeuger zum Verbraucher‘ in das Fleischuntersuchungssystem ein und sorgt damit für einen kontinuierlichen Informationsfluss zwischen der Primärproduktion und dem Schlachthof;

d) er zieht einen klaren Trennstrich zwischen der Verantwortung des Schlachthofbetreibers und derjenigen der zuständigen Behörden;

e) er bringt die Vorschriften über die Fleischuntersuchung in Übereinstimmung mit den geplanten EU-Bestimmungen im Bereich der Hygiene, der Zoonosen und der amtlichen Futter- und Lebensmittelüberwachung.

Im Hinblick auf lebende Muscheln macht der Vorschlag deutlich, was die zuständige Behörde zur Gewährleistung der Sicherheit tun muss. Hierzu zählt die Einrichtung eines Überwachungsprogramms für die Erntegebiete zwecks Prüfung der mikrobiologischen Qualität lebender Muscheln, des Vorhandenseins toxinerzeugenden Planktons und des Vorhandenseins chemischer Kontaminationen.

Bezüglich Milch und Milchprodukten soll mit dem Vorschlag sichergestellt werden, dass für den Fall, dass Rohmilch nicht dem geforderten Hygienestandard entspricht, Abhilfemaßnahmen auf Betriebsebene ergriffen werden, und dass Milch, die möglicherweise die menschliche Gesundheit gefährdet, nicht zum Verzehr ausgeliefert werden darf.

Hintergrund

Das ‚Hygienepaket‘ soll die derzeit über 17 Richtlinien verstreuten, eingehenden und komplexen Hygienebestimmungen bündeln, harmonisieren und gleichzeitig vereinfachen.

Ziel ist die Schaffung einer einheitlichen und transparenten Hygienepolitik, die für sämtliche Lebensmittel und für sämtliche Lebensmittelunternehmen gilt und effektive Instrumente zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit wie auch zur Bewältigung potenzieller künftiger Lebensmittelkrisen über die gesamte Lebensmittelherstellungskette hinweg bereitstellt.

Die neuen Hygienebestimmungen stützen sich auf drei Grundprinzipien:

die Einführung des Grundsatzes ‚vom Erzeuger zum Verbraucher‘ in die Hygienepolitik, um eine systematische und umfassende Hygieneregelung für sämtliche Lebensmittel in allen Sektoren zu schaffen, die die derzeitigen sektorspezifischen und verstreuten Vorschriften ersetzt;

die Lebensmittelerzeuger sollen die Hauptverantwortung für die Sicherheit der Lebensmittel übernehmen, und zwar im Wege von Programmen für die Eigenprüfung und für moderne Verfahren zur Gefährdungskontrolle;

sämtliche Lebensmittelunternehmen sollen registriert werden. Damit wird es den Überwachungsbehörden ermöglicht, ihre Tätigkeiten besser zu organisieren und risikobasierte Überwachungssysteme zu entwickeln und zu betreiben.

Die Hygienevorschläge werden im Mitentscheidungsverfahren verabschiedet. Wenn die geplanten Verordnungen vom Europäischen Parlament und vom Rat erlassen sind, werden sie die Richtlinie über die Lebensmittelhygiene (93/43) und die sechzehn produktspezifischen Richtlinien des Rates ersetzen.

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Backhaus: Vorschläge der EU-Kommission zielen auf Zerschlagung wettbewerbsfähiger Agrarstrukturen und auf Vernichtung von Arbeitsplätzen“

Themen: Archiv — info @ 14:07

Schwerin (agrar.de) – Die EU-Kommission begehe einen Vertrauensbruch gegenüber den Landwirten, wenn sie die Grundlage der Förderung, wie sie in der Agenda 2000 bis zum Jahr 2006 beschlossen wurde, vorzeitig ändert, so die Auffassung des Landwirtschaftsministers Mecklenburg-Vorpommerns, Dr. Till Backhaus ‚Ich unterstütze den EU-Kommissar Franz Fischler in seiner Forderung nach einem Ausbau des Verbraucherschutzes und des Umweltschutzes, nach der Sicherung von Arbeitsplätzen und einem Abbau der Überproduktion. Aber diese Ziele sind mit den in der Halbzeitbewertung der Agenda 2000 dargelegten Vorschlägen nicht zu erreichen. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass die EU-Kommission einerseits perspektivisch wettbewerbsfähige Betriebe fordert, die zu Weltmarktpreisen produzieren sollen und andererseits die ostdeutschen Agrarstrukturen mit den großen Betrieben, die am ehesten diese Anforderungen erfüllen könne, mit ihrer Agrarpolitik zerschlägt. Dabei handelt es sich keineswegs um ‚postkommunistische‘ Strukturen wie Franz Fischler demagogisch ins Feld führt. Die großflächigen Strukturen sind in Mecklenburg-Vorpommern historisch entstanden und zwar lange bevor es die DDR gab. Die Unternehmensformen sind dem gängigen europäischen Recht angepasst. Für diese Betriebe muss es Chancengleichheit geben‘, fordert der Landwirtschaftsminister.

Große Betriebe garantierten zudem mehr Verbraucherschutz und auch mehr Tierschutz. Große Betriebe seien einfacher kontrollierbar. Dies gelte auch im Rahmen der Zertifizierung. In den großen Betrieben ist die Milchviehhaltung (über 90 Prozent anbindefrei) oft tiergerechter als in den kleinen Betrieben. So werden in Süddeutschland weniger als 50 Prozent der Milchkühe anbindefrei gehalten. Auch der Grad der Qualifikation und des Ausbildungsstandes ist in den großen Betrieben höher. ‚Ich vermute deshalb hinter den Vorschlägen von Franz Fischler rein ideologisch Gründe. Fachlich gesehen sind sie für mich nicht haltbar‘, so Backhaus.

Der Landwirtschaftsminister spricht sich deshalb eindeutig gegen die Einführung einer Kappungsgrenze bei 300.000 Euro je Antragsteller aus. Von dieser Kappungsgrenze würden fast ausschließlich die ostdeutschen Betriebe betroffen sein. Diese betroffenen Betriebe würden im Durchschnitt 195.000 Euro pro Jahr und damit in vielen Fällen ihre Existenzgrundlage verlieren. Das sind insgesamt in Mecklenburg-Vorpommern jährlich 74 Mio. Euro. ‚Daran hängen Arbeitsplätze. In Mecklenburg-Vorpommern wären immerhin fast 5.000 Arbeitsplätze und somit fast jeder 5. Arbeitsplatz in der Landwirtschaft gefährdet. Eine solche Politik kann ich nicht mittragen‘, erklärt Landwirtschaftsminister Backhaus. Er habe sich in einem ausführlichen Brief an den Bundeskanzler gewandt und ihn um Unterstützung gebeten.

‚Ich kann mir nicht vorstellen, dass Deutschland die Vorschläge der EU-Kommission mitträgt, da sich dadurch die Nettozahlerposition Deutschlands weiter verschlechtert.‘

Landwirtschaftsminister Dr. Backhaus kündigte an, eigene, mit den anderen ostdeutschen Bundesländern abgestimmte Vorschläge zu unterbreiten. Dabei nehme z.B. eine niedrigerer Viehbesatzschlüssel eine wichtige Stellung ein. ‚Dadurch würde man die Umwelt entlasten, den Tierschutz verstärken und gleichzeitig die Fleischproduktion reduzieren. Eine zentrale Frage ist für mich auch die Vergütung von Arbeit in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum. Das muss im Mittelpunkt.

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Erzeugerpreise im Juni 2002 um 1,1 % niedriger als im Vorjahr

Themen: Archiv — info @ 13:07

Wiesbaden (agrar.de) – Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, lag der Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im Juni 2002 um 1,1 Prozent niedriger als im Juni 2001. Einen stärkeren Preisrückgang im Jahresvergleich hatte es zuletzt im Juni 1999 (– 1,5 Prozent) gegeben. Im Mai 2002 hatte die Jahresveränderungsrate – 0,9 Prozent betragen. Im Vergleich zum Vormonat ist der Index im Juni 2002 um 0,1 Prozent gesunken.

Der Preisrückgang wurde – wie schon in den vergangenen Monaten – vor allem von dem Preisrückgang bei Energie (– 5,9 Prozent gegenüber Juni 2001) und bei Vorleistungsgütern (– 0,7 Prozent) beeinflusst, während Erzeugnisse höherer Verarbeitungsstufen im Durchschnitt teurer waren als im Vorjahr: Investitionsgüter + 1,3 Prozent, Konsumgüter + 0,4 Prozent.

Die Preise für fast alle Energieträger lagen im Juni 2002 zum Teil deutlich unter dem Niveau des Vorjahres:

Heizöl war um 15,7 Prozent billiger als im Juni 2001 (darunter leichtes Heizöl – 18,2 Prozent). Die Preise für Benzin ermäßigten sich in diesem Zeitraum um 2,4 Prozent und für Diesel um 2,8 Prozent. Bei Erdgas betrug der Preisrückgang 13,9 Prozent und bei Flüssiggas 20,1 Prozent. Elektrischer Strom war im Juni 2002 geringfügig teurer als im Vorjahr (+ 0,7 Prozent), ebenso Fernwärme (+ 2,3 Prozent). Ohne Energie war der Index der Erzeugerpreise im Juni 2002 um 0,2 Prozent höher als im Vorjahr.

Preiserhöhungen wurden im Juni 2002 gegenüber dem Vorjahresmonat unter anderem bei folgenden Gütern festgestellt: Fischerzeugnisse (+ 13,8 Prozent), raffinierte Pflanzenöle (+ 12,5 Prozent), Tabakerzeugnisse (+ 8,2 Prozent), Rindfleisch (+ 6,1 Prozent) sowie Teigwaren (+ 3,6 Prozent).

Billiger als vor Jahresfrist waren im Juni 2002 unter anderem: Schweinefleisch (– 12,0 Prozent), Butter (– 9,5 Prozent), Düngemittel und Stickstoffverbindungen (– 7,9 Prozent), Wurstwaren (– 4,5 Prozent) sowie Röstkaffee (– 3,5 Prozent).

Links zum Thema Agrarbericht und Statistik.

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